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University of Toronto
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GERMANISCHE BIBLIOTHEK
HERAUSGEGEBEN VON
WILHELM STREITBERG
DRITTE ABTEILUNG
KRITISCHE
AUSGABEN ALTDEUTSCHER TEXTE
HERAUSGEGEBEN VON
C. VON KRAUS UND K. ZWIERZINA
ZWEITER BAND
DER WIENER OSWALD
HERAUSGEGEBEN
VON
GEORG BAESECKE
<3?&=
HEIDELBERG 1912
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG
Der Wiener Oswald
HERAUSGEGEBEN
VON
GEORG BAESECKE
509497
J^. 7. so
HEIDELBERG 1912
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG
Verlags -Nr. 758.
Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen,
werden vorbehalten.
Prmfed in Germanv-
Den
Berliner germanistischen Kollegen
in dankbarer Gesinnung.
VII
Vorwort
Für diese erste Ausgabe des 'Wiener Oswald' standen folgende
Vorarbeiten zur Verfügung.
Der Abdruck der Wiener Handschrift von Fr. Pfeiffer, ZfdA.
2 (lS4ä) 9'2 — 130, später ergänzt durch (unvollständige) Lesarten
der Olmfltzer von Bartsch, AfKddV. 1861, S. 361, der auch das
Verwandtschaftsverhältnis der beiden Handschriften richtig erkannt
hat; vgl. Feifalik, Notizenblatt der historisch-statistischen Sektion
zu Brunn 1857, S. 56.
Über das Alter der Dichtung und ihre Stellung zum Münchener
Oswald schreibt Zingerle (Die Oswaldlegende und ihre Beziehung
zur deutschen Mythologie, Stuttgart-München 1856, S. 38), daß er
sie für jünger halte, und er scheint sich Wackernagel anzuschheßen,
der sie ins 15. Jahrhundert setzt. Zur Begründung führt er nur
das Fehlen des 'schlichten innigen Volkstons' und der 'ernsten
Haltung' an.
Bartsch knüpft, Germania 5 (1860) 154 ff., an eine Äußerung
Pfeiffers (Germ. -2 [1857] 49.5) an, wonach das 'jüngere Gedicht' nicht
in dem Sinne wie der Reinhart Fuchs, Wernhers Maria, die jüngere
Rezension der Kaiserchronik oder des Strickers Karl Überarbeitung
eines älteren Gedichts genannt werden könnte, sondern eine durch-
aus freie, vermutlich auf einer lateinischen Prosa beruhende Be-
handlung der alten Legende wäre. Nur dies Letzte lehnt er ab.
Freilich, was Bartschs eigentliche Meinung ist, daraus wird man
nicht klug: nach S. 156 liegt dem Wiener Oswald ein nieder-
rheinisches Gedicht des 13. Jahrhunderts zugrunde, das dann ein
Oberdeutscher des 15. zu dem Erhaltenen umschuf; trotzdem er
die Pfeiffersche Meinung ausdrücklich übernommen, denkt Bartsch
hier doch an eine Reimbearbeitung. S. 163 wird aus dem Gedicht
des 13. Jahrhunderts doch noch eins des 12., und jedenfalls ist der
Wiener Oswald älter als der Münchener; nach S. 16!) sind sie
unabhängige Bearbeitungen derselben mündlichen Tradition,
nach S. 173 ist es 'nicht unmöglich', daß sie aus derselben schrift-
lichen Quelle entstammen, denn inzwischen hat auch der Münchener
Oswald zusammen mit der Prosalegende eine niederrheinische Vor-
stufe des 1-2. Jahrhunderts zugesprochen erhalten. So ist die erste
VIII Vorwort.
zusammenfassende Behandlung der Oswaldgedichte nur die Vorstufe
eines Konzepts.
Edzardi, Untersuchungen über das Gedicht von St. Oswald^
Leipzig 1876, setzt S. 18 ff. das Wiener Gedicht ins 14. oder 15.
Jahrhundert und läßt es die Umarbeitung niederrheinischer Morolf-
strophen des 13. sein, von denen er auch eine Reihe konstruiert.
Alle drei Oswaldfassungen gehen auf ein niederrheinisches Gedicht
des V2. Jahrhunderts zurück.
Roediger lehnt, AfdA. 2 (1876) 250ff., Edzardis Arbeit ab,
besonders die Strophenkonstruktionen. Er sucht die Dichtung als
alemannisch, vielleicht elsässisch zu erweisen und charakterisiert sie
als Werk eines Spielmanns, fünfzehnten Jahrhunderts.
Berger, PBB. 11 (1886) 365 ff., läfst den Wiener Oswald
ca. 1170 — 80 am Niederrhein (oder in Alemannien) entstanden sein.
Aus dem Spielmann, den man zuvor annahm, wird ein fahrender
Kleriker, der die drastischen Wirkungen und plumpen Spaße
verschmäht, ein kunstverlassener Philister. Sein Gedicht ist aus dem
Gedächtnis geschrieben. Daneben gab es zwei andre selbständige
Fassungen, die Vorstufen des Münchener Oswald und der Prosalegende.
Aber vielleicht hatte der Verfasser des Wiener Oswald den Münchener
vortragen hören und daraus einige Reminiszenzen beibehalten. Dann
fiele diese gemeinsame Vorstufe schon in die Jahre von 1150 — 70.
Berger Aveist auch auf die Entlehnungen aus Orendel, Morolf, Tun-
dalus, Brandan hin. Und in seiner Orendelausgabe (Bonn 1888) be-
nutzt er den Wiener Oswald zur Datierung (S. LXI).
Dagegen wendet sich Vogt. ZfdPh. 22 (1890) 478 ff.: aus
Sprache (und Alhterationen) ist der Beweis nicht erbracht, daß das
Gedicht dem 12. Jahrhundert angehört: es gehört dem 14. und
Alemannien an (Pauls Grundriß- IL 231: Mitteldeutschland), eine
Vorstufe ist nicht zu erkennen, wohl aber Interpolationen.
Inzwischen war die Dissertation von S. Schnitze, Die Ent-
wicklung der deutschen Oswaldlegende, Halle 1888, erschienen, die
sich S. 15 ff. auch mit unserm Oswald beschäftigt und (wie schon
Bartsch, Edzardi, Berger) Motivtabellen der erhaltenen Fassungen
gibt. Alle drei gehen auf ein niederrheinisches Gedicht von ca.
1150 zurück.
Zwierzina charakterisiert im Laufe seiner 'Mhd. Studien',
ZfdA. 44 (1900) .349 f. und 45 (1901) 66 A. den Wiener Oswald
wieder als einheitlich gereimt und als westmitteldeutsch.
Im Jahre 1907 erschien mein Münchener Oswald (unten: MO.),
der in Kap. III. 3 — 5 und V das Wiener Gedicht mitbehandelte.
Danach wäre es auf mündlicher Tradition beruhende Bearbeitung
des einen alten Originalgedichtes, das um 1170 im Bannkreise von
Aachen entstanden und im Münchener Oswald erhalten wäre
(S. 237. 376. 380).
Vorwort. IX
Icli übergehe hier die Besprechungen dieses Buches, weil sie
Zt'dA. 53, Heft 3/4. behandelt werden, wie ich alle Sage, Legende und
Kultus des Heiligen betreffenden Vorarbeiten ül)ergangen habe, weil sie
im MO. aufgezählt und ev. benutzt sind: Kap. III. 3 und 4 (Ver-
hältnis des Wiener Gedichts zu den andern Überlieferungen) werden
wie billig durch das vorliegende Buch ersetzt; Kap. III. 5 und ß
(Geschichte, Legende, Brautwerbungssage) sowie der Schluß gelten,
noch unangetastet, auch für dieses mit; daß und wie weit ich das
Übrige aufrecht erhalte, ist aaO. zu lesen oder wird hier neu
erörtert. —
Ich übernehme aus den Vorarbeiten andrer: von Pfeiffer, daß
unser Gedicht die freie Bearbeitung eines altern ist, von Bartsch
ein Vorausliegen mündlicher Tradition und eine niederrheinische
Grundlage des 12. Jahrhunderts — d. h. das ist die Auswahl der
Bartschischen Ansichten, die zu den meinen stimmen — ; ich
nehme von Edzardi an, daß unsrer dreifachen Überlieferung ein
Gedicht zugrunde liegt; von Berger, daß der Verfasser des Wiener
Oswald ein Kleriker ist und daß er verschiedentlich entlehnt; von
Vogt, daß er ein Mitteldeutscher des 14. Jahrhunderts ist und daß
das Überlieferte Interpolationen enthält.
Das Abweichende und das Neue mag sicli aus dem Folgenden
ergeben und rechtfertigen ; in Wahrheit habe ich alles neu auf-
zubauen versucht.
Meine Ausgabe ruht unmittelbar auf den beiden einzigen be-
kannten Handschriften W und 0. Die Verwaltung der k. und k. Hof-
bibliothek zu Wien lieh mir, schon im Jahre 19ü!2, bereitwilligst die
ihre, den Zugang zu der zweiten, im OlmützerMetropolitankapitel, mußte
ich mir durch einen besonderen Feldzug erkämpfen : nachdem direkte
Anfragen unbeantwortet, indirekte (durch deutsche und österreichische
Behörden und Private) ergebnislos geblieben waren, brauchte es nicht
weniger als dreier Mittelspersonen — die es gewesen, lesen sich hier
auch ohne Namen und wissen meinen Dank — um sozusagen von
hinten einzudringen, und sie erwirkten von Hand zu Hand, daß ich
(Herbst 1907) an Ort und Stelle in einer wahren Hatz kollationieren
durfte. Dann mußte der Kustos plötzlich verreisen, und so kann
ich nicht einmal garantieren, daß mein Lesartenverzeiclinis die letzte
Genauigkeit besitzt. Wo ich von Bartsch abweiche, tue ich's mit
Bewußtsein.
Ich statte damit der Wiener und Olmützer Bibliothek meinen
Dank ab und füge den hinzu, der der Breslauer Kgl. Universitäts-
bibliothek für die ohne weiteres gewährte Herleihung ihres Cod. I
duod. 41 zukommt.
Über die Gestaltung des Textes und der Anmerkungen geben
S. CVIII ff. Auskunft. Was die Ei n leitu n g betrifft, so bemüht sie sich,
streng und geschlossen von den Handschriften zu iiirem Archetypus
X Vorwort.
und nach dessen Zerlegung zu der gemeinsamen Quelle unsrer
Oswaldüberlieferungen vorzudringen, d. h. sie steht erst auf sich
und mündet dann, wie schon angedeutet, in die Untersuchungen
des MO. ein. Sie soll der Ausgabe und keinen Zwecken außer-
halb dienen: danach sind ilire Kapitel begrenzt und ineinander-
gefügt, und ich weiß sehr wohl, daß sie einer ganzen Reihe von
sprachlichen, technischen, historischen Fragen keine saubere Antwort
gibt: in der Metrik z. B. begnügt sie sich, eine Methode ausfindig
zu machen, um nur dem Stoffe auf der Scheide zweier Sprachen,
Stile und Perioden beizukommen. Freilich liegt diese Beschränkung
zum guten Teile auch daran, daß ich keine Antwort geben kann,
und das gilt namentlich von den letzten Kapiteln, wo der wachsende
Bau allmählich gar wundersame Perspektiven eröffnet: um da alles
zu sehen und zu deuten, braucht es andrer Vorkenntnisse, als ich
sie habe. (Allerdings auch andrer Vorarbeiten da, wo ich mir ein
Urteil erlaube.) Den Schlußstein aber meines Gewölbes konnte ich
nur mit Hilfe andrer herbeischaffen: ich danke für bereitwiUig ge-
gebene Auskünfte Herrn Dr. Burgemeister, Provinzialkonservator der
Kunstdenkmäler Schlesiens in Breslau, Herrn Regierungsbaumeister
Grütter in Steglitz und besonders Herrn Pastor Schaefer in Crum-
mendorf, der auch unsre Abbildung beigesteuert hat.
Das Sachregister enthält nur, was aus dem Inhaltsverzeichnis
S. XI f. nicht hervorgeht. Auf ein Wortregister mußte ich wegen
Platzmangels verzichten; Ersatz bieten die Listen S. XX, XXII ff'.,
XLIXff-., LVIlIfl-.
Das erste Manuskript wanderte in die Druckerei am 18. Oktober
1911, seitdem genoß das ganze Büchlein dankbar die Pflege der
Herausgeber dieser Sammlung, und es ist nur meine Schuld, wenn
es nicht so korrekt, wie es könnte, vor der Einsicht erscheint, der
ich es zueigne.
Der Verleger hofft, ihm durch gemeinsam erstrebte und erreichte
Billigkeit Eingang in akademische 'Übungen' zu schaffen, und ich
glaube, daß es der unverbrauchte Gegenstand mit seinen vielen
Beziehungen, kritischen, sprachlichen, literarischen, historischen und
Sagen-Beziehungen, dafür besonders passend macht.
Charlottenburg.
Georg Baesecke.
XI
Inhalt.
Tonrort VII-X
Vorarbeiten: VII. — Meine Ausgabe: IX.
Einleitnng:
I. ^V uud 0, die handschriftliche Überlieferung
des Wiener Oswald XIII- XXVII
A. Die Handschrift W XIII
B. Die Handschrift 0 XV
C. Das Verhältnis von "W und O XVIII
D. Ihre GlaubwQrdiirkeit XIX
1. Verhalten zum Versbeslande in W: XIX. —
:2. Verhalten zu den Reimen in W: XIX. —
3. Verhalten zum Versbestande in 0 : XX. —
4. Verhalten zu den Reimen in 0: XXI. —
5. Summa: XXIII. — 6. W und 0 im Vers-
innern: XXIII (a. Änderunjjen in W: XXIII.
b. Änderungen in 0: XXIV, c. Änderungen
in WO: XXVI). — 7. Summa: XXVII.
II. *W0, der Archetypus unsrer Handschriften XXVII— LXH
A. Ausscheidung der Interpolationen XXVII
B. Verskunst XXXV
1. Einleitende Betrachtung: XXXV. — ± Mehr-
silbige Senkungen in hochtonig schlieüenden
Versen XXXV, — .3. Synkopen in klingenden
Versen : XXXVII. — 4. Synkopen in hochtonig
schließenden Versen :XXX1X. — ö. Mehrsilbige
Senkungen in klingenden Versen : XLI. —
('). Verse auf x X : XLIII. — 7. Verse auf
-!-e: XLIV. — 8. Verse auf ^— : XLIV. —
9. Abweichungen der Interpolationen : XLIV.
C. Reimtechnik XLIX
1. Reim Wortschatz: XLIX. — !2. Wortformen
der Reime: LI. — 3. Unreine Reime: LIII.
(a. vokalisch unreine : LIII. — b. kon.sonantisch
unreine: LVII. — c. rührende: LVIII.)
XII Inhalt.
D. Versinneres LYIII
1. Wendungen, die nur in den echten Partien
vorkommen: LMII. — ± Wendungen, die nur
in Interpolationen vorkommen: LIX. — 3.
Wendungen, die in beiden vorkommen : LX.
(Majuskelgebrauch: 15S A.)
III. *W0„ die Znsätze zu *WOi LXII— LXIX
A. EinheitUchkeit von *W0, LXll
B. Datierung und Lokalisierung LXIV
C. Persönlichkeit LXVI
IV. *WOi, der ursprüngliche Oswald unseres
Archetypus *W0 LXIX— LXX
Lokalisierung und Datierung LXIX
V. **WOi, das Original des Wieuer Oswald . . LXX— XCIX
A. Analyse von **WOi LXX
B. Analyse des Archetypus der drei Oswald-
fassungen LXXVIII
C. Persönlichkeit von **\VOi LXXXIV
1. Verhältnis zur Vorlage: LXXXIV. — H. Ent-
lehnungen: LXXXV. — S.Stand: LXXXVII.
4. Lokalisierung und Datierung: LXXXVII.
VI. *3IW, der Archetypus der drei erhaltenen
Oswaldfassuugen XCIX— CV
A. Ausgangspunkt der Wanderung ...... XCIX
B. Weg . ^ XCIX
C. Zeit der Wanderung ClI
D. Summa CIV
VII. 0, das Originalgedicht von Oswald; Schluß CV— CVII
A'orbemerkuugeu zum Texte CMII — CX
Text 1—54
Anmerkungen und Nachweis der besprochenen
Stellen 55—65
Sachregister 66—67
-'Ö8S>>-
XIII
Einleitung.
I. \y und 0, die handschriftliche Überlieferung des
Wiener Oswald.
A. Der Wiener Oswald ist in folgenden Handschriften überliefert:
W, 3007 olim Nov. 297 der k. und k. Holbibliothek zu Wien,
265 8°-Blätter Papier irleichen Wasserzeichens (Ochsenkopf mit Stern),
saec. XV. Die Handschrift ist öfter beschrieben: von Schottky,
Anzeige-Blatt der Jahrbücher für Literatur V, Wien 1819, S. 31*,
Hoftmann, Verzeichnis der altdeutschen Handschriften ... zu Wien
S. 176, Tabulae codd. manu scriptorum in Bibliotheca Palatina
Yindobonensi II. 172, Schorbach, Studien über das deutsche Volks-
buch Lucidarius S. 30 f. Darum hier nur die für das Folgende
nötigen Angaben.
Die Handschrift ist (innerhalb des neuen Einbandes) in ein
Pergamentblatt gebunden, darauf El. 1 ^ eine mitteldeutsche Ur-
kunde, 1 '> Reste einer lateinischen Urkunde, Rezept rt crines
Crescant, Geisthcher Spruch, unterschrieben Antio l'>6(), ältere
Signaturen Z — 7 — 3, RR7 — 29; auf dem letzten Blatte eine lateinische
Urkunde über Henricus de Keppe, Sprüche und Teile von Sprüchen,
Federproben (z. B. Bl. 3 » ein Vers aus dem Osterspiel [s. u.] Ach
ach [leider] seind das die Newn Kleider).
Inhalt: (Blatt 1 fehlt) 1) Gebete 2a_3b, der Anfang fehlt, 2) Von
der eticztei/3^^ — S", 3) f'on dem jügestin tage 8 a — 14", 4) buchelep vnd
passio der heylif/en Margarefhe 14" — 27^,5) Vonden Recken 28" — 57",
6) Fferonica 57^—74", 7) De sancto Georgia (deutsch) 74^ — 118",
8) von den p(ro)phetin 118^—125", 9) Gebete an Maria 125"— 126^.
10) dy sehen icort 12ßb_i27a^ \\) Rezepte 127 1>, 12) Ihicidarius
127 b — 159 a^ 13) An Maria (Gelohet seystu czarte iücfraive maria)
159'' — 162«, 14) spil von der hesuchüge des grabis vnd [der] von
der ofirstendtoige gotis 163^ — 188", 15) ^^on der varhe (Rezepte)
188b_194a, 16) Sibyllen Weissagung 194b-204b, 17) unser Oswald
205a— 233«, IS) Der König im Rade 233b— 239 b i«)) Von dem
<7e6awjr2.39b_242b, 20) Alexius (Maßmanns B) 243"— 2.53«, 21) Ein
tschechisches Stück (Gebet): Mily pane gezu kryste iiyem ze neysem
XIV Einleitung.
duosto 253 b — oteczne radosta 265 t»; darüber Lambel zu Holz,
Laurin, AfdA. 25. 270 ff.
Nr. 1 — 20 sind von der Hand eines Johannes, der sich unter
Nr. 10 und 20 nennt, unter 20 als Johannes nescio quis. (Die Schrift
ohne besondere Eigentümlichkeit, einspaltig, die Verse abgesetzt, die
Initialen, wohl alle als Majuskeln gedacht, rot durchstrichen, zuweilen
auch rote Schnörkelstriche hinter kürzeren Versen; Doppelmajuskeln
und Verzierungen am Anfang der meisten Stücke; zuweilen auch
Abschnitte ausgezeichnet (vgl. Kap. II D 3 Anm.)). Nr. 13 (nicht 12)
trägt die Datierung Anno septuagesimo secudo die tercia mensz jidy,
Nr. 20 Et est finitus in die p(roJcessi Anno 72 sub liö Decima nona.
(Vgl. Münchener Oswald S. 229 1.)
Aus den alten Signaturen auf Bl. 1 b schließt Schorbach aaO.,
daß unser W wie seine Nachbarhandschriften unter den 'Novi' der
V^iener Hofbibliothek stamme Ex Bihliotheca Augustiniana Con-
venttis Generalis Viennensis ad St. Sehastianum et Bochum in viä
Regia: so in Nr. 4787 und 7456 (= Nov. 295).
Dort könnte auch das tschechische Stück Nr. 21 (von andrer
Hand) angehängt sein. 1—20 geben sich als Einheit nicht nur
durch die gleiche Hand, sondern auch durch die Verse zu erkennen,
die der letzten Datierung vorausgehen :
Dys buch hol eyn ende
Got I von hymel vns seyne heilige / engil czti tröste müsse sendin
Fflnis adest operis
mercedem posco laboris
Est michi preciü kräng
vhi nichil sequiticr nisi habedang.
Woher aber diese Einheit stammt, ist fraglich. Maßmann, Alexius
S. 31, nennt sie niederdeutsch, MüUenhoff, Heldenbuch I. XXXIV,
schlesisch, desgl. Holz aaO. S. VI, Lambel aaO. S. 271^; Hoffmann
aaO. und Schorbach aaO. denken an nordwestliche Herkunft.
Diese letztere Ansicht ist wohl hervorgerufen durch das regel-
mäßige her = er und die zahlreichen z — s (zo 54, zunder 209.
475, zeheczig 569 etc.). Es finden sich aber neben allgemein md. Eigen-
tümlichkeiten [i y = mhd. ie, u = mhd. uo, i der unbetonten Silben,
Ausfall des h zwischen Vokalen, Wortformen wie ap = ob 53. 164 uö.,
((dir = oder 682. 748, vor torbin 728 etc.) eben andre, die auf den
Osten, auf meißnisch -lausitzisch- nordböhmisch -schlesisches Gebiet
führen: mhd. i > e (toedir 203. 322, desen 206. 304, en 255, be-
dir man 296, erin 339. 348 etc.), a > o in den Kompositionen von
f?ar- (vgl. Fr. Jelinek, Die Sprache der Wenzelsbibel, Görz 98, S. 104,
Bernt bei HorCißka, Das deutsche Stadtbuch von Böhmisch-Kamnitz,
S. 170 f. und die dort verzeichnete Literatur), die Umlaute in tetvfin
234. 393 uö., hewpt : gleivjyt 292. 593. 615 uö. (vgl. Bernt S. 184 f.),
Schreibungen marg 252. 263. 366, starg 262, crang 658, iverg 795
Einleitung. XV
(Rückert-Pietscl), Entwurf . . . der schlesischen Mundart S. 20S, Bernt
S. 195), Worttonnen »//', <>tf ~ üf 615. 1417, 05. <M)1 etc. (Bernt .S. 183
und ZfUA. 5:2. t>49, RQckert S. 4^2, 88 f.), tnchter = iochtcr 353. 363
(Bernt S. 176, Rückert S. 25 f.), das = des 16. 577 etc.. daste 10.54
(neben diste 79), bas = hiz 57. 453. 712 (Bernt S. 189, Rückert S. 25).
Aber für Böhmen sind wohl die « > o {mosz 13, joren 19, tcoren 20,
rotiti 126, tot in 338, loth 393 etc.), oti > o [toffe 239, loffin 2-54. 534,
glohin 529; flog 720. 736. 749 etc.) und n> e {gelcth 339, tret 370;
ice'sin 625) zu zahlreich (vgl. Bernt S. 179, 185, 184, Jelinek
S. 32 ff., 43 f., 41 f.). Die ä '> o aber weisen nach Schlesien zu
(Rückert S. 39 f., Bernt ZfdA. 52. 255), desgl. das häufige y = ie
(Rückert S. 37, Bernt ZfdA. 52. 255), und die o > «, wie in gulde
258. 342, siildis : guldis 284, stilden 36. 37. 307, tuchte 55. 85, surgen
1039. 1043, drangen uns über die Grenze (Rückert S. 43f.). Inner-
halb Schlesiens aber ermöglichen uns die sporadischen i = e (mir
= mvre 286, hyr = liere 87) vielleicht eine genauere Lokalisierung,
wenigstens sofern die modernen Dialektverhältnisse gelten. Legen
wir die von W. v. Unwerth, Die schlesische Mundart, Breslau 1908,
§§ 35. 111. 26. 38 verzeichneten Grenzen für e < ei und ege, l<ie
und ö <C Oll übereinander, so ergibt sich als gemeinsames Gebiet
dieser Eigentümlichkeiten die Lausitz und Gebirgsschlesien westlich
von Haynau- Löwenberg- Schreiberhau oder östlich von Reichenstein-
Münsterberg- Charlottenbrunn -Jauer-Canth. Auch Glatz bleibt aus-
geschlossen.
B. O, Handschrift des Metropolitankapitels zu Olmütz. 107
Blätter Papier 4'^ in Leder mit Messingbeschlägen und mehrfach
eingeprefitera Wappen der Olmützer Domkirche; Signatur CO 188
auf dem Rücken, XV. Jahrhundert.
Inhalt. Auf der Innenseite des Vorderdeckels 1) Noch crist
gepiCt rn" •5- rnd ein (I vgl. 3) ij jor ist gesehen eyn uond^
czeychen (große Kälte am Allerheiligentag).
2) Von derselben Hand Itm thw das an dem crist ahent (Rezept
gegen Bilwissen, vgl. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 22. 181)
. . . geweyfhe ke'ccze geszen yr j)ylweiszh IV (Verweisungszeichen).
3) noch cristi gepurt m" ■)• vnd ym i j jor etc. = 1, vor Schluß
abbrechend,
4) Um Nym und durchstrichen g . . . f . . . seh . . . (aus 2).
5) Mit VerAveisungszeichen IV (s. 0. 2) Fortsetzung und Schluß
von 2: yr kenth bis y« dem nnme desz vatte\s vnd des sons vnd
des heylygen geystes amen.
Auf der Innenseite des Rückendeckels:
6) Stib pena post imsce iii -p- nf iij aue maia •/• credo usq^
ad penthekostey.
7) Zweimal Nr. 1 wiedeiholt : Nach cristi geburtt etc.
8) Itni Nym und Durchstrichenes: . . . ffäge. (Vgl. Nr. 4).
XVI Einleitung.
9) Das Bihvissenrezept (Nr. 2 und 5), wie ich glaube von der-
selben Hand, wiederholt bis dem (vor namen s. o. 5). Hier beginnt
mit Itin Nym ciott fögaschn (Nr. 4 und 8, aus 2) ein neuer Absatz.
Innerhalb der Deckel ist die Handschrift in Pergament (Blatt
eines lateinischen theologischen Textes) geheftet, das am Rücken-
deckel unter dem aufgeklebten Papierblatt (mit 6 — 9) liegt. Auch
auf diesem Pergament ist 10) das Nach cristi gep. wiederholt; dazu
noch einige andere Federproben.
Die Datierung in Nr. 1, 3 und 10 gibt ehien wahrscheinlichen
terminus ante quem für den inneren und äußeren Einband, einen
<iesgl. post quem für das Bilwissenrezept.
Inhalt des Kodex:
1) l'i — 13^3 (St. Margarethe) Es sidlen alle frawen
Dy ')narter gerne schatven
Hören vnd lesen
Vnd stete dar an tvesen
Margaretha dy rayne mayt
Bas speckt CO alle samen
Amen in gottes namen.
2) Anschließend von gleicher (erster) Hand 13 a — 261»: Hy hebt
sich an dy veronica v j nd dy gancze hystoria. Also / 0 starker
got deyner gnaden ich pegere sende ein engel an dem hyml ab czw
mir I das ich dich ein birch (!) mit ynnekayt ge / mache dy von
deynem werden angesicht tnoge j sprechn vnd singen — — - — uff
■sich nam das gib vns herre dein hyml reich / dnrich deyner marter ere.
{Absetzung in Strophen).
3) Anschließend von gleicher Hand 26 '^ — 47 1>: hye hebt sich
an dy legent vnd hystoria von dem Üben heyUgen sent oswolt ^.
4) Anschließend von gleicher Hand 47 b — 56 a: /fy kpi^f sich
<tn dy legent vnd hystoria von dem libn sant allexio
In eynem buch man vns lass
Das czw rom eyn herre tvas
Reich inid geivaltig ivoU
Frewde hat her sich vorczigen
Ende der Lage. Von 52»— 56* zweite Hand:
Off das mer al vmb wanth
In sende cecilian lanth. Schluß:
Das vns das müsse dir gehin
Das solle wir alle mit gote flehen
A-m-e-n.
5) Ohne Absatz von derselben (zweiten) Hand 56 a; Item hye ist
czil merckin dy krafft vnd dy titgunfh des krautis der wermuth
4>tc. c\: (soweit rot) Item plinins der maistir der erhocht das kraut
Eiiileitun?. XVII
Hi-rniut . . . I^rosa-Rezepte. Es folgen: Ffitr potic litfft, Wvr sich
für gifft litiefn wil etc. bis 61 ^ Widir das haubts xietayiu Item
Man tmtfß alle stiindin essen Bihnel das ist giieth vnd gesunth
u-idir des hatd>ts wetagin das ist offte j^fohirth. Unten auf der
Seite ein Nachtrafr von späterer (kursiver) Hand \^(»- di) awszecczi/-
keith. 62 '» von andrer (kursiver) Hand Das seynt die syhenn Messen
hostip irkeyne angst ader not — — das ist siclierlich vor sucht
van manchem mensche. 62 b oben wieder von älterer Hand Fort-
setzung der Rezepte: Item Doner Krautt — 69b (jn groüer Zier-
schrilt): Assit nohis cii (so) i^rincipio rirgo sancta marin.
6) 70 'i — 106^^ von andrer Hand des 15. Jahrhunderts: hge hebt
sich an das Buch der erztneij Ber inden arczt huchern ich lesn
tcill der zol czw dem ersin trissn weihe'' ding ad'' toy der mensch
yeschaffn !^cy — Item, wer aber hlutt speyet der nem sechs hawpt
knoblach vnd syde de jn eynem netvenn toppe mift wassei' vnd
trinchk das (rote Zierschrift:) anno domini -v-'^' iar.
7) 106b von andrer Hand: ItiJi weit dw reyden do' dem ffoit od''
rechth zo reide mef zitthn vnd mit vo'nvfft . . . Diese Überschrift
ist dem Folgenden nachträglich vorgesetzt, das (wieder von andrer,
kursiver Hand) beginnt: Zum erstn saget noch dem ir geladin seyt den
geczeugen zu zukorin vnd ivesz ir wider dy geczewgk zu redin hett
seyt ir aldo alz eyn gehorsamir — 107 'i Das andr^ sal sy d'' richt^
ffrogen wtnbe dy sache doncmbe sy geczeugk sey sullin eygentlich jti
was gcstalt sy darvon wüste tvy isz geschehen wie aj) sy dorbey vnd
dornebn gewest wern vnd tveme isz sulde geschehen spyn — 107 '•
Das czehende ap sy solch bekentnusz der besitczunge . . .
O enthält also, vor den medizinischen Teilen, unter 1—4 die
Stücke W 4, 6, 17 und 20 in gleicher Reihenfolge und schließt sie
mit derselben Nummer wie W: es ist eine Auswahl von Legenden
aus der in W 1 — 20 erhaltenen Sammelhandschrift, von zwei Schreibern,
der Oswald darin von einem. (Einspaltig, abgesetzte Verse, die
Zeilenanfänge Majuskeln, rot durchstrichen; über die ganz roten
Majuskeln s. H D 3 Anm.).
Nach dem Olmützer Handschriftenkatalog bedeutete die Datierung
unter Nr. 6 1550 (•i'-'i' =^ m vH). Das ist schon Avegen der Da-
tierung des Einbandes (s. o.) nicht wohl möglich. Auch die Lesung
fünf Fünfziger [w'iQivc = 400 oder, besonders französisch, iv^^ = 80)
ergibt mit (1)250 eine Unmöglichkeit. So bleibt nur zweierlei: Erstens
die Lesung 50 minus 5 = (14)45. Ich kann zwar Voranstellung
zum Zeichen der Subtraktion nur für i, x, xx, c, cc nus den paläo-
grapbischen Handbüchern belegen, aber die Analogie liegt ja nahe.
Warum dann •?• über die Zeile geschrieben ist, weiß ich nicht.
Oder zweitens: v steht versehentlich für it. Dann ergibt sich, mit
Ergänzung von m, 1450.
Nach der Orthographie ist ü bedeutend südlicher als W ent-
Baesecke, \YieDer Oswald. II
XVIII Einleitung.
standen. Die «^ — ei (7. 15. 215. 274 etc.), die Apokopen [sprecJiy
trete 276, ruch, gerew 277, helf 29G, red 260, rah 409 etc.), die
b = w (V. 4. 32. 325 etc.), 2> = & im Anlaut {pegutide udgl. 134.
160. 182. 531 etc.), chk = k im In- und Auslaut (werclik, dersundiken
udgl. 11. 43 a 109. 291. 992), ch = h zwischen Vokalen {vorczeichn
223, speychen 245), das Präfix der = er 156. 291 uö. würden uns-
sogar ins Bairisch-Österreichische führen, wenn nicht so viele mittel-
deutsche Erscheinungen entgegenständen. Da sind zuerst solche,,
die 0 mit W teilt: e = mhd. ae (1. 37. 39. etc.), / = ie (17. 192.
337 etc.), u = no (295. 311. 503 etc.), o = u (274. 349. 501 etc.),
die ir-, vor-, zu- (897. 345. 838 etc.), die r = s (409. 434. 751 etc.),
die her = er (555. 695. 704. 754. 885 etc.): der Schluß scheint
gegeben, dafs dgl. aus der Vorlage stammt. Aber dazu sind diese
Schreibungen zu häufig und sie stellen sich auch da ein, wo O nicht
aus einer Vorlage schöpft (zB. ryffe 1030, aü^o 575 a, /jc,- 555), und
schließlich zeigen sich auch noch andre, die, in Verbindung mit den
übrigen, auf das klassische Gebiet dieser Mischung weisen, auf
Böhmen-Mähren, z. B. ye = i [yer 382. 564. 759: vgl. Jelinek S. 25 f.),.
frund 553 (Bernt ZfdA. 52. 249). Es fehlen jedoch die i > e, ei > e,
ou '^ 0, 0 ~^ IC, e ^ i von W, und wir müssen wegen jener ober-
deutschen Eigentümlichkeiten wohl ziemlich weit nach Süden gehen :
da finde ich sie fast sämtlich wieder in den Iglauer Schöffensprüchen
(ed. Tomaschek, Innsbruck 1868), im Iglauer Bergrecht (ed. Zycba
Berlin 1900) und im Olmützer Stadtbuche des Wenzel von Iglau
(Saliger, Monumenta rerum Bohemico-Moravicarum sect. II lib. III,,
Brunn 1882), deren Sprache von Jelinek aaO. mitbearbeitet ist: da
sind die ay = mhd. ei, h = mhd. iv, p = mhd. b im Anlaut,
ch = h zwischen Vokalen, der- = er- (JeUnek S. 42. 59 f. 57. 71. 62)..
Es fehlt das chk, das sich nur beim Schreiber y der Wenzelsbibel
findet, aber im Bairisch-Österreichischen der Zeit nicht selten ist,
und das s = seh (z. B. sichken 794, gesach 900. 988). Andrerseits-
aber treffen wir auch fast alle jene mit AV gemeinsamen md. Eigen-
tümlichkeiten wieder, die e = ae, i = ie und ie = i, u =^ uo,.
vor- = ver-, zu- = zer- und das Pronomen her. Es ist also leicht
möglich, daß die Olmützer Handschrift, wo nicht in Iglau, in Olmütz
selbst geschrieben ist. Dazu würde auch ihr im Gegensatze zu ihrer
Vorlage geistlicher Charakter passen.^
C. Daß die Handschriften W und 0 aus gemeinsamer Quelle-
*W0 stammen, nicht die eine aus der andern, folgt schon daraus,
daß der Oswald von 0 den in W erhaltenen Schluß nicht hat, daß.
' Eine geduldige Untersuchung (der eine vollständige Abschrift
von 0 zugrunde läge) würde trotz des Mischdialekts durch Vergleich-
mit W die orthographischen Zutaten von 0 ausscheiden und die-
Schreibung des Archetypus rekonstruieren.
Eiiileiluiig. XIX
aber O die W fehlenden Verse -295a^ 49-J«, 531«, 533a, 908«, 915«
ua. überliefert; im übrigen kann das ganze folgende Kapitel als
Beweis dienen.
Es ist von vornherein einigerination wahrscheinlich, dafä zwischen
*W0 und den überlieferten Handschriften keine Zwischenstufen
mehr anzunehmen sind: die Anordnung des Inhalts Avürde schwer-
lich so gleichmäfsig erhalten sein. Dazu nehme man ff. Lesarten
WO: V. '2i>4 fehlt hfi; 1208 icil, 1242 s/.- höchst leicht zu beseitigende
Lücken, die sich kaum über mehrere Abschreiber hinaus gleich-
maßig erhalten konnten ; vgl. suhfr W schoM ü <C ■^alde *W0
10<J9 und S. XXVU. 7.
Ist das richtig, so gilt das Stemma:
*W0
/ 0 (terminus ad quem 1450?)
/
W (1472).
Die Datierung von W stammt, wie jetzt der Vei-gleich mit O
ergibt, nicht aus *\V0 (MO. 229 Anm. 1).
D. Den Bestand von *W0 können wir aber imr aus W und 0
konstruieren ; wir haben keine Instanz außerhalb, die bei ab-
weichenden Aussagen zwischen den beiden gleichgestellten Zeugen
entschiede. So müssen wir uns erst aus inneren Gründen ein Ur-
teil über ihre Glaubwürdigkeit bilden.
1. Verhalten zum Versbestande in W.
W fügte an Einzelversen nur 89 = 108 hinzu, veranlaßt durch
Korruptel der Vorlage ; ließ fälschlich aus 492«. 908=\ 1051", 564«
748 a. 832 a. 1142 a und 1 143 a (als Farallelfassungen?), 246 « und 247 a,
.531* und 533a, 1015a und 1016a (im Vierreim), 6.58" (Grenze
einer Interpolation), 295". 295b. 915a (Korrupteleii der Vorlage);
210 und 210a, 1288 und 1288" .sind zu Einzelversen zusammen-
geschoben.
Zugesetzte Reimpaare — hier ist es natürlich zunächst
schwer zu entscheiden, ob die Änderung von W oder schon von
*\V0 herrührt — : 536/37, wohl nur, um das vergessene lade nach-
zubringen; ausgelassene Reimpaare: OOab, 474ab 1287 ab,
1046ab. 1179 ab I229ab: es handelt sich überall um Irrtümer des
Schreibers, besonders bei Interpolationen. Größere Lücken:
40a-c. 43a-e. .346 "-f. 458a-c; darüber unten.
2. Verhalten zu den Reimen in VV.'
W ändert den Reim wegen seiner lautlichen Gestalt: am -.guldin
' Ich weiche im Folgenden bei zusammenhangslosen Worten
nach Erfordern der Eindeutigkeit von der Orthographie des Textes
zu der mhd. (und der handschriftlichen) ab.
II*
XX Einleitung.
> /?» 117, kleit > selikeit : ewikeit 483, kuschelt : leit > geleth lllü;
dingen : bringen >■ gelingen 596 ; jo > nu : nu 632 ; r'ich : -lieh >
?«2^ 729, mir-min : dir-bin > mtn-mir : bin-dir 781, sin : kunigin ^
kun. fin 1144 (vgl. 1351); f?a > nach:na(ch) 1076; d. h. W verpönte
das dialektische jti, sprach schon ei für i, sprach gülden, brengen,
kunigin, nach und die Endung heit \vie hit (Rückert S. 37).
W ändert zweitens den Reim wegen ungeläufiger oder un-
verstandener Worte, die er enthält: (drast)^ dast:was \\^9,; gali
> kenelin -.kni 679; benamen > samen : quamen 1162, genaeme
(nicht als Verbalfbrm erkannt) > toaere : quaeme 1090; platzte >
salzte : salzte 65; unvorzogen > unfro g zogen 644; fßr unverstanden
800; vären > stramen : jaren 889; /"ar^ > art:tvart 620, /"arf :
M-'orf >> fr«s^ : ist 1047 ; gerormiret > floriref : geziret 207, vo^'-
miren > t'0>" en /e^»n : 2;/re>i 602 ; gewaere > waere : 7?er 109 ; meister
Ise >• meister rei/s : ?^;«se 673. ('/to >-^ ÄoZ : jo 560 könnte auch auf
Rechnung der lautlichen Form von ho kommen, ähnlich niaeren >
maere : begere 1. Ohne lautliche Änderung: began Inf. > Praet. 11,
gefuge Adv. WO 33, > Subst. W 706, ich wil iz wol bewarn >
i. tv. do heyme beivarn 833.
Drittens läßt W auch durch Versehen Reime verloren gehen:
219. 998 (Umstellung der letzten Versworte), 604. 1289 (Abirren),
845 (Verlesen), 125. 294. 857. 1224. 1276. Hier ist also wie in V. .560.
602. 679. 729. 1090 (s. o.) der Reim einfach aufgegeben. So ent-
stehen V. 125. 1276. 1289 rührende Reime; vgl. oben: 65. 6.32. 1076.
Viertens: W schafft (aufäer diesen rührenden) neue Reime.
Die durch die sprachliche Form der Vorlage veranlafäten sind schon
genannt. Dazu kommen j('o : ztvar 123 (zur Verlängerung des Verses?),
eben : vorgehen > vorlrihen 1009 (durch salde > schulde im vorigen
Verse veranlaßt und charakteristisch für den Dialekt von W), kni : hi
1104 (nach 1041), und in den zugesetzten Versen geben (-.leben) 89,
lade : ruhen 536.
Umgestellt hat W die Verse der Reimpaare (90) 313. 349. 423.
451. 673. 677. 781. 1106. 1186. Umstellung der Reimwoile: 39.
3. Verhalten zum Versbestaude in 0.
Auslassung von Einzelversen: zuweilen scheint ein Vers
wegen eines ungeläufigen Reimes beseitigt: 277. 324. 551. 567. 689
(s. u.) ; der Vers fehlt gerade an der Grenze einer Interpolation : 324.
4.59. 928; er ist Marginale: 90. 294. 748, Parallele: 832; zuweilen finde
ich keiner andern Grund als Irrtum und Nachlässigkeit: 16. 196.
336. 346. 386. 619. 620. 702. 736. 742. 7.58 (kicsche, vgl. 912. 913)
836. 946. 974. Zu zwei Versen zusammengeschoben sind 226—29.
Nicht selten ist dann aber doch eine Reparatur solcher Fehler
versucht, indem für den aufgegebenen Vers ein neuer eingeführt
wird, aber nicht an derselben Stelle, sondern, wenn der erste Vers
eines Reimpaares ausgelassen ist, hinter dem zweiten:
Einleitung. XXI
w =. nvü 0 ^v =- nvo o \v=^ *wo o
135 min — "248 diu — 650 gewar —
sin stn min min dar dar
136» — rein — rebelin — sclutr.
Wird ein zweiter Reiinvers ausjjelassen, so tritt ein Ersatz vor
den ersten:
— ff et an — stunden
076 kauf man kotifman iW.) yesimimnwn geswummen
han — undcn —
Ahnlich 807 uncorzogen unvorzogen
(tragen) —
han haben
man man
— corstan (= verstanden):
O versteht den Reim 807/8 nicht, bezieht 809 auf 807 und
braucht dann einen neuen Reim zu 810. Noch weiter greift die
Schiebung V. 1094 ff.: wol wol
— sol
sol sal
— liberal : da ist ein neues Reim-
paai" dem alten unbequemen {sol statt sal s. u.) gegenübergestellt.
Ein andres Mittel ist der Anschluß des verwaisten Verses an
das nächst vorhergehende oder folgende Reimpaar:
151. -lieh -lieh 661. tiicht —
rieh rieh Crist her
mir dich jar jar
schir — war icar.
Ebenso .345. 1136, vgl. 419. 873.
Oft ist die Grenze zwischen Auslassung, Umformung des Vor-
handenen, Zusatz nicht zu ziehen (vgl. 146 « 159). 428. 912/13).
Von ganzen Verspaare ii hat 0 (außer dem Schlüsse) fallen ge-
lassen 6.34/35 (vgl. 632) und 41/42. 469/70. 570/71. 1100-1103 (an
der Grenze von Interpolationen).
Zusätze von Einzelversen, durch die besprochenen Reim-
schiebungen veranlaßt: 136«. 249 a. 275 a. 575«. 651«, 661«. 668«.
810a. 1094a. 1097«, dazu 1299». Zusätze von Verspaaren:
553«b und 682 «b ausmalende; 696»^ zur Erklärung des verderbten
vorigen Verspaares.
4. Verhalten zu den Reimen in 0.
O ändert den Reim wegen seiner lautlichen Gestalt: waere :
her > jar 109, waere : her > here 622 ; selig > aynig : ledig 395,
vgl. ledig : selig > erlediget 487; ruwe : nuwe > truwe 276;
sen:gen > spechen 244, gän'.tran > fahen .381, malt : gesait >
mut'.gtit 640, geleit > legte: kleit 339, bi '. gewi >- si 1031. Hier
ist offenbar die Mundart von O Ursache, die mhd. ae : l\ urg. eimv :
XXII Einleitung.
etv, mhd. age : ü ai, mhd. ege : ei, mhd. ige : l zu binden verbot.
Vgl. ferner gat > not: rat 951, hestan igehan > «ye 1054 (0 spricht
gen, sten; gän : dan 997 zur Vermeidung von gen : hin); suze
Adv. > suzer Adj.: gruze 351 (Umlaut); fWr > t?or : gar 550,
rfar > waere : offenbar 1284 (f7a und Umlaut); me >> e : «t'e 75
(mer); herre-.mcre > fte^e?* 761, herren > here\mere 947 (herr);
wol '. sol > ?roZ : so? + «*'0? : uheral 1094 ^sf/7^ ; -liehe > S2cfe : m^cfe
230, vgl. (21) 439. 1166 (-leich), perlin > 2^. finisin 608; rebelin
> raben : vingcrlin 717, rebelin > rrtfte min:din 777; scharlachen
^ Scharlach : machen 30o, kein > einer : gemein 815, Ä;. > keiner:
nein >> gemein 817; Dative: siMn^ : Tragemunt > stunden : Tragunde
101, hande > handen : Z«nfZe 1098, /"ar^ > ivart:wert 252, f. >
«<^ßs : li'ar^ 721, /". : war< > tvorden : faren 823, f. >» manigfalt :
wart 1070, vgl. 1078. 1336(!). Vgl. «(^e/are > adler : beivaren 364^.
henke > öanA^ : bedenken 7 1 .
In zahlreichen andern Fällen aber ist die Absicht technische
Verbesserung, und besonders deutlich ist diese Absicht in der
Beseitigung des überstehenden n : kosen : löse '^ losen 133, rabe:
gaben > ^o*e 167 und ähnlich V. (1) 359. 630. 695. 697. 739. 771.
947; zu 101. 1098 vgl. oben; in V. 713 beruht lone : schone >
schonen auf Mifsverständnis des beten, V. 895 zeivare : jare > jaren
auf Irrtum. Auch überstehendes / beseitigt 0: nicht : mich >
licht 427, wise : embizst ~> spise 957 ; überstehendes r : aber > abe :
habe 540. Andere technische Besserungen: erslagen : wegen >
wägen 544; ho: so > /joc : «tac 560; tmdertan : lobesam > schon
498; linden : geswummen > stunden 669; icise : embizest > s^:^/*«?
Cs : 2^ 957 ; rechte : knechte >> knecht 69 ; creftig : mechtig 566 ist durch
Auslassen des zweiten Verses beseitigt, vgl. /s<e<e :7 /e^e 689, [nicht:] crist
661, nnvorzogen [: tragen] 807, w/r [: schir] 153: s, auch unter 3.
0 ändert zweitens wegen un geläufiger Worte im Reime:
art : tvart > «»a^ : tat 827 ; aschenbrodele > aschenploderer (Reim auf-
gegeben 323); das Neutrum gebaere ist V. 575 in ein Fem. ver-
wandelt, 800 als Fem. eingefügt, 575 mit Glossierung versehen, vgl. 43 1>.
1062; bange >■ ande : lange 667, bange > ande : lande 962, vgl. 887:
blicken >> geliicken : schicken 793 ; (drast) > brochte das : was 1 148 ;
zuhant > sanc : Tiom^ 624; Ä;os > ?«s : ^ro^' 1 174; knaben ;> buoben :
haben 315; selig: ledig > a?/«/^ 395 (vgl. 487); a?/e geliche >>
williglich : /•?'c7ie 22 ; wa«Y : gesait > gf?«^ : «mi 640 ; megetin > (Z/w :
min 145, ?». > kunigin : sin > c?/» 453, vgl. 397. 640; maz > vur-
baz : daz 318; Wc7j< > vicht: nicht 548; rucf > &?tc^ : smMrf 612:
saWe > schuld : bald e 671; schir : mir (Reim aufgegeben) 1.54:
vorsenket : irtrenket > vorsunken : irtrunken 1330; s/rfer > gelidei' :
wider 769; sin (esse) > wesen din : «riw 377, si» > dahin 1186;
sm< >> stvint : m'/'w^ 965 ; sprach >> Jcc/i : sacfe 268 ; far > gebaere :
rf«r 799; rrrr >- tvar : dar 564 a ; fart >> fffrm : wart > worden 823,
Einleitung. XXII!
vgl. -iryi. 7i>I. 823. 1070. 1078 (also in V. (iSl nicht von 0): irerben
> erben : corderben 1041); r/einirbe : rordurbe > r/eworde : worbe 424:
jTtV ^ eil: teil 93; Ise > eijn -.iv'ise 073. berant -.bewant > /««^
67.0 beruht auf Nichtversteliii der Vorlage.
Drittens läßt O irrtümlich Reime verloren gehn: sol : bret
da: i^t wol >> bracht 2.50, (/eivar : rordenkru gar > vor (== rare?)
590, heilig man > heilig : kau lOll, imie : tvolfinne ^ schar heiden
1274 (Verstümmelung der letzten Versworte: sie waren wohl für O
unleserlich) ; sin leben > leben sin : gegeben 873, gewar warf >- wart
ffeuar:fai-t 1180 (Umstellung der letzten Versworte, doch s. o. zu
fart) ; riche : lobeliche > lobesam 439, herzogen > herren : betrogen
741. Beide Reime eines Verspaares gehn verloren, wenn 0 den
ersten so ändert, daß er noch auf das vorige reimt, und den zweiten
ganz ausläßt (s. o. S. XX f.).
Willkürliche Veränderungen scheinen mir sin > din: megetin
4-53, rebelin: min > din 5.52, hir:mir > dir 993; gestorben : var-
dorben ]> gestorben was : rardorhen was 1-11, schone : trone > crone
77.5, do > so:iol306; mit Umdeutuug : irtrinlcen : vorsinken "^ ir-
hiinken: forsi'.nken ()Ö9, stunt : grünt ]> »(?{>?; 113S, w/c/i > s/fÄ :
f//f7j 1314.
Die Reime sind umgestellt V. .365. 423. 512. 534. 897. (llfiö.)
Die Verse sind umgestellt: 353. 433. 528. 675. 1068. 1142a. 1143='.
In V. 598/99 hat 0 durch Umordnung das Richtige wiedereingeführt.
5. W ist also im Reime weitaus die zuverlässigere Handschrift:
verschwindend wenige Zusätze. Auslassungen aus Versehen, kaum aus
Absicht, auch Unverstandenes unverständlich wiedergegeben, weit
weniger Änderungen dem Dialekt und der fortgeschrittenen Sprache
zuliebe als in 0 und dabei nicht selten Begnügen mit rührendem
Reime statt völliger Korrektur. In O starke Absichtlichkeit und
"Willkür, aber auch Nachlässigkeit in Zusätzen, Auslassungen und
Änderungen; hier allein eine eiiiene Methode Lücken zu verstreichen
und die Absicht technischer Verbesserung neben reichlichem Beseitigen
ungeläutiger Worte und Wendungen, allerdings etwa von V. 900 an
ermattend, wie ja denn der Schluß ganz aufgegeben ist.
(>. Hier reiht sich dann von seilest eine vorsichtige Betrachtung
des Versin nern an.
Wir können in einer großen Reihe von Fällen aus dem Reime,
aus Analogien, aus dem Inhalt und den Lesarten, aus der Kenntnis
der veraltenden oder sonst gemiedenen Bestandteile des Wortschatze-
schließen, daß in W oder 0 eine Änderung des Überlieferten vorhegt.
a)Anderungen in VV(vgl.S.XX). im = nhd. sich beseitigt 280.
an><«Y«7i>er/"n*(; 1324, vgl. 953. kiel, durch den Reim V. 791 für
biz:>basAb3.1M.l01l;>daz *W0 gesichert, ist W unbe-
972. kannt : vgl. die Schreibung keyle
hint > hüte 1316. 791; > schif 509. 800. 990.
XXIV
Einleitung.
1144. 1184 {schif WO 649;
schif > man 0 898 zur Ver-
ständlichung).
netze >> schif 694.
rucken > achten 276.
zusamenc > zu houfe 1232.
sorcUch > tmsubei'lich 1021.
sorcsam > furchtsam 281.
b) Änderungen in 0 (vgl.
S. XXI ff;).
achtbar > ^« 169.
«^ in den Kompositionen «//*» 5.
1042, rt^srtw/. 1232, also 82. 207.
7.33. 751, alzuhant 61. 301.
379. 1231. (Also ist V. 1035
alzuhant O nicht von 0 ein-
geführt.) In andern Fällen ist
gleich das ganze «7 -Kom-
positum beseitigt: also > gar
243, > und allez 432, > mir
490, > sam 618, > als 70.
1219; also wolgemut '^ frolich
und IC. 526. (Demnach wird
azo 1093 0 auf ein also *W0
zurückgehn; W hat alz.)
alzumale > allez tvol 364.
(Demnach wird zumal 474 1^ zu
alzumale zu ergänzen sein.)
alumbe scheint W wie O un-
geläufig : s. die Lesarten zu 268
und 367.
bar beseitigt 679.
baz beseitigt 72 (im Reim WO
79); aber rurbaz 0 318.
beiten (WO 879) > harren 144,
sumen 792.
bi > mit (dir senden) 513.
embizen > bizen 7'-23, vgl. 958.
hilc > lip 450.
sich leide bedenken (gedenken)
umbe (WO 907) beseitigt 1224,
vgl. 376. 1108.
dinstman > man 572, > ge-
meine man 1072, vgl. 26.
ebene beseitigt 405.
eigen (lant) beseitigt 74 und
(durch Versehen?) 1230, vgl. 16.
endelich > enlich 37.
gän, zu ende > uzgen 932.
hegän > triben 6.
vorgelden > Zon .s/n 419.
gestern >> rechten (verschrieben)
365, > neckten 375.
5'ifi' beseitigt 158. 673. 687. 692,
694. 1221. 1319; gut Subst. >
Adj. 1.3.
aller handc > allerlei hant 795.
ztihant > itzunde 1148, be-
seitigt 98.851, sogar im Reime:
624 (s. o.); vgl. alzukanf.
gehaz > ^ra»« 399.
heizen > Za^en 337. 637.
her beseitigt in her komen 358,
her sundern 27.
hogeborn > wolgeton 54 (Reim!),
hogemut > ivolgenmt 491.
koren, horte lose >> begunde zu
losen 134, Ziore 2H > so^
merken 3. (Also wird /io/'c V.
94 nicht erst von 0 herrühren.)
/c7(f (WO 783) beseitigt 513. icht
1047 verlesen?
irne > indert 53. 797, > irgent
84; vgl. ?: > /nfZeri 299.
itslich beseitigt 312.
jemerlichen > komerlichen 951.
JHncfrouwe beseitigt 519. 583,
> vrouwe (vor) 95. 143. 186.
> frouwelin 520 •,jnncfroii,ivelin
Z> froutvelin 449.
/cfo*, > «jac 888. 1019; vgl. 1218,
797. 1012, 295«.
kein beseitigt 181. 816.
kochkus > der kneckte hus 321.
creme > betrübet 658, > swach
699.
kuchengesinde unde knaben >
Ä;ocÄe keiner und kuchenbuben
315.
Einleitung.
XXV
Irunt > zu wi'zzen 850.
kusche >> uolgemut 912: unhii-
aclieit beseitigt 913.
llep beseitifrt 2()1. 520. 553. 903.
1004. 102(). (Also rührt es 167.
352. 7H2. 982 nicht erst von O
her, vgl. auch 981. 1114.) Vgl.
lleplich >> lohelich 151, ^fro-
lieh JipJich 1133.
lip > leben 938.
matt beseitigt 338, vgl. 640.
meienris > hluendez rei 415.
vormezzen glossiert durch r'tche
139.
mnde > fremde 78.
HH beseitigt 516. 986. 1262.
purper beseitigt 599, mit feilen
glossiert 303. [652.
aeruen'^ gerasten Gil , > rucken
daz schachzagelspil > der
Acliachzagel 24(5. 249. 264; im
Reime > den schachzagelspil
362!
bescheiden >> hübsch 297.
irschellen beseitigt 1 188.
scJiire > atich .540, beseitigt 806,
vgl. 154.
tilgende und schon(d)e > schö-
ner tugent 93.
geschutte > schotten 654.
/ifr, si, in selber^ her, si, in 1270.
636. 1249 (beibehalten 66. 1089,
vgl. 1211); di, daz seifte beseitigt
150. 300; selben > selbigen 19.
serc > vasie 51, > stetiglich 1088.
st» > wesen 242. 573, vgl. die
Reime 378. 1186, auch 856.
r.orsinken (WO 547. 660. 898.
926) > undersinken 649.
.«/n^e (Oswcdt) beseitigt 665. 1130.
1146. 1228. 1251. (Also sinte
l'-n. 762 nicht von 0.)
durchslan > beslan 342.
snewiz beseitigt 340. .557. 625
(verlesen W 625); vgl. 1126.
Relativisches so beseitigt 385.
1074; vgl. 1052.
sprechen >> jehen 233. 269.
514, > reden 112. 1084; siirach
r> spach 762; lach neu ein-
geführt 355. (Also sprach 11.
479 nicht von O.)
stolz (St. hirz) beseitigt 1073.
strichen sw. > st. 131. 617. 62.5.
SU >> swin 862, vgl. 836.
mit truicen > mit tvillen 1315.
tmver (gewant) beseitigt 302.
uf heben > anheben 1085.
wnbekeren > iciderkeren 852.
f«s^e beseitigt 1079, doch vgl,
51. 60.
Das verstärkende vil ist beseitigt
164. 393. 533. 554. 920. 924.
965. 981 ; vgl. vil wol > gar
u-ol vil 112. (Also ist wohl ril
45 echt, vil 0 130 scheint ver-
lesen für wi.)
virdehalp > vir 466.
vol >» tvol komen 1148.
von hitze > vor h. 1280.
vortragen > tragen 309.
fridel > libhaber 497, > Äerr
564. 906. 1090.
fr/en > freuen 410. 533 *, un-
verstanden 431.
fronten > nutze 116; vgl. 577.
/fan = nist > denne 948, aus-
gelassen 748, vgl. 1026.
gewar > gewis 1266.
zeivare > vurwar 896.
^«2; tuenden beseitigt 856.
tvengelin > mundelin 1135.
tverlich > frolich 522.
rft maerc, ivi-ivaere beseitigt 1086
(vgl. 331. 1318).
/r//> > frouwe 85.
irwischen beseitigt 700.
!W? bei Zahlen ausgelassen 263.
663. 922; ju*c/i< /t'oZ genesen
> i»VÄ< «jre». 295; sogar im
XXVI
Einleitung
Reime n-ol >> vll 405; vgl.
wolgemut > frolich und iv. 526.
Eingeführt um liep zu ver-
meiden 261 ; vgl. husche und ho-.
Hunderlich > zirlich 206, > sun-
derlich 789; wundern > tw-
drizen 50; round erschir 154
fehlt 0 mit dem ganzen Verse.
ivüste >> fos<c 60.
&<?3}7c beseitigt 8.
zHchtiglich > fuf/entUch 200. 349.
c) Änderungen in beiden
Handschriften.
ahcmbe s. unter a.
durch in mhd. Sinne beseitigt 0
21.5; W 447 doch vgl. 1044 ^
1045.
en, ne erhalten in ijrne key W
818 (kayner O), in ym neme
0 = ennaeme 37, «Wi rwcTi 0
= enruoche 685 ; nicht enliz
AVO 963, aufgegeben 305. 692
uö. Ersetzung durch denne 818.
Das Präfix ge nach Präterito-
präsentien WO 374. 647. 1012.
1019. 1196. 1286, W 10.54,
0 1038. In den Formeln do
her (st) dise toort gesx>rach
WO 10.58. 1122. 1412; doher
(si) angesach O 199. 853.
Auch hier neigt sich also die Wagschale gar sehr zu Gunsten
von W: da haben wir ein paar Modernisierungen und ein paar
Änderungen unbekannter Worte oder Formen ; der Schreiber von O
dagegen modernisiert weniger als er dialektisch ändert: der räumliche
Abstand von der Vorlage scheint weit mehr ins Ge^^icht zu fallen als
der zeitliche. Manche Worte — wie ja die Änderungen ungleich zahl-
reicher sind als in W — werden regelmäßig beseitigt, mit spaßhafter
Prüderie nicht nur die hide, liep, fridel, sondern auch kusche, jnnr-
frouwe, megetin. Aber wir dürfen bei 0 aus Änderungen nicht gleich
schließen, daß ein Wort veraltet, ungeläufig oder unbekannt sei:
noch mehr als bei den Reimen (s. o.) kann natürlich hier Willkür
und Laune wirksam sein. Die Grenze ist schwer zu finden und
wie diese Liste einerseits keinen Anspruch auf Vollständigkeit er-
heben kann, so mag sie andrerseits, im Zirkelschluß, einiges 0 zu
979, ansach WO 3-50. W 199.
853. 979. 1344. Perfekti-
visches ge- sonst : gerute W 652,
in 0 (aus Mißverständnis) ge-
ändert; gesaz 0 saz W 725 ;
gesterben W ir sterben 0 .549.
stanc W gestanc O 1280.
hin-, hinvur entstellen WO 1229,
beseitigt O 1256; hinheim >
heim wider W 1040; hinna be-
seitigt O 1178; hinivider 0
840 wird anders zu beurteilen
sein.
/ beseitigt W 205, 0 299. 1206.
im, ir = sich beseitigt W 280,
O 535, vgl. 1223.
maz n.> fem. W, beseitigt 0 318.
na ist W ungeläufig: vgl. S. XX;
O ändert es in nahende 727,
läßt es aus 728; nane W nahen
0 125.5.
noch > doch 0 925; dannoch >
ouch u-ol W 286; vgl. 902.
sunder > swynder + sunder 0
äne W 111, vgl. 1322.
widerfarn > wider icerden A\
225, > werden 0 225. 687.
z}i nach beginnen fehlt noch WO
210. 1312, 0 1239. 1270; ein-
geführt in WO 329. 372. 917,
W 1239. 1270 (0 134).
Einleitung. XX VII
Lasten verzeiclinen, das erst auf Gruud der von 0 gewonnenen An-
schauung so gebucht werden dürfte. So zweifelhaft bin ich z. B. bei V.
639 heschh-mer W hnter 0 oder V. 776 trone W crone 0, 849 tvort \\
ding O. Hier nur noch ein paar Beispiele für solche Willkür in O.
edele ist beseitigt V. 166. 356. 454, beibehalten 353, eingeführt
(für liehe s. o.) 903; eingeführt auch 106?
selbig beseitigt 1157; beibehalten 656. 1082; eingeführt 19.397.
gar beseitigt 3. 137. 139. 158. 440. 1255, vgl. gar > wol
gar im Reime 787, eingeführt 243 (für also s. o.) 694, 486? .508?
uider beseitigt (225. 687.) 850, eingeführt 852. 1079.
williglichen > willig 241. 1056, erhalten 11; geliche >>
williglich 22, stritlich > stritiglich 1240.
Wechsel zwischen Artikel und Pron. poss. (siner >• der hant)
62. 107. 408. 492, umgekehrt 1041. 1155. 1156: hier und sonst
■wirkt das Metrum ein (vgl. 34. 724. 1200 etc.): die Wortwahl ist
nur als Beispiel für das Verhalten der Handschriften im Versinnern
herausgegriffen.
7. Dies Beispiel wird aber mit dem Vorigen (1^5) genügen, zu
zeigen, daf? W weit die bessere Handschrift ist, dafs auf ihr der Text
zu basieren, ihr in Zweifel zu folgen ist.
Außerdem scheint mir auch das Verhalten von W und O
(wenigstens im Reim-, Vers- und Wortbestand) so individuell, daß
ich daraus eine Bestätigung meines Stemmas entnehme : die Ab-
weichungen rühren nicht von mehreren Schreibern her — es hat
sich keine Spur davon gefunden — , sondern nur von W und O.
Wir dürften dann auch die aufgezählten Reimänderungen heran-
ziehen, unsre Lokalisierung der Handschriften (S. XV, S. XVIII)
zu bestätigen.
II. *W0, der Archetypii-s uiisrei* Handschriften.
A. Konstruieren wir nun aber *W0. den Archetypus, aus W
und 0, so zeigt es sich, daß er nicht einheitlich ist, daß er nach-
trägliche Zusätze enthält; und da die Einheitlichkeit seiner Reime
anderweit (Zwierziiia ZfdA. 44. 349) verfochten ist, so müssen wir
besonders behutsam in der Ausscheidung dieser Zusätze sein.
1. Zuerst die Stellen, wo sich Differenzen in Versbestand und
-anordnung der Handschriften mit inhaltlichen Widersprüchen oder
Zerstörung des grammatischen Zusammenhangs verbinden, Kon-
statierung einer Interpolation also fast selbstverständlich ist.
40a— c und 43a— e verraten sich schon inhaltlich als Zusätze: ,'40'— •.
dort (im Dreireim!) Widerspruch zu dem Ziel des ganzen Gedichts ^3—}.
und zu V. 37 ff. insbesondere, hier deutliches Ausspinnen des hnider
45 und mit 43<ie Einlenken zu 41 f. Beide Versgruppen folgen in O
als ein Ganzes auf 40, die zweite kommt also vor die Worte zu
XXVIII EinleiluiiK.
stehen, denen sie gilt. Also ist der Zusatz auch noch örtlich
kenntlich: wenn 40a— c jn *W0 neben 40 — 42 am Rande standen,
so schloß sich die Bemerkung zu 43 von selbst an 40 c, und so
konnten 43^— e vom Abschreiber als zugehörig betrachtet und mit
40a— c hinter 40 eingereiht werden. Dabei gingen 41/42 in O ver-
loren: W verschmähte beide Zusätze.
[90] AV stellt V. 108 + 90 sinnlos zwischen 88 und 91, so sinnlos,
daß W nicht ihr Verfasser, sondern nur ihr Abschreiber sein kann:
V. 90 stand als Zusatz, der wie 40 a der Keuschheit dienen soll,
neben 92; W versah ihn von V. 108 her mit einem Reim und ord-
nete ihn ein, aber falsch.
[147—58] In 0 folgt auf 14-0 sinnlos ein Reimvers, der aus 159 geformt
ist. Das ist sofort verständlich, wenn wir V. 147 — 58 am Rande
stehend denken: 147 — 56 sind christliche Parallele zu 129 — 46, aus-
gelöst durch 129 — .34. Stand also 147 neben 135, so konnten
155/56 etwa neben 145/46 kommen: wir hätten also eine Interpolation,,
die wie 43a-e am Schlüsse wieder in Gedanken und Reim der
Vorlage einlenkt. Dabei das frien wie in O (vgl. S. XXV) durch
irwerhen erneuert. 157/58 standen dann als Reimbesserung neben
159/60, sodaß her sprach einmal ausfiel (vgl. 564». 1142). Übrigens
wäre es V. 157 (159) nach her sprach 155 unverständlich, wenn es
jiicht von andrem Verfasser herrührte.
[294] Allein W hat den mildernden Zusatz 294, der 292/93 und 295 »b
widerspricht, (entstellt) übernommen und folgerichtig 295 ab aus-
gelassen. Nach der Anordnung in W stand er am linken Rande,
[458' "^J 458a— c o sind Parallelfassung zu 459, wegen der Lesart Konigijn
458 c O nicht erst von O; mit dem Plus an Inhalt, das wir schon
vorher in 40 a, ^94 etc. fänden. Am Schlüsse Einlenken in den
Reim: vgl. 43cle.
[528/29''-] Die Umstellung von 528/29 in O schreibe ich dei- TexLanordnung
der Vorlage zu: s. das Druckbild. Der Sinn von 526 ist mißver-
standen und durch Keuschheit und Glauben erweitert: vgl,
40a-c und 90.
[530— :32. V. 533 a ist nicht Zusatz von 0: frewen ist aus /"/vV/t entstellt,
187— 90J uj^fj frißn ist 0 ungeläufig. Aber wir haben nicht, worauf 5.33/33 a
antworten, und diese Verse sind nötig, weil sie erst Spanges Ja
enthalten, das V. 490 ff. noch hinausgeschoben war. Die Aufforde-
rung, ein goldenes Ringlein zu schicken, wird also unecht sein.
Dazu paßt aufs beste, daß 187 — 90, Oswalds Bitte an den Raben,
von Spange ein Ringlein zurückzubringen, ohne eine andre Ver-
mittlung mit dem verräterischen Vierreim an 186 angeknüpft ist
(wie .531a/532 an .ö33/.533a, vgl. 40 =>. 458«); (jeren 192 bezieht sich
auf 185, nicht auf 188.
[564.572/73. 0 läßt ölOIll aus, offenbar wegen des handgreiflichen Wider-
79798] Spruchs zu 572/73. Aber 575 schließt an 571, nicht an 573:
Eiiileilunj.'. XXIX
V. 57:2/70 wollen Oswald mit Heeresniaclit, nicht als Kaufmann
kommen laj^sen. Also ^nedcr eine Parallelfassung:. Die aber auch
sclion ö(i4 durcli übergeschriebenes und in ^V erhaltenes mit siner
schar gej:en ane war 0 -< ane viir *W0 vertreten ist und 797/98
wiederkehrt. 797/98 sind als Interpolation noch besonders jje-
kennzeiciinet durch den Versanfan^'. der aus 796 entnommen ist,
und durch die Lücke, die sie hinter 79() gerissen haben. Die erste
Auffassung ist also erhalten durch 0 564 =>, W 570/71, WO 795/96,
die zweite^ durch W 561, WO 57:2/73, WO 797/98.
Am schlimmsten verderbt, stellenweis kaum zu erraten, ist unser f659— 99]
Text V. 669 fi. Und nicht nur, weil der Inhalt den Schreibern fremd
war: sowohl in W wie in 0 finden sich unabhängig davon selbständige
Versumordnungen, als deren gemeinsame Quelle mir nur das im
Druck wiedergegebene Textbild denkbar scheint: die Vorlage ging
hier plötzlich aus Kurz- in Langzeilen über (d. h. wir haben hier
eine Interpolation, die am untern Rande der Handschrift zugefügt
wurde). So erklärt sicli, daß 0 von V. 674 auf 676 springt, W un-
abhängig von 67:2 auf 674 (das gibt noch dazu einen Sinn!) und von
676 auf 678: die Schreiber waren untereinander stehende Kurzzeilen
gewohnt. Der Zusatz würde sich inhaltlich Y. 43aft'.. 458a ff. anreihen :
eine Ergänzung aus der Sagen- und Literaturkenntnis des Verfassers.
Auf den nächsten Anstoß, der dann das Ende des Einschubs bezeichnen
könnte, stoßen wir V. 695: gleich zwei Vierreime. In V. 700 hat
dann einen keinen legitimen Platz: es war etwa untergeschrieben;
sonst wäre nicht zu verstehen, wie es entstellt nach 0 701 geraten
konnte. Übrigens zeigt 0 700, daß den fisch zu lesen ist, und
durch Auslassung des Verbums, daß das Bild der Zeile Avirklich
verdorben war. Das zugesetzte einen aber setzen wir natürlich in
Beziehung zu einen 697, d. h. zwischen beiden liegt der Schluß des
Zusatzes: den gehört in den Zusammenhang des Dichters, einen in
den des Interpolators mit seiner Auswahl von Fischen. Dann
möchte ich die Vielheit der abeHeime als Versuch anseilen, den
Anschluß an den echten Reim snabel zu finden (wie 459c, 532 und
sonst). Sie wären dann zugunsten eines neuen Vierreimes -in auf-
gegeben, der auch zu den echten Reimen überleitet. V. 700 zeigte
ja schon andre Spuren von Verderbnis. Eine Lücke, wenn auch imr
von einem Verse wäre ohnedies vor 700 aufzunehmen; Reste des
Verlornen könnten in den o^e-Reimversen 695 — 99 stecken.
Aber der Anfang der Interpolation ist mit 669 noch nicht ge-
funden: der Zusammenhang mit dem Vorigen ist deutlicli und die
Verderbnis des Textes ist zuvor kaum geringer. Dazu der einzig-
artige Reim nicht : crist, das sich besorgen an und vorsumen. So
glaube ich vielmehr daß 659 die obere Grenze ist, bezeichnet durch
Fehlen von 658 a in W und mangelndes her sprach: der Interpolator
wünschte eine Ausführung der angekündigten Klage.
XXX Einleitung.
Die Schreibung in Doppelkolumnen paßt zu dem Umfange
des Zusatzes.
f74y] Ein Zusatz wie 748 wäre in W einzigartig, ich schreibe ihn
darum lieber *W0 zu und stelle ihn in eine Reihe mit 294. 564:
Inhaltsvariation in einem Einzelverse ]nit Anschluß an den über-
lieferten Reim. Hier ist vielleicht Mißverstehen von 748» oder
auch Korruptel (vgl. 0) die Veranlassung gewesen.
[77!i] he>' (der Rabe) sac/cte 779 ist unverständlich nach her (Oswald)
sprach 777, um so mehr, als 781 ohne Nennung der Person doch
meder Oswald spricht. Dazu Umstellung von 781/82 in W: der
Zusatz stand am Rande, der Schreiber fand den richtigen Anschluß
in der Kolumne nicht gleich.
[832'] Denselben Cliarakter wie 748 scheint mir 832 a zu haben; vgl.
dagegen die Art der Zusätze von 0 in der Liste S. XXI.
[1142. 114:;] 1142« und 1143 " können natürlich nicht mit den direkt wider-
sprechenden Versen 1142 und 1143 bestehen, stammen aber auch,
schon wegen ihrer ünvollständigkeit, nicht erst von O her. Das
Textbild zeigt, wie ich mir die Einordnung des Keuschheitszusatzes
(wie 40"-c. 90) und die Entstehung der Ünvollständigkeit von 1142
(vgl. 157. 564«) denke: alle beiden und V. 1143 sind übergeschrieben
über die Worte, die sie ersetzen sollen ; der laze uns sollte für das
Neue mitgelten, das Übrige wurde durchstrichen. So kommt es,
daß 1142 a und 1143=^ in W ganz ausgelassen und in 0 mit dieser
Verstümmelung hinter 1143 gestellt wurden.
[1229 ^t] 1229 "b fehlen in W, die Verderbnis in 1230 (Auslassung des
gefaren wegen des Mißverstehens von vur 1229 als vehebatiir) läßt
vermuten, daß in der Vorlage 1230 unmittelbar auf 1229 folgte,-
1229ab also Zusatz sind von der Art wie 43»— <-, 458a-c.
2. schließen wir auf Interpolationen aus Zerstörungen des rein
grammatischen Zusammenhangs, die oft mit Lesartendifferenzen
verbunden sind.
[123/24] Zu ivirt hekant 122 fehlt das Subjekt: vgl. 138 und 198. Es ist
durch die erklärende Ergänzung 123/24 verdrängt, die sich durch
der statt her und durch den plötzlichen Dreiheber 123 kennzeichnet,
[171—78] In V. 180 haben WO her der ni vorgaz, nämlich der Demut,
Gerechtigkeit, Keuschheit, die die Steine seines Ringes darstellten.
Dies der aber ist nicht zu vereinen mit dem sin 181, das sich aus
Sin O Hl/ W für *W0 ergibt: der ist eingeführt um die Interpola-
tion 171—78 anzuknüpfen, und wir erkennen jetzt ihren Beginn an
dem Vierreim und dem aufnehmenden daz was. Vgl. 909 ff.
[989_ioio' min fridel 1012 überlastet den Vers, paßt nicht zu her 101 L
Es ist zugesetzt, weil dieses her durch einen voi*ausliegenden Ein-
schub unverständlich geworden ist. Suchen wir die zweite Fuge,
so treffen \vir V. 989 auf einen Wechsel der redenden Personen,
der nicht ausgesprochen ist: es fehlt si sprach, und der Vers ist
KinleiluiiK. >^XXI
liberdies in 0 verdorben. Inlialtlich aber sind V. 989/UU höchst
unverständig: der Rabe erzählt Oswalds Unglück auf dem Meere
und nun fragt die Königin: wo hat er die Schiffe gelassen? Als
sie dann hört, dafi sie versunken sind, will sie daheim bleiben,
läßt sich aber sofort umstimmen, als der Rabe droht, dann auch auf
Nimmerwiedersehn zu verschwinden: eine Öpielmannsapothcose.
So will sie alles tun. was er wünscht. Und was wünscht er? Nicht,
daß sie nun doch in die Flucht willigt, sondern daß sie sich taufen
läßt. Aber die Antwort vergißt der Interpolator ; her lOll bezieht
sich auf hn '.i88 und also auf üswalt 98:2. Der Text ist sehr zer-
rüttet, weit stärker als der umgebende.
3. vermuten wir nach dem Vorigen Interpolationen auch da, wo
die Handschriften Differenzen im Versbestand haben, auch ohne daß sie
mit Zerstörung des grammatisciien Zusammenhangs verknüpft wären.
:i4f) " und 247 "i fehlen in W; die Antwort auf 246" folgt [247- g9)
erst 260. Dazwischen eine Interpolation, die auch äußerlich als
solche kennbar ist. Denken wir ;24ü/246a -f 260—66 und 247 — 59
parallel nebeneinander geschrieben, so finden wir: der Interpolator
entnahm den ersten Reim aus 246, wie 43«. 171; der Inhalt von
251 52 stammt aus 262/63; der wunderliche Fehler brockt 0 251
erklärt sich aus Abirren zu gehrorht WO 265, den Reim tcrrt(!) : zart
252 aus dem danebenstehenden fort : tvart (!) 264; der Inhalt von
254/55 ist gleich dem von 264/65.
342«'' sind wohl als Randzusatz von W ausgelassen. Die Er- 'M2'>>]
klärung ist ebenso angeknüpft wie 171.
Das Fehlen von 324 in 0 wird man zunächst lieber durch den [:U7— 24J
Reim als durch Interpolationsunordnung erklären wollen. Aber
auch der Reim scheint auf Interpolation zuführen: gefidere : aschen-
hrodele steht einzig da: gefidere reimt sonst nur auf nider, sider,
wider und zwar 7 mal. Auch die beiden vorigen Reime sind einzig,
desgl. niaz 318. Die Wendung in V. 317 verrät uns dann den An-
läng des Einschubs, es ist dieselbe wie V. 342i, vgl. 171.
V. 469/70 fehlen in 0. V. 469 spricht der Rabe, 489 plötzlich und [4ü9-88]
unverständlich die Prinzessin. Aber die Worte des Raben sind nicht
Antwort auf das Vorige; 489 schließt an 468. Vgl. 474ab und 1318 ff.!
Farallelanschluß {703 || 702) und Lücke in O bezeichnet den [703—15]
Beginn einer weiteren Interpolation, die die Tätigkeit dos Fischers
noch ausmalen, den Ablauf der Handlung? noch verdeutlichen möchte.
Die Reime 703, 705, 71:5 nur hier; 707 = 718.
1046«'^' fehlen in 0. Ich halte sie mit W für Parallelzusatz, [io46'*]
vielleicht wegen göt : not.
V. 1100—1103 scheinen von 0 zu notdürftiger Herstellung eines 1082—99]
Zusammenhangs ausgelassen, denn 1100 schließt nicht an 1099.
Als die Burg verschlossen ist (1081) beginnt der Rabe mit Spange
zu sprechen, ohne ilaß, wie sonst, erzählt wäre, wie er zu ihr flog.
XXXIL Einleitung.
Er berichtet ihr das Unheil und eibittet iliren Rat. Sie fordert, daß
Oswald die Tore durch Gebet öffne. Und nun 1100: der Rabe
fliegt zu seinem Herren und meldet ihm — daß die Burg ver-
schlossen ist. Aber nichts von Spanges Rat; vielmehr fällt Oswald
von selbst auf die Knie und bittet um das Wunder. In Wahrheit
bezieht sich cU hotescliaft 1100 auf 1079 — 81, was dazwischen steht,
ist Einschub.
[1178'''] 1178ab, wegen des gesinde nicht erst von 0 (vgl. 315), sind
Reimparallele zu linjlS (ga : na, vgl. lOißal^); dabei zugleich
inhaltliche Vergrößerung wie 564», 797 etc.
4. Zu den bisher besprochenen Athetesen gaben nicht irgend-
welche Meinungen, sondern sichtbare Eigentümlichkeiten der Über-
lieferung Anlaß. Erst jetzt geben wir diesen sicheren Boden auf
und erheben mit so gesammelter Erfahrung gegen einige Stellen aus
inhaltUchen, technischen, stilistischen u. a. Gründen Bedenken.
[65—80] V. 65 — 80 sind spielmännische Episode, wie 317 ff. 1082 ff'.
Oswald hat den Waller in eine Kemenate geführt. Das ist der Ort
zu geheimer Zwiesprache : da können die herren nicht anwesend
sein. Dazu kommt das Zeugnis der Reime : satzte : platzte, benhe :
bedenken nur hier; besonders bedeutsam aber me:we, während
sonst (3 mal) mer gereimt wird; nn&haz'.des (geschrieben das), mit
dem sich nur das schon athetierte tvert : fart 252 vergleichen läßt.
Streichen wir 65 — 80, so schließt sich her siivach 81 unmittelbar
an 64.
[389—402] Y. 389 ff. wird Spange ohne Aultrag und vor der Werbung von
dem Raben aufgefordert, sich taufen zu lassen. Als Spange das
Ansinnen zurückweist, sind des Raben Worte ganz ohne Beziehung
darauf, es wird unmittelbar die Werbung angeknüpft. Der Reim
selig '.ledig nur noch in der entsprechenden Taufinterpolation 469 ff.
[409—32] V. 409 f. heißt es, der Rabe habe Spange 'gefreit', aber 431 wird
er erst dazu aufgefordert, und er freit also zum zweiten Male. In-
dessen besteht die erste Freite nur aus Mariengrußvvorten, die den
Stempel der Entlehnung auch in Rhytlunus und Stilisierung (Anapher)
an sich tragen und die der Entlehner selber hervorstechend schön
findet (420/21). Von Oswald und seinem Auftrage ist nicht die
Rede, wohl aber von den Gefahren der Werbung, und da ist natür-
lich V. 422 ff. nichts andres zu sagen als 454 ff. Welche von den
beiden Werbungen die eigentliche ist, kann nicht zweifelhaft sein,
zumal erst bei der zweiten Oswalds Name fällt. Klammert man
409 — 32 ein, so schheßt nu merke 433 genau an merke 405. Ver-
räterisch der rahe 409 statt her nach den rahen 408.
[447/48] In 447 erkennen wir die Motivierungsforrael von V. 317. 342 a
wieder. Der Reim und V. 448 = dem interpolierten 392; Vgl. 1140 f.
[520—23] V. 520 macht der Vierreim stutzig, V. 521 das ringerlin statt
eines Pronomens, V. 523/24 der Zusammenklang mit den ausge-
Einleitung. XXXIII
schiedenen Versen 47:3 74. Auch der Inhalt ist verdächtig: eine neue
wundersame Ringeis:enschat't christliclier Art: vgl. 171 IT., 5"28f.
Die Athetese von 9S'J — lÜlU erführt noch eine starke Unter- [8«— '.)8J
Stützung, wenn man V. <SM4 85 betrachtet, die sich untereinander
aufs krasseste widersprechen: die Reise dauerte 17 Tage — 8 Jahr:
es ist eine der gegensätzlichen Interpolationen wie 4()'», 294 etc.,
und wir sehen nun, daf? 885 fl. wie 989 IT. den Untergang von
71 Schiften einzuschmuggeln bestimmt sind. Ich begrenze den Eiii-
schub mit 898, aber wenn wir ihn beseitigen, werden noch ganze
Versreihen mitgerissen.
Zunächst 905 — :2G, wo von der langen Reise, vom 9. Jahre [903—20]
der Reise die Rede ist und von dem Ringe, der keusch macht und
allen Zorn verrauchen läßt. In der Tat bleibt aber 917 fi". das
Ringlein ohne jeglichen Erfolg, — Gott, nicht der Ring hilft 902 —
der Heide erhält zwar vielleicht eine Antwort auf seine Frage
nach Herkunft des Ringes — sozusagen hinter den Kulissen :
V. 920 — aber das hat weder gleich noch später, als Oswald
kommt, die geringsten Folgen. 927 schliefst sich eng an 899 ff.:
ihm widerfuhr groß Ungemach auf dem Meere (aber Gott und Maria
nahmen ihn in ihre Hut): der Proviant ging ihm aus.
So bestätigt sich die Athetese von 779/80 (S. XXX); aber [540-.53J
V. 540 — 53 werden wir nun streichen müssen: sie enthalten die
Tugenden von Spanges Ringe, insbesondere die Voraussetzung zu
905 ff. : wer ihn trägt, kann niclit versinken. V. 552/53 die be-
zeichnende Parallele zu .538;.39 (vgl. 43c. 157), die zugleich Anfang
und Schluß der Interpolation verrät. Es ist die vierte Einfügung
von Ringeigenschaften: 171. 520. 90-5. Die Reime 540 — 545
und .550 51 nur hier.
1136 — 39 halte ich für einen der Keuschheitszusätze: der Kuß, [11.36—39]
mit dem Oswald die Braut empfing, war harmlos und der einzige.
Schlußanknöpfung durch den Parallelismus 1139ff. || 1132 ff. (vgl.
552/53 II 538/39) ; an aines herzen grünt ist allerdings einzig in
seiner Unverständigkeit.
Überhaupt weiden wir nun fragen, was von Spanges kusche
übrigbleibt, nachdem sie sich so vielfach als unecht erwiesen:
40a-c. 90. .528/29. 1136/39. 1142—43; 171—78.
V. 55/56 gleichen 85/86, nur fehlt kusche, das V. 86 bietet.
Aber es folgt in einem besonderen Verspaar: V. 57/58. Indessen
ist denn kusche in V. 86 an seinem Platze? Es zerstört vielleicht
den Vers, indem es ihn fünfhebig macht.
Als dann der Rabe seine Botschaft bestellt, sagt er V. 4.50:
'Wolltest du sein Buhle sein, so wollte Oswald mit dir leben kusche
hiz an daz ende sin (453) : der Nachsatz scheint dem Vordersatze zu
widersprechen; 0 hat das kusche schon im vorigen Verse unter-
gebracht. Stand es also auch hier am Rande?
Baesecke, Wiener Oswald. III
XXXIV Einleitung.
Und schließlich, als der Rabe Spanges Zusage brinsrt, heißt es
(757): 'Dir will sie sich ergeben und keusch mit dir leben an ires
libes ende (759)'. 0 läßt den Mittelvers aus, und wir haben von dieser
Stelle aus keinen hinreichenden Grund anzunehmen, daß kusche nicht
in *\V0 stand. Aber das zeigt sich auch hier, daß husche in diesen
V'ersgruppen keine feste Stelle hat: V. 57 (dabei Unordnung in
V. 56) und W 453 ist es mit biz an ir ende verbunden, Y. 86, 758
und 0 451 zu mit dir leben gestellt. Nimmt man hinzu, daß es
V. 86 vielleicht den Vers zerstört, V. 90 reimlos hinzugesetzt ist,
so möchte man die ganze husche Spanges für unecht halten. (Wir
dürfen es nicht gleich daraus folgern, daß in 0 das kusche V. 57.
104. 758. 912 fehlt: 0 vermeidet das Wort aus lauter Keuschheit
wie fridel, minne, bule, wip. Aber diese Regelmäßigkeit ist doch
auffällig.)
Dazu stimmt noch eine andre Beobachtung: kusche leben heißt
es *W0 451. 758, W 90, 0 86, kusche hliben *W0 56 und W 86: leben
paßt auch ohne kusche, bliben nur mit kusche zusammen : die Les-
art leben O 86 zeigt noch das Aussehen des Verses vor Eindringen
des kicsche.
Übrigens läßt auch Oswald dem Raben, als er ihn auf die
Freite schickt, nichts von einer Keuscliheitsbedingung verlauten
(142 ff.), und demgemäß sagt der Rabe (V. 472) nur: nim Oswalt
zu einem man.
Allerdings ist auch schon im Original von Keuschheit die Rede
gewesen. Spange war natürlich in dem gewöhnlichen und mensch-
lichen Sinne kusche und konnte auch so genannt werden : das spricht
V. 100 deutlich genug aus: sie wird nicht heiraten und darum keusch
bleiben. Oswalds kusche (1109 und 1206) läßt sich sehr wohl als
mittelalterlicher Zweck der Ehe verstehn: vgl. 4.50 ff. Aber solche
Stellen mögen eben die eingehende Bearbeitung des vielgeliebten Motivs
angeregt haben, deren Spuren sich aber auch sonst nicht ganz ver-
wischen lassen: V. 60 — 60 b beziehen sich auf jene andre kusche
Spanges, ohne daß ich sie zu beseitigen wüßte. Aber der Vergleich von
55/56 mit 85/86 und 451/53 (zum ivihe^ zu nemen, leben >- bliben,
kusche: s. o.) zeigt, daß hier alles übertüncht ist.
5. Für sich allein und mit besondrer Vorsicht betrachten wir
den Schluß von V. 1336 an, denn da fehlt uns die Kontrolle einer
zweiten Handschrift: 0 setzt aus.
[1363—1403] V. 1363 ff. verlangt Oswald von Spange als Entgelt für die Bitte
um Belebung der Heiden das Gelöbnis der Keuschheit. Es wäre ja
möglich, daß das hier einmal echt wäre, es ließe ."sich das Gelöbnis
einer Kirche (1049) und einer Spende (1206) vergleichen. Indessen
lassen sich eine xMenge von Verdachtsmomenten dagegen aufführen.
Erstens: Oswalds Antwort beginnt (1363), ohne daß der Personen-
wechsel bezeichnet wäre. Zweitens: Spange bittet Oswald sehr
Einleitung. XXXV
sonderbar, für ihre und seine Seele zu beten (1385 ff.); das aber ist
nachher ganz vergessen. Drittens: V. 1404 spricht ohne jeden Über-
^'an;.' plötzlich Oswald, er ist schon im Gebet, aber von der t-'elobten
Keuschheit saj^t er keine Silbe. Da ist also eine Lücke, vielleicht
nur von zwei Versen (vgl. 1298/99), und wir werden nicht leicht
mehr glauben, daß das Zufall ist. V. 1397 ein Dreireim wie 40".
14.58/59 halle ich für Parallele zu 14.55/5(i, verraten durch die [1458/59]
liikonzinnität an sinte Oswalden 1456 gegen zu dem kunige 1458.
Wir scheiden also jetzt *W0 in ein ursprüngliches *WOj
(= I) und ein dahineingearbeitetes *ViO^ (=^ II), und wir recht-
fertigen unsere Begrenzung durch Untersuchung erstens der Vers-,
zweitens der Reimtechnik.
B. Yerskiinst. 1. Unser Gedicht stellt sich dem Betrachter lange als
ein roh-unentwirrbares metrisches Gemisch dar. Es finden sich allite-
rierende ZweiUikter (mit der 'dipodischen' Messung des Viervierteltaktes :
> / X X X X / X X X >: ) "eben Viertaktern f A / >, y / >; xlxXlx X ),
zwischen beiden auch Vierheber, die zur alten dipodischen Messung
neigen, und dazu Verse mit augenscheinlich nur drei verwirklichten
Ikten; die Kadenz -^x ist archaisch gebunden mit (X)-^, aber
auch modern mit x X, d. h. es geht Ahd., Mhd., Nhd. durcheinander,
das Ahd., wenn man von den Dipodien absieht, zwar erst durch den
Bearbeiter eingeschleppt, das Mhd. aus der Überlieferung, das Nhd.
aus der Sprachentwicklung und dem Dialekte wohl erklärlich: das
Diphthongieren macht sich zwar noch nicht bemerklich, wohl aber
eine Verschiebung der Vokalquanlitäten, die das alte System der
Verskadenzen und damit die ganze metrische Technik zu stören
.scheint. Wie tinden wir uns durch dies Labyrinthy
Ks sind 1514 Verse ( 1 298 'i durch Konjektur gewonnen: 52 Plus-
und o ^linusverse gegen Pfeiffer), davon 1152 in *'\VOi (= I),
:562 in *W0o (= II). Die 1152 zerlegen sich in 575 Verspaare
und zwei Einzelverse (700 und 1350), die 362 in zwei Dreireime
(40". 1397), 174 Paare und 8 Einzelverse (43«. 294. 458 a. 564.
699. 748. 832^1; 90).
2. Wir beschränken uns zunächst auf I und nehmen, um in
diesen W^irrwarr Ordnung zu bringen, als festesten Ausgangspunkt
die Verse mit hochtonigem. zweifellos männlichem Ausgange, d. h.
wir lassen auch alle, die erst durch Apokope oder Synkope männlich
geworden sein könnten (irilligliche, faren, jchen), desgl. alle mit
dem Reimschema -^ / : -^ (koufman : lan) vorläufig beiseite;
auch den konjizierten V. 1298 <i mit 1299. Dann bleiben uns
642 solche Verse. Davon haben bei natürlicher Lesung etwa 257
regehnä&igen Wechsel von Hebung und Senkung.
Auch die übrigen haben nicht mehr als vier Takle, wenn man
liest, we folgt.
iil*
XXXVI Einleitung.
Der Auftakt ist meist einsilbig oder fehlt. Zweisilbiger Auf-
takt besteht
a) aus einem unbetonten Wörtchen und Präfix: her trwüschte
700, her hegiinde 1241, si hegiinden 210", der entbiit 449, und ge-
dinke 640, tmd begünden 1415, wol heran 290;
b) aus einem unbetonten Worte: (umhe mine 1329.) einen (rdhen)
111. 1054. 1059, unser herre 940, also liep 82, wenig gutes 828,
groze Übe 1186, juncfrou S2)dngen 186;
c) aus zwei unbetonten Worten: vor dem crüze 1340, blz der
heide 1071; wo ist Ostvalt 982, di hat lügende 93; wenne ich wi'irde
460, doch in got 902, wer si friet 97, daz im (cht 225; her (si)
sprach: (säge mir) 81. 495. 777.
Dreisilbiger Auftakt wäre anzunehmen in {unibe sin völk 1358,
ich kume hin, Gegensatz wider 194, so sprechet dUe 1465), dir hat
gesdnt 765, und tvil an göt 1362.
Im Versinnern treffen wir mehr -als -zweisilbige Takte
folgender Art.
a) ^^X in einem Worte: edeler (edele etc.) 166. 185. .353.
356. 454. 495. 524. 765, himele 193, samehmge 1174; zusamene 1232;
federe 863, gefidere 876; lebeten 1268; kunige 466. 491, manige
1070. 1226; lebendig 1333. 1414, sibenzig 1081. In V. 249 und
264 wäre lesbar schdchzägelspil, aber 334 und 362 legen schach-
zdgelsp'il näher.
b) ^ — X in zwei Worten: hdbe(n) ge(tän), meist mit der Möghch-
keit, das haben zu kontrahieren: 105. 641. 1197. 1203. (1219.) 1265:
göte gedinet 1264, niere geivdchsen 726, mere geschdch 988, tete be-
kdnt 1287 t), g6te bekdnt 1341; tagen gefdren 1196, geren gelonben
1194, räben gezogen 111, rdben begünden 210; disem gebet e 1407;
vdter vorzdlt 459; lidest gedüldiglich 1406;
räbe nu 511. (1101), sdge mir 81. 782, Idde si 535; geben ein
275, rdben an 408, körnen in 800. 1043; i'ibele iz 1248, swefel und
1277; sdgen von 592; vdter und 1313, wider zu 734, wider daz
707, ?^2fZer sm 718, iiber des 560; /eft^s^ (?m 1260; tilgende und 93;
^e^e, ff'as: 964, sprechen, her 361, bitest, daz 1358, «?ere, r?«^ 768.
(c) Ji^^, in der Senkung zwei enklitische Silben: möchte her
493, schütte her 626, sdtzte her 1156.)
d) ji-^^, in der Senkung eine enklitische und eine proklitische
Silbe: [dlle geliche 210^, rechtem geloüben 1447, hdte gehört 507,
vdste geslözzeti 1079, wite bekdnt 96, dinste bestdn 1055;) ivürde
geivdr 590, «ZZf gemein 815, dWe gesünt 1417, ^^feZ gebetet 1323;
(7j«^e rfas 701, 7t(5?'<e rfer 941, mdchte daz 1220; irschellet ein
1188, bringe dem 539, /"rm-e dic/i 496, friet, di 106, (JZ/e der 621,
snelle hin 1179;) tdten di 338, heiden di 260, sünder ein 1028,
Oswalden den 1327, t'inder den 183, ««f/e/' rfem 515, Maria, di 904;
Zjitsie sj a» 1135, brüder bi 62, kirchen zu 445, Ze/(/e s^w 658 *>, ^e-
Einleitung. XXXVII
schaffen mit 1141, gcJonhen von 13(52; hner din Z~S, alle min 1057;
eia, ril 8ö5, (öchter, ga 1314;
hat her zuhänt 98, tcürt her gewär <öLO, stiz her den 1144, ndm
si ein 538, müst du ein 235, uilt du im 1261.
e) x^ -» in der Senkung zwei proklitisclie Silben: im zu geböte
30, mir zu vord^nken 591, iräz Jier getcin 4^G\, da z zu der selbigen 1157.
f);<-'X, die erste Senkungssilhe enklitisch: (he'rre daz 944,
herre mich 1352, machte sich 1179, irbärme dich 936, (Jwfte sic/i
268, t(?W.e sj 534, toüfe daz 239, />/e/, f?«2r 97, herren her 942,
froüiren di 344, virdehalp 466;) williglich 192; s(5 »c/i m 1074;
r/Ven /»/ 35, dinen und 4i)8, ut'inders so 361, nu'isten do 824, t'/n*;
50/ 1300.
g) -^ x-^: (Ä/>i /"jtr^f /i^r 1145, wilkomen 750. 981, uäz^ich dir
94. 489^ 949.) «%/^e;» 1078. 1157. 1176. 1432; müste in^an 382,
nim mich in 940, göt, ich dich 1105, s^ einen 1073, <«<« stM^n 503,
hin libez 638, Öswalt der 982, jüncfrou (jiingfer) zu, 436, blschofe
499. Oswalden 1300.
Diese Rubrik würde sich noch sehr vergrößei-n, wenn wir nicht
folgende Takterleichterungen durch Verschieben des Akzents für
möglich hielten: daz hörn lutte und bedutte 1158, Idnt sint
mir 48; dazu herkömmlicherweise im Auftakt: richtüm und
13, Oswiilt in 44. nein sprach daz 454, bint mir daz 558, got din
beschirmer 639, Osivdlt zuhänt 851, Osivdlt fil 1041, jo sprach
si 1187, gut was daz 1257. Hierher rechne ich auch die iambische
statt daktylische Lesung drei einsilbiger Wörtchen im Verseingang:
daz her dem 282, do in daz 325, der iiz dem 726, und so 737. 853.
979. 1014. 1100. 1122. 1154. 12.56. (1343.) 1446. 1464. Nötig
sind aber alle diese Verschiebungen nicht, wie die Beispiele oben
unter g) zeigen; die Verse sind also in die 257 'regelmäßigen'
nicht eingerechnet.
h) vi/ww^: {sdmelunge 1174;) räter ist eiti 9(j, leben, liber 511.
(i) x-'—- -: üngelnnben 1261, heldenischer 201. 1260, sjnse weder
724, ösicalt hate 1240, sprach: ivurdet ir 299, uzgestözen, duz^ich
864, icäs^ich nch gebeten 1347.
Akzentverschiebung ließe sich annehmen in strichle in mit ir
625, ici her unser 368, under im di 1177, also her mir befölhen 1048.)
3. Aber wenn auch keine Fünftakter, so gibt es doch V^erse
mit nur drei verwirklichten Hebungen unter den auf Hochton aus-
drehenden. Sollen wir die als altertümlich ansehen, als vierhebig
stumpf, mit dem vierten Takte in pausa, oder als modern, einge-
schleppt dadurch, daß die alten vierhebig klingenden Verse
('<y y y — y) dreihebig (x ^^ X X :^ X) gelesen wurden? Beides ist
möglich. Denn daß die alte klingende Kadenz noch in voller Kraft
ist, zeigt sich daran, daß sie auf männliche reimen kann (-^x •~^)'
XXXVIII Einleitung.
andrerseits reimt aber auch x >< auf -^ x » und damit ist die Vor-
bedingung für männliche Dreitakter gegeben.
Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Verse selbst zu
untersuchen und zu fragen: wie schwer muß eine Silbe sein, um
noch einen ganzen Takt füllen zu können? Aber natürlich dürfen
wir zu einer solchen Untersuchung nur die Verse heranziehen, die
am wenigsten in den Verdacht der Dreihebigkeit kommen können,
d. h. die kUngenden der alten Art : X :J< X x X -^ X ? die nicht auf
X^X:K:X:i<XxX reimen.
Daß überhaupt einsilbige Takte anzunehmen sind, lehren die
22 Verspaare mit den Kadenzen -^ : -^ x ^^'o "^ dem klingenden
Verse ja notwendig Synkopierung des vorletzten Taktes eintreten
muß, wenn der Akzent nicht verschoben werden soll : alt : Öswälf.
Daß er nicht verschoben werden soll, lehren wenige Lesepi'oben.
Man kann diese Verspaare in zwei Klassen zerlegen: in der ersten
fällt der männliche Reim auf einen gehobenen Nebenton (reinikeit :
hüsclteit), in der zweiten auf einen Hochton (alt : Osivcüt). Von der
ersten Art zähle ich 5, von der zweiten 17.
Jene Synkopierung des 3. Taktes verpflanzt sich aber charakte-
ristischerweise — offenbar durch eine Art von rhythmischer Asso-
ziation — aus den weiblichen auch in den zugehörigen männlichen
Vers, und es entstehen Bindungen wie jär alt : Oswält 437, (bis frö :
also 496,) kni sin-.perün 608, göt gäii : koufmän 801, gehürn sin:
güldin 1016, hirz stdn: dhistmän 1072, gcwdr wart : näfärt 1180.
So ist mit den Synkopen zugleich ihre Einteilung gegeben: sie
treten ein a) innerhalb eines Wortes (-^x) oder b) zwischen
zweien (-^-^).
a) Die erste Art findet sich innerhalb der 00 Verspaare auf
-^X (apokopierbare sind auch hier wieder ausgeschlossen) m junc-
froüiven 335. 345, etTichen 596, d'ineren 848 (wunderte 50, hinderte
1222). Diese Gruppe erhält Bestätigung aus den Reimworten der
Verspaare auf -^x • ^^' dinstwun 1072, koufmän 576. 801, näfäH
1181; Öswält 31. 438. 945. 1228, fretssäm 91. 141, wdrhett ^U,
kuschelt 1110. UOö, güldhi 118. 170. 1016. 1150, j^erlm 608, sördlch
1021, kerker 1253. Es schließen sich an die trennbaren Komposita
nä-trügen 34, hin-springen 127. 161, her-brmgen 597, heim-färn 1040.
b) An diesen letzten und den oben genannten Beispielen (V. 437.
608. 801. 1016. 1072. 1180) zeigt sich, daß noch die alte Satzton-
regel gilt: das Nomen und emphatisctie Adverb kann einem
folgenden Worte in der Betonung nicht untergeordnet werden, d. h.
es ist hochtonig, wenn es vor dem Hochton des Reimes steht, und
wenn es einsilbig ist, muß Synkope eintreten. Wenden wir das auf
die rein khngenden Verspaare (-^x :-^X •''•"' so finden wir da
noch folgende Fälle von Synkope vor dem Reime: mdrc göldes 285,
geu-är wirden 1266. Vom zweiten und dritten schließen wir dann
Einleitung. XXXIX
auf den ersten Veistal<t und lesen : sin surii nätruf/en 34, über
mere Ist tjemvzzcn 140, nf di bi'irc quämen mi'r^ 1418 {dinest und 17);
da stihit ein il33, gar iröl i'inrordräzzin 1080 (hin floiu/ her mit 642,
mit Möjrlii-likeit der Akzentverschiei)ung).
Da^'e^'en fehlen beweisende Fälle von Synkope zwischen Verhal-
lorm und Reim. Ich synkopiere auch ohne solche Zeugnisse im
Yersinnern nach Verbalform, wenn vor der nächsten Hebung zwei
Silben stehen, von denen die zweite schwächer ist: Uz si ronnfren
60:2, S2)r(tcJi zu dem 233; hat mirz gebunden 517.
Zwei (drei) Synkopen in sin swert nä trügen 34.
4. Wir folfiern jetzt: im hochtonig schUeßenden Verse werden
die gleichen Synkopen zugelassen sein wie im klingenden. Wo wir
mit ihnen nicht auskommen, um 4 Takte zu füllen, müssen wir
dreihebige Verse annehmen.
a) Synkope innerhalb desselben Wortes fanden wir zugelassen
beim Kompositum, hier: hüsfroiiwe 1288», mdsfboümes 650; jilnc-
froü(wen) 166. 347. 379. 407. 5(52. 1336. 1346, jüncfroüwelin ^ ji'mc-
froHTm ":> jüncferVin 449, dndacht 1341; snewiz(en) 340. .557. 625
(doch vgl. 21); kürzwile 246»; öswdld(en) 963. 1101. 1183. 1327;
bi.^chöfeOO 1423. 1430.
Dali auch schwächere Ableitungssilben und Flexionen (nach
Länge und vor tonloser Silbe) einen Iktus tragen können, ist zwar
durch das Versinnere der Reimpaare auf-^x nicht bezeugt, wohl
aber durch das Vorhandensein des klingenden Schlusses mit doppeltem
Akzent. Ich lese also: grimnuyen 494, gened\ger 1045, seWigen
1416, trvnig in 130; ander 609. 1301, bezzer 1025; heiden 1178.
1249, trüwhi 1315, wenden 856, worden 138, tvihischten 274, würden
1417, dünVet 109, shp//^ 1179, lüte 1413, brachte 12.32, grüste 271
koste 263, möchte 1286; geloüh^te 593, fölgeten 1076, koüfet 301.
Fraglich scheinen ferrh in 832, gefcirhi 1235; nicht möglich gestern
her gewan 36-5, schöne hat gecleit 369.
b) Synkope zwischen zwei Worten, a) das erste ein Nomen,
aa) vor dem Reim: inh- hdn 235, lön sin 3ö4, geivänt trelt 370,
arm näm 408, mer wänt 435, tröst Ut 1057, kni fll 1105, dinc hat
1140. tdc wart 1310, göt ist 1.325, bürc gdn 1415; hant sin 518. kil
sin \lAi,jdr her 110, man nä 1077, stül auch 1281; [nicht fünt 11-54;)
gut rät 952, gut wint 1221; liep was 179, cränc wärt 658,
hlöz hin 864, gewdr wart 973, leit sin 1171, gröz was 1279, tot
ist 1358;
gebrächt wärt 265, bereit wärt 823, getan wärt 828, getan sin
1033; gesänt mich 230, gesätzt dir 1290.
ßß) Also im Versinnern: sjiH ällez 283, hirz wünniglich 1066;
wirc williglich 11, völk überal 368, hirz überal 1069, bürc raste
1079, j;m gär 1279; Ä/rr, rfrf^ 1015; //;; »t'rtr^ 339, .(?c>< so^ 354,
bürc mächte 1067, ^■o/^• üfbrach 1075; M'cJrf üzgesprach 1122, /ior«
XL Einleitung.
näm 1155, werc hau 1265, pech gi'izzen 1277, stül wert 1285, göt
heten 1305. 1335, völk hltest 1358; tot im 8, hirz her 1059; hröt
tind 240; «/c/;^ me're 238. 381, wic7?^ ««^en 592, kht widerfwe
225 (Erhaltung der alten Bedeutung des nicht]); acht jär 110, eilf
tage 7^1, rlr wöchen 1209, drl stille 1294, rZr« hundert 366; .sc7iOJi
güldin 766; /7?-O0 itnr/e 262.
ß) Das erste Wort ist ein Adverbium aa) vor dem Reime.
Hierher gehören zuerst die trennbaren Komposita: hin pmg 969,
i'if brach 1075; (drücte) (in sich 387; her gegen 245; ferner alhi
sen 1262, ztihänt dö 1306, (daz stunde) wöl An 586. 843, [iü6l künt
48,) vil schir 822, vil gd 1178 (mhd. n-ol, vil und dgl. sind also
nicht schwachtonig!) [so zart 974). ßß) Also dürfen wir im Vers-
innern lesen: hin loufen 534, heim für 1443, üb stiz 1144, völ
körnen 1148; (füre) her durch di 11^, her, juncfrouwe (gesant) 436,
zii mäste (gän) 492a, hinvür müste (gern) 1256; f/rt&/ sti'tnt 1281,
{dari'iz näm 538,) (/« älznhant 1035; zuhdnt in der 656, zuhdnt
dö 823, 2;M/i«fi!' »/ 851. 1078, ^^wÄan« »d^ 1148, rZd wrfrf 1293,
nü und 1143»; «»ö^ sprechen 112, «fdZ drizenAöl, tvöl drizig 1233,
r/dr /erre 137, ^^ar frölich 508, ^ar mwfZe 722, gär ühele 1248,
^«r ^rdz 1279, vil liber 145, ut7 gi'iter 965, «^7 mänige 1070, r/^
geren 446; wolüf endelich 819.
Ich schließe hier an die Synkopen nach Konjunktionen : sint
mir ein 1169, rfd däz dl 524, di 7!cV622; aber nicht tcö däz nicht
1037: däz ist hochtonig.
Synkope durch Satzpause: Jö, töchter 363, jö, edele 495, ^ö,
7ifrre 1307, nein, sprach 59, heran, alle 290, sd, (?«^ 180.
Y) Synkope nach Verbalform vor dem Reim ist wohl an-
zunehmen in si'imet nicht, daz tvil ich 820, und jiincfrohwe waz
mächt ir 1346, also selbst vor dem schwachen Pronomen. Da dürfen
wir die Grenzen also weit ziehen. Wir synkopieren erstens in Satz-
pause, so nach her (si) sprach: 105. 236. 244. 353. (355.) 363.
375. 403. 585. 871. 935. 943. 1042. 1105. 1200. 1307; desgl.
ich iveiz, wäz 949, her blis, däz 1157. Zweitens vor Hochton:
such über sich 1291, angesäch üncorzeit 525, si ginc älzuhant
1182, (sprach dö 509), lif vil mänige 1070 (s. o ), loärt ni 968. (söl
lüilliglichen Ml würde ich nicht zulassen: sol hat schwächeren Ton
als wil.) Wir synkopieren drittens, wie unter 3, auch da, wo vor
der nächsten Hebung zwei Silben von absteigendem Gewicht stehen :
urh't her geivar 1293, hat dir entboten 755, (wil oi'uh darzu 1208,)
flöug in daz 197, entfil im daz 655, fiöug durch ein 975; für in
sin 1443, stdt m sin 442, tvil mich min 844, gän is mir 578; söl
ich mit 799, lif vil mänige 1070 (s. o.). Akzentverschiebung des
Auftakts ist möglich in den ähnlichen Fällen V. 245. 378. 459. 509.
526. 621. 755. 9.59. 1047. 1334. 1354, 1201.
h) Synkope nach Pronomen: aa) in Satzpause: dir, silberin
Einleitung, XLI
1015"; ßß) in Emphase: dtr in bedacht 37H, dir alle min 1057,
dir habe 1^03, du weist iz 950, wi ist der? Ii203, wetz schaffest du
355, tcä: ich dir 406: den dngesach 350, duz was entfallen 767,
ddz sützte 1156, wo duz nicht geschieht 1037, des nicht enliz 305,
von d^n schale 346 f, der fär 800, ein wärer </öt 1325. Nicht zu-
lassen würde ich Mr grüzte 271, her nuiz 2951', /je-> sprach 785,
Ä('r /s< 1190. her sände 1422, Si' sprächen 817; rff'r f'/jgrf^ 1287»,
rfe»- räben 380, rf^m A-/«rff 7, d6n ruben 267, rfm willen 1214, rf/ dörfer
1051», f/«2^ ander 1246, dd^' o//f^ 1287^; min bröt iinde min win
240 (min bröt ünde min win).
z) Synkope nach Präposition (virl. b ß) ist vielleicht noch mög-
lich vor zwei schwachen, absteigenden Silben: biz an daz 453; an
miner 463, durch mines 1018, vün sines 1020, durch ires 1036; aus-
schließen würde ich in alle 575, in einer 827, zu einer 1051 ; durch
den uillen 1214, von dem hirzgewi 1032; von hinne 831, zu,
dir 1353.
Wir haben damit als dreihebig (unter den sicher hochtonig
schließenden Verspaaren!) bezeichnet V. 7. 240/41. 267. 271. 295 b. 365.
369. 380. .57.5. 785. 817. 827. 831. 1032. 1037. 1051/51a. 1190. 1214.
1246. 1287ab. 13.53. 1422. Ich bilde mir nicht ein, daß das die einzig
mögliche Abgrenzung ist: dazu reichen die Kriterien oben nicht
aus, und je objektiver sie sind, desto weniger können sie augen-
blicklichen Wallungen des Versbaus nachkommen. Es genügt zu-
nächst, eine Mindestzahl anzusetzen. Sie vergrößert sich aber noch
durch die Beobachtung, daß 6 von den 25 Paare bilden. Prüfen
wir nun die Mitverse der gefundenen einzelnen Dreitakter, so er-
gibt sich in einer ganzen Reihe von Fällen, daß sie innerhalb der
oben gefundenen Grenzen der Taktfüllung auch, und größtenteils
leichter, dreihebig gelesen werden können: 8. 266. 270. .366. 379.
786. 818. 8.32. 1031. 1191. 1247. 1423.
5. Das Resultat ist jedenfalls, daß wir eine Anzahl von drei
hebigen Versen mit Hochionschluß anzunehmen haben, und wir
kommen wieder auf die Frage zurück : sind sie archaisch oder nach
dem Muster dreihebig aufgefaßter klingender Verse geschaffen?
Eine exaktere Antwort ermöglichen vielleicht die klingenden Vers-
paare: nur wenn die nicht mehr als klingend aufgefaßt wurden,
konnten sie männliche Dreitakter veranlassen. Kennzeichen dafür
wäre das Auftreten klingender Fünfheber, X x X x X x Ä-^X> ^'ß
dann als vierhebig voll, X><X><X:)<X^X, aufgefaßt wären.
Das zu untersuchen, stehen uns die männhchen Viertakter zur Ver-
fügung: an ihnen können wir studieren, wie schwer auch im
klingenden Verse eine Senkung belastet werden darf, ohne daß das
Ganze das Viertakt-Maß überschreitet.
Der Auftakt ist auch hier meist einsilbig oder fehlt ganz.
Zweisilbiger Aultakt besteht a) aus einem einsilbigen Worte
XLII Einleitung.
und Präfix: do hegünde 10, her hegünde 133, tvaz vordint 1267;
b) aus einem unbetonten Worte: über mere 140, beide vater 9,
toufen drizig 1445; c) aus zwei tonlosen Worten: daz ein künig
139, und den ändern 311, mit den siiwen 862, uf di bürc 1418,
mid mit goldc 208, und vor liünger 728; im zu füren 883, iw so
jeineylichen 1449; f?o^ /;» kihiige 33, nnr? ?'c7i wutsi! 836, u-i si alle
1419, daz her uns 1457; «?« laz hälde 161, Ä^/- ,9'fyj riftern 314,
?i /«'^ 6aWe 597.
Dreisilbiger Auftakt: {virdehalp hundert 232, also du sprächest
567), her sprach: iz ist 'üß, her sprach: ir habet 861, her rif: u-olüf
1072; wi si di heiden 1429, di man vil gerenZiß; mit sime schiffe
649, her Hz im bürge 15.
Von den übrigen dreisilbigen Takten wird eine ganze Reihe
durch Tonverschiebung im Auftakte zu beseitigen sein: di bi den
selben 19 und ähnlich 313. 595.643. 1116. 1117. 1176. 1223.1331.
1453; (also ich 722;) drihi'indert 285. Es bleiben:
a) ^^— : (mere vorsetikef 1331, herre genizen 1116, ivölde si
336, begünde mit 133, hüte behalde 1457;) silber also ^07, was her
vorsünhen 649; alle di 18, fürsten und 594; floüg her mit 642.
b) x^X: (hörte gar 134, vordinet han 1267;) vingerlin 162;
hünger vil 728; läz si gar 793;
c) X X^: (niman geliehen 227, jnncfrouue begunde 372, janc-
frouwen mit 1129, äntwnrte 1128;) selbigen 1176, güldine 232,
itslichen 312; sprach: ist her 566; /r«e e/«e 84, koüfman irtrünken
648; >?rt s/«ew 312 (statt ?i« sinen); Öswalt hiz 127.
d) vj^ws^s-.; (icünderte di 335, >»«s/e mrY den 836, darüfe tvas
her 727, kennest du in 83; Tonverschiebungen im Auftakt: under
im gesezzen 20, tmder im di 1177, «MfZ w/< sme«848; st ritlich si
zusämene 1242;) heiden grozen 1243, uns in siner 1457.
V. 1243 und 1457 werden wir doch also Fünftakter oder vielmehr
weibliche statt klingender Verse anzunehmen haben? Und ist nicht das-
selbe für die 14 Reimpaare auf-^x : x X zu erwarten? (Unberück-
sichtigt sind die Reime auf e.) Nein, es zeigt sich, dafs die Verse,
die m, t oder b zwischen den Vokalen des Reimes haben (binamen :
quamen 25 und so 1162. 1420, boten: taten 849, gaben: rabe 167
und so .588. 630. 1112. 1206) bei mhd. Messung fünftaktig werden,
die Reime mit r an gleicher Stelle (maeren : begei-e 1 und so 811.
1308. 1424) dagegen viertaktig bleiben; schwanken kann man bei
g : trugen : fingen 346«; ich bevorzuge die Kadenz xX.
Dies Gegenüber ist nicht zufällig, zumal r kraft seiner halb-
vokalischen Natur am stärksten zur Dehnung eines vorausgehenden
kurzen Vokals beiträgt (vgl. z. B. v. Unwerth § 102), m und t aber
diejenigen Konsonanten sind, vor denen die Dehnung am schwersten
eintritt (vgl. z. B. Wilmanns, Deutsche Gram. I, § 239. 2). Es kommt
hinzu, daß im Schlesischen Länge vor einfachen Konsonanten mit
Einleitung. XIJII
folgender Endung » Q r) gern gekürzt wird (v. rnwerlli § 103. 111).
Wenn wir also auch nicht sagen wollen, daC; die Ci in qiiamen, täten,
gäben, begäbet (trugen) kurz geworden sind, so sagen wir doch, daß
diese Worte nicht mehr klingende Kadenzen bilden, d. h. wir haben
zu messen XxXxX:><XxX, bei zwischenstehendem r aber
X X X X X -^ ;< : klingende Fünftakter fehlen in I : auch das
Verspaar 1:24:2/43 (s. öd) erklärt sich jetzt als vierhebig (771 und
1448 werden also jetzt dreihebig), und 1456/.57 ließen sich heilen
durch Ansetzung der Akkusativform Osiialt: vgl. 145GA.
Der einzelnstehende Reim zthen : frien 222 ist also schon wegen
der sonst entstehenden Fünftaktigkeit von 223 zu synkopieren.
Die alte Kadenz -^ x '^fit sich also getrennt in -^ V und
•yi X. Wie wäre es auch sonst zu erklären, daß wir unter den rein
klingenden Yerspaaren kaum einen Fänfhe])er halben, daß die sich
aber alsbald einstellen, wo -^x ^"^ xX gereimt ist? Und wie
erklärten sich die danebenstehenden Reime -^x :-^? Dann aber
muß sich natürlich auch x < in -^x und x >• geschieden haben.
6. Wir prüfen also jetzt die Reime mhd. x X : x X , 47 Paare
nach Abrechnung der S. XLII genannten auf -ren und der beiden
auf hen (210«. 1270). Da haben wir zunächst eine Schar von, mhd.
gemessen, Vierheber-Paaren mit der Endung -ben (Typus leben :
geben): 107. 218. 315, mit -gen 309. 341. 455. 644. 741, d.h. hier
würden wir durch Ansetzung von klingender Kadenz Fünftakter er-
halten, die wir glaubten ausschließen zu können. Dazu kommen
Einzel-Vierheber, die mit Dreihebern gebunden sind: auf -ben 452.
634. 11.52. 1410, auf -gen 329. 745. Auch hier dürfen wir also
nicht klingend lesen : vor -ben, -gen. -dien bleiben die alten Kürzen
bestehn. Wir dürfen also auch die Dreiheber (-Paaie) auf -ben, -gen,
-cheu nicht durch klingende Messung auf ein Xormalmaß zu l)ringen
suchen: sie stellen sich als weibliche zu den gefundenen männlichen
Dreihebern: -ben 3. 288. 757. 829. 873. 1250. 1359. 1460 (3 oder 4
Hebungen 307. 813). -gen: 644. 807. 867. 1244. 12.54. Über 771
und 1448 s. o.
V. 29.5 genesen (: geiresen), 304 machen (: scharlachen), 784 Icomen
(: vernomen), 846 (: fromen), sind mhd. gemessen vierliebig. dürfen
also nicht als klingend aufgefaßt werden: also werden auch 371 f..
789 f., 357 f., 845 f., 1316 f. als Dreiheber, nicht als khngende Vier-
heber anzusehen sein.
Für -teil (443 mit rasten und mit beten got teil her nicht abe-
treten) versagt dieser Beweis; nach dem Vorigen (unter 5) setzen wir
mhd. Messung an.
So blieben die Reime auf -ren. Wir glaubten sie als klingend
betrachten zu müssen, soweit sie mit -ren nach langem Vokal
gebunden wären. Dem scheinen jetzt zu widersprechen 53 f.,
833 f. und 1212 f., die, wenn mau sie klingend liest (irkoren : ge-
XLIV Einleitung.
b6?'en 53, hewdrhi : fären, gewerhi : ber/eren), etwa {ünftaktiir werden.
Den Weg weist da zorn : t'orlorn 97 (vgl. zorn-.horn 1164. 1188):
-ren ist traditionell synkopiert. Ich lese also nach Bequemlichkeit
des Verses irkorn : gehör n 53, hewarn : farn 833, gewern : hegern 1212,
adelare : beicaren 346 c.
Die alte klingende Messung ist also noch intakt, wir kommen
auch von hier aus nicht zur Annahme von Fflnftaktern, und so-
mit sind auch die Dreiheber nicht veranlaßt durch klingende Vier-
takter, die als weibliche Dreiheber gelesen wären, sondern sie
stammen, selbst wenn sie nicht mehr als Viertakter empfunden sind,
von den alten Viertaktern mit stumpfer Kadenz, d. h. pausiertem letzten
Takte, ab: XxX^X)K:Xi?Ä oder x /< X x X -^rr.
7. Mit dem Ausschluß der Fünftaktigkeit ist nun auch für die
Beurteilung der bisher ganz außer acht gelassenen Verse auf mhd.
tonloses e ein neues Kriterium gegeben: wo ohne Apokope Fünf-
taktigkeit entstehen muß, wird apokopiert.
Ich setze also: torliche: rtche 1320, ructe : smucte 612 und
schließe an steinen : reine 610. schone i crone 119 belasse ich als
Reminiszenz aus dem MO., golcle : wolde 618 wegen möglicher
Verkürzung des also (vgl. 1048).
Eine Begrenzung der Apokope ist aber so nicht zu gewinnen :
Vierhebigkeit ist ja nicht Erfordernis, entstehende Dreihebigkeit
braucht Apokope nicht zu hindern, wir könnten z. B. 39 di im
wol gezeme sowohl als /><X/xX/-^Xä -wie als ^^Xj x>^l-^l^^
betrachten.
8. Eine besondere Gruppe bilden die Reime frägete : sägete 51.
212. 1282. 1297, gefUlere: widere 11.5. 19.5. 735. 8.39, : nidere 131.
616. Das auslautende e wird noch einen schwachen Iktus haben
(W schreibt es immer außer 616), sonst wären alle diese Verspaare
dreihebig. Aber nur einen schwachen, denn es steht daneben ein
sider : geflder 652, '.tvider 769, : nider 1198: lauter Viertakter, die
durch ein letztes e zu lang würden; in diesen Versen läßt dann
auch W das e aus, d. h. sider ist immer zweisilbig, nidei-, geflder,
Wider haben Langformen neben sich.
So ergibt sich doch ein klarer Bestand an Versarten in I.
In der metrischen Einzelbeschreibung toitzufahren oder sie von
einer hypothetischen zu einer definitiven zu erheben, spare ich mir:
die Füllung der Verse auf x -> auf x"-"" oder apokopierbares e
ist keine andre als die dargestellte der hochtonig und klingend
schließenden, und die Grenze zwischen Drei- und Vierhebern ist
natürlich doch nicht festzulegen. Die gesamte Verskunst ist ein
Bild schöner alter Natürlichkeit, die von höfisch-epischer Regelung
und von Silbenzählen nichts weiß.
9. Ich spare mir auch die Einzelbeschreibung des Versbaus in
II. Die Untersuchung, in derselben Weise geführt wie bei I, ergibt
Einleitung. XLV
ein sehr ähnliches BIM.' So entnehme ich aus dem vollständig
vorliegenden Material nur. was meinem Zwecke dient: die hervor-
stechenden Abweichungen von I. Dabei ist festzuhalten, daß I etwa
den dreifachen Umfang von II hat.
: in 1320 in II 97
Wir haben Reim-
paare auf mhd. j Sie finden sich in den Versschematen :
X/><X/><X/:><X/— s. unter Nr. 2. 4. 7.
XlkXik Xl—ISB s. unter Nr. 4. 5. 7.
10 xlkxl:kxlkxl-^: Xl^Xl^Xl-^l^n s.
^- 95 3.!^/^X/^X/-"/^^ s unter Nr^"'" ""' '•
-e yo 62 I ^1^ ^1^ ^1^ ^i_j_ s. unter .^r. /.
, l Xl:kXl-kXlycXl— . »--PO n-v
^'■^" ' Mx/:^X/:^X/^/^i. s.unterNr.o.6.0u.9A.
^a ,<i f x/:k:X/><x/— /><cÄ , v •>
^^ ^^ ^Mx/)^X/^X/^X/^X ^- "nter Nr. .^ u. o.
I xl:kxl:kxl-^lkii
— X'k X 14 6^ x/>< X/:ä< X/:>< X/:i; X s. unter Nr. 5. 6. 9 Anm.
i xl:kxl:kxlkxlRs
{xl:kxl:kxl:kxl:kx] ^ „„,,,- -• „„.
^X 47 11 X/^X/^XZ-^/^i. Tau;.
U/:J:x/:J:x/)^x/ifÄ I ^ ^'^•''"•
X— 10 X;>; X/>< X/:>< X/x-R s. unter Nr. S.
Langzeilen 4 X/><X><;X/:kXxX/:s. unter Nr. 9.
Verspaare, also
Verse ; dazu
Einzelverse, also Summe:
1151 +3Ü3 = 1514.
Die Differenz mit den Angaben auf S. XXXV erklärt sich daraus,
daß dort Verse, nicht Reime gezählt sind, also 700 an I fiel. Unter
den 320 Verspaaren auf -^ in I zählte ich 257, unter den 97 in II
(unter denselben Bedingungen !) 74 Zeilen mit regelmäßigem
"Wechsel von Hebung und Senkung, d. h. sie verhalten sich zu den
unregelmäßigen dort wie 1 : 1,49. hier wie 1 : 1,62.
Ich komme auch auf dieselbe Weise wie bei I zu einer
Neuorientierung der alten Kadenzen -^ x ^^^ X X .
Von den Versen auf -^ x = x X fordern die Messung x X
(zur Vermeidung von Fünftaktigkeit) sagen : icagen 421, wir
werden sie also auch l)ei sagen : fragen 917 anwenden. Bei
selig •.ledig 395. 487, hete-.tete 919, gote:spat£ 13(57 bleiben wir
ohne Entscheidung. Fragen wir die Reime auf mhd. xX : xX,
so sprechen stete : fete 689 (falls nicht zu apokopieren ist) und rabe :
haben 695 dafür, daß wie in I außer bei zwischenvokaligem g auch
bei t und b die alte Messung erhalten ist. Die gölte dann auch 479.
575
177
1150
354
1
9
XLVI Einleitung.
I hat 22 Pxeimpaare auf -^:-^x II ^^^^ 10 statt zu er-
wartender 7. Trotzdem fehlen darunter ganz die charakteristischen
Versschlüsse mit Synkope vor dem Hochton : — — - : -^ _< (s. S. XXXVIII).
Vgl. 997.
Die Gruppe der Reime auf -^^-^ (in I 10 Paare) fehlt in
II ganz! Nicht zufäUig: statt f rag ete : saget e heißt es hier V. 917
begunde fragen : sagen.
Dafür aber eine höchst merkwürdige andere Gruppe, in der
nur das schwache e der letzten Silbe reimt, die also schon für
Otfried archaisch wäre : aschenbrödele : gefi'dcre 323. Aber nur
hier ist das der einzige Reim, das eigentliche Bindemittel der beiden
Verse ist verloren, in den drei übrigen Fällen schliefaen sie sich viel-
mehr zu regelrechten alliterierenden Langzeilen zusammen: 544
der Wirt nicht irslägen uf wäzzer noch uf wegen, 1381 stätc ane ällez
gewunken mit n'örten und mit irerJcen, 1389 iro ich b)n in Weldkn
mit den icölken oder mit den winden. Und also gehören die End-
worte überhaupt nicht unter die Reimgesetze. Auch die Zweigliedrig-
keit, die der Viervierteltakt mit sich bringt, hat sieh in diesen m. W.
einzigen echt alliterierenden mhd. Kurzversen (Zingerle, Wiener Sitz.-
Ber. 47. 103 fi'.) erhalten, und zu mit worten und mit loerken, mit den
tvolken oder mit den winden stellt sich ich trinke oder ezze 1391, und
auf höherer Stufe bilden wieder 1388—91 mit 1392—94 eine zwei-
gliedrige Gruppe, die dasselbe erst positiv, dann negativ aussagt;
auch 543/44 stehen in einem solchen Systeme echter alter Variationen.
Angenommen, der Fortschritt der Erzählung würde durch eine
von links oben nach rechts unten laufende Linie dargestellt, so
sähen diese beiden alliterierenden Variationssysterne schematisch so aus :
541 1388
541/43 Hz nach vingerlinl) 89
544 90 1
5451 90 II
.545 II 91
546 1392
547 93 1
548/49 93 II
550 1394
551 95
\
.540. 695. 697. 709. 1009, 258, 1229«, wenn auch in 2.58. 480. 1009.
1229 a dadurch ein Dreiheber anerkannt ist. Dagegen würden V. 1373
(sacken : machen) und 1383 (breche : reche) beide Verse dreihebig,
wenn wir x X reimen heßen: ich setze da also gegen I die Kadenz
-^ X an. Um so mehr auch bei dem einzelnstehenden Paare begere :
geweren 1046 a und bei selig -.ledig 395. 487: vgl. Xr. 5 und 6.
Einleitung. XLVII
Die untereinanderslehenden Verse sind also auf gleicher Stufe des
Fortschritts, stehen also in Parallele oder Variation, und das Regel-
mäßige des Vor- und Zurückschreitens winl deutlich, wenn auch
nicht alle Beziehungen so ausgedrückt sind: z. B. 546, 547 und
548/49 stehen auf gleicher Slule. aber 54(j und 547 variieren, unter
sich wiederum parallel, das ?</" iruzzer 545 1, 548/49 sind || 546 '47 nur
sofern sie 544 || sind, sie gehen zugleich die Summe des Vorigen
und kehren damit schon wieder zum Ausgang zurück. 551 macht
dann den Anfang eines zweiten Baues: vgl. 1392 — 94. Ahnlich
ließe sich die Wortvariation 1380 ff. darstellen.
Zum Zeichen aber (wenn es noch nötig wäre), daß die Stab-
reime nicht zutallig sind, finden sich auch solche Systeme ohne er-
haltenen Stabreim: 997
998
999
1000
1001
100i>.
Neben diesen kunstvollen Bauten stehen einfache Variationen,
Parallelverse: 423 || 425, 485/86 1| 487/88.
Aber alles dies findet sich nur in II, es beweist nicht nur für
unsere Scheidung, sondern es gibt zugleich den Schlüssel zur
psychologischen Erklärung mancher Zusätze, die eben nichts weiter
als Variationen, aber nicht eigner, sondern vorhandener Verse sind:
1046«b, 11 79 ab u. a.
Um den Stilabstand recht zu ermessen, vergleiche man, w-as I
gegenüberzustellen hat, z. B. die ungegliederte Parallelensammlung
439 — 46, in der nur etwa V. 443 apokoinu steht. Am nächsten
käme noch :
1066
1067
1068
1069
1070
1071. Aber da ist das Bauprinzip doch
schon wieder ein andres. Es ist der Apokoinu-Stil: 1068 gehört
zugleich zu 1067 und zu 1069/70, 1069/70 zu 1067 wie zu 1071.
Deutlicher ohne Variationen: 291
292/93 I
293 II
295
295»
295 b
296.
Wie in I (S. XLIV) leite ich auch in II Apokope bei entstehender
Fünflaktigkeit her: werliche : riche 522, hitcrliche : cwiyliche 1379,
uterne : ijerne 413, rechte : knechte 69.
XLVIII Einleitung.
Auch in II haben wir solche Systeme:
911 (muste) \\ 914 1 317
9121 915 ! 318
912II 915a
913 916
319
320
321
322 f.
Im ersten (Doppel-)Falle, Avie oben bei 1066 ff. Apokoinu +
Variation; in beiden Fällen sind die gemeinsamen Glieder Neben-
sätze, nicht wie in I Sätze oder Satzteile: ein großer syntaktischer
Unterschied: vgl. R. M. Meyer, Die altgerm. Poesie, Kap. IV gegen V
und VI.
Apokoinu einer adverbialen Bestimmung I 1114. 1214. 1338
(1339 also in Parenthese!); eines abhängigen Nomens II 898, eines
abhängigen Nomens in doppelter Konstruktion I 1431.
Ich denke, es liegt doch schon in diesen Feststellungen einiges
Beweisende, namentlich für die Interpolation 540 ff. und das große
Stück 1 363 ff. Leichter faßbar sind die plötzlichen Rhythmuswechsel
am Anfange von Einschüben. So folgen mit V. 123. 342». 1229 ab
plötzlich Dreier auf Vierer, 832» Vierer auf Dreier, V. 1142 (mit
Beseitigung des rhythmischen Schlusses) klingende auf volle Verse.
Recht deutlich ist der rhythmische Gegensatz zwischen Y. 145/46
und den danach gebauten Versen 155/56. Selbstverständlich fällt
nicht immer Interpolations- und Rhythmusgrenze zusammen: wenn
der Interpolator im Zuge des Textes weiterdichtete, fiel er natürlich
leicht und von seilest in dessen Rhythmus; vgl. z. B. 458a— c. Die
metrische Andersartigkeit zeigt sich dann oft erst im Innern eines
Einschubs, z. B. 469 ff. an den vielen kurzen oder stark synkopierten
Versen, V. 171 ff. an der Bindung -^ : -^ x ? die so verdreifacht nirgend
sonst wiederkehrt.
Sie ist hier obendrein mit dem für II bezeichnenden dipodischen
Rhythmus gepaart: 174 X/xXxX/— — 175 X/x><xX/xX-^
176 Xl^Xx X/-^-^. Nicht als ob in I diese Taktart fehlte (z. B.
ängesäch ünvorzett 524) ; aber einzelne Verse mit dieser Akzent-
anordnung bringen noch keinen dipodischen Rhythmus hervor, man
faßt dann von selbst " " als eine der möghchen Formen der Mono-
podien oder des Zweivierteltaktes (also als X/><X/xX/:^X/xX)
auf. Daß II aber echte Dipodien bewahrt, zeigen jene jüngsten aller
(endreimlosen!) deutschen Alliterationsverse und überdies besonders
deutlich V, 411 ff., das musikalisch schönste Stück der Überlieferung,
das auch durch den rhythmischen Absatz 410/11 und durch die An-
erkennung als schone sprnche V. 421 besonders hervorgehoben wird.
Es sind zwei parallele vierzeilige Strophen aus je drei gleichgebauten
Einleituns.
XLIX
Laii^'zeilen in Viervierteltakt (liipndischer Messung) und einem Ah-
gesange in Zweivierteltakt bestehend, nf)ch ausgezeichnet durch
Anapher und regelmäßig immer neueinsetzende Daktylen.
Schärfere Beweismittel geben aber doch die Reime.
C. Reimtechuik. 1. Reimwortschatz. Von den Worten,
die nur I im Reime braucht, verzeichne ich zunächst, die wenigstens
zweimal, ich lasse sperren, die dreimal vorkommen, also nach der
Verssumme einmal in U zu erwarten wären; Zitate zur Erkenntnis
der Zusammengehörigkeiten nach Reimpaaren.
da do:na 1076. 1-234, :jo 1306.
gäbe 167. 630. 1112. 1^06, vgl.
geben,
mac 1172, mochte Ind. 020, Kotij.
5ö. 85. 646.
<il 278. 467. 869. 1438, uheral
270. 367. 1068. 1432.
sal 270. 367.
schal 278. 869. 1438.
alt 31. 437. 459.
lobe sn in 7. 407. 498.
f reissam 91. 141, vgl. sorcsam 280.
binamen 25. 1162. 1420.
lanc 626. 1226, lange 143. 667.
751. 971. 1434.
grande 228. 985.
schände 580. 803.
Spange 143. 751.841. 971. 1434.
zuhant 16 mal.
bekant S mal.
geivant 301. 337.
dar 343. 457.
farn 833. 1424.
bewarn 346 c. 833.
zart 743. 973,
drate : kemenate 63. 383.
haz 755. 11.58.
geben 9 mal, vgl. gäbe,
leben 11 mal.
sprechen (immer in der Form
sprach) 12 mal.
{un)besrheiden 883. 1444.
(nejkein lATi. 815. 817.
eine 606, 747, alleine ^7± 570.
gemeine 272. 604. 815. 1118.
reine 570. 610.
Baesecke, Wiener Oswald.
Jeken 191. 203. 210. 1270.
s weiter 1216. 1252.
behende 99. 242.
missewende .57. 759.
(uz)s enden (Form gesant) 435.
512. 763. 1353.
vorsenken : irtrenken 1330. 1452.
her 109. 113. 574. 622.
werden 14 mal.
mere 87. 811.
ere 17. 60a. yn. 594. ii28.
lere 113. 1308.
herre 8 mal.
vormezzen : gesezzen 139. 1426.
enchlich 37. 819.
lobe lieh 37. 439. 500.
(Dazu genediglich 729, geduldig-
lieh 1406, stetiglich 1342,
tnrlich 1320, frolich 1132,
wunderlich 205, williglich
1166, tcunniglich 1066.)
gesmide : side 599. 628.
nid er 131. 616. 1198,
sider 652. 769. 1198,
wider 5 mal.
spil 260. 3.33. 361.
vil 333. 361. 489. 1194. 1350.
wil 93. 193. 489. 1194, wolde
582. 600. 618. 1064,
zil 93. 193.
gnldin 169. 11.50.
finden (fant) 5 mal.
bringen 127. 161. .596.
springen 127. 161.
kiut AVjö. 059. 1220.
vor mir en 207, 602.
IV
L Einleitung.
frist 953. 1324. Tcrone 119. 614.
zit 445. 10.56. hörn 1164. 1188.
vordrizen 129. 837. 1080. zorn 97. 1164. 1188.
jo 560. 632. 1208. 1306. nu 159. 3-55. 632.
herzöge 309. 741. 745. gestmt 1142». 1332. 1416.
(/olt 284. 299. 600. 618. 1064. mut 441. 492. 502.
holt 299. 582. lute 771. 1408.
tron 775. 1295. w?n*-t' 276. 568.
Mir scheint schon hieraus hervorzugehen, daß I und II nach
Inhalt und Wortschatz (gäbe — geben, leben, al, sprechen und jehen,
iverden, vil, golt — gtildin und namentlich Sjiange!) Formeltechnik (zn-
hant, frist, jo) \xn&\iid\ek.i (Reime auf -e/-; bringen: II sprach wohl
hrengen; vgl. 254 mit 127. 161. 596) verschieden sind, daß sich solche
Gruppen nicht durch Zufall gewinnen lassen, wenn auch natürlich (wie
übrigens die Zahlen zeigen) ein Reimwort das andre nach sich 'zieht
(Spange : lange). Ich füge noch eine Reihe von Worten an, die
zwar nur einmal in I vorkommen, deren Fehlen in II also nicht
merkwiärdig ist, um so weniger als sie altertümlich oder charakte-
ristisch sind: habe = Habe 927, scharlachen 303, sorcsam 280, strüm
901, gan 801, adelar 346c, far 799, laz 967, reche 1238, schrecken
1238, <^tageweide^ 883, einmuterleine 917, hubischeit 327, grim»iikeit
1160, heilen 879, <^dresteny 1148, hirzgewi 1031, sorclich 1021,
sich, geliehen 226, blicken : schicken 793, vorzihen 222, milt 1146,
slnt 965 (s. 0. sider), embizen 957, ungebrochen 95.5, unvorzogen 807,
löse 133, rucken : smucken 612, hogemut 491, wolgemut 526, gemute:
gute 1106.
Was II dagegen Eignes aufzuweisen hat, ist Folgendes : habe ^=
Meer 1229^, gelaben 697, aber 540, wägen 421, ufslahen 705, halde
393. 671. 1007, sa/tZe 671. 1007, walt 1389, tngentsam 528, wolgetan
471, &a»tc 71, geicanken 1381, .sc/j«>- 564, irfarn 401, s^;a/p 1366,
platzen 65, ftcr^ 79. 342 *i, »(«z 317, «re 75, vorgeben 1009, brechen
1383, gehrechen 912, rechen 1383, ledig 395. 487, beide', vorscheiden
1142, helfenbeinen 256, fi^ 458'!, ewikeit 483, jamerkeit 1397, r/e-
rechtikeit 175, gemeit 189. 542, Raphael : Gabriel 681, selig
395. 487, rorgen 997, sjc/i gedenken 907, irkennen 999, t^'ej-c 1381,
morgenstern 413, «^e?^ 252, ß'a?/ 679, werlich 473. 522, e««»/^-
Zfc/i : luterlich 1379, sicherlich 230 (vgl. I), ricÄ^ 548. 1363, /Men
C^Y; 1397, ZiieZjH 531», m« 240, gesinde 1179», gesrcinde 893.
1179», bevinden 675, bewinden 675, gelingen 319, twingen 319,
heginnen 1082, «r 530, ivnnderschir 153, meienris 415, «fise 673,
vorlisen 401, Äo 1402, aschenhrodele 323, ro? 693, Zo^f^i 713,
rosentou 411, ?(«f?e 669, kochhus 321, küssen 147, Zms/ 147, demtit
173, uz(trihen) 321.
Die Zahl der gemeinsamen Reimworte ist dagegen verhältnis-
mäßig gering, namentlich die der irgend charakteristischen, und
Einleitung. LI
vielfach unterscheiden sich 1 und II nach ihrer Anwendung: * vor
einem Worte bezeichnet, daß es noch unter i2, f daß es noch unter
3, " unter D behandelt wird: abe braucht I in den Kompositionen
abesprechen 297, herabefuren 11:24, II in sich abetun 479; fVrtie;
tac; luuiemach (geschieht, uiderfert) I 899. 987, ohne Verb 11 14U0;
machen (Kleider, Schiffe) I 303, 789, (lebendig) m. II 1373; "aache;
*-\°sagen: \t ragen; f^f ragen; d nrchslahen (mit golde) I 341,
II 258 (aus I entlehnt? Vä^'l. S. LXIll); irslahen; fgewalf; fOsu-alt; fan
in den Kompositionen anbeten I 1304. 1322. 1334, II 389. 475, an-
rufen I 1312, II 1029, ansogen I 510, II 989, nur in I: angaffen
209, anheben 26G. ankamen ti'ans. 1190, ^ansehen 201, anstan .586.
843, angeicinnen 365, daran 1202, nur in II: anblicken 678, ange-
ruren 1136; f^man (jjemeinsame einsilbige Formen in allen Kasus,
18 mal in I. 5 mal in II); *fgän; *fhan; kan; *lan; *stan] *-\undeHan I
504, II 572; ^tvän; ""f bange (b. nach etwas I 360. 961, absolut
II 667. 887); *'^hant; flant; *fdar; *fdar; j°gar; fjar; f schar;
fgewar (werden) 1590. 650. 1293, II 67. 921. 1002; fwar; ^offenbare ;
"i^zuare; *f'>fa>i; frät; *fstat- -f^underlaz 1 1278, II 923; feben I 3.
1460, II 1009; fwec (icege, wegen)', fknecht; ^^ rechte; -f legen; *ge-
schehen; \sehen; -fheide; (gewinnes) heil I 274, (gut) heil II 687; teil',
■\stein; knscheit, uarheit, reinikeit; fcleit; (mir widerfert) leit I 224,
(mir ist) leit II 458«; \mait I 105. 163. 524. 640. 877, II 409;
\unvorzait I 163. 524. 877, II 409; '^heizen (hiz); ^jnemen, vor-
nemen; ende; senden (sende, gesant); bedenken trans, I 375, refl. I
1222, II 71; nennen; j^der [das nur II 80, doi nur I 1262, daz
gemeinsam); vorderhen: werben; -fgebaere; \^maere; *°mere; *geren —
gerne; *ezzen\ fvorgezzen; fich, fmir, f^mich, ^dir, f^dich, ■f'sich;
flieplich l 1132, II 151; ■fhimelriche, jriche Adj.; f^ nicht; °pflicht;
*gefidere; ffrien; fligen (lit I 445. 1056; gelegen 1254, II lag 779);
ffligen (flihen); *guldin, *silberin; magedin; lingerlin, junc-
frouuelin, rebelin; fmin, -f^din, fsin; pin; *tsm(Verb); binden (ge-
bunden); *ktiniginn^{, *zinne; *fhinHeii; *innen; gewinnen; wint;
*'fhir; 2J«rc?/.<; fcrist; fbitten; genizen : slizen I 1116 cx^ II 1096;
o/so I 496, II 1402; wol; solen (sol); *f körnen; schone; f gebot; fgot;
fnot (aber Plur. note nur in I 1448) ; -fjuncfrouwe ; -fgefuge I 33,
II 705; *\tun; *'>stunde; grünt I 656, II 1138; niunt; \gut; fhute
1 939, II 1458.
2. Verschiedenheiten in den Wortformen der Reime.
Substantivum. kunigin (trosterin 1027) reimt in I auf -in
185. 494. 765. 903. 975. 1144, auf inne 220. 753, gewinne 103,
hinnen 1120, sinnen ii^ (wolfinne:inne 1274), II kennt nur die drei-
silbige Form: 417. 665. 891. 1005.
stat hat in 1 den Dativ stat (-.hat 463), in II stete {:tete 689);
ÄOM^hatin I und II unllektierten Dativ (61.556. 1126; 73), flektierten:
hande: lande II 1098, hende : spende I 1210! sttint als Dativ in I und
IV*
LII Einleitung.
II (101. 6.56. 1142a. 1156. 1332. 1416; 149. 1138. 1391), aber stunde
nur in II (1082). Auch der Reim fai-t ist I und II gemeinsam, aber I hat
4 mal den Akkusativ, 11 mal den Dativ, II einmal, Y. 252, den Dativ!
Und da ist der Reim auf wet-t einzigartig: eine Bestätigung, daß
der Vers aus I entnommen ist (s. S. XXXI). Spricht man tverf reim-
gemäß, so gleicht es dem gewöhnlichen Reimworte zu fart, nämlich
tvart, und es erklärt sich, daß dies nur in I auftritt.
gefidere I 115. 131. 195. 616. 652. 735. 839, gefldere 11 323.
Die Endung der Stoffadjektive ist -ht in I: guldin 117. 169.
1016, silberin 1015; -en in II: helfenheinen 256. scharlachen I 303 ist
andrer Herkunft, hange 1 359. 961, II 667; bände II 887 (vgl. 887 A).
Bei den starken Verben mit Wechsel von i und e im Präsens
lautet die erste Person in I mit i: ich entbir 859, in II mit e: ich
breche 1383 [ezze : vergezze 1393).
Der Konj. Praet. zu sagen lautet in I sagete 51. 212. 1282.
1297, in II sait 1084.
geschehen bildet geschieht nur I 1039 (geschach I 899. 987.
1258, II 916).
Vom Verbum l-omen bildet I den Inf. komen 783. 845, das
Part. Prät. Tcomen 357, 1316, das Prät. quam 41. 733. 1100, quamen
25. 1162. 1242. 1420, Konj. qiieme 39. 461. II kennt die Formen
mit ko nicht und hat nur vom Praet. quam 905, queme 1090.
Vom Verbum han wird die erste Person verschieden gebildet:
II hat nur han (1092), I han 290. 1348 und habe 1052. 1112.
1206. Als Infinitiv hat I han (5 mal) und hcthen (6 mal), II nur
haben (2 mal), als dritte Person gilt hat (I 5 mal, II 2 mal). Die
dritte Person der Mehrzahl han I 165. 1264. Der Konjunktiv und
das Präteritum nur in II: habe 540, hate 703, Konj. hete 919.
Der Infinitiv lan nur in I (5 mal); /«^ I 305. 534. 963, II 691,
gelan I 11, II 989.
Vom Präsens der Verba gän und stan hat I 13 zweifellose a-
Formen, 2 mal reimt gän neutral auf stan (493. 1414). In II nur
gen -.hin 997! Nur I bildet ein Präteritum: ginc : empfinc 43. 346 e,
:mnc 1248; gegangen : Spangen 841.
Vom Verbum tun hat diesen Infinitiv und den Plur. Prät.
taten nur I (159 und 849), der Sing. Prät. tele ist gemeinsam: -.ge-
bete I 1338, : hete Konj. II 919, -.stete II 689; desgl. das Part. Prät.
getan I 1196. 1202. 1218. 1264. 1440, II 77. 389, vgl. wolgefan II
471, U7idertan I 504, II 572.
Von den Formen des Verbum subst. sind gemeinsam bin ist
was waren teere sin (dieses 16 mal in I, nur 2 mal in III); nur in
I: were7i 1418 (wesen I 924); nur in II der Konj. si 431.
mere I 286. 761. 947 steht gegen nie II 75; hi I 1041 gegen
hir II 993; geren I 1308 (ilere) gegen gern II 413 (:stei-n).
Von innen läßt sich für I nur die längere Form erweisen izinne
Einleitung.
LIII
739, kitniijiHiH' 'J'20. 753, wolfinne 1274 (wie für hinnen : sinnen
857, : zinne tioG, kuniginne 1120); II hat neben innen: zinne 43<l
auch die Kurzform in:stn 171 (/tm fehlt), zware : -ar, -«/-nur in I:
59. 363, : -are nur in II: 429. 895. Das temporale mhd. do Ivommt
nur in I vor, im Reim auf ö und ä: 107i>. 1234. 13ü(i. Das ent-
sprechende Lokale ist dürl 1284, II 550; dar = dahin I 565, 6-50.
787, II 1001.
3. Technik des Reims, unreine Reime, aufs Mhd. bezogen,
a) Vokalisch unreine Reime, a) qualitativ.
1.
ae
e
; ae
0
a : o
aer : er
e : e
er : er
er: er
S : i
il : iel
ir : ier
6 : (ni
ö : u
ü : uo
u : uo
H : tu
uo : üe
tragen : herzogen 309, <^trn-
gen^ : unverzogen 807,
gesunt : wont 435
aldär-.offenbaere : 1283(1298")
begäbet : gelobet 588, täten :
boten 849, hät-.got 1328
näch'.do 1076. 1234
maeren : begern 1 , gewaere :
her 109, gebaere : her 574,
waere : her 622, kerkaere :
s weher 1252
gedaechten : knechten 314
ivandelbaere : ere 60 », die-
naeren : herren 847
sehen : gegen 244
hei' : lere 113, gerne : lere 1 307
mer : hei'e ST , : herren 811
spil : geviel 260, tle : kiele
791, wil-.viel 1104.
jö : nu 632
jö-.zuo 1208
nu : tuon 159, flugen : truogen
346 a
büwe : nitiwe 568
suoze : griieze 351
II.
iaWersa^Wß 67 1.1 007
(ftas; : des 79,) /"a/-^ :
ivert 252, {erslagen :
wegen 544 , vgl.
S. XLVI)
späte: gote 1367, /id< :
i^o< 391. 447
saelic : Zetiic 395. ^
Äaß^e : ^eie 919
tete : s<e<e 689
gen : hin 997
[153
mir : hier 993, : schiere
flöch : auch 914?
gefuoge : slüege 705,
<^sMore^ :fiieze 1450
vej'lär : ervüere 401
LIV
Einleitung.
im Auslaut
vor h
vor g
vor
d
vor
t
vor
ni
vor
l
vor
r
auf t
auf s, z
auf z, zz
vor cht
-ich : -iche
-ich : -liehe
{-riche : -liehe
auf m
-in : -en
•in : -in (außer
in den S. LI
verzeichne-
ten Reimen
SMikünigin)
ß) quantitativ, in offenen Silben
nu'.fnon 159, nu:jö 032.
rabe: gäben 167.630, habe:
gäbe 1112. l'J06, gelobet:
begäbet .588
sagete : f raget e 51. 212. 1282.
1297, pigen : truogen 346 a
boten : täten 849
benamen : qiiämen 25. 1162.
1420
begern : maeren 1, gerne: lere
1307, gefarn : wären 1424
in geschlossenen Silben
stat : hat 463, bat : rät 562,
got : hat 1 328, : not 1025.
1045. 1192. 1200,: ^0^404
was : was; 13, : underläz 1278
verdrozzen (: slözzen 1080),
: zestözen 837
Jcnechten : gfd aechten 314,
nacht : bedächt 375
773. 935. 1291. 135.5. 1361
230. 819. 1021. 1066. 1166.
1406
439. .500. 729. 1320. 1.342,
geUche 21. 1462)
lobesam : undertän 498, «««» :
sträm 901, : capelläne 1430
11. 29. 35. 111. 165. 209.
290. 295b. .504. 576. 586.
809. 825. 843. 1072.1196.
1202. 1218. 1240. 1256.
1260. 1304. 1312. 1.322.
1334. 1440 (26 mal)
{-an : -an 9mal, -an : -an 5mal)
bin : m'in 782. 863, bin : rebe-
lin 236, hin : sin 1033,
trosterinne : sin 1027
{-in : -in fehlt, -5« : -in 42 mal)
sagen : fragen 917,
: icägen 421
ZetZic : sae?ic 395. 487
tete:haete 919, ^o^e :
S2)«<<? 1367
s. d.
verlür : ervüere 401.
&rt< : r«^ 1088, : hüte
703, got: hat 391.
447
?<'rts : underläz 923
474 a. 683. 1371
151. 473. 522)
77.389.471.475.572.
989. 1029. 1092.
1136 (10 mal)
{-an : -an 2 mal, -an :
-ein 2 mal)
hin : gen 997
bin : f/?M 685, inne :
sin 171
{-in : -in Imal, -?n : -in
15 mal)
Einleilunt
I-V
auf /
auf r
ah.mAle 1432, npil : qeviel
260
schar: hlär 343, f/ar : zeicare
59, dar : vih-e 564«, ge-
icar: offenbare 1293, fort :
karte 851, u-ort : gehurt
506; die Reime auf ÄIV
und »)c>- s. o. S. LIII
balde : saelde 671.
1007
((^ar : d&r 550,) ^fp-
it-ffr : offenbare 67,
Jrt/-<; 921, mir:
hier 993, : schiere
153
nach fÄ
nacli r
nach
n
nach
t
nach
9
nach
s
nach
z
nach
w
nach
Vokal
nach ch
nach
r
nach
I
nach n
Y) Apokope von Stamm-e
-liehe : -ich 230. 819. 1021.
1066. 1166. 1406
riche : sich 1291
offenbare : gewar 1293,
war 1464
vÖ7'e : dar 564 a
zetvare : gar 59, ivür 363
gebaere : her 574
gewaere : her 1 09
lere: her 113
schiere : vier 821, Über ^e-
fidere, videre, widere s.
S. XLIV
e&ene : /e?;^« 3. 1460
rechte : sZecÄ^ 875
huote:bluot 939
geunge :bi 1 03 1 s.S. LVI
/<'2.5e : embtzest 957
«?a^e : tras 13
67
>»/r 153
: vorgeben 1009
(richte : «icÄ^ 548.
1363)
:.9?to^ 1457
juncfrotiwe : /ot< 41 1
b) Apokope von Flexions-e
roiiche : 0Mc7i 1 280
riche (Dat.): mich 935, (?«c/i
1355, sich 1361
waere : Äer 622 [schare : dar
564)
male:al 1432 (sale:al 270,
S2>t7« : gevicl 260, siVe : /*'j7
193)
capelläne : nam 1430, be-
weine : Ä:ein 815, hörne :
zorn 1164
/■;7t? : sJ 431
: mich 1371, r/jVÄ 683.
773, ich 474 'i
jare: gewar 921
L VI Einleitung.
nach ^ leite :-A-eitlie>0,zUe:lU4:Aö. Mteibat 703, saite :
1056, gewalte : Oswalt mait 1084
1228, arte : tcart 325,
karte : /"«r^ 851, vriste :
krist 953, ist 1324,
oder, nach den Flexionen geordnet, Apokope des
Dat. Sg. M. N. roMc7?<; 1280, riche 935. 1355. y«re 921, 7icJie 4 mal
1361, »jd/e 1432, hörne
1164 (s«;e270, s^)«?^ 260,
zile 193)
Dat. Sg. Fem. ztteUb. 1056, ^ejwfZ^e 1228,
arte 325, triste 953. 1324
(schare 564)
Nom. Plur. gemeine 815
Akk. Plur. capellune 1430
3.Sg.Ind.Prät. Mrfe 851, Z^#e 1160 häte 703, sajYe 1084
3. Sg. Konj. tvaere 622
Prät.
2. Sg. Imp. fHe 431
e) Synkope und Eklhlipse. (Über ren vgl. S. XLII f. und XLVI.)
t§t, lustete : wüste 385, (beltefe :
bereitete 805. 879)
(ie< gekleidet : treit 369
f cs# embizest : f^iise 957
»»c» steinen : reine 619, dannen :
gewan 719
^e «e/jew : (Zen 1 262, : ö'<^5'^»* 244,
sweher: her 1216, : l-er-
kaere 1252; rer^iÄe»^ :
/■/7e>z 222
ge iragenigän 381, gegen '.sehen treget : gemeit -542,
244, gewige -.bi 1031, Zi^ff: (maget : tmv er zaget
zite 445. 1056; ^rep-ei! : 409, Sö^'e^e 1084)
gekleidet 369, geleget : Ä;?e/^
339, %eCe : -A;^/« 1160
[maget '. gesaget 105. 640,
unverzaget 163. 524. 877)
2) Epithese (Nicht-Apokope gegen das Mhd.).
beger : maeren 1 , Mier : herren verlür : erviiere 401
811, :Äere 87
Ti) Enthese (Nicht-Synkope gegen das Mhd.), vgl. Seite XLII f. und XLVI.
Einleitung.
LVIl
b) Konsonantisch unreine Reime.
Inlaut : h'.g
a) Einfache
d:l
: n
s : z
Auslaut : m : n
ch
icise : embizest 957
quam : man 41, alsam : man
ll232, lobesam : underfan
498, nam : capelläne 1430
was : vergaz 179, laz 967,
mäz 13, saz 725, undei-lciz
1278, k(')s:grüz 1174
flouc-.ouch 941. 969
Konsonanz.
habe: tage 1229»
Zfrf/c : saelic 395. 487
?ßjV7f : keine 748.
if«.s:rfrt2 342'i. 908 a.
137ö,underläz9'2^,
hns : uz 321
9U(flouc oder fluch?)
n : r nach d: heiden : cleider 232
Inlaut:
z: zz
Auslaut : c:ft
s : zt
ß) Einfache auf Doppelkonsonanz.
herre : mere 761, herren : nier
811, mere 947, eren 17.
311. 594. 1128, dienaeren
847
zestözen : verdrozzen 837
Zflc : kraft 779
?Wse : embizest 957
Inlaut: nd:ng
: »W/n
cA< : /^
:s<
/< : kl
•.rt
Auslaut :cA<:s<
Y) Doppelkonsonanz.
lande(n) : bange 359. 962
mechtic : kreftic 566
tichten : crinteti 1428
wtV^e : mWe 1146
«/<e>- : marter 933
unden : geswummen
[669
necÄi : crisi 661
b) Überstehende Konsonanien.
n nach ton- Infinitive: 1.33. 226. 346c. 71.393.695.697.709.
losem e: 455. 771, 5 Fälle 1046» = 6 Fälle
(rabe: gäben) Andre Formen: (33.) 167. 147. 256. 907 =
3.59. (610.) 811. 88.3. 947. 3 Fälle
10.39. 1222. 12.54. 1308.
1418. 14.56 = 13 Fälle.
(Über hinnen, innen,
Zinnen s. S. LH f.)
nn : tiion 159
nach beton-
tem Vokal:
habe : aber 540
LVIII
Einleitung
lac : kraft ll'd, mich ;
nicht 427
so : hoch 1402.
min •.min 1385
-Uche : -liehe 1379,
-Un : -Ihi 531 a
t'. wise : b'izest 957, ivas:<^dr-
ast'^ 1148, kan : Tirtn^GS,
getan : /«ff»^ 1264
cfe: dö-.näch 1076. 1234
c) Rührende Osivalt : gewalte 1228 (/"re/s-
Reime. sam : lohesam 91. 141),
zuhanf : haut 624, -Z^c?^e :
-«c/je 37. 205. 1132, -lin:
Unb84. in, hochgeniuöt:
nmot 491
Die Verschiedenlieit von I und II wird hier doch durch Hilfe
der tabellarischen Darstellung ganz augenfällig. Ich mache nur auf
weniges noch aufmerksam : auf das charakteristische ö : n, uo nur in
I, den schlesischen Übergang e > o nur erst in II; nur in I ungleiche
Vokalquantiläten vor h und m (s. o. S. XLII ff.), die Apokope von -liehe
— II apokopiert überhaupt viel schwächer — , die Synkope über h,
g, d hinweg — in II nur in -egit; in II das Fehlen von a:o und
allen Unreinheiten der «--Reime, die in I so zahlreich sind, dafür
größere Laxheit im Konsonantismus, dreifach häufiges Fehlen des
Infinitiv -n. Und was den Konsonantismus betrifft, ist der Unterschied
besonders groß: gemeinsam (abgesehen von den überstehenden
Konsonanten) sind s : z, cht : ft und st, aber nur in I die m : n,
r:rr (Mrre.'), z:zz, nur in II die sonst so häufigen b:g (in I wird
age zu ä !) dazu d : l und n, nd : mm.
D. Wiederum bietet sich von den fest gegebenen Reimen der
Weg zu einer vorsichtigen Betrachtung des Versinnern nach seiner
sprachlichen und stilistischen Struktur. (Von hier ab wieder Zitate
nach Versen; vgl. S. XLIX.)
1. Wendungen, die nur in I vorkommen. (Ordnung
nach dem Reimalphabet.)
hei- (si) sprach zu dem ruhen 288. 634. 829.
do her (si) — angesach, zuchtiglich her (si) zji im (ir) sprach
199. 350. 1344: do her (si) — angesach, l . ^ ■ \ unde
^ '' ' \st empfinc tn J
>s^j/-ac/i 853. 979; doher — tvort — gesprach : her — sac7ill22. 1412.
wunderliche sacken 371. 789 (groze suchen II 1373).
höre, waz ich dir wil sagen 455, vgl. wil. (hören sagen 330. 1245.)
fragete und hat, daz her im sagete 51. 212. 1282. 1297; vgl. 2
s. V. fragen,
alle dem Substantiv oder Pronomen nachgestellt (im Reime) 279.
467. 870. 1438; ebenso alle gemeine 272. 604. 1118 (adverbiales
uheral 271. 368. 1069. 1432).
rifen (ivimschten) mit schalle 278. 869. 1437.
des ivildes meres stram I 901.
heidnischer man 201. 266. 282. 1260.
Einleitung. MX
7uit (iiwer) snewizcn haut 557. 625. (1126), bi siner hant 02.
bekant r/eben 217, tun 764. 1287b.
her (si) ginc (fürte etc.), da her (si) fant 347. 1126. 11S2.
Die Reime auf fat't in der Formel mit der seihen fort s. unter V, 2.
hat im Reim mit Enjambement des zugehörigen Part. Prät. 114U.
116!'. 1329 (hat geschaffen, hatlivecgeftcrt, hat'irslagen.)
her [si) fiirte (tnic) in drate in eine kcmenate 63. .383.
ane inaze 13. 881.
her hat rorlorn sin leben 107. 219, vgl. im wurde benomen s. l. 873.
her hegunde Jen 210«. 1270.
ane alle missewende 58. 760.
volge miner lere 114, aller diner lere teil ich volgen geren 1307.
groze herren 18. 311, mit sinen herren 811. 847.
Nachgestelltes lob el ich: fromve l. 38, hunig l. 439, graren 1. .500.
tvnnders also vil 333. 361, also rechte vil 490.
höre waz ich dir sagen wil 94. 489; vgl. sagen,
gelonhe mir 1289, daz sage mir 944, daz sage ich dir 239.
. 7()S. 1015«.
an diser fr ist 953. 1324.
stc aller zit 445. 1056.
nicht enliz, her — hiz 305. 963, cf. Uz II.
des wildes meres ho 560.
jo als angehängte Bekräftigung 633. 1209.
von golde, also — icolde 618. 1064, vgl. 600.
atie allen spät 579.
Nachgestelltes nu 160. 356. 632.
an der stunt 101, in (zu) der selbigen stiint 656. 1157. 1416, zu
diser stunt 1332, nu und zu aller stunt 1143«, zu disen stunden
516, zii, keinen stunden 181; vgl. 2.
alse ich dich ka^i beduten 772.
2. "Wendungen, die nur in II vorkommen.
hegunde fragen, daz si im solde sagen 917; vgl. unter 1 fragete !
Nachgestelltes balde 392. 671. 1007.
lant stan zu uwer hant 73.
Parenthetisches daz ist war 664. 886 (vgl. 364).
ane alle vare 430.
des wildes meres vare 890.
vru und darzu 8j)ate 1368.
deste baz 79. 342b.
daz tete her (si) umbe daz 317. 342«. 909, vgl. 447.
Nachgestelltes wer lieh 473. 522.
Pflicht han zu 40b. i.^g.
uf di rechten truwe din 248.
irtrinken -\- vor sinken 546. 659. 897. 925.
enliz :hiz in Umkehrung 691; vgl. 1.
LX Einleitung.
in der selbigen stunde 1082; zu der seihen stunt 150, zu keiner
stnnt 1138. 1391, zu den stunden 485, zu allen stunden 1369;
vgl. 1.
3. Wendungen, die I und II gemeinsam sind.
groz Ungemach I 899. 987, II 1400.
mit gewalt I 1228, II 178.
sunder tvan I 111. 209. 1029. 1322, II 475, ane allen argen wan
II 1136.
Nachgestelltes gar I 60. 591. 787, II 551.
gewar werden mit Gen. I 650. 1293, II 67. 1002, mit abhängigem
Satze II 921.
offenbar sprechen I 1463, II 67.
zwar als Verstärkung von jo oder nein I 59. 363, II 429.
ane underlaz I 1278, II 923.
tun (un)rechte: knechte I 865, II 69.
in alle dem gebere, als — waere I 575. 1062, II 43^.
horte (sagefe) maere, wi (daz) waere I 331. 1102. 1318, II 1086.
Zur Gewinnung des bequemen Reims in -ich sind mich, dich,
sich gegen den Prosagebrauch hinter das regierende Verbum ge-
stellt: I 230 (uzgesant mich), 1067 (machte sich), 1361 (taufen sich),
II 428 (lezest toten mich), 684 (gesant dich), 1372 (gewern mich).
Also 2 gegen 3 Fälle.
Nachgestelltes nicht I 1019. 1038, II 549.
Inversion von dir, mir: 1.592. 59.3. 767. 1004. 1290. 1302, II 123.
246.
nim mich in dine hut 940, neme in s. h. 1458.
Hieran würde sich dann die Legion von vergleichenden Beob-
achtungen des reinen Versinnern knüpfen. Sie lassen indes weder
so sicher auf das Original schließen wie die bisherigen, noch ge-
hören sie in diesen Rahmen, noch scheinen sie nach dem Vorigen
nötig.* Denn ich glaube, daß die Differenzen iin Versbau, in Form
^ Nur eine der sonst angestellten Proben und Beobachtungen
sei wenigstens anmerkungsweise mitgeteilt.
Beide Handschriften heben aus den Majuskeln der Zeilenanfänge
einige durch besondere Größe und Ausführung hervor; ich zähle
31 in W, 12 in 0, davon 6 gemeinsame.
W bezeichnet mit solchen Majuskeln den Helden Oswalt oder
Sinte Oswalt (101. 147. 739. 805. 869. 1041. 1198); dazu Dohannes
(statt Johannes 1442). Aber auch sein Pronomen wird so
herausgehoben: Her 81. 135. 230; ebenso Sy = Spange 357.
429, Her = der Rabe 244. 785 (aber dies Her und Sg mit Ausnahme
des interpolierten V. 230 nur in der Verbindung mit sprach); Dei'
= Oswald 437, = der Rabe 280. 745.
Aber daneben muß man in W doch eine Majuskel anerkennen,
Kiiileituii^'. LXI
und Gebrauch der meisten anomalen und so vieler nomaler Worte,
insbesondeie auch die DitTerenzen der Reimtechnik, die ja aus den
Listen in die Auj.'en springen, den erforderlichen Beweis für richtige
Sonderung von I und 11 erI)rinKen : unuKiglich könnten die Grenz-
die einen Fortschritt der Hnndluns', ein Neueinsetzen markiert: Do
199. TrlL V2h± 1-291. 141_', />r^s• :^17, Demc 1, Ahn 1\1, Alziihanf
ll!24. Diese Bedeutuni; zeigt sicli ijbrigens auch darin, daß Majuskeln
nur im Satzaniange und nur im ersten Reimpaarverse stehen.
Und hier liegt für uns der kritische Wert dieser Majuskeln:
wenn sie ein Neueinsetzen markieren, so erklärt es sich, warum
sie gern nach dem Ende eines Einschubes auftreten: 81. 524.
717., d. h. diese Majuskeln geben wie die Verslückeii, von denen
wir ausgingen, einen Beweis für die Richtigkeit der Athetesen und
dafür, daß die Interpolationen in *VVO noch als solche kenntlich
waren; der Abschreiber empfand den Schluß der Interpolation auch
äußerlich als Sinnesabschnitt und setzte um so leichter und vielleicht
halb unwillkürlich die Majuskel. Und ebenso bezeichnet umgekehrt
der Schreiber mit der Majuskel 317 das Einsetzen einer Interpolation.
Dann bleibt als Rest: Di/ herren 67, Howaz 763, Lat nch 1007.
Da könnte man sagen: der Schreiber W bildet nur gewisse Ma-
juskeln (D 1 1 mal, H 5 mal, S 5 mal, O 3 mal, A 2 mal, L 1 mal)
und das D besonders häufig: er schrieb D>/ 67 statt f/y, wie er,
bezeichnend genug, Y. 1441 Dohannes, nicht 'Johannes schrieb.
Auch Howaz 763 ließe sich zur Not so erklären (sonst 4 mal .S').
Aber das L in Lut 1007 ist einzig. Und es steht wie D 67 in
Interpolation I
O hat Majuskeln für den Helden Hunte Osimlt 147. 739. 119S,
OsicaJt 805. 879. 931. 1041; für den Artikel: Der rahe 582; für
Neueinsatz: Des 1309, nach Interpolation: Nu 18-2, Ap 1144.
Auch hier sind mir die Majuskeln von 782 und 1144 Bestäti-
^ng meiner Athetesen.
W und 0 gemeinsam, also wohl auf *W0 zurückzuführen sind
{abgesehen vom V. Ij die Majuskeln V. 147. 739. S05. 1041. 1198.
sämtlich zur Hervorhebung Oswalds. Aber aus Der rabe 0 532
im Vergleich mit W 437. 280. 745 wird man folgern dürfen, daß
auch das Fronomen des Raben, also auch Spanges in *\V0 so be-
zeichnet werden konnte.
Jedenfalls läßt sich an keinem Punkte zeigen, daß die Majuskeln
schon in *\V0 Sinnesabschnitte angekündigt hätten (allerdings stehen
sie nur im Satzanfang und im ersten Verse eines Reimpaares), und
damit erhöht sich ihre Bedeutung für das Erkennen der Inter-
polationsgrenzen. V. 147 zeigt, daß auch der Interpolator Hynte
Oswalt schrieb. Aber daß er einen andern Majuskelbrauch hatte als
W, zeigten 67 und 1007, die sich auch so als unecht verraten.
LXII Einleitung.
linien der massenhaften beo])achteten Erscheinungen mit den von
uns angenommen Nähten zwischen Echt und Unecht zufällig zu
sammeufallen, statt sich in unendlich verschiedenen Winkeln zu
kreuzen. Nur bei ganz kleinen, vereinzelten Athetesen greift viel-
leicht keines der herbeigezogenen Scheidemittel an. Alier da ist
dann schon oben der umgekehrte Weg eingeschlagen, indem Hapax-
legomena solcher Stücke aufgewiesen wurden. Dann aber darf auch
noch erinnert werden, daß der umfänglichere Teil aller Athetesen
nicht von mir herrührt, sondern vom Text gegeben ist, daß nur bei
ganz wenigen der Text gar keine Handhabe bot.
Ich betrachte also, Einzelfehler zugegeben, meine Scheidung
doch als soweit richtig, daß wir darauf weiterbauen können, wenn
wir nun *W02 und *WOi jedes für sich untersuchen.
III. *W02, die Zusätze zu *WOi.
A. Stammt nun aber *W02 von einem oder von mehreren
Verfassern? Wir vergleichen die Interpolationen untereinander.
Inhaltlich korrigieren, ergänzen oder erläutern sie *WOi.
Zu der ersten Gruppe gehören 40a— c (Gott wollte nicht, daß
Oswald eine Frau nahm), 294 (der Rabe soll nicht getötet, nur ge-
fangen werden), 458»— c (der Heide sagt nicht, sondern schwört, er
werde seine Tochter heiraten), 564. 572/73. 797/98 (nicht allein,
sondern mit Heeresmacht soll Oswald ausziehen), 885 — 98 (nicht
17 Tage, sondern 8 Jahre war er unterwegs), 1142/43 (nicht um Ge-
sundheit, sondern um ein Ende in Keuschheit bittet er).
In der zweiten Gruppe überwiegen die christlichen Zutaten:
389—402. 469—88. 989—1010 (Aufforderungen zur Taufe), 409-32
(Mariengrüße), 1082 — 99 (Auf beten des Tors geboten); auch daß
Spange keusch bleiben soll, kann man dahin rechnen: 40«— c.
90. 1136—39. 1142/43. 1363—1403. Die Ausstattung von Oswalds
und Spanges Ringen mit wunderbaren Eigenschaften hat schon
spielmännischen Einschlag: 171 — 78. 528/29. .540—53. 779/80.
905 — 26. Die gleiche Mischung in 65—80 (Hochmut der Knechte,
Demut Oswalds vor dem Waller). Ganz spielmännisch die Sorge um
den Hunger 317 — 24, die Ausschmückung der Schachszene 247 — 59,
die Vergrößerung der Dimensionen 564. 572/73. 797/98. 11 79 ab.
Andere Vervollständigungen: 659 — 68 (Ausführung der an-
gekündigten Klage), 1229ab (Oswald kam an einem Sonntage heim;
auch als christliche Zutat aufzufassen).
Schließlich einfache spielende Parallelen: 748. 1458/59.
Aber auch inhaltlich Neues wird herzugebracht: 43»— e (der
Waller als Bruder des Königs), 187—90 (der Rabe soll einen Ring
zurückbringen), 669 — 99. 703—16 (die Episode mit Ise aus dem
Orendel), 885—98 (Versinken der Schiffe), 905—26 (Spange mit dem
Ringe vor ihrem Vater).
Einleitung. LXIII
Die übrigen Ergänzungen könnte inan ratioiiaiislische oder
technische nennen: 989—1010 (die Frage nach den Schiffen wird
beschwichtigt), 108-2—99 (die Nachricht von Schließung der Burg
soll auch an Spange kommen und sie soll Rat gel)en).
Das ist der Übergang zur dritten Gruppe, den Erklärungen. Sie
sind V. 317 — '■2A und 34^"^ ausdrücklich mit daz tete her umbc daz ein-
geleitet. Ferner 43'»—*-' (wie Oswald den Fremden als Bruder anreden
konnte, eine falsche Erklärung), 83:2* (diu herre hat nach dir gesant).
Meist ist die Verknüpfung dieser Interpolationen mit dem alten
Texte auch formal noch kenntlich: an der Übernahme des letzten
Reimwortes oder Reimes (so daß Drei- und Vierreim entsteht): 43^
171. 187. 247. 520. 564; oder es ist irgendeine Wendung des
Originals wiederaufgenommen: 294 {her muz), 409 (der rabe), 703
(geslungen), 797 [di man), 1229 '^ (quam), 779 {her sprach \\ her
saget e); beides: 171 (daz tvas und Reim auf -in); V. 157. 564 und
1142 hat sich der Interpolator sogar gespart, die aufgenommenen
Worte (her sprach, ici ir fridel, und laz) noch einmal zu schreiben.
Andere Interpolationen haben ein Schlußglied, mit dem sie in
den Reim des Originals einlenken: 4.58 a-c. 528—32. 659—99.
Doppelt, am Anfang und Schlüsse, angeknüpft ist 147 — 58. Ganz
parallel den Anstoß gebenden Reimpaaren gebaut sind 11 79 ab.
14.58,59. Aber auch größere Stücke sind so an das Gegebene an-
gelehnt: 147 — 58. 247 — 59; nicht einmal in der Nähe braucht die
Stelle des Originals zu sein, aus der entlehnt wird: vgl. 1011 ff.
und 1082 ff. Da ist es dann nur ein Schritt, daß nicht mehr der
Wortlaut, sondern nur noch der parallele Aufbau des Inhalts die
Entlehnung verrät: 409 ff.
Schließlich braucht also die Verknüpfung nur eine unaus-
gesprochen gedankhche zu sein: 40 ^-c (Oswald sollte eine Frau
nehmen — Gegensatz: das wollte Gott nicht; vgl. oben die korri-
gierenden Interpolationen), 659 — 66 (Ausführung der berichteten
Klage des Raben). Hierher gehören auch die Erklärungen daz tete
her umbe daz 317.342». Vgl. 90 (Anfügung als Relativsatz), 572/73
(Verknüpfung mit tind) usw.; vgl. 65-80, 4G9— 88, 540—53, 832%
905-26, 989—1010, 1082—99, 1363—1403.
Aber der Zusammenhang ist keineswegs überall gewahrt: die
Interpolationen sind großenteils gar nicht als Einschübe zu verstehen,
sondern als Parallelfassungen, Anmerkungen, als Ersatz des Da-
stehenden. Soweit sie dem Texte widersprechen (Gruppe 1), ist das
selbstverständlich, aber auch schon wegen der grammatischen Kon-
struktion können oft Altes und Interpoliertes nicht nebeneinander be-
stehen: 123,24. 458 'i-c. 699. 797/98, auch 1363-1403. Vgl. Kap. II A.
Daß der Interpolator auch den vorhandenen Text überarbeitete,
zeigten schon V. 157. 564. 1142; dazu nehme man das S. XXXIllf.
über die kusche Gesagte.
LXIV Einleitung.
Also doch eine starke Verschiedenheit des Inhalts, eine große
Mannigfaltigkeit seiner Verknüpfung mit dem zuvor Überlieferten.
Aber zwischen allen Gliedern Überp^änge, nirgends Gegensätze: die
Verszahlen kehren in den einzelnen aufgestellten Rubriken in den
verschiedensten Kombinationen wieder. Spielmännische Zusätze,
christliche Zusätze, aber auch Zusätze, die beides sind, alle drei mit
oder ohne formale Anknüpfung, alle drei sowohl Ergänzungen als
Erläuterungen als Korrekturen enthaltend, alle drei neben, aber auch
in die Stelle des Überlieferten tretend. Auch die Interpolationen, die
neues Sachliche, Sagenhafte bringen, aus dem Morolf, aus Orendel,
schließen sich doch in der Art ihrer Anknüpfung ganz den übrigen
an. Nehmen wir dazu die Resultate des vorigen Kapitels, das eine
große Masse von kleinen und kleinsten Bezügen, von Ähnlichkeiten,
Parallelen, Gleichheiten in Wort und Reim in allen denkbaren
Kreuz- und Querrichtungen feststellte, ferner das jetzt hervor-
springende besonders Gemeinsame dieser Interpolationen, daß sie näm-
lich nicht die sonst so häufig von Bearbeitern angestrebte formale oder
dialektische Besserung der Überlieferung zum Zwecke haben, so
werden wir schließen, daß *W02 von einem Verfasser herrührt,
oder doch, daß der Fehler für die weiteren Untersuchungen nicht
zu groß ist, wenn wir nur einen annehmen. Denn es bleibt ja die
Möglichkeit offen, daß ein und andrer Benutzer bei Lektüre der
Handschrift einen Vers oder eine Glosse hinzuschrieb (so wird uf
der hiirc 1097 zu erklären sein; vgl. ferner die Anmerkungen zu V.
2. 20.5. 346a. 512. 808. 1391 und S. XXIX über V. 700), aber jedenfalls
hätte sich das nach allen Proben und Versuchen in den engsten
Grenzen gehalten und wir brauchen es nicht weiter in Betracht zu
ziehen : fast durchaus könnte *W02 der Verfasser sein.
B. Natürlich können wir von unserem Interpolator nur wissen,
was die Handschriften uns erraten lassen.
Zur Datierung hilft uns in etwas Nr. 15 der erschlossenen Ge-
dichtsammlung *^V0, eine sehr schlechte Wiedergabe der Sibyllen-
Weissagung. Das Gedicht muß in dieser Fassung zur Regierungszeit
Karls IV. entstanden sein. Also wäre 1348 terminus a quo.^ Als
terminus ad quem hätte zunächst 1450 zu gelten, vermutlich das
Jahr der Niederschrift von 0 Nr. 6, oder wenn das zu unsicher
scheint, 1472, das Jahr von W.
Die Heimat von ^WOg ergibt sich aus den im vorigen Kapitel
mitgeteilten Reimlisten. Die Monophthongierung von ie und üe ist
^ Die Hoffnung genauerer Datierung nach der Sibyllen- Weissagung
scheint zu trügen. Das Gedicht setzt den Weltuntergang auf das Jahr
1300+61 fest: schon anno 1.300 erscheint ein Komet und es kommt
groß Ungemach über die Christenheit; doch das ist nichts gegen das,
was 61 Jahre später geschehen wird. Aber W schreibt 1400 -f 64
Einleitung. LXV
zwar alliremein iml, desgleichen ä > ö, aber die Entwicklung; e'^ci,
ae'^ a (wert, des, saelde), t" > 1 (gen) weist in Verliindung mit Formen
wie hin (Weinhold S. 4-2, v. Unwerth § 101), göt (Weinhold S. 51,
V. Unwerth § DG) nach Schlesien (Rückert-Pietsch S. 24f. und 36 f.
Weinhold S. :23, iJf) und 40, v. Unwerth § 8, i24 und 26) ; die Anordnung
der t'-Reime ist charakteristisch schlesisch : ae ä e e und e ö oe nur
unter sich gebunden (vgl. Heilborn PBB. 13.567 und meine 'Sprache
der Opitzischen Gedichtsammlungen' S. 48fr.). Nach v. Unwerth § 15
gilt bei Dehnung ö für mhd. o (göt) im Gebirgsschlesischen, Lau-
sitzisch-Schlesischen und Glätzischen; e > a vor r paßt ebendahin
(§ 9.2, vgl. 118.2). Der Reim nicht : crist 661 erklärt sich dann als
7iischt (Weinhold S. 81): crischt (vgl, Rückert-Pietsch S. 144: vnrschte,
yrschten, bischtuin und, mit Fragezeichen, eldisclien=^eldisten).
Einige Male können wir aus Fehlern von W und 0 auf den
Dialekt von *W02 schließen und so bestätigt sich diese Lokalisierung:
*W02 i <^ mhd. e folgt aus ich ruch 0 <^ inruch = enruche
*W02 685; 1JS ist W das ist O < is is = ist iz *W02 708. hande
W andtc 0 < hande = bange *W0 887 (Dialekt von Mittelwalde
in Glatz: Weinhold S. 68).
Aus der Lokalisierung fließt denn die Möglichkeit, den Wandel
vom mhd. zum nhd, Vokalismus zur genaueren Datierung innerhalb
jener hundert Jahre zu benutzen.
Nach Arndt, Der Übergang vom Mhd. zum Nhd. in der Sprache
der Breslauer Kanzlei, Breslau 1898, S. 21f. und 33f. sind dort seit
1389 i und ü nur noch Ausnahmen; sie waren in den Urkunden
von 1352 und 59 noch Regel (während gleichzeitig Karls IV. Prager
Kanzlei schon Mischung zeigt: S. 117). Nach Rückert-Pietsch S. 95f.
finden sich die neuen ei schon in den ältesten schlesischen Literatur-
denkmalern : vereinzelt in den Trebnitzer Psalmen, zahlreicher schon
im Psalterium Petri de Patschkau (Hs. von 1340), ganz durch-
gedrungen zuerst in einer Homilie, deren erhaltene Niederschrift ins
Ende des 14. Jahrhunderts gesetzt wird ('Hom.' Rückert-Pietsch S. 19).
Was au <| H betriflt, so dringt es langsamer vor, aber es sind nur
vereinzelte M, die sich noch ins 15. Jahrhundert erhalten und wahr-
scheinlich nur da, wo Verkürzung eingetreten ist (aaO. S. 88f.).
statt lSOO-l-61. Die Einsetzung von 64 für 61 hatte (im Jahre 1472)
kein Interesse für W, sie beruht also auf einem Versehen von W
oder rührt schon von *W0 her. Und auch die Änderung 1300>1400
getraue ich mir nicht *W0 oder W zuzusprechen. Sie könnte von
W wie *W0 (aber auch von einem noch früheren Abschreiber) vor-
genommen sein, weil nicht nur 1300, sondern auch 1400 Jahre vor-
über waren; aber ebenso möglich ist, daß ein Schreiber vor 1400
änderte, um die Prophezeiung auch in seine Zukunft zu verlegen.
Baeseckc, Wiener Oswald. V
LXVI Einleitung.
*W02 reimt nur i und ü ohne Spur von Diphthongierung. Und
daß das nicht lediglich eine Folge literarischer Tradition ist, beweisen
doch wohl so starke Provinzialismen, wie tvert : fart, saelde : halde,
ledig : saelig, gotc : spate, dann aber auch die i : j-Reime, die hätten
auseinanderfallen müssen.
Wir werden also doch *W02 im 14. Jahrhundert in ^Gebirgs-
schlesien", am ehesten in Glatz, suchen.
C. Aber was ist das für ein Mensch, zugleich Zölibatäer und
„Spielmann"? Hier bestätigt sich, was ich MO. S. 386 ff. ausführte
und was man mir nicht glauben wollte: daß das „Spielmännische"
früh zum literarischen Stil geworden ist. fVgl. auch Vogt, ZfdPh. I'l.
4S0.) Oder wie käme ein solcher Spielmann ins 14. Jahrhundert?
Könnte lesen und schreiben? Und hätte die Möglichkeit, einen wert-
vollen Sammelkodex zu übermalen?
Wir werden uns also doch einen Kleriker denken, der bei und
nach Lektüre von *WOi Taufe, Gebet und sonstiges Christentum, be-
sonders aber auch die Grundsätze der Enthaltsamkeit auch gegen das
Original zur Geltung zu bringen suchte und dem das Spielmännische
an Inhalt und Form aus 'literarischer' Bildung zufloß. Und zwar
weist uns die Vorliebe für Maria, weisen uns die Marien grüße, die
rhythmisch und bildlich schönsten Verse der Überlieferung, deutlich
auf die Zisterzienser und ihr ausgebildetes Salve regina (Wintei-,
Cistercienser II. 183). Aber ich kann doch dies Stück nicht herleiten.
Die Anrede rosentoio fehlt bei Salzer (Sinnbilder und Beiworte Mariens,
Progr., Seitenstetten 1886 ff.) -wie in den WörLerbüchern ganz, und
eine ähnliche Zusammenstellung der Anreden finde ich in den Marien-
grüßen nirgends. Am meisten klingt noch Marien rosengarten (Bartsch,
'Erlösung', S. 284 ff.) an, vierzeilige Strophen (s. o. S. XLVIII), die
abwechselnd mit Ich gruze dich und gegruzet sistu beginnen. Sie stehen
in einer Nürnberger Handschrift des 1-5. Jahrhunderts, aber Bartsch
möchte das Original ins 14. und in die Provinz Sachsen setzen; mir
scheint es nach den Reimen salde (= saelde): enthcdde, getruwe :rwve,
hän : vorstnän gleich gut nach Schlesien zu passen. Dann hätten wir
etwas unseren Versen 409 ff. wenigstens Ähnliches in Schlesien. Aber
der Abstand wäre doch groß : dort ein Gebet, an das Ave Maria geknüpft,
hier in kräftigem ParaUeUsmus aufgereihte Einzelanrufungen. Original
aber sind die Verse schwerhch, so gut sie in den Rhythmus von
*VV02 passen. Was Vogt ZfdPh. 22.479 aus Fichard, Frankf; Archiv
III. 2.57 und Hätzlerin 77* anführt, steht noch weiter ab. Dort:
Got grilsz dich liebes lieb on leid,
Di teil mich grosz lieb zu dir dregt,
Das got nit tvil,
Das ich hy dir ivon söl,
So het mir got wol getan,
Das er mich soUcher groszer lieb het erlan.
Einleitung. LXVII
Also nur ein ,Gott grüße dich", keine Aufreihung schöner
Epitheten, die Alternationstechnik der des Oswald entgegengesetzt.
Das Stück der Hätzlerin läßt nur die drei ersten Verse der
ersten Strophe mit ,Gott grüße dich" beginnen, hat nur wenige,
zerstreute und unbedeutende Epitlieta. In beiden Gedichten anders-
artiger Inhalt, aber doch in beiden, wie in *W02, Anrede an eine
irdische Frau. — Da steht doch viel näher das ZfdA.47.28S mit-
geteilte Lilienfelder Marienlied, das jede Strophe mit ausgesuchten
Epitheten beginnen, aber allerdings den Gruß fehlen läßt. (Anm.)
Jedenfalls aber auch hier literarische Kenntnis, wie wir sie für die
mancherlei spielmännischen Zusätze ja ohnedies anzunehmen haben.
Sowohl für die typischen dos Hungers, der goldenen Kleider und
dergleichen als für die individuellen: Orendel und Ise sind ja ge-
radezu genannt, Ise mit dem Yerspaar (674/73), das ihn im Orendel
immer von neuem einzuführen hat (Berger zu Or. 5.54), und der
Inhalt des Gedichtes ist in V. 675— 77 kurz, wenn auch nicht richtig
angegeben. Von vornherein ist also anzunehmen, daß unser Fisch-
fang dem des Orendel nachgebildet sei. Wie dort Ise von Orendel,
fordert hier der Rabe von Ise ein Fischen:
Or. 578 dö ßeng ei- in einer hJei- Osw. 692 der gute got das nicht
nen wile enliz,
fische vol die grozen gedien, her finge vil schire wol
des half im also schone sin schif guter fische vol.
sant Peter dö von Röme. (Auch Morolf will fischen: 291.)
Und wie dort einer der Fische den Rock, hat hier einer den Ring
im Leibe. Das im Or. häufige und gerade auch in V. 579 vor-
kommende galie finden wir nur einmal hier im Oswald: V. 680, und
es leitet zu einem anderen Zusammenklang der beiden Gedichte über,
dem Gabriel : Raphael, Or. 1389, Osw. 680, vgl. MO. V. 665.
Aus dem Orendel leite ich auch das Versinken der 71 Schiffe
her, das *W02 nur mit starken Änderungen des Originals hat ein-
führen können.
Gr. 367 Uf dem (Kleber-)w«- si Osw. 885 do mnste her wol acht
Utgent dri jär, jar
— daz ist sicherlichen war — nmhefaren, daz ist war
ü71 Der junge lag in grözer not: i>n was uzermazen bände,
er forht,erniileste l'td enden tot. her künde nicht zu lande
Dö was der junge künig be- kamen in den jaren.
standen
und mohte nit kumen von
dannen.
Oswald rettet sich dann auf dem letzten Schiffe, Orendel bleibt
nur eine Planke:
V*
LXVIII Einleitung.
Or. 673 zwen und sihenzig kiele Osw. 895 in dem eisten jare
die sind mir alle versunken Uz im got zeicare
und in dem wilden mer er- alzumale irtrinken
triinken ein(!) und sibenzig schiff e V07'-
sinken
Osw. 991 her sprach 'si sint ir-
trunken
unde in dem tcilden mere vor-
sunken.''
Dieser Zusammenklang besonders schlagend wegen der im
Oswald ganz einzigartigen Inkonzinnität des irtrimken.
Ist also auch das Schachspiel, soweit es von *W02 stammt,
Entlehnung aus dem Orendel? Nur die vier Verse 256 — 59 bringen
Neues (s. o. S. XXXI), aber eben die klingen fern an die einzige kurze
Erwähnung eines Schachspiels im Orendel an:
Or. 900 si tribent kurzw'ile vil,
si zugen im schächzagelspil
in einem bret was fischin Osw. 259 daz bret ivas von
und daz gestein tvas guldhi, helfenbeinen,
ergraben harte kleine; Saphiren ivaren di steine,
daz guot edel gesteine, mit golde so durchslagen,
daz hete vil der wunne, daz iz ir zwelfe musten tragen,
ez liuhte als die sunne.
Aber auch im Morolf heifat es 226. 3 ff.:
sie liiez ir balde [he>-\ füre tragen
ein gut schächzabelbret,
daz ivas mit golde wol durchslagen.
227 Vil edels gesteines dar inne lag,
daz lachte schone alsam der tag,
Smaragde unde jächant,
und aus dem Morolf (142. 153. 158) wird es stammen, dafs Trage-
mund zu Oswalds Bruder gemacht werden soll (43 c). Auch die Vor-
liebe für wunderkräftige Ringe ist Morolfisch, vgl. 93 — 96 (Osw.
914-16). 248. 604. 657 f. und die Anm. zu 187 und 544.
Dagegen scheint mir eine Kenntnis des Oswald *MS oder *zn
nicht nachweisbar^, man müßte sonst annehmen, daß der Eid des
Heiden, der an Stelle einer einfachen Mitteilung tritt (458*), aus
*MS 310 oder *zn 45. 14 stamme. Aber solche Eide gibt es ja viele:
vgl. Münchener Oswald S. 267. Und gegen die Entlehnung spricht
deutlich, daß unter all den 'Anklängen' von *MS an *W0, die ich
im Münchener Oswald S. 230 f. zusammengestellt habe, kein einziger
aus *W02 ist; und unter allen aufgezählten 'gleichen Wendungen'
* Daß 0 anderweit von Oswald wußte, folgt aus 676 und 1230:
Oswald von Engellant, während er nach *W0 in Deutschland wohnt.
Einleitung. LXIX
stimmt *W02 nur in denen zu *MS, tlie mit *W0, gemeinsam sind:
in alle dein yeherc 4ob, [der gute got) daz nicht enliz, her en ...
692, in der seihigen siunde (s. 0.).
Mir scheint auch das noch ein schwerwiegender Beweis für
meine EinteiUmg in I und II.
IV. *WOi, »lor ursprüngliche Oswald uiisres Archetypus.
Auch den Dialekt von *W0, können wir aus den Fehlern unsrer
Handschriften ermessen.
*VVOi e <\ mhd. i folgt aus cri/ten 0 <^ creften *W0 7.34, wirt
0 < vert *\V0 803, unheten 0 < beten (=hiten) *W0 1013, an bete
W < nti bete (= nu bite) *W0 1193.
*WOi / < mhd. e folgt aus dem 0 < dime *W0 1055.
nVOi a < mhd. e folgt aus das WO 602 < das *VVO = des,
des W das 0 < das *W0 = desSSl. 1116; vgl. 16. 130. 577. 590.
754. 858. 1014. 1315. (das W braucht nicht erst von W herzurühren.)
*WOi o < mhd. u folgt aus poste 0 < koste *W0 1185, aber
vber 0 < ohir *\V0 1291.
*WOi / < mhd. te folgt aus leben 0 < lihe *W0 1186.
*WOi e < mhd. che folgt aus Desen W < Gesen *W0 206;
auch aus czen 0 28. 346 c u. ö. dürfen wir vielleicht auf ehe > e in
der Vorlage schließen, da 0 dies h sonst nicht nur festhält,
sondern sogar durch ch wiedergibt: S. XVIII.
Wortformen: Also 0 <^ Ap = ohe nVO 622, Das W < bas =
biz nVO, 972. 1173.
Alle diese lautlichen Eigentümlichkeiten teilt *WOi mit W, und
wir haben auch anderweit Grund genug zu der Annahme, daß beide
denselben Dialekt haben.
Schon Hoffmann hat Nr. 14 unsrer Handschrift W, das Osterspiel,
als schlesisch oder böhmisch erkannt (Fundgruben II. 296). Wir
können darüber hinausgehen und sagen: es hat den Vokalismus des
Schreibers von W: vgl. dahin : sten Fundgr. IL 308. 13, mcre : schiere
303. 23, sere : viere 335. 14, kop : top (= köpf : toup) 321. 4.
Aber unter jenen beiden Gebieten dieses Vokalismus (S. XV) scheidet
vielleicht eine Anspielung das eine aus:
Siceiget, traue, und lat euer swanzen.
Zu Breslau uf dem turne becket man gute mosanzeti,
Zu Otmachau gar gute weiche k^se:
Ich getraue gar wol vor euch genesen
sagt 320. 15 ff. der Mercator zu seinem scheltenden Weibe in der
bekannten komischen Mittelszene. Konnte das Nest Ottmachau
weit bekannt sein? Wo nicht, bleiben wir durch den Dialekt an
das Bergland östlich von Cantli-Jauer-Charlottenbrunn-Münsterberg-
Beichenstein (daneben liegt Ottmachau) gefesselt, und die beiden
Heimatbestimmungen bestätigen sich gegenseitig.
LXX Einleitung.
Nun stammt das Osterspiel aus der Vorlage *W0, d. h. : ein
Stück von *W0, das vor seiner Aufnahme in die Sammelhandschrift
selbständig existiert haben muß, ist in derselben Gegend entstanden,
in der unser Johannes schrieb. Dann ist es wohl natürlich, auch
*W0 in diese Gegend zu setzen. Wir müßten sonst annehmen,
daß das Osterspiel von dort nach x gewandert und in *\V0 aufge-
nommen, daß aber *W0 in die Heimat des Osterspiels zurückge-
langt und dort abgeschrieben sei ; gewiß eine sehr künstliche An-
nahme.
Als Zeitbestimmung haben wir wie für ^WOg (S. LXIVf.) das
Jahr 1348, und wir werden mit *WOi noch weniger als mit ^WOj ins
15. Jahrhundert hinabsteigen wollen.
Daß aber *WOi, der Oswald unsres Archetypus vor Eindringen
der Interpolationen ^WOg, die Originaldichtung gewesen sei, werden
wir schon deshalb nicht gern glauben, weil dieser Archetypus eine
Sammelhandschrift war.
Den Beweis erbringen die Fehler von *WOi; die einem Original
nicht zuzutrauen sind: 598/99, 929/30 sind umgestellt; 1298» fehlt;
34 trug < trugen; 225 ivorcle <Cfure', 884 tagereise <itagewekU\
1234 doch < dö, 1239 sich.
Dabei ist noch zu sagen, daß *WOi nur Symbol ist für alle
Handschriften die zwischen Original und Archetypus liegen könnten.
Wir unterscheiden sie nicht mehr, und unser Stemma ist jetzt:
**WOi (Original) Orendel, Morolf etc.
I
*WOi -f nVO., (beide Teile nach 1348, vor 1400)
/ O (bis 1450)
W (1472).
Y. **WOi, das Original des Wiener Oswald.
A. Für die Beurteilung des Dichters und seines Werkes, zu
dem wir damit emporgestiegen sind, steht uns zunächst nur dieses
Werk zur Verfügung. Wir versuchen eine Analyse, und die mag
auch als nachträgliche Probe auf uusre Athetesenexempel ange-
sehen werden.
V. 1—30 enthalten Einleitung und Vorgeschichte. Oswald ver-
waiste früh, so begann er früh mit guten Werken. Seine Macht v.drd
in den herkömmlichen Formeln geschildert (15—30), und sein Reich-
tum ist besonders groß, weil sein Vater ein Heide war (13/14): der
Dichter kannte von der Literatur, die im Morgenlande spielt.
Als Oswald erwachsen ist, raten ihm seine Mannen, ein Weil:) zu
nehmen, das seiner würdig ist (30 — 40).
Und nun nicht erzählt: 'Einmal' oder: 'Da trat Oswald an die
Zinne, da sah er einen Waller kommen, den begrüßte er: Lieber
Einleitung. LXXl
Bruder, ^omlern: 'Als er an die Zinne kam, sah er einen Mann
kommen, den begrüDte er: Lieber Bruder.' So kann doch eigentlich
nicht sprechen, wer einen unbekannten Verlauf l)erichtet, sondern
nur, wer einen schon liekannten oder doch zu erwartenden neu
erzählt, oder wer aus der Erinnerung schöpft und dabei manches
überschlägt. So hat denn auch der Interpolator seine Erklärung
43" tV. beigegeben.
Oswald fragt den Bruder nach seinem Namen. "^Tragemund,
alle Lande sind mir kund.' Der zweite Teil der Antwort (V. 49)
gehört offenbar nicht hierher: er ist von früherher durch eine feste
Reim- und Gedankenassoziation mit dem ersten verknüpft. Aber er
dient hier zur Begründung des Folgenden : Oswald fragt den Waller
nach einer Frau, die keusch mit ihm bleiben Avürde; der weifi keine,
die Welt ist zu schlecht geworden.
Oswald führt den Bruder in eine Kemenate, fragt ihn um eine
Königin (61—64, 81—86) und erhält nun prompt die Antwort:
Spange, eines reichen Heidenkönigs Tochter über Meer.
Bis dahin also alles Geschehen ganz mechanisch, mit marionetten-
mäßigen Ruckbewegungen, kaum einmal etwas Gedankenhaftes oder gar
eine Überlegung: die liegt der Dichtung weit voraus, und die letzten
Worte Tragemunds: 'Wer sie freit, hat sein Leben verloren' (97/98),
sind wiederum für sich allein nicht verständlich: ergänze: der Vater
tötet alle Freier.
Mit musterhafter Unmittelbarkeit folgt auf Tragemunds Ant-
wort die Bitte rat mir, wi ich si gewinne, und Tragemund rät: du
hast einen Raben seit 8 Jahren zum Sprechen erzogen, den laß
bringen, schmücke ihn mit Gold und Silber und schicke ihn in das
Heidenland. Wieder kein Wort der Verwunderung oder der Er-
klärung bei einem so merkwürdigen Rate; in der Lücke hinter 122
kann kaum etwas andres gestanden haben, als was 123/24, vermut-
lich in besserem Reimgewande, darbieten.
Der Rabe wird gebracht, Oswald kost ihm und gibt ihm den
Werbungsauftrag. Er weiß plötzlich, daß die Königstochter Spange
heißt; dagegen verlautet nichts mehr von der Schmückung des Raben.
Der erklärt sich bereit und verlangt nur ein yuldin vingerlin für Frau
Spange. Und hier (KiO f.) auch einmal eine Erklärung: denn edele Jung-
frauen haben von ihrem Lieb gerne liebliche Gaben; also eine Er-
klärung, die den alten Sinn des Ringes gewiß nicht trifft. Der Ring wird
gebracht — er war Oswalden lieb — und dem Ra]:)en unter den
Flügel gebunden. Der Rabe hat ihn erst gefordert, weder Oswald
noch Tragemund, al)er Oswald fordert nun: gil) ihn Spange durch
den tciUen min.
Der Rabe sagt zu, fliegt ins Heidenland und kommt, in reißendem
Forlschritt, V. 200 zur Zwiesprach mit dem Heiden, ohne daß ein
Wörtchen über die Örtlichkeit gesagt würde. Sie begrüßen sich und
LXXII Einleitung.
man ist erstaunt über seine Ausrüstung, von der wir doch nichts
gehört haben. Der heidnische König fragt nach Woher und Wozu
(214 f.), aber der Rabe wagt nicht die Wahrheit zu sagen: erst jetzt
erfahren wir, daß der Heide umbringt, wer um seine Tochter Avirbt
(vgl. 97 f.). Aber der Rabe hilft sich nicht etwa durch eine List,
er schiebt nur auf, indem er fragmentarisch von den viertelhalb-
hundert goldenen Kleidern spricht, die sein 'deutscher' König 'bereit'
hat, und den Heiden auffordert, sich taufen zu lassen ; auch der (ebenso
unvermittelte) Vorschlag, Schach zu spielen, bedeutet doch nur einen
Aufschub und etwa ein Dekorationsstück. Das prächtige Brett wird
gebracht, der Rabe soll anheben. Aber vorher erbittet er die
Sympathie aller im Saale Anwesenden — erst hier hören wir, daß
dies alles in einem Saale vor sich geht — und verspricht, alle neu
zu kleiden, nämlich wenn er gewinnt, was nicht hinzugefügt ist.
Der Rabe zieht vorsichtig und gewinnt, 300 M Goldes und dazu
noch mehr: vorher war davon nicht die Rede. Der Heide zürnt
übermäßig: der Rabe soll sterben. Aber er weiß zu besänftigen:
'Nehmt das Gold, kauft mir Gewand und laßt Euch Kleider davon
machen'. Dieser kindliche Handel kommt zustande, die Kleider
werden an alles Volk bis herab auf das Küchengesinde verteilt, und
schließlich läßt sich auch der König herbei; ein solches Kleid zu
tragen. NB. das Kaufen, Machen, Kleiden geschieht hinter den
Kulissen derselben Szene, in der der Heide so schwer zürnt!
V. 330: Jungfrau Spange hört von dem wunderbaren Vogel.
Sie läßt sich herrlich kleiden: schneeweiße Seide mit Wasserperlen und
mit Golde wohl durchschlagen! Sie kommt mit großem Gefolge, im
Schatten ihrer gezähmten Adler vor ihren Vater: 'Bei meinem Gott
grüße ich dich.' (351, vgl. 3.54). Wie naiv! Wie wenig kann sich
der Dichter auf den heidnischen Standpunkt stellen ! Als wäre ihr
Gott nicht auch der Gott ihres Vaters! Der Heide bestätigt, daß er
gestern 300 M an den Raben verloi-en habe: daß eine Nacht
zwischen dieser und der vorigen Szene liegt, ist nirgends angedeutet.
Spange bittet um den Raben. Der Vater hatte ihn, behauptet
er hier (375/76), schon 'gestern zu Nacht' ihr zugedacht. Vielleicht
ist das ein spielmännischer Witz (den 0 unzweideutiger zu machen
suchte). Der Rabe will nicht mehr gehen — auch das spielmännisch — ,
so muß ihn Spange in ihre Kemenate tragen. Dort redet sie allein
mit ihm. Das Gefolge ist inzwischen vergessen.
Und nun wirbt der Rabe für seinen König Oswald, der jetzt
nicht mehr als Deutscher vorgestellt wird, dafür aber ein bestimmtes
Alter, 15 Jahr, neu erhält. Spange antwortet ein sehr rundes Nein
(454): der Vater hat, als die Mutter starb, verheißen, daß er einst
sie zum Weibe nehmen würde. Und dann ohne rechten Zusammen-
hang: 'Um meinetwillen hat er wohl viertehalbhundert Königssöhne
umgebracht'. Nämlich, ergänzen wir, ergänzte der Hörer und Dichter
Einleitung. LXXIIl
nach bekanntem Sagenverlauf: weil sie um micli warben, die ilim
bestimmt war.
Aber Spange lenkt noch ein: 'Wenn ich nun einwilligte, köinite
Oswald denn meinem Vater widerstehn?' (489 ff.) Und nun kann
der Rabe Oswalds Macht in den alten Formen aufzählen, so daß
Spange j,'anz froh wird.
Hier haben wir also wirklich einmal eine Gedanken- und Ge-
sprüchsentwicklung. Aber in alter Ungeschicklichkeit folgt nun (.512)
Spanges Frage: 'Hat mir mein Friedet etwas gesandt?' Also eine
Frage, (iie nur durch die vorher bekannte Antwort veranlaßt ist.
Aber der Sinn des Ringleins war elien (vgl. S. LXXI) in Vergessenheit
geraten, — sonst hätte es der Rabe von selbst herausgegeben oder
Spange hätte gefragt : 'Wo ist der Ring V oder 'Hast du keinen Ring
mitgebracht?' — und da es einmal hinzugehört, muß es anderweit
eingefügt werden. Sie freut sich über das Ringlein, nimmt nun
die Werbung wirklich an, und übergibt dem Raben ihrerseits
eins für den Verlobten. Er wünscht (554), daß sie's ihm an-
binde 'mit srrüuer Seide', und dies 'grüne Seide' tut eine starke
stilistische Wirkung: die modale Bestimmung, die nur für den
historischen Bericht paßt, ist mit Haut und Haaren in den Wunsch-
satz übergegangen.
Ehe er über des wilden Meeres Strom heimfliegt, bittet der
Rabe (V. 562) die Prinzessin um Rat, wie Oswald ohne Gefahr zu
ihr kommen möchte. Als Kaufmann mit 72 Schiffen ; mit dem Raben.
Kaufmann und 72 Schiffe, das scheint schlecht zueinander zu
passen, und der Interpolator hat denn auch Anstoß daran genommen.
Der Widerspruch erklärt sich offenbar aus mangelhafter Erinnerung;
im Münchener Oswald dienen die 72 Schiffe noch für das ganze
Heer. Aber dem Dichter verschwand dieser Widerspruch : die Zahl
72 ist rein stilistisch zu verstehen, macht so viel und so wenig wie
72 Schlösser (1081), viertelhalbhundert ermordete Königskinder (4GG)
oder 13000 taufende Bischöfe (1425) Anspruch auf Wahrscheinlichkeit
gewöhnlicher Art.
Nun -will der Rabe heimfliegen (582), aber Jungfrau Spange hält
ihn zurück, und es wird, einmal verweilend, geschildert, wie schön
sie ihn schmücken läßt. Auch 'auf sein Haupt eine Krone' erhält er,
als ob er, wenigstens wenn Tragemunds Rat (119) ausgeführt ist,
nicht schon eine trüge. Denn in Wahrheit ist jene Schmückung
nur zu erzählen vergessen, wie schon der Empfang bei den Heiden
und die Gleichheit von 119/20 und Ol. 5/ IG zeigt, die sich wieder aus
gemeinsamer, zurückliegender Quelle herschreibt.
Nun erst erhält der Rabe den gewünschten Urlauli, und Spange
verabschiedet sich sehr zärtlich (634 — 41). Der Rabe fliegt bis zum
11. Morgen, da kommt er ans Meer — und will ausruhen. Merk-
würdige Verzerrung eines Ursprünglichen, Einfachen! Natürlich
LXXIV Einleitung.
war er 11 Tage über dem Meere geflogen und suchte nach einem
Ruhepunkte, wie im Müuchener Oswald. So aber siebt man nicht
ein, warum der Rabe nicht ruhte, als er ans Meer kam, und das
Meer ist nur noch eine Gelegenheit, den Ring zu verlieren, wie es
nun einmal — soviel hielt die Erinnerung fest — geschehen müßte.
Ich möchte auch noch nicht einmal daraus, daß der Rabe auf dem
Mastbaum eines versunkenen Schiffes ausruht, den Schluß ziehen,
daß der Dichter wirklich den Schauplatz dieser Begebenheit nahe
der Küste denke. Er dachte wohl über diesen Punkt überhaupt
nichts Genaueres. Und lag denn nicht ohnehin die heidnische
Burg am Strande ? Gesagt ist es nirgends, man möchte es nur aus
114ä folgern (ah sti'z her daz schif sin); aber nirgends ist auch
sonst gesagt, daC^ von der Landungsstelle zur Burg etwelche Ent-
fernung ist, zumal nirgends eilf tage fart wie hier. Es bleibt also
doch das Resultat: der Verlust des Ringes im Meere stand der Er-
innerung des Dichters fest, aber die Art der Einführung dieser Szene
war ihr schon halb entschwunden.
Kurzum, der Rabe verliert den Ring, als er sein Gefieder
schüttelt. Er klagt, aber er erwischt den Fisch, der den Ring ver-
schlungen halte; wohl mit göttlicher Hilfe: V, 695 — 99 scheinen
Vorhandenes (eine Bitte an Gott?) zu verarbeiten (s. a. S. XXIX). Jeden-
falls nur noch Rudimente einer Episode.
Der Rabe fliegt wieder elf Tage, da ruht er auf einem Steine,
'der aus dem Meere gewachsen Avar' (alte Formel), und Gott speist
ihn in seinem großen Hunger aus dem Paradiese, bis er vollends
heimfiiegen kann (719—38). Oswald steht mit Gefolge «?i der zinne
und verkündet des Raben Wiederkehr. Aber der achtet der Herren
nicht und fliegt seinem König Oswald auf die Achsel. Bewillkomm-
nung, Botschaft und die Frage: was hat sie mir gesandt? (703,
nicht: hat sie mir etwas gesandt?) Der Rabe nennt den Ring, sagt
auch, daß er verloren war und mit Gottes Hilfe zurückgewonnen
ist (nichts von Isel), und knüpft eine fromme Mahnung daran; aber
daß ihn nun Oswald erhält und sich etv/a darüber freut, davon hören
wir nichts. Seine Antwort auf die Botschaft ist nur: ich hegere
mich nicht mere 761 und auf die Mahnung: geren libe.z rehclin, selig
si di lere din 111. Er fragt vielmehr gleich weiter, wie er hin-
kommen soll. Der Gedanke, daß vielleicht Oswald das selbst über-
legen müsse und daß erst auf eine solche Äußerung des Raben
aufgetragener Vorschlag folgen könne, scheint dem Dichter gar nicht
mehr beizugehen. Also auch hier wieder die Frage nach der fertigen
Antwort gemacht. V. 795/96 [hanUverc aller hande) geben dabei
eine Ergänzung der Lücke hinter 571, ohne selber ganz verständlich
zu sein: aber es handelt sich doch wohl um hantiverc, nicht um
anticerc (vgl. 808).
Auch jetzt folgt keine Äußerung von Oswald. Vielmehr läßt er
Einleitung. LXXV
sogleich die Schiffe bereiten, und man fahrt aus auf das wilde Meer.
Aber den Raben hat man vergessen: Oswald fragt, aber niemand bat
ihn. Üa sendet er 'Boten', 'acht oder vier", nach ihm, und sie kommen
wieder heim, ohne daß von Schill und SchilTahrt irgend die Rede wäre.
Sie finden den Raben sehr heruntergekommen, und er will nicht mit:
'Mein Herr hat mein vergessen und ich mußte mit den Säuen
essen' (835 f.). Charakteristisch wieder dieses Und : V. 830 ist ein
fertiges Requisit, das damit an 835 angeknüpft wird. Er schämt
sich auch, mit so zerstoßenem Gefieder vor Jungfrau Spange zu
treten. Es sei denn, daß Oswald selbst ihn hole. Also purer Eigen-
sinn. Aber das eben ist das Wesen dieser Szene, daß sie für den
Aufbau des Ganzen gar nichts zu bedeuten hat, wie sie auch durch
nichts vorangelegt ist : sie ist reines Zwischenspiel zum Ruhme des
spielmännischen Raben.
Also Oswald kehrt um und bittet schön, und der Rabe wiederholt
seine Klage. Aber den Tod der Übeltäter w-ill er nicht, und als der
König ihm die Krone zurechtgesetzt und sein Gefieder glatt gestrichen
hat, ist er bereit, und nun eilen sie ohne Maßen über Meer (881). Wie
auf Meerfahrten des Mittelalters fast selbstverständlich, geht es dabei
nicht ohne großes Ungemach ab, trotz besonderen göttlichen Schutzes:
der Proviant geht aus. Oswald flelit zum Himmel, der Rabe hört
es und fragt, was ihm fehle, worauf denn die richtige Antwort er-
folgt: chi weist iz selber wol (950). Der Rabe rät, wöchentlich drei-
tägiges Fasten zu geloben (was bei der Hungei-snot gut zu raten,
aber sehr gedankenlos ist), Oswald tut es und alsbald wird eii; guter
Wind gesandt, der sie zu Lande bringt (966).
Ohne daß noch irgendwelche Worte verloren werden, macht
sich der Rabe zur Burg des Heiden, er 'schwebt darunter' bis Spange
sein gewahr wird (973) und — so erwarten wir und so folgt im MO.
20iJ9 — ihn hereinzieht: statt dessen heißt es hier: er fliegt durch
ihr Fenster (975), als ob in V. 973 stände unz licr ir gewar ivart.
Sie empfängt ihn allein, und er berichtet von Oswalds Ankunft und
seinem großen Ungemach auf dem Wasser. Weder von seinem
Heere noch von seiner Kaufmannschaft verlautet etwas. Und so
verlangt Spange auch nicht etwa, daß Oswald einen automatischen
goldenen Hirschen habe oder mache, sondern daß er ihn erbete.
Der Kaufmannplan ist ganz vergessen, und auch der Hirschplan
wird nicht etwa entwickelt, der Hirsch ist vielmehr zu einer my-
stischen Vorbedingung des Brautraubs geworden. Der Rabe berichtet
an Oswald und der fällt ohne jede andere Antwort auf die Knie und
erbetet den Hirschen mit Hilfe des Gelöbnisses einer Kirche. Der
Hirsch läuft vor der Heidenburg umher, bis der König ihn bemerkt, der
ruft sein Volk auf, und 30000 Mann ziehen auf die Jagd; bei derselbigen
Fahrt wurde die Burg mit 1-1 .Schlössern wohl verschlossen (1078 f.).
Erst so merken wir, was Spanges und dann Oswalds Absiebt mit dem
LXXVI Einleitung.
Hirschen gewesen sein müsse: er sollte den Heidenkönig zur Jagd
verlocken, im Eifer sollten die Tore offen bleiben und Spange ent-
kommen. Aber indem der Dichter diesen Plan vereitelte, hat er
auch seinen Aufbau vergessen: es kann also beides nicht wohl von
ihm, sondern nur aus älterer Überlieferung stammen.
Sofort kniet Oswald nieder und betet, daß die Schlösser sich
öffnen möchten (1104). Er wiederholt dabei sein altes Gelöbnis, das
schon seinen Dienst getan hat (10.50 ff.): wie kann er also darauf
bauen? Aber die Schlösser öffnen sich, und der Rabe — wundersames
Bild — führt Jungfrau Spange an ihrer Aveißen Hand seinem
Herrn zu. Der bewillkommnet und küßt sie, und ohne daß noch
ein Wort über Plan und Vorbereitung gesagt würde, fährt er mit
ihr hinaus auf des Meeres "Wilde (1148).
Da kommt der Vater heim, er hat den Hirschen erjagt und will
ihn seiner Tochter schenken: sie war ihm lieb als sein Leben. '^Als
er sie nicht fand, nahm ei' ein Hörn von der Wand und blies, und das
bedeutete seinen Zorn' (1155 ff.). Wieder eine Versteinerung: es ist
nicht erzählt: er Avar zornig, er blies, damit seine Leute kämen, und sie
kamen. Vielmehr ist das Hörn und das Blasen geradezu symbolisch
geworden. Es kommen also 30000 Heiden und der König eröffnet
ihnen, daß ein Kaufmann seine Tochter entführt habe. Hier zuerst
wieder (V. IIG'.)) hören wir von Oswalds Kaufmannschaft. Wir fragen
vergeblich, wie der König davon wissen kann, denn weder hat
Oswald irgend davon Gebrauch gemacht, noch ist dem Heiden etwas
gesagt worden.
30000 wählt er von den 30000 aus und setzt den Flüchtigen
nach. Als Spange sie kommen sieht, ist weder Plan noch Hoffnung,
es heißt rundweg: 'Große Liebe muß geschieden sein: mein Vater
hat sein Hörn erschallt, das bedeutet seinen Zorn', und so bleibt
natürlich nichts übrig als Gebet und Wunder, und Avie das Wunder
sein muß, steht in großer Dummdreistigkeit so fest, daß man Avieder-
um nicht glauben kann, der Dichter habe es erst in diesem Zusammen-
hange erfunden : 'Mache daß der Heide in drei Tagen nicht so weit
fahren kann, Avie Avir heute'.
OsAvald betet also und gelobt diesmal außer dem schon Gelobten,
über vier Wochen eine Spende zu tun und allen zu gewähren, die
etAvas von ihm bitten (1212). Da erhebt sich ein guter Wind, der
OsAvald forthilft, indes der Heide irrefährt. So kommt er heim,
sammelt ein Heer — natürlich 300C0 Mann — , und als die Feinde
am 3. Tage landen, können sie sich besiegen lassen: eine Kampf-
schilderung haben Avir kaum in Andeutungen. Wir entnehmen
nur daraus, daß ein Teil der Heiden im Meere ertrinkt, avo der
Schauplatz ist. Der andre Teil Avird erschlagen, nur der König ge-
fangen: die alte fürchterliche Art literarischer Heidenkämpfe.
Der Kerker des Heiden lag am KirchAvege: gut Avar das
Einleitung. LXXYII
dem gefangenen Mann. Hier also auch einmal ein Hinweis auf
Späteres.
Eines Nachts erscheint ihm ein Engel (1258) und läßt ihn Hölle und
Himmel sehen, dort seine Hausfrau als Wölfin, und einen Stuhl für
ihn selber — welche Zusammenstellung! — hier nahe am Throne
drei Stühle, zwei für Oswald und Spange, einen für ihn, wenn er
sich taufen läßt. Auf solches Angebot ist dann der Heide sogleich
bereit, und als sein Töchterlein morgens auf dem Kirchgange vor-
überkommt, — der Dichter hat sie noch nicht taufen lassen — spricht
er sie an (1314 ff.): Er hat von einem guten Gott gehört und sieht
ein, Avie töricht es war, den Teufel anzubeten. Nicht ApoUinus,
Jupiter oder Mahomet ist also genannt, und es ist dieselbe religiöse
Naivität, die wir schon vorher fanden : der Dichter sieht das Heiden-
tum doch immer nur als Kein-Christentum und wundert sich dann
Ober die Torheit.
Aber so sehr der Heide durch die Anschauung überzeugt ist, er
knüpft an seine Taufe doch (1327) eine Bedingung: daß Oswald seine
Leute durch Gebetes Kraft zum Leben zurückrufe. Das paßt natürlich
nicht zusammen, aber diese Auferweckung ist eben eine spielmän-
nische Szene, die so wenig in die Komposition zu passen braucht
wie die Hauswurstszenen in das Drama.
Jungfrau Spange eilt, findet Osw'ald im Gebet (1338) und trägt
ihm ihr Anliegen vor. Oswald betet, und sogleich sind die Heiden
■wieder lebendig, und zwar am Meeresufer (1414). Oswald dagegen
scheint in seiner Burg gedacht, und diese ganz in der Nähe zu hegen.
Jedenfalls ist die Szene recht unanschaulich; man merkt auch, daß
die Zahl 30000 leerer Schall ohne entsprechende Vorstellung is'.
Desgleichen die 13000 Bischöfe, die nun zur Taufe herbeigerufen
werden. Sie nehmen obendrein ihre Kapellane zu Hilfe und taufen
erst die Neubelebten, dann Spange — erst jetzt wird sie Christin! —
und ihren Vater, ohne daß wir von seiner Befreiung oder von sonst-
weichen Umständen gehört hätten : stets dieselbe Unanschaulichkeit.
Er erhält den Namen Johannes (1437), aber es leuchtet durchaus
nicht ein, was diese Namengebung in der Ökonomie der Dichtung
etwa bedeuten könnte. Die Getauften aber riefen alle (1440): 'Sankt
Oswald ist ein heiliger Mann, der dies Wunder hat getan', und wir
freuen uns über die Naivität, mit der hier von dem starrgewordenen
Sankt Oswald nichts andres im Prädikat steht, als schon das Subjekt
enthält.
Johannes fährt heim, tauft 30000 Heiden, und die nicht wollen,
läßt er sehr jämmerlich umbringen.
'AUhie hat das Buch ein Ende': von einer Hochzeit ist keine
Rede, nicht einmal ein Ausbhck in Oswalds Zukunft. Es folgt nur
noch ein Aufruf, sich im Gebete an ihn zu wenden.
Wir haben also eine im Sinne des Dichters vollständige Über-
LXXVIII Einleitung.
lieferung von einheitlicher Komposition vor uns: außer etwa
V. 659 ff. nur kleine belanglose Löchlein erst unserer Hand-
schriften, und zwar zumeist in den Interpolationsfugen, aber keine
Lücken, die durch unsere Athetesen gerissen wären. Wie ja denn die
meisten Literpolationen nur zur Aufrundung und Ausmalung dienen
sollten, zur Verchristlichung und Belebung dieser armen, fahlen
Unanschaulichkeit, die nur rasch die materielle Wiedergabe des
interessanten und wunderbaren Inhalts abmacht, und man versteht,
daß sie nötig oder doch willkommen schienen. Denn freilich: im
Sinne dieses alten Inhalts ist die Erzählung sehr fragmentarisch.
Der Dichter berichtet Halbbekanntes, das der Hörer schon aus Er-
innerung und geschulter Phantasie ergänzen wird, und seine eigne
Erinnerung ist eine recht mangelhaft gewordene Brücke: viele Planken
sind in die Lethe hinabgestürzt, da springt er hastig über die er-
haltenen, und auch die sind vielfach aus den Fugen und verschoben.
Aber was uns so erhalten wird, ist doch ein hochwillkommenes
Zeugnis für das Verlorene: wir wissen den in neue Umgebung ge-
paßten alten Worten und Wendungen die alte hinzuzudenken und
schließen wie bei den Graniten unseres Tieflandes auf Art und Heimat
des ursprünglichen Zusammenhangs.
Und dann ist auch wohl Neues zugekommen. Aber das zu be-
urteilen erlauben uns die beiden Handschriften, die uns bisher einzig
geführt haben, nicht mehr: hier ist der Punkt, wo unsere aus der
gesamten Oswaldüberlieferung abzweigt und sich nur noch von ihr
aus charakterisiert. Das Stemma der drei erhaltenen Fassungen
(*MS, *zn, *W0) aber ist (vgl. MO. S. 237 und 376):
*MW
l\
*Mz \
I \ \
^MS *zn *W0
B. Dann wäre also der Inhalt von *MW aus der Strophentabelle
MO. S. 349 ff. abzulesen (= 0 -f *MW). Ich gebe ihn aber, zur Be-
quemlichkeit und um die aus dem Vorigen gewonnenen Verbesserungen
anbringen zu können, noch einmal in fortlaufendem Bericht.
Die einleitende Aufforderung zuzuhören mit der Nennung Oswalds
und dem Hinweis auf das (vorliegende?) Buch ist in *MS und *W0
1 — 6 gleichermaßen erhalten und schon bezeichnend für die Distanz
der beiden Gedichte auch da, wo sie sich inhaltlich einigermaßen
decken. Daß Oswald von EngelUtnt und mute, sagt nur *MS (später
auch *zn).
Dann folgt gleich die erste Umstellung von *W0: daß Oswald
früh verwaiste, gehört nach *MS (vgl. Kudr. 5 und S!Ü9), hinter die
Aufzählung der Macht. Die aber ist in *zn *W0, d. h. *MW, voll-
ständiger als in *MS, sofern sie an den Vater anknüpft (*zn 44. 11,
Einleilui)^'. L.W IX
*W0 1:2— i)0). Die Anfziihlungr selbst bestätigt ihre alte feste Formel
liaftigkeit durch die starken Wortanklänge aller drei Fassungen. Im
einzelnen aber hat *W0 doch umgeordnet (die Bischöfe vor die
Grafen gestellt!) und die Herzogen ausgelassen.
Daran erst schlofs sich in *MW der Bericht von Oswalds Waisen-
tum und Frömmigkeit.
Dann, nur in *zn (44-. 14/15 und IS) und *W0 (31 ff.) erhalten, der
Rat der Mannen, eine Frau zu nehmen. In *MS 3.5 ff. ist daraus ein
Gebet Oswalds geworden, aber jener Rat ist, wie die deutlichen An-
klänge beweisen, darin (V. 45) aufgenommen (MO. S. 307).
Unmittelbar daran schloß sich (*MS 193, *zn 44. IS, *W0 42)
das Auftreten des alten Wallers, dem zweiundsiebzig Lande be-
kannt sind — ich hob schon hervor, wie diese Mitteilung in *W0
nachhinkt — . Sein Name Tragemund ist nur in *W0 richtig erhalten.
Er wird drate in die bekannte Kemenate geführt und gefragt, ob er
eine geziemende Braut weifs. Keuschheit bis ans Lebensende wird
weder in *MS noch in *zn (noch in *W0) gewünscht. Alter Über-
lieferung gemäß antwortet er erst nein, ehe er zögernd die rechte
nennt. (In *W0 geschieht nur die zweite Frage in der Kemenate.)
Dies Zögern ist in *MS noch mit dem Folgenden motiviert, in *W0
führt keine Brücke mehr von dem Nein zum Ja, und erst aus *MS
erklärt sich jenes abrupte icer si fi-iet, der hat sin leben rorlorn.
Es ist Spange : der Name wieder nur in *W0 unentstellt (MO. S.
379 f.) Das anfängliche Abmahnen ist in *\V0 nur andeutungsweise
(97/98, 105 — 7) erhalten : es ist dadurch geschwächt, äaü das Apollonius-
rootiv — der alte Heide will seine Tochter selbst heiraten und tötet
darum alle Freier — in *W0 an eine ganz andere Stelle verschlagen
ist: es ist Spange als Antwort auf des Raben Werbung in den
Mund gelegt (454—63).
Es folgte der Rat, den redenden Raben zu schicken. Das
fromme Possenspiel der HerJjeischaffung (*MS 372—401) ist fih- *MW
nicht zu erweisen (MO, S. 260 f.); es ist in der Strophentabelle MO.
S. 350 versehentlich unter 0 statt unter *Mz gestellt.
Oswald bittet den Raben, Bote zu sein: das ist das Natürliche
und ist auch durch *W0 135 — 46 und n 46. 6 für *MW bezeugt. Daß
er sich selbst anbietet und den Inhalt seiner Botschaft schon vorher
weiß, ist eine Glorifizierung des Raben, die erst diesseits *Mz liegt.
Der Rabe wird prächtig geschmückt; *\V0 berichtet nur des Wallers
Rat: eine Schmückung des Geschmückten folgt erst bei Spange
(585—619), inhaltlich weit abweichend von *MS; aber auch in *MS
sind ganze Versreihen dem beauftragten Goldschmiede zuliebe ein-
gefügt.
Der Rabe erhält Ring und Botschaft (*W0), nicht auch einen
Brief (*Mz) ; nichts von der Bedingung, daß sich Spange taufen lassen
müsse. Er nimmt den Auftrag an (*W0 191—95 entsprechen mit
LXXX Einleitung.
deutlichen Anklängen *MS 598/99, 602—4, die MO. S. 351 fälschlich
€rst *MS3 zugeschrieben sind: vgl. MO. S. 211 und 312. Eine von
den ältesten *MW-Interpolationen , die noch in der Handschrift
kenntlich sind: MO. S. 312).
Von dem Hinfluge des Raben weiß *MS zwei Abenteuer: wie
er auf einem Stein einen Fisch verzehrte und wie die Meerweiber
ihn fingen ; *zn und *"\V0 schweigen. Auf dem Rückfluge verlor
er nach gemeinschaftlichem Bericht das Fingerlein, nach *lSh ver-
half ihm der Einsiedet wieder dazu, nach *W0 'envischte' er seihst
den Fisch, der es verschlungen hatte; aber dann hungert ihn noch-
mals und er wird auf einem Steine vom Paradiese her gespeist:
720—34. Dies letzte ist ja augenscheinlich Dublette, zumal *\V0 von
dem Hinfluge kein Ereignis berichtet. Es folgt aber auch daraus, daß
*W0 720—34, 700, nach dem Wortlaut aufs nächste mit *MS 624/25,
628 — 35, 645 verwandt sind. Dies ist also ursprünglich das Aben-
teuer des Hinflugs (*MS 622—25, 628—49, *W0 720—34), und
danach ist MO. S. 351 zu ändern; *MS fügte dann noch die Pueer-
weiberepisode hinzu.
Mit 772 setzt in *MS das Alte wieder ein: der Rabe kommt zu
Aron, dem Heidenkönig (dessen Namen *zn verderbt, *W0 verloren
hat: MO. S. 378 f.) : von der ganzen Reise sind in *W0 die drei Verse
196—98 übrig gebheben.
Der Rabe sieht die Jungfrau, aber sie ist wohl verwahrt. Das
hat zwar nur *MS erhalten (785 ff.), aber es wird durch den Chorus
der Brautfahrtdichtungen bestätigt. Auch die Schilderung ihrer Be-
gleitung muß ich jetzt (gegen MO. S. 319) *MW zusjjrechen: die An-
klänge an *W0 343 ff. sind zu deutlich. Denn zwar hat *W0 diese
Schilderung an eine viel spätere Stelle gerückt, der Baldachin ist zu
einem (/uter geworden, den Schatten bringen vielmehr die zahmen
Adler, aber die zahlreiche, jungfräuliche Begleitung, das Nachtragen,
der Schatten sind geblieben.
Der Rabe fliegt auf des Heiden Tisch, man ist gar erstaunt
über ihn und fragt nach Herkunft und Gewerbe. Er läßt sich rride
geben und bringt seine Botschaft vor; der Heide gerät in Zorn und
will ihn umbringen. Dieser natürliche Zusammenhang ist in *W0
(226 ff.) durch Schachepisode, spielmännische Kleiderpracht und Tauf-
forderung zerstört, nur einige Reminiszenzen sind geblieben: daß
der Rabe nicht gleich die Wahrheit sagt, h-ot uncle win zugesichert
erhält, und der Zorn des Heiden, der nun nicht recht motiviert ist.
Jungfrau Spange hört von dem Raben, kommt herbei, bittet
ihn für sich los und trägt ihn in ihre Kemenate. Da läßt sie der
Rabe den Ring nehmen und richtet seine Werbung aus. *W0 hat
die Werbung vorangestellt und läßt dann verkehrterweise Spange
jene wunderliche Frage tun: hat min fridel tizgesant mir bi dir icM
über lant'i Worauf dann der Ring verabfolgt wird. Inzwischen aber
Einleitung. LXXXI
hatte Span^'e die Werbung' ;iu?t:eschlapen — aus Furcht vor dem
Vater, der sie heiraten will und alle Freier umbringt: in *MS schon
V. 310 IT. — und erst eingewilligt, als der Rabe Oswalds Macht in jenen
alten Formeln geschildert hatte; bezeichnend für das Wandern fester
Versgruppen innerhalb eines Gedichtes, zumal auch *MS diese Schil-
derung öfter verwendet; nur eben nicht hier.
Der Rabe will heim, Spange hält ihn und behandelt ihn wohl.
Aber *iMS und *W0 — *zn schweigt — weichen weit voneinander
ab: *W0 verlegt hierher die Schmückung des Raben.
Zu Ring und Botschaft erliält er Amveisung, wie Oswald kommen
solle: mit zweiundsiebzig wohlausgerüsteten und wohlbemannten
Schiffen. *W0 hat nur die Zahl zweiundsiebzig belassen, und
recht sinnlos, denn Oswald soll hier nur als Kaufmann kommen.
Es scheint, als habe das *\V0 aus dem Schlüsse der Erzählung fest-
gehalten, wo Oswald in der Tat auch in *MS, also in *MW mit
einem Schiffe vor der Burg des Heiden liegt.
In allen drei Fassungen ist ausdrücklich hervorgehoben, daß er
den Raben mitnehmen müsse, wenn die Fahrt gelingen solle (*MS
11 75 f., *zn 48.20 f., *W0 574).
Der Rabe fliegt also heim, und im Sturm (*W0: als er auf
einem Mastbaum rastet und das Gefieder schüttelt) verliert er den
Ring. In *Mz verhilft ihm ein frommer Einsiedel wieder dazu, der
dort auf einem Felsen im Meere sitzt; *W0 hat nichts dergleichen,
und ich möchte glauben, daß das nicht Vergeßlichkeit ist, denn auch
die frommen Oswaldsagen von Villach und aus dem Rosental (MO.
S. 251) lassen den Ring ohne fremde Gebetshilfe zurückgewinnen,
und die Einsiedelepisode klingt nach Brandan. *W0 hat seinerseits
den Fischfang des Hinflugs auch auf den Rückflug verlegt (s. o.).
Der Rabe wird daheim wohl empfangen; die Einzelheiten
weichen stark voneinander ab. Er entledigt sich der Botschaft und
des Ringes, Oswald betreibt alsbald die Ausrüstung, und hier ist es
*Mz, das die Gelegenheit zu einer abermaligen Aufzählung von Os-
walds Macht wahrnimmt. *W0 berichtet kaum mehr als die Ab-
fahrt, und dann stimmen alle drei Zeugen überein, daß der Rabe
doch vergessen wurde {*MS 1610, *zn 51. 11, *W0 813). In
*Mz merkt man das erst, als man im feindUchen Lande ange-
kommen und verborgen vor Anker gegangen ist. Erst von diesem
Punkte aus wird dann ein einzelnes Schiff vor die Burg detachiert.
*W0 hat die Zwischenstation vergessen und denkt wohl von vorn-
herein nur ein Schif? (trotz der alten Zahl 72): so kommt es,
daß das Fehlen des Raben ohne Anknüpfung und Motivierung auf
der Fahrt bemerkt wird. Boten werden gesandt, ihn nachzuholen.
Er will nicht, er ist inzwischen zu sehr vernachlässigt und herunter-
gekommen, um noch fliegen zu können: Oswald selbst soll ihn
holen; und Oswald tut es. Dies alles nur in *W0 erhallen. In *Mz
Baesecke, Wiener Oswald. VI
LXXXII Einleitung.
ist an Stelle der Boten ein zu diesem Zwecke von dem ganzen
Heere erbeteter Engel getreten, der den Raben durch ein Wunder
— *MS tut auch noch einige Possen hinzu — herbeischafft. Aber
die alten Klagereden des Raben vor dem Boten und vor Oswald,
seine anfängliche Weigerung und ihre Begründung lassen sich aus
den Gleichklängen noch wohl erschließen. In *W0 gelobt Oswald
dann Bestrafung der Säumigen und der Rabe begütigt, in *MS ver-
langt der Rabe den Galgen für sie, und Oswald begütigt, was wohl
ursprünglicher ist. Von Schrecken der Fahrt und einem rettenden
Gelübde weiß nur *W0 (899 ff.).
Nun kann der Rabe zu Spange gesandt w^erden. Er erbittet
ihren Rat: mit einer kleinen Schar soll sich Oswald vor die Burg
legen, denn mit Gewalt ist nichts auszurichten. (Diese Detachierung
ist, wie gesagt, in *W0 verloren.) Er soll sich für einen Kaufmann
ausgeben (MO. S. 256 f. und 308; in *W0 ist nur vorher und
nachher, V. 59.5. 801. 807 ff. und 1169, davon gesagt).
Das Folgende nur in *Mz erhalten : Oswald tut nach dem Rate.
Er wird bemerkt, der Heide zieht feindlich aus, läßt sich aber
beruhigen. Hier gibt sich Oswald in der Tat für einen Kaufmann
aus. Nun ■werden die Christen gut behandelt, aber Oswalds Vor-
haben rückt nicht weiter.
Hier setzt *W0 wieder ein: in *W0 hat Spange gleich bei des
Raben Ankunft geboten, daß Oswald einen gold- und silbernen
Hirschen erbete, und das geschieht denn auch mit dem Gelöbnis einer
Kirche, das nur *W0 kennt. In *zn hat Oswald plötzlich einen
Hirschen. In *MS wird ein schwerer Motivierungsapparat — Traum^
Goldschmiede — für ihn in Bewegung gesetzt. Das Ursprüngliche
■wird gewesen sein, daß dieser Hirsch zu den Kleinoden des Kauf-
manns gehörte — die silberne Maus der Herbortsage ist eine genaue
Parallele, MO S. 271 und 288 ff. — . Diesen wunderbaren auto-
matischen Hirschen läßt Oswald vor Arons Burg laufen, und die
Heiden veranstalten ein Jagen; das haben wieder alle Fassungen ge-
mein, nur daß *MS weit ausführlicher geblieben ist als *zn und *W0.
Und nun war es einst der Lebenspunkt der ganzen Dichtung —
MO. S. 27 1 ff. und 308 f. — , daß die Heiden in ihrem Eifer das
Burgtor offen ließen und Spange so entweichen konnte. Das war
die alte Entführungslist. Aber sie ist sehen im Archetypus unsrer
drei Fassungen, in *MW. plump zerstört: die Heiden schließen das
Tor, und es muß dann aufgebetet werden. Wichtig ist, daß diese
Schließung noch in unseren Handschriften als Einschub kenntlich
ist, an Zerstörung des grammatischen Zusammenhangs und der
Reimabfolge (MO. S. 218 f.).
Es folgt die Hirschjagd. Inzwischen entweicht die Prinzessin.
Ihre List, daß sich eine ihrer Jungfrauen derweil, mit Krone und
könidichem Mantel, zuschauend auf die Zinne stellen muß, ist in.
Einleitunjr. LXXXIII
*MS ganz, in *zn stückweise und unverstanden bewahrt, *WÜ hat
sie vergessen: da verhingt Span^^e sogleich von Oswald das Auf-
beten, das sie in "Mz selbst vornimmt, als sie die List gescheitert
sieht. Dies zerstörende Aufbeten war aber schon in *M\V (*MS
L>545fT., *zn 53. i>0 IT., *\V0 1104 IT.).
So entkommt also Spange zu Ktinig Oswald, der sie lieblich
empfängt. In *MS hatte der Rabe sie ihm angekündigt, in *VVO
sogar an der Hand zugeführt. Alsbald stöfät Oswald zu seinem Heer
— das fehlt natürlich in *W0 — und fährt davon.
Der Heide hat den Hirschen nicht fangen können — in *W0 fängt
er ihn und will ihn seiner Tochter schenken (1149 f.) — , er kommt
heim und mufa das Geschehene erfahren. Er bläst sein Hörn. Seine
Heerscharen wissen, was das bedeutet und strömen zusammen. Sie
hören, dati Spange von Kaufleuten — hier nur in *W0 — geraubt
ist, und da wird denn nachgesetzt. Der Rabe (Spange *W0) sieht
die Heiden kommen, und Spange gibt alles verloren. Aber Oswald
erbittet vom Himmel, daß die Heiden sie nicht einholen können.
Er gelobt dafür in *MS, niemandem mehr etwas abzuschlagen; in
*W0 ist es (außer der schon zweimal versprochenen Kirche) eine
Spende, wobei er allen gewähren will, die in Gottes Namen bitten.
Also jedenfalls ein Gaben-Gelübde in *MW (*MS 2787 ff., *W0
1198 ff.). Und trotzdem Einholen und Kampf. In *W0 erscheint
zwar jetzt alles wohlmotiviert, weil Oswald nur ein Schiff hat und
der Heide ihn erst einholt, als er daheim und an der Spitze einer
Heeresmacht ist. Aber dieses eine Schiff ist ja erst aus den zw-ei-
undsiebzig geworden, und so bleibt für *MW jener Widerspruch
ZAvischen Gelübde und Einholen bestehen, den wir wiederum nicht
einer Originaldichtung zusprechen werden.
F]s kommt also zum Kampf, auf einer Insel, wie *Mz überein-
stimmend mit verwandten Dichtungen berichtet, und die Heiden
werden bis auf Aron erschlagen. In *W0 wird er eingekerkert und
sieht sich dann durch himmlische und höllische Visionen veranlaßt,
die Taufe zu erbitten. Aber eben diese Visionen weisen auf fremden
Ursprung; daß der Heide vielmehr jetzt getauft werden soll,
zeigt sich auch in *W0 an der Meerszenerie (1413 f.), die eben jener
Kampfinsel angehört. Daß Aron nicht gleich zur Taufe bereit ge-
wesen ist, klingt auch in *VVO noch an, in *MS ist sein Sträuben
noch spaßhaft ausgedehnt, aber daß er die Erweckung seines Heeres
zur Bedingung machte, ist in allen drei Fassungen noch wohl er-
halten. (Vgl. MO. S. 2.Ö9 und 306 f.) In der Tat erweckt Oswald die
Toten durch sein Gebet zu neuem Leben, und sie werden getauft.
(*MS setzt noch ein weiteres Tauf hindernis hinzu: als Aron die Seinen
wieder lebendig sieht, will er von neuem kämpfen, aber sie weigern
sich: sie haben die Hölle gesehen.) Auch Sjiange wird getauil und
Aron, der nun einen neuen christlichen Namen erhält. Er zieht
VI»
LXXXIV Einleitung.
heim und tauft sein Volk: so *zn *W0, also *MW: hier hat *MS
geändert: er zieht mit Oswald, denn seine Mannen sind schon wieder
gestorben.
Oswald kommt heim — in *W0 schon vorher — und feiert
die Hochzeit.
Am Schluß stand wohl noch eine Aufforderung, den h. Oswald
anzurufen und etwa ein Segen; beides nur in *W0 erhalten.
C. 1. So ergibt sich von einem andern Gesichtspunkte noch
einmal eine Charakteristik von **WOi (vgl. Abschnitt A). Sie er-
gänzen sich beide leicht, und ich will zur Beurteilung nur noch
einzelnes herausheben und gruppieren.
Es sind doch eine Reihe von alten Zügen, die *W0 allein er-
halten hat: die Namen Tragemund und Spange; die Botschaft, die
den Raben nachholen soll, und daß; Oswald ihn dann doch persön-
lich bewegen muß mitzukommen; auch der Schluß. Dazu das
Negative, daß der Brief bei der Werbung, daß Meerweiber und Ein-
siedel noch fehlen. Mit *zn gemeinsam bewahrt *W0 das Alte
vor jener ersten Machtaufzählung (Y. 12 — :20) und in dem Rat der
Mannen, eine Frau zu nehmen; daß Oswald den Raben bitten
muß, die AVerbung zu tun, daß Aron schließhch heimzieht und
sein Volk tauft; auch daß Oswald als Kaufmann auftritt, wäre ohne
*W0 *zn nicht mehr als ursprünglich zu erkennen.
Aller wieviel hat *W0 verloren I Da ist keine Kriegsfahrt mehr,
jene verhohlene Zwischenlandung fehlt, und so fehlt der Kampf auf
der Insel und all das Doppelwesen, das sich aus der Zwischen-
landung ergibt. Es fehlt Spanges List auf der Mauer; es fehlen die
Verhandlungen des Raben mit dem Heiden (dessen Name auch
verloren ist) : nur einige Bruchstücke sind da hall) unverständlich stehen
geblieben. Aber auch von schmückender Breite, von hübschen,
bunten Ausmalungen ist nichts erhalten: die Ausrüstung der Schiffe,
das Zusammenrufen der Mannen, die Schilderung der Heidenburg
oder der Jagd und ihrer Veranstaltung, wie Aron gegen den ver-
meintlichen Kaufmann auszieht und von seiner Tochter begütigt
wird, woran Oswald sie vor ihren Begleiterinnen erkennt: alles das
und viel mehr versunken und vergessen. Auch die spielmännischen
Züge. Freilich sind wir da noch weniger sicher als sonst, Avas wir
davon schon *MW zuzuschreiben haben. An Stelle der alten Fülle
und kindlich-unhöfischen Pracht ein skeletthaft mageres Leben, Über-
reste der Erinnerung, die leidlich logisch verknüpft sind, alles brüchig
und sprunghaft und gegen Ende immer löcheriger und dürftiger.
Das stimmt zu der Art, die wir schon an **WOi allein erkannten:
vgl. Abschnitt A.
Nehmen wir dann alle jene Umstellungen noch hinzu, den weiten
Abstand des Wortlauts von *Mz und *W0 auch da, wo Gleiches zu
berichten ist — besonders in Gebeten — und das Fehlen jeglicher
Einleitung. LXXXV
Berufung auf eine vorliegende «chriflliche Quelle, so werden wir
für bestätigt halten, daß ivir's hier mit einer Aufzeichnung aus
schwankendem Gedächtnis zu tun haben.
(Zugleicii aber hat sich wohl durch das Vorige bewährt, daß in
der Tat *MW in *MS erhalten ist: wir fanden wohl Lücken und
Bearbeitungen in *MS, nirgends aber Umstellungen : das wäre höchst
unwahrscheinlich, wenn nicht *MW in *MS steckte, wenn *MS ein
neues Gedicht in neuer Handschrift wäre. Es sind ja auch äußer-
liche Spuren von Interpolationen in *MW erhalten: MO. S. 322.)
Zum Eigentum unsres Dichters **W0] und seiner Charakteristik
gehören aber außer dem Gedanken- und Wortkitt der seine Er-
inneningsbrocken verbindet auch noch Zutaten an neuen Motiven.
Daß Oswald nach dem Namen des Wallers fragt (45 f.), daß er heimge-
kehrt sein Heer sammelt (1230 ff.), daß Spange zu ihm kommt, ihn
für Aron zu bitten (1337 ff.), wird zur ersten Klasse gehören, desgl.
ihre Ansprache an den Vater (351 ff.). Bei andern kann man zweifel-
haft sein: Oswald ist auf die Zinne getreten, als er den Waller kommen
sieht (41); der Abschied des Raben von Spange wird verweilender
geschildert ((135 ff.); der Rabe ruht auf einem Mastbaum (650 f.); die
Getauften rufen 'Osicalt ist ein heilig man^ (1440). Andere Zutaten
tragen rein christlichen Charakter: Oswalds Frömmigkeit (441 ff.), das
Gebet um den Hirschen (1042 ff.), Einzelheiten der Taufe (1418 ff.) und
besonders jenes Kircbengelübde von V. 1112, das sich selbst als
Dublette gibt. Ein oder zwei Züge sind spielmännisch: der Rabe
will von Spange getragen werden (381, vgl. 403, 407), 30000 Mann
folgen dem Hirschen (1076), 13000 Bischöfe taufen die Heiden (1425).
Da2u die mit einer christlichen Taufforderung verknüpfte Kleider-
episode (226 ff.). Dies alles zeigt mehr Armut als Reichtum des Dichters.
Aber das letzte Beispiel hat vielleicht schon literarische Bedeutung.
2. Noch mehr das Schachspiel (244 ff.) : es ist als Entlehnung
aus dem Morolf längst erkannt. Auch hier aber haben wir ge-
dächtnismäßiger Überlieferung entsprechend weniger Wortanklänge
als Gleichheit der Situation : der Rabe gleicht Morolf, der sich auch
durch ein Schachspiel hinhält, dabei sein Haupt verwettend; das
Brett ist prächtig und muß besonders gebracht werden. Auch unsere
300 Mark sind in ihrem unvermittelten Auftreten ein Nach-
klang der 30, gegen die Morolf sein Haupt — nicht setzen will.
(S. o. S. LXVIII.)
Die Not und das Gebet auf dem Wasser (899—1)04, 927—64)
entsprechen geläufigen Situationen Brandans. Auf seinem Schiffe ist
eine Kapelle (109) wie auf Oswalds ein Altar (933). Als sein Schiff auf
dem Meere festliegt (1456 ff.), da löst er's durch sein Gebet, und
gerade Marien leint ist es, das um guten wint angegangen wird (1610.
1761. 1875, Osw. 9.59—66). Was aber die Ähnlichkeit so schlagend
macht, ist, daß ein Johannes bei Lösung der Schiffe hilft. Dieser
LXXXVI Einleitung.
Johannes sagt V. 1647: ich was ein heidenisch knnic rieh
nnd hän gelebet wunderlich
in Sunden grobelichen.
dö veHriben mich die Crtchen.
Er kam mit dem Rest seiner Leute ans Land und wurde von
einem manne reine empfangen, der
1676 toufte mich mit siner hant
find nante mich Johannes.
So wissen wir, woher unser Aron den Namen Johannes hat. Üb-
rigens legte der indische Priesterkönig den Namen nah. Beispiele
für Einsiedler auf Meeresfelsen, vom Himmel gespeist wie der Rabe,
hat Biandan mehrere getroffen: 291 ff., 358 ff., vgl. 852 flf. Sogar
wörtlichen Anklang kann man dabei beobachten:
Brandan350 — der himelische böte Osw. 731 (got)
bräht dar sine spise der im sine spise
von dem vrönen paradise. sande uz dem ^;ar(?tse,
dö er die spise dö genam, di her also lange nam,
er nam urlop als im zam. biz her wider zu creften quam;
sjnse -.paradise in derselben Situation auch Br. 869. Auch sonst
finden sich Wortanklänge, und vielleicht ist die Gebetaufforderung
des Schlusses nach St. Brandan geformt.
Die Vision des Heiden (1258 fi.) aber trägt offenbar die Züge der
Tundaluslegende. Als Tundalus tot scheint, tritt ein Engel zu seiner
Seele und verkündet, daß er ihr Hölle und Himmel zeigen werde
(Wagner 10.25, 12.18). Sie sehen in der Hölle verschiedene Bestien
(16.6, 27.17, 35.3). Bei der letzten fragt die Seele, wer das sei
(37.14). Es ist Luzifer, er wird von Teufeln besonders gequält
und quält seinerseits qui rel Christum oninino negant, vel neganti-
um ojjera faciimt (38. 4). Im Himmel sieht die Seele verschiedene
Sessel (43.8, 47.12, 48.17, vgl. auch Annolied 725 ff.). Auf einem
(43.8) sitzt ein König. Einer ist leer (54.14). Dixit autem anima:
Cujus est istud sedile, aiit quare sie vacat ? Respondit ei Malachias
dicens: Ista sella est cujtisdam de fratHbus nostris, qui nondum
migravit a corpore, set, dum migraverit, in tali sede sedebit. Alle
diese Züge finden sich in unserm Oswald wenigstens angedeutet
wieder. Dazu immer wiederkehrend hitze, stanc unde rouch (Osw.
1280. Daß unser Dichter die Himmelsstühle auch in die Hölle ver-
setzt, entspricht seiner dargelegten Art.) Um wörtliche Anklänge
aber steht es auch hier mißlich. Der alte niederrheinische Tundalus
(der das Latein sklavisch übersetzt) läßt uns, fragmentarisch, wie er
ist, alsbald im Stich. Aus Albers Tnugdalus führe ich Y. 2061 ff. an:
ein stuol, der stuont noch laere:
wes der selbe icaere,
die sele des grbz wunder nam: vgl. Oswald 1281 ff.
Zu den schattenden Adlern habe ich schon MO. S. 233 und Anm.
Eiiüeilung. LXXXVII
die Vöpel Salomos und Rolamlslied G58 f. angezogen. De.«gl. S. 268
die Herbortsage (Thidlirekss. 234). Dazu kommt die Legende des
Servatius (Acta ss. Mai III. 215). Ahnliches bei Singer ZfdA. 35. 184 f.
3. Wir würden sciion wegen dieser Entlehnungen der Meinung
beitreten, nach der **W0, ein Geistlicher, kein Spielmann ist. Seine
Kenntnis des Morolf darf uns noch weniger abschrecken als bei "WOj
die des Orendel und Morolf. Zwar kündigt V. 1 fremde mere an, und
das Werk ist durchaus nicht als etwas Heiliges oder auch nur Kirch-
liches bezeichnet. Wohl aber spricht sich ein kindlich gläubiger
Sinn und reichliche Wunderfreudigkeit überall aus, es wird fleißig
gebetet, eine Spende und eine sehr reelle Kirche — mit guter Pfründe!
— wird gelobt; auch das Spielnuinnische ist nirgends zweideutig
oder roh — es tritt überhaupt nur schüchtern auf — und am Schlüsse
dann die fromme Anrufung.
Ausschlaggebend aber scheinen die Anfangsverse : Von sinte
Oswalden leben ist nach V. 3 und 5 ein Buch zum Vorlesen, ist also
kein spielmännisches Gedicht im alten Sinne, so sehr es die Züge
eines solchen tragen mag, ist vielmehr schon ein Produkt der
Buchdichlung.
4. Es liegt nahe, unsern Oswald in die Nähe der rheinischen
Spielmannspoesie, insbesondre des alten Oswaldgedichtes zu rücken.
Dafs er md. ist, ergibt sich schon aus den i = ie, u = uo,
11 = ii(, aus der Gruppierung der e-Reime, desgl. aus den Synkopen
von h und ff zwischen Vokalen. (S. die Tabellen S. LIII ff.) Gegen
Schlesien scheinen die ausschließlichen sol, gCin, stein der Reime zu
sprechen (Rückert-Pietsch S. 265 f.); auch in Böhmen sind ffen, sten
die regelmäßigen Formen (Jelinek S. 34, Bernt S. 202 und ZfdA. 52. 254).
Aber daß der Böhme Heinrich von Freiberg (ed. Bernt S. 107 f.) noch
um 1290, der schlesische Dichter von Ludwigs Kreuzfahrt noch um
1305 literarischerweise gän, stein reimt (Kinzel, ZfdPh. 8. 390),
stimmt uns vorsichtig. Und die Formen gie, vie, lie fehlen auch bei
andern östlichen Dichtern (Zwierzina ZfdA. 45. 66 A. 2).
Wenn wir uns aber zum Westen wenden wollen, müssen wir
gleich bis Ripuarien gehen : niechtig : kreftig 566, nouwe : houive 568,
darzö -.jö 1208, drögen : rlOgen 346". Indessen der erste dieser Reime
kommt vereinzelt auch östlich vor, z. B. bei Jeroschin, und es gesellt
sich ein ht : st in tickten : cristen 1428, wie es Weinhold, Mhd. Gr.
§ 208, als obersächsisch verzeichnet (kneste, richtet : ristet); noch näher
liegt gewest : recht im schlesischen Osterspiel 317. 25; der zweite
Reim kann als nüive •.buice, der dritte als rfar^« :_;« gelesen werden,
der vierte lautet glätzisch trugen : vliigen. Und dazu paßten gut die
göt : hat, teil : tvW, hin : min, hin : sin. Ausschlaggebend aber scheint
mir jö : nu 632.
Für Glatz allein verzeichnet Weinhold (Cber deutsche Dialekt-
forschung usw., Wien 1853, S. 60) ein ä > ü injü, und dazu stimmt.
LXXXVIII Einleitung.
daß V. Unwerth dem mhd. d dort ein ö mit einer Artikulation, die
der des A nahekommt, zuspricIU (§ 22 A. 1). Dazu kämen dann
wohl wieder die benachbarten österreichischen Gebiete des Oppa-
landes und Nordmährens (§ 135).
Daher also reimt Jo nicht nur auf nu und zi'i, sondern auch
auf dö und dieses du anderweit auf nä (1076)!
Das völlige Fehlen von Diphthongierung hält uns, wie bei *W0.„
im 14. Jahrhundert fest, aber jene literarischen Reime führen uns
über die Rückertschen Denkmäler des schlesischen Dialektes (seit
den Trebnitzer Psalmen) hinauf und mahnen uns, den Anschlufs an
die nichtlokale mhd. Kunstdichtung zu suchen.
Nun habe ich innerhalb Schlesiens nur eine einzige Stätte der
Oswaldverehrung feststellen können, und H. Neuling, Schlesiens
ältere Kirchen, Breslau 1884, verzeichnet (S. 58) auch nur diese
einzige: zu Crummendorf bei Strebten.
Dort liegt die Pfarrkirche Sti. Oswaldi, die auch durch ein Porträt
des Heiligen (etwa von der Wende des 16./17. Jahrhunderts; s. die Ab-
bildung) als solche bezeichnet ist, auf einer Höhe aufserhalb des Ortes.
Sie ist 1908/9 und, nach einer Epitaphinschrift, gegen 1576 renoviert;
und dieses Epitaph besagt zugleich, daß hier Mie alten Vorfahren
des löblichen alten Geschlechts der Tzioner vom Romsberge der
mehrer Teil mit den Ihren' begraben liegen. Sie wird also damals
schon älter gewesen und somit die sein, die (nach H. Neuling) 1335
und 1418 urkundlich erwähnt wird, zumal sie als Kirche eines
Heiligen nicht wohl von vornherein Begräbniskirche gewesen
sein kann.
Von der ZAveiten Kirche des Ortes, die auch in Betracht käme,
steht die Ruine im Pfarrgarten. Sie trug bis gegen 1782 noch ihr
Dach, wird also erst 1643 bei dei' völligen Einäscherung Crummendorfs,
nicht schon durch die Hussiten zerstört sein, mindestens wenn sie
wirklich das Datum 1553 trägt (Knie, Statistisch -topographische
Übersicht der Dörfer und Städte Schlesiens, Breslau 1845, S. 327).
Aber selbst wenn das nicht das Datum der Errichtung ist, haben
wir bei dieser Kirche doch keine Handhabe, sie höher zu datieren
oder auch nur mit Oswald in Beziehung zu setzen.
Ich verdanke diese Angaben, soweit sie nicht Büchern ent-
nommen sind, der Bereitwilligkeit des Herrn Provinzialkonservators
der Kunstdenkmäler Schlesiens, Dr. Burgemeister, und besonders
des Herrn Pastoren Schaefer in Crummendorf. Ob ich sie richtig
kombiniert habe, steht dahin; ich getraue mich auf diesem Boden
zunächst nicht weiter. Vgl. die Anmerkung.
Crummendorf^ liegt außerhalb des oben umzirkten engsten
^ Goethe schrieb 1823 über 'Die Mandelquarz führende Gebirgs-
art von Crummendorf'.
Einleitung. LXXXIX
Dialektgebietes Glatz, indessen haben sie ein sehr wichtiges Gemein-
same: sie gehörten beide Bolko IL, 1301 — 41 Herzog zu Münster-
berg, der auch Herr von Schweidnitz und Jauer geworden war und
Glatz zu Lehen hatte; und zu diesem Bolko steht alles in Beziehung,
Avas wir aus dem Ende des dreizehnten und der ersten Hälfte des
vierzeiinten Jahrhunderts an schlesisch-deutscher Literatur haben.
Er ist der mächtigste aller schlesischen Herzöge seiner Zeit und
der letzte, der der böhmischen Krone widerstand, Einführer des
Lehenswesens, ein ritterlicher, prachtliebender, fehdelustiger, jagd-
erpichter, doch frommer Mann gewesen. (Vgl. z. B. Luchs, Schles.
Fürstenbilder des Mittelalters. Breslau 187!2, Nr. !20; K. Grünhagen,
Gesch. Schlesiens I, Breslau 1SS4. 146 ff.) Ein Bericht des von seinem
Vater gegründeten Klosters Heinrichau vom 3. Juni 1336 (Papst Bene-
dikt Xn. hatte eine Revision der Zisterzienserstifte angeordnet)
schreibt z. B. die Not der Brüder den mannigfaltigsten Bedrückungen
des Landesfürsten und seines Gefolges zu, der Zerstörung der Feld-
früchte durch seine ausschweifende Jagdlust, den fortdauernden Geld-
erpressungen und Auflagen, den Waldzerstörungen, der gewaltsamen
Wegnahme von Pferden, Vieh — und Büchern, was alle seinen Schaden
von 1:2000 Gulden ausmache (Versuch einer Geschichte des vor-
maligen Fürstlichen Cistercienser-Stiftes H., ed. Stenzel, Breslau 1846,
S. 11:2 ff.). Und doch hat Bolko gerade diesem Kloster seine Neigung
zugewandt und es mit vielfachen Begabungen bedacht (aaO. S. 104. 111.
l\hf. 118.120, Liber fundationis claustri sanctae Mariae virginis in
Heinrichow ed. Stenzel, p. 97. 115).
Ob er eine Erziehung in literis genossen, wissen wir nicht.
Sein Vater war in Heinrichau in die Wissenschaften eingeführt,
und er selbst ließ seinen Sohn und Thronfolger Nicolaus dort unter-
richten. Für Bolko H. fehlt ein direktes Zeugnis, wenn wir jene
Wegnahme von Büchern nicht so deuten wollen.
Aber: die rede von Ludwigs Kreuzfahrt (zwischen 1301 und
1.305 entstanden) ist von ihm geboten (V. 4 und 5576 ff.), und sie
wird schon darum in seinem Gebiete, nicht in oder bei Troppau
abgefaßt sein (Röhricht, ZfdPh. 8.420, vgl. Jantzen, ZfdPh. 36. 1 ff.):
der Dichter sagt V. 5567 ff. und 5709 ff. nur von zwei Gewährsmännern,
die er dort kennen gelernt iiabe (vgl. 1533 ff. 5740ff. 6596 ff.). Aus
der Sprache wird sich seine Heimat nicht bestimmen lassen, denn
er gehört, wie Heinrich IV. von Breslau als Lyriker, noch zur
höfischen Kunst, die das Dialektische meidet. 'Ludwigs Kreuzfahrt'
ist die einzige Woge, die die hochdeutsche Epik über die schlesischen
Gebirgsdämme geworfen hat. Und Bolko gehört zu den roman-
tischen Spätlingen, die im eigenen Leben die Ideale der Dichtung
verwirklichen möchten: als es im Jahre 1335 zum letzten Kampfe
für die Selbständigkeit gegenüber der böhmischen Krone gegangen
war, verteidigte er sich aufs glücklichste in seiner Stadt Franken-
XC Einleitung.
stein, und dazu berichtet unsere älteste und nach dem Herausgeber
zuverlässige Quelle, die 1384/85 geschriebene Chronica principum
Poloniae, bei Stenzel, Scriptores rer. Siles. I, Breslau 1835, S. 124:
Porro suis te)npo)ibus 2)er dominum Karolum predictum, eisdem
temporihus marcliionem Moravie, Frankenstein est vallatum et, sind
andivi, multi nobiles de Bohemia et Moravia de parte marchionis in
obsidione hujusmodi capti sunt, sed quodam tempore, per dictum
dominum dominum Karolum sollempni convivio preparato, ad quod
invitaverot dictum ducem, ordinatisque nobilium multis speciosis
mulierihus, imstulavit cum Ulis, captivos hos dimitti solutos, quod et
fecit ad instanciam eai-undem, et, sicut multi rcferunt, si exaccio-
nasset captivos eosdem, tantas habnisset ptecunias, quod terram tctm
benenn sicut habuit cum hiis emere potuisset. Demum igitur tracta-
tnm est inter regem Bohemiae et enndem ducem talitei; quod suis
heredibus vasalhis regis Bohemie atque regni factus est.
Einen homo viirabilis et valde sohiciosus nennt ihn einführend
derselbe Historikus, und er fährt fort (S. l!23): et sicut andici phiri-
morum relatibus gesnt plurima risu digna. i^ani qnctdam vice in
novo foro Wrntislariae, tibi tunc ad forum multe concurrerant mu-
lieres lacticinia venundantes, ipse omniuni lac venale habencium
amphoras fecit emi cum lade ac in hospicio suo ad hoc dolio pre-
X>arato totum lac, quod emerat, infundi. Sed antt-quam miilieres
essent pagate, quelibet de suo 2^''^^'io ammonuit. Dux ait, quelibet
vestrum recipiat de dolio suum lac, nolo enim ros p)agare de illo.
Quo cognito mulieres accelerando quelibet amphoram suam misit ad
dolium, lac suum )-es\unere cupiens, quod infudit. In quo mulierum
congressu tantus est factus impetus, ut quelibet amphoram suam con-
cuteret et sie fractis vasis contendere sinml ceperunt, et, ut audivi,
se mutno foi-titer capillarunt. Ex quo faito duci hoc cernenti est
factum solacium magni risus. Post contencionem igitur hujusmodi
mulierum sedavit easdem et dato precio cuilibet, eas cum gaudio fecit
abire. Hoc et huic similia facta digna ridiailo suis tenqwribus
multa commisit, que p>^^' omnia longum esset narrare.
In diese Schwanksphäre gehört auch "der horte"- des Dietrich
von Glatz (v. d. Hagen, Gesamtabenteuer I. 20), die Erzählung von
dern wunderbaren Gürtel, der einem Ritter die höchste Gunst einer
schönen Dame, dann aber auch der Dame die Verzeihung ihres
zornig davongegangenen Gatten gewinnt. Denn sie zieht hinter
ihm her, als Ritter verkleidet, und als er den Gürtel von ihr er-
bittet, gibt sie ihn nur unter der Bedingung, daß er ihr tue, wie
man den Weibern tut. Da kann ihn denn das verkleidete Weib einer
ketzerischen Schamlosigkeit beschuldigen und die Versöhnung herbei-
führen.
V. 879. Wilhelm, der vrouu-en kneht,
der schuof, daz ich getihtet tcavt —
EinleiUiiij,'. XCI
883. sin vater saz ze Wideita,
geivaJiJik voget was er da.
Ein Vopt Wilhelm von Weitlenau, der als Kreuzritter starb, wird
in einer Urkunde von li29ß (Grünhagen, Retj^esten III. 24:2) als tot er-
wähnt. Zu Weidenau aber wohnte auch Herr Ludwig von Medliz,
Vasall König Wenzels IV., den der Dichter von 'Ludwigs Kreuzzug'
(V. 55(36 ff., 5702ff. u. ö.) als Gewährsmann nennt: v.d. Hagen, Minne-
singer IV. 33. Damit ist wohl die Beziehung Dietrichs zu Bolko,
die schon durch seine Heimat und den Charakter seines Werkes
nahegelegt ist, hinlänglich sichergestellt, und wir mögen ihn auch
durch jenen vrouwenhneJit Wilhelm und Ludwig von Medliz mit
dem Dichter des Kreuzzuges verbunden denken.
Der Verfasser des Krnzigere, der mere von der marter Jesu
Crist, stammt aus Frankenstein (V. 11442 ff.), der bevorzugten Stadt
Bolkos, und schreibt auch im Wiener Ordenshause seinen heimat-
lichen Dialekt. Er datiert (V. 11475) nach Christ yehurt besundert
tüse)it und driihtindert, d. i. kurz vor Bolkos Regierungsantritt.
Dem Petrus von Patschkau gehört ein deutsches Psalteriuni von
1340 (Hoffmann v. F., Monatschrift für Schlesien II. 675, Rückert-
Pietsch S. 20 f.): das ist die Regierungszeit und das Land Bolkos.'
Auch die Trebnitzer Psalmen, die man sich wunderlicherweise
als ältestes Denkmal schlesischer Sprache zu betrachten gewöhnt
hat, könnten in diesen zeithchen und örtlichen Umkreis gehören.
Denn für ihre Herkunft aus Trebnitz ist, soviel ich weifs, nichts
andres ins Feld zu führen, als daß die Handschrift da gefunden ist.
Dagegen sprechen aber eine Reihe von dialektischen Eigentümlich-
keiten: abgesehen von den zahlreichen e für mhd. i, u für mhd. o,
i für mhd. e das du = dö 118. 92, thoben = touben 57. 5, und
einige e für mhd. ei (ed. Pietsch, p. XLVlIIff.).
Indessen lasse ich das absichtlich auf sich beruhen und konstatiere :
zu Bolkos II. Lebzeiten (deutsche) Literatur und literarisches Interesse
nur in seinem Bannkreise, im übrigen Schlesien nichts dergleichen,
wenigstens nichts bisher Fi.xiertes. Diese Literatur ist allerdings recht
verschiedenartig: höchst weltlich-ritterlich der Schwank des Dietrich
von Glatz, höchst geistlich-ritterlich 'Ludwigs Kreuzzug', ^ ganz geist-
lich der Kreuziger und zumal die beiden Psalterien, die sich schon
außerhalb der Literatur stellen.
^ P. ist aber nicht nur Name des Orts, sondern auch eines
Breslauer Geschlechts.
^ Als Zeugnis für Bolkos Frömmigkeit und geistliche Richtung
mag etwa auch das Folgende dienen. An. 1341. d. II. Junii ettni
decessisse testantur Henelius in Ghron. Monsterberg, et Pohlius in
Annal. Wratislav. MSt. ad an. hunc: '^Boleslaus Herczog zu Münster-
berg, alss er in ensserster Schicachheit lag, hat Er sich in wahrem
XCII Einleitung.
Vielleicht gehört aber auch jenes Osterspiel nicht nur in unser
Dialektgebiet (S. LXIX), sondern auch in Bolkos Zeit: dann würde sich
der Reigen schließen, und die sprachlich-volkstümlichen und die
geistlichen Elemente des Kreuziger wären hier zu ganzer Ent-
faltung gekommen.
Der literarischen Skala entspricht eine sprachUche von der
Kunstsprache zum Dialekt: der borte, Ludwigs Kreuzzug, der Kreuziger,
die Psalterien, das Osterspiel.
Da also gilt es den Oswald einzureihen, und die Wahl kann
nicht schwer fallen.
Der borte kann gleich außer Betracht bleiben: er gehört noch
ganz zur importierten oberdeutschen Kunst, kaum daß er in einigen
Wendungen an unser Gedicht anklingt.
Auch Ludwigs Kreuzzug zeigt noch keine speziell schlesischen
Reime, und der Dichter ist Nachahmer Wolframscher Kunst (Kinzel
ZfdPh. 8. 379 ff., Jantzen, ZfdPh. 36. 1 ff.).
Aber im Kreuziger schießen sie dann empor: siehe Khulls Aus-
gabe S. 349 ff. Ich hebe davon nur die heraus, die für die Lokali-
sierung des Oswald in Frage kommen können : mhd. o : ou (stoc = bouc),
ti : ö (sun : person), ä : u (narrten : vrumen?); dazu die Mono-
phthongierungen, dei- Schwund von h zwischen Vokalen und der Reim
cht.-ft usw.: überall die nächste Verwandtschaft mit dem Oswald-
dialekt. Wir dürfen das als Bestätigung unsrer Lokalisierung nehmen.
Die neuhochdeutschen Diphthonge, die sich schon eingeschlichen
haben, müssen aus der Wiener Umgebung des Verfassers stammen.
Dagegen steht im Textlichen und Technischen, (z.B. in den künst-
lichen Enjaml^ements) in Geist, Inhalt, Wort und Wendung der
Oswald Ludwigs Kreuzzuge doch näher (vgl. die Anmei'kungen).
Es ergibt sich also eine chronologische Verschiebung: der ältere
Kreuziger ist bereits stärker dialektisch gefärbt als der jüngere Kreuz-
zug, und wir wundern uns nicht darüber: in der höfisch-ritterlichen
Kunst mußte sich die alte Art besser und länger erhalten als in
der geistlichen.
Der Oswald ist viel stärker dialektisch als Ludwigs Kreuzzug
und ist mit ihm verwandt, ist also jünger. Aber er ist andrerseits
Glauben zu dem Sohn GOTTES gewendet, das Besponsorium und
den schönen Kirchen-Gesang mit heller Stimme gesungen: Tribularer,
si nescirem misericordias TU AS DOMINE: Tu dixisii: Nolo mortem
Peccatoris, sed ut convertatur et vivat. Qui Cananaeum et Piiblicannm
evocasti ad poenitentiam, et Petrum lacrymantem suscepisti misericors
DOMINE. Nach dem Behenntnäss seiner Sünden hat Er sich mit
GOTTES Barmher zigheit getröstet, und ist d. IL Junii seeliglich
verschieden' . (F. W. de Sommersberg, Silesiacarum rerum scrii)tores
Lipsiae 1729. I. 407, in der von ihm zugefügten Dissertatio historica.)
Einleitung. XCllI
weniger dialektiscli als der Kreuzis,'er, bewahrt noch literarische
Formen (gihi, stau, sol, vor/oni, ich enthir, Reime ae : e), und der
Kreuzij.'er ist älter als der Kreuzzujj:. Wir dürfen also nicht zu weit
vom Kreuziper abrücken, und ich denke, wir bleiben im ersten
Jahrzehnt des 1-i. Jahrhunderts.
Denn kurz danach wüten jahrelang Pest und Hungersnot in
Schlesien, und dann haben wir die rein dialektischen Denkmäler an-
zusetzen, jene Psalterien u. a. ; und in jener Zeit hält uns auch die
literarische Verwandtschaft mit Ludwigs Kreuzzug.*
Ist aber unser Dichter ein Geistlicher — und es gebt wohl
* Ich hoffe, mit dieser Einreihung des Oswald die Äbtötung der
alten unterbindenden Doktrin von Rückert und Fleisch wenigstens vor-
zubereiten, daß das Schlesische, als es uns zuerst entgegentritt, eine
einheithche Sprache sei. Jedenfalls sollte man sich über die Einheit
nicht zu sehr verwundern, wenn man zuvor die Vielheit ausgeschlossen
hat. Oder gibt es etwas so unbegreiflich Selbstverständliches, wie daß
dieser angeblichen Einheit auf dem Boden buntester Kolonisation eine
sichere Verschiedenheit vorausliegen müsse? Und sollte nicht diese
Verschiedenheit ein besseres Fundament der Besiedlungsgeschichte
hergeben, als die fränkischen und flämischen Hufen, das deutsche
Haus, das deutsche Recht und deutsche Sitte, die jedes, uns täuschend,
über ihren eigentlichen Bereich liinausgegriffen haben? So gut
wie bei den Schwaben des Banats und den Siebenbürgern muß man
die Frage nach der Herkunft der verschiedenen Schlesier aus ihrer
Sprache zu beantworten suchen. Und es muß vorausgehen —
mutatis mutandis — eine Arbeit, wie sie Müllenhoffam Althochdeutschen
von Fulda getan: aus fest datierten und lokalisierten Urkunden mög-
lichst vieler Einzelorte die Sprachentwicklung ablesen und registrieren,
die Resultate zu der modernen Dialektgeographie in Beziehung
setzen und die alten literarischen Denkmäler in das gewonnene Netz
eintragen. Gewiß ist das schwieriger als beim Ahd., weil die
Schreiber unter viel komplizierteren Bedingungen stebn, weil die
ältere und vordialektische Literatur Schlesiens sich fertiger Kunst-
sprachen und -Stile bedient, die das gewonnene Bild immer wieder
trüben werden. Aber dafür erhöht sich ja auch die Aufgabe aufs
schönste: sie gibt das Bild einer heraufkommenden Schriftsprache.
Die Paßhöhe auf ihrem Wege aber bezeichnet Bolko und seine
Literatur, und wir erkennen daran die kulturelle Bedeutung eines
solchen Mäzens: weil die neuen Dichtwerke in seinem Lande ent-
standen, wird der Dialekt dieses Landes zur Schrifts])rache, und wir
können schon bei den Trebnitzer Psalmen zweifelhaft sein, ob ihr
Dialekt noch eine Heimatbestimmung innerhalb Schlesiens ermög-
liche oder schon literarisch übernommen sei. (Vgl. die Anmerkung
am Schlüsse des Buches.)
XCIV Einleitung.
auch aus dem Obigen hervor, daß sich in Bolkos Kreise, wo noch
die höfische Kunst in Geltung und Übung stand, ein Ritter der alten
niedrigen Gattung nicht hätte annehmen können — , so suchen wir
zunächst in den Klöstern des Landes.
'Daß die frommen Mönche schreibend sich auch viel mit dem
Leben der Märtyrer und Heiligen beschäftigen, zeigt das Beispiel
des Conrad von Ganth' — auch Canth gehört zu Bolkos Gebiet —
'(Martyrologium Benedictinum. Bibl. Un. IV. F. 71. Cod. membr.
ann. 1338) und des Canonicus von Glogau, Joannes von Predmost
(Passionale Sanctorum Bibl. Uu. IV. Hist. eccles. F. 178. Cod. membr.
an. 1374). Aber das wichtigste Erzeugnis unter solcherlei Arbeiten
war ohnstreitig die Legende der heil. Hedwig . . ., wovon wenigstens
drei Handschriften aus dem 14. Jh. noch vorhanden sind, deren
eine höchst Avertvolle auf der Universitätsbibliothek sich befindende,
welche IV. F. 190. bezeichnet ist. unstreitig bald im Anfange des-
selben verfertigt ist und als deren Schreiber sich Nicolaus, Mönch
des Klosters Leubus nennt'. (Henschel, Schlesiens wissenschaftl. Zu-
stände im 14. Jahrhundert, Breslau 1850, S. 3:2.)
NachThoma, Die colonisatorische Tätigkeit des Klosters Leubus,
Leipzig 1894, S. 150, war dort im 13. Jh. eine Explanatio S. Isidori
Episcopi in vetus et 7iorum testamentum und eine vita servorum Dei
Barlaam et Joscqihat e Graecis Jo. CUmacis sive Sinaitae in Latinum
translata, und die Vorarbeiten des Mönches Engelbert lieferten die
Grundlage zu der im Anfang des 14. Jahrhunderts verfaßten Bio-
graphie der H. Hedwig.
Diese Nachricht ist als Parallele für Oswald wichtig; die Herzogin
Hedwig, die Gründerin von Trebnitz, ist erst 1268 kanonisiert.
Di"e Grafschaft Glatz hat (seit etwa 1230) bis zum Jahre 1365
eine Schule, die der Hospitaliter in der Hauptstadt. Ihr gehörte in
der Zeit, die für uns in Betracht kommt, Arnestus, der erste Erz-
bischof von Prag an (geb. 1297), der zuvor im väterlichen Hause
unterrichtet war. Er stiftete dann die Glatzer Augustinerpropstei,
die 1349 geweiht und 1365 auch mit einer Schule (aber nur für
16 Zöglinge) ausgestattet wurde. (AI. Bach, Urkundl. Kirchen-
geschichte der Grafschaft Glaz, Breslau 1841, S. 16. 25. 29. 33;
Frind, Die Kirchengeschichte Böhmens, II, Prag 1866, S. 319f. —
Über die Gelehrsamkeit, Büchersammlungen und Schulen der
Augustiner s. Kolde, Die deutsche Augustinerkongregation, Gotha
187^ S. 48 ff.)
Auch Kloster Kamenz, Gründung Herzog Heinrichs I.. gehörte
zuerst den Augustinerchorherrn (vom Sand in Breslau). Es wurde
1249 dem Bischof Thomas I. von Breslau abgetreten, der es zu einer
Zisterzienserabtei erhob und aus Leubus besetzte. Auch hier hat
es eine Schule gegeben, und ohnedies hatte uns schon eine Spur
auf die Zisterzienser geführt (S. LXVl). Es laufen auch etliche Fäden
Einleitung. XCV
nach Glatz (im Jahre h294 schenkt König Wenzel die Stadt Mittel-
walde. die wir bei Betrachtung des Dialektes erwähnen mußten) und
nach Bolkos Lieblingsstadt Frankenstein, dessen Kirche unter Kanien-
zer Patronat stand (Heyne, Dokumentierte Geschichte des Bisthums
und Hochstiftes Breslau, I, Breslau 1860, S. 262. 387. 954). Aber
die Beziehungen zwischen Kanienz und dem Herzog sind keineswegs
glänzend gewesen. Zwischen 1331 und 34 hat er das Stift überfallen
und geplündert. Es folgten Interdikt und Exkommunikation, nach-
mals ein Sühnevertrag (Heyne I, 957, J. A. Kopietz, Kirchengeschichte
des Fürstentums Münsterberg und des Weichbildes Frankenstein,
Frankenstein 1885, S. 517). Kamenz w'ar auch das Hauptquartier des
Markgrafen Karl, als er (1335) gegen Bolko zog (Frömrich, Kurze
Geschichte von Kamenz, Glaz 1817, S. 72). Dazu kommt, daß 1416
viele Bücher durch die Hussiten verbrannt sind und 1427 bei einem
abermaligen Überfall das Kloster völlig zerstört wurde (Kopietz S. 519),
so daß also die Oswalddichtung schon einen besonders günstigen Zu-
fall hätte in Anspruch nehmen müssen, um in unsre Hände zu
gelangen.
In Grüssau sassen zuerst Benediktiner aus Opatowitz, die Hein-
rich 11. im Jahre 1238 berufen hatte. Aber sie sehnten sich heim und
verkauften ihren Besitz. Bolko I. besetzte 1292 das Kloster neu mit
Zisterziensern von Heiurichau. Er Heß sich auch dort bestatten.
Aber wir haben kein Zeugnis, daß sich seine Neigung auf den Sohn
übertrug, vielmehr kam das Kloster 1303 unter die Herrschaft Bern-
hards von Schweidnitz, des Bruders unseres Bolko (Heyne 394.
962. 969).
Dagegen haben \vir eine Neigung Bolkos zu Heinrichau schon
bezeugt gesehen. Er hat sich dort schließlich auch mit seiner Ge-
mahlin beisetzen lassen, und das schone Grabmal mit Bild und In-
schrift ist uns erhalten (Luchs, Schles. Fürstenbilder des Mittelalters,
Breslau 1872, Nr. 20). Und Heinrichau empfiehlt sich ohnedies durch
die unmittelbare Nähe von Crummendorf, der Stätte der Oswald-
verehrung, und durch seine Besitzungen im Glätzischen. Bolkos
Vater und Bolkos Sohn erhielten dort, wie gesagt, ihren Unterricht,
es heißt namenthch von Abt Johannes II. (1321 — 28), daß er bemüht
gewesen sei, das Studium der Wissenschaften in seinem Kloster zu
fördern, und viele junge Edelleute hätten damals Unterricht empfangen
(Stenzel, Versuch S. 1081'.). Man war aber auch gelehrt in Kloster
Heinrichau. Höchstwahrscheinlich hat gleich einer der zuerst mit
von Leubus gekommenen Mönche, der nachmalige Abt Peter, einen
Hauptanteil an dem Libtr Fundationis claiistri S. M. V. in Heinrichow,
der, zum größten Teil noch im 13. Jahrhundert von mehreren Mit-
ghedern des Klosters verfaßt, vielleicht die aufschlußreichste und
zuverlässigste Quelle für die schlesische Geschichte der Zeit ist, be-
.sonders wertvoll, nachdem Schulte u. a. unter den altschlesischen
XGVI Einleitung.
Urkunden so sclireciilich aufgeräumt haben. (Vgl. Stenzel S. Xllff.)
Die Vielheit der Bearbeiter und Nachträgler ist eine Parallele zu
unserm *W0.2. Ums Jahr 1340 lebte dort der Bruder Conrad, der
einen lihelhis de exposicione vocahuJorutn (naturkundliche Namen
mit allegorischen Deutungen) kompilierte (IV. Q. 92 der Breslauer
Universitätsbibliothek); von ihm ist auch die wichtige CJironica
Polononnn 'geschrieben' (Henschel, Schlesiens wissenschaftliche Zu-
stände im 14. Jahrhundert, Breslau ISöO, S. 7 und 16; vgl. die Anm.).
Daß wir aber den Heinrichauer Mönchen den Besitz einer Über-
lieferung wie **W0, zutrauen dürfen, das beweist die Miszellanhand-
schrift I duod. 41 der genannten Bibliothek, zuvor Besitz unseres
Klosters.
Sie enthält aufser einer Erzählung der Passion (1» Extendit
maniim et afipvit gladivm üt ymolaret filiü — SO^' So habe ich Glicht
hessirs gelesin de wol geion rnd friilichen wessen amen) und einer
Sammlung von Sprüchen der Altväter, die später zwischen die Stücke
des Kodex geschoben sind (auf dem unbezifferten Bl. Oa [Ob enthält
eine farbige Zeichnung, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes]
auf 129a — 130b tind 176^— 178b) nur Visionsliteratur. Und. zwar
1) S. 80b — 129a eine deutsche Übersetzung des Tundalus (bei
Wagner, Visio Tnugdali, Erlangen 1872, Nr. I, 5.21 — 56.1, mit einer
Einleitung nach Wagner I. 4.26 — 5.3 und einem erbaulichen Schlüsse
versehen) ; Anfang : In der czeyt Alz mä zelte noch cristi gehurt
Tausent hüdert rnd in dem newn vnd newnczigiste jore Czu czeifte
keyser Conrats vnd in den virden iore des hohstes Eygeny czu
yhernia; die Unterschrift lautet: Hy endet das buch Tüdali vö der
r'czuckte sele vnd irer gesichte hymelischer freude vn helUsser peyn
alles mit seyne figure: die Figuren fehlen, d. h. wir haben hier
eine Abschrift.
2) 131a Von dem fegfewer santi j;aMc(/ in ybernia. etc.
Das man aber gruntlich vnd an alle czweyfliinge tvyssen vnd merchen
milge das ey fegfeuer sey — 161b So ivirt das reich vnsers koniges
ihn xpi dester ee erfitllet in dem himelische iherusaUm. (136» Ey
ritter czu knnig steffans czeite war in diesem Fegfeuer: was der
davon erzählte, hörte ein Abt Gilbertus vnd furbas [durch?] eyne
mechtige aht des closters Garis gesriben worden ist.)
3) 161b hy mercke ein loblich hübsch exempel von offen barüge
vö dem irdischen paradisz von eyne yüge herczoge der drei/ hundert
ior clor ynne tvas vnd her tcolde tvenne her were nur eyn halben
tag dor ynne getvest \\ MAn list tvy in den oberen welschen landen
were ey mechtige)- herczog — 175b X)y sele kam wider in dy euyge
freüde dy ir vo'heyssen wart dy ivolle vnsz got alle noch disse tot-
liche lebin genadickliche gebin vnd verleyhen amen. (Dieses Stück
fehlt in dem geschriebenen Kataloge der Handschriften-
abteilung der Berliner Kgl. Bibliothek.)
Einleitung. XGVII
4) 170" hyc hebet sich an ei/ne offi harüge eynes geysfa In Gots
namen amen Es geschach noch der gebort xpi »M-CCCC- rnd ijm
ügben rfid drei/ssigislen ijorc yn dem monde nouenber yn dem lande
czu Cleben kölnisches sttfftes yn eyne dorffe genant Medrich ge-
legt bey dausbergk der Stat alzo genant: Da erschien 40 Jalir und
1:2 Wochen nach seinem Tode der Geist des Ackermanns Henrich
Puschmann seinem Urenkel Arnold Puschmann als Hund. Arnold
erlöst ihn durch Almosen, Messelesen, eine Aachenfahrt und andre
gute Werke allmählich aus seinen Teinen-, bis er schließlich in über-
irdischer Klarheit erscheint. Bei jeder Erscheinung fragt er den Geist
nach dem Jenseit aus, ohne daß aber, wie in den vorigen Stücken,
die Hölle geschildert würde. Schluß ^i-oOb; Got gebe rnsz hy alzo
zu lebe das wir mit gote müsse ewigliche bleybe amen 'l'i' 92 Hy
endet sich des geistes Offenbarüge. (Ein Stück hieraus, über 'die
Frau Hulden, die unter der Erden wohnen und unter den Hollunder-
bäumeu' in der Zeitschritt für Volkskunde '22, S. 179 f.!)
Es scheint alles von einer Hand geschrielien (Abschluß
vor Nachtragung der Altvätersprüche anno 1492), und auf dem
oberen Deckel innen heißt es : Yste Uhellns ^ fratris germani de
tribnl (Triebel in der Niederlausitz??). Es ist aber Abschrift eines
älteren Kodex: vgl. die Unterschrift des Tundalus und den Nachtrag
S. 203t> unten, der ein Abspringen beweist. Der Dialekt stimmt zur
Heimat des Kodex: vgl. außer den obigen Auszügen: i-< e: offstin 27,
gestyn 127, irsien 196; u<Cö: fridichen 1, blus 27, hlusser 141,
brut 1S6; o <i ou : glohigen i8b,tirlop \90, koffen 189; e < ei : gest l^%
a<Cc: gehalffen 203 ; o <] « woste : 209 ; « <; o : sulches 131, widde 1 33,
suhlen 137, wtdlen 138, hüllen 179; dazu off = auf 189, antwart 192;
lebin 83, abir 138 u. dgl.; ader = aber 236, seen 188, kegen 81, kegent
140, schepper 192, klopten 240; erlozest 83, zo 139; her durchgängig.
In dieser Handschrift erblicke ich einen sehr gewichtigen Zeugen
für die Lokahsierung Heinrichau. Wir glaubten (S. LXXXVI) die
Kenntnis des Tundalus für unsern Dichter erweisen zu können, und
hier finden wir einen Tundalus, obendrein vereinigt mit andern Dich-
tungen, die des Dichters Phantasie in solche Richtung getrieben und
in ihr festgehalten halien mögen, die wahrscheinlich auch noch andere
Motive hergeliehen haben. *W0 berichtet V. 1276 ff., daß die Teufel
der alten Heidin Schwefel und Pech in den Hals gegossen hätten;
im Tundalus nichts dergl., aber im Patricius heißt es 144* do tcare
grosz düpfel mit zerlassenS nietal dz mnste sy trincken. Im Paradies,
heißt es 155t>, muß der Ritter auf Geheiß der ihn empfangenden
Bischöfe 'über sich' in die Herrlichkeit des Himmels sehen
(vgl. *W0 1291); täglich wird man dort einmal vom Himmel ge-
speist. Auch die Ansätze zur Keuschheit könnte unser Oswald
**WOi aus dieser Überlieferung haben oder *W02 halte sie von
dorther verstärkt: denn in Nr. 3 unsrer Handschrift muß der junge
Bnesecke, Wiener Oswald. VII
XCVIII Einleitung.
Herzog Mutter und Freunden zu heiraten 'verwilligen', aber er
möchte durchaus keusch bleiben, und so bittet er denn Gott um
einen Schutzengel. Der führt ihn aus der Brautnacht zu rechter
Zeit ins Paradies, und als er heimkommt, sind 360 Jahre verflossen.
Durch Benutzung dieser Überlieferung verriete sich also unser
Dichter als Heinrichauer Mönch. Nach seinem Dialekte stammte er
aus dem Glätzischen oder doch vom Gebirgsrande: und eben dort-
hin — damit schheisen wir den Ring — hatte sich der Heinrich-
auer Besitz ausgedehnt, besonders im Eulengebirge. Schon 1228
waren vom Herzog 5U Hufen Wald bei Bauze, zwischen Franken-
stein und Silberberg geschenkt; dazu kam 1239 der Wald Raudno:
aus beiden wurde ein ältestes deutsches Dorf gebildet. Nach dem
Tatareneiiifall, 1244, \\ird das Dorf Schönwalde gegründet und mit
deutschen Bauern besetzt, die dem Kloster allein zu zinsen halten.
1252 wird eine nach Peterwitz zu gelegene Mühle geschenkt. Im
14. und 15. Jahrhundert kam andres hinzu, und das Kloster besaß
ein bis an die Glatzer Grafschaft reichendes zusammenhängendes
Gebiet bei Silberberg (Winter II, 331 nach dem Liber fundationis).
Daß unser Gedicht auf besondern Anlaß entstanden ist, folgt
aus seiner Struktur: das Kirchengelöbnis fehlt in den anderen
Oswaldfassungen, und der Realismus seiner Einführung samt Priester
und Pfründe, der aus der hergebrachten und kräftigen Stilisierung
ganz herausfällt, verstärkt sich noch dadurch, daß es logisch zweck-
los und verräterisch doppelt angebracht ist: so finden wir in zahl-
losen Urkunden Gründungen begabt, es fehlte nur noch, daß 'die aller-
besten Dörfer, die ich habe' (1051a f.) auch benannt würden. Hier ist
das Vorbild nicht etwelche Sage, .sondern die Wirklichkeit östhcher
Kolonisation, und so ist auch Oswald in diesem Gedichte nicht von
Engelhüif, sondern ein deutscher König, und es bleibt für die
mittelalterliche Phantasie otien, daß die damals von ihm gelobte
Kirche die jetzt ihm gewidmete sei. D. h. es gab ein solches Gelöbnis
und es wurde dann mit dem Gedichte umkleidet.
Das Gelöbnis seinerseits ruht natürlich auf der Kenntnis der
Sage und Legende des Heiligen. Ich nehme also an, daß die
Crummendorfer Kirche die damals gelobte ist — auch ihre Lage
außerhalb des Ortes spricht für ein Sondergelübde — , daß man bei
ihrer Weihe jene Überlieferung hervornahm und bearbeiten ließ.
Wer der Stifter war, wissen wir nicht: daß er fürstlich war, folgt aus
dem Gedichte, daß er der Landesherr war, liegt nahe, und Avie Bolko
die rede von Ludwigs Kreuzzuge niJU rehte geordenf fand und sie neu
zu bearbeiten befahl, mag er gleiches bei Oswald geboten oder irgend
angeregt haben. Vgl. auch S. XCIV über die neue Vita der H. Hedwig.
Der Bearbeiter wurde ein Heinrichauer Mönch, vermutlich vom
Glatzer Gebirge gebürtig, der in seiner Erinnerung das alte Gedicht
*MW trug.
Einleitung. XCIX
VI. *yL\y\ der Archetypus der drei erlialteueu Oswaldfassungeii.
A. *M\V liattcn wir (MO. S. .38.5) vor das Jahr IISS und unweit
Aachen angesetzt. Aachen und Heinrichau, vor 1188 und nach
1300, der äufserste Westen, der äußerste Osten, 1^0 Jahre Zwischen-
raum: wie reimt sich das zusammen V
Aber wir werden ja nicht zufällig zwischen den Dialekten von
Schlesien und Ripuarien geschwankt haben, vielmehr bedeutet eine
solche Ähnlichkeit eine Heimatbestimmung für unsere Kolonen.
Lassen wir einmal das wenige Nur-schlesische (S. LXXXVII f.) beiseile
und betrachten unser Denkmal als fränkisch, so ergibt der Sprachatlas
für die Lokalisierung folgendes: he?- gilt etwa nördlich der Linie
Diedenhofen — Wadern — Wittlich — Daun — Münstereifel — Bonn —
Blankenberg — Altenkirchen, f/öf =^ giiot nördlich Trier — Wittlich —
Trarbach — Oberlahnstein (vgl. Frings, Studien zur Dialektgeographie
des Niederrheins zwischen Düsseldorf und Aachen, Marburg 1910,
§ 142, Wrede, AfdA. 20. 106 ff., ±2. 112 ff.), fflöhe = geloube nördlich
St. Vith — Daun — Mayen — Neuwied — Kaub — Idstein (Frings § 1.52.
Wrede, AfdA. 23. 212 und 220ff., 24. ll-^ff.). Die Grenzen, aufeinander-
gelegt, ergeben die Linie St. Vith — Daun — Münstereifel — Bonn —
Blankenberg — Allenkirchen: nördlich davon, also in Ripuarien, wäre
unser Oswald entstanden, d. h. *VVO läfst die Heimat von *MW noch
deutlich erkennen. Ich weiß, daß in dieser Rechnung kräftige Fehler-
quellen sprudeln, daß wir auch den Sprachatlas nicht ohne weiteres
für das Mittelalter gelten lassen dürfen, aber was wir von der mittel-
alterUchen Sprache wissen, stimmt zu solcher Ansetzung, ganz ripu-
arisch wären namentlich kreftig : mechtig und houwe : nouwe (vgl.
routce : nonwe Serv. II. 89'.i). Und ein Zeugnis der Wanderung
von Ripuarien nach Schlesien bleibt dies Zusammentreffen doch,
zumal wegen der nichtschlesischen Eigentümlichkeiten (auch der
seltenen Fremdworte: gründe, guter]) von *VVO. Es gewinnt auch
sogleich weitere Stützen.
B. Denn aus Ripuarien führt ein ganz bestimmter Weg nach
unserem Kloster: Altencampen bei Geldern —Walkenried — Pforta —
Leubus — Heinricbau: es ist der Weg der Zisterziensergründungen.
Nicht da& die wandernden Gründer Träger des Oswaldgediciites ge-
wesen wären : von Altencampen zog der neue Konvent nach Walken-
ried schon 1127. Pforta ist von daher (nach einem kurzen Zwischen-
aufenthalt in Schmölln) 11.32 gegründet, Leubus von Pforta schon
m den siebziger Jahren. Das ist für unseren Oswald zu früh. Aber
die Verbindung zwischen den Klöstern ist ja auch später nicht unter-
brochen. Es war strengstes Gebot, daß die Äbte alljährlich zum
Generalkapitel in Citeau.x erschienen; der Abt, der ausbleibt (nur
wegen Krankheit), muß doch einen Mönch an seiner Statt scliicken
(Winter, Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands, I, Gotha
VII*
C Einleitung.
1868, S. 173 f.). Später, als durch die Konkurrenz der Dominikaner
und Franziskaner wissenschaftliehe Betätigung näher gelegt war,
kam der Austausch studierender Mönche hinzu. Das Generalkapitel
von 1245 heschlofä, daß in jeder Ordensprovinz eine Abtei ein
Studium der Theologie haben solle, zu dem die Abte geeignete
Mönche zu entsenden hätten. Dartiber hinaus errichtet man studia
generalia: das bedeutendste, das Kolleg von St. Bernhard in Paris,
'das eine Art Kloster von Cisterciensermönchen aus allen Gegenden
war und selbst Novizen aufnehmen konnte' (Winter II, 143 f.).
Solche Studien waren ursprünglich freiwillig, später übte man doch
auch einen Zwang aus; besonders drängt man auf Besuch der
Universität Paris, und Klöster, die sich keinen Lektor halten können,
müssen bei Bestrafung des Abtes Mönche in andre Klöster zum
Studieren schicken. Die Kosten des Unterhalts müssen an den
Cellerarius der Unterrichtsanstalt überbracht werden, sind sie nach
Monatsfrist nicht entrichtet, so werden sie verdoppelt (Winter III,
45 ff.). Dazu die alljährlichen, streng festgehaltenen Visitationen
durch die Mutterabteien (Winter II, 151 ff.). Das alles gibt ein be-
ständiges Ab- und Zugehen, zumal die Klöster für alle reisenden
Ordensbrüder die gebotenen Herbergen sind.
Für die Verbindung von Heinrichau mit seinem ältesten deutschen
Mutterkloster im Klevisch-Geldrischen Lande haben wir ja obendrein
das bestimmte Zeugnis des Dialekts und der Breslauer Handschrift
mit ihren Visionen aus 'Medrich Klever Landes', in denen die
Kirchen und Orden von Köln und Aachen so wohl bekannt sind,
von den irischen Heiligen zu schweigen.
Daß wir den Ausgangspunkt der Wanderung des Oswald Avii-k-
lich in jener Gegend zu suchen haben, versichert mir dann
schließlich noch eine halb zufällige numismatische Beobachtung.
Nach Bentzmann, Numismatisches Legendenlexikon, Berlin 1865,
S. 181 kommt St. Oswald als Schutzpatron vor auf Münzen von
Berg i. Zütphen, Düren, Zug. Das Zuger Vorkommen stimmt zu
Bergers Beobachtungen über den Schweizer Strang der Oswald-
überheferung (PBB 11. 423 ff.), interessiert uns hier aber weiter nicht.
(Beschreibung bei Madai, Vollständiges Thaler-Cabinet, 2, Königsberg
1766, S. 705, Nr. 4679 und J. Appel, Münzen und Medaillen der Repu-
bliken, Städte usw., AVien 1829, S. 903, Nr. 3332: Brustbild mit
Harnisch, Krone und Heiligenschein, in der rechten Hand Szepter,
in der Linken der Rabe mit Ring im Schnabel.) Von den Dürener
Münzen weiß ich nichts. Die Chroniken der Stadt (Schoop, Grundzüge
der Geschichte Dürens, Düren 1898, Brüll, Chronik der Stadt Düren,
'Düren 1901 — 08) geben nicht den mindesten Anhalt für eine Ver-
bindung des h. Oswald mit dieser Stadt. Für Berg (bei Emmerich,
im Niederländischen) entnehme ich aus van der Chijs, De munten
der voormalige beeren en steden van Gelderland, Haarlem 1853, II,
Einleitung. CI
Jll IT., daß die erste Oswaklmünze aus der Zeit Graf Wilhelms IV.
mach l.*)46) entshimmt. (Oder seines Vaters Oswalds II., der 1.546
achtunddreißigjährig starb?) Der Name Oswald tritt in dem Ge-
sehlechte zuerst 144:i auf; es wäre allerdins^'s möj^'lich, daß die
Zählung: als Oswald I. sich auf die Erhebung in den Grafenstand
bezieht, die diesem Manne zuteil ward.
yon berge stammt aucii der hannes puschmann, auf den sich
Arnold Puschmann als Zeugen beruft für jene Visionen (S. i^SOt^). Ist
es dieses Berg?
Aber der Oswald muß ja nicht von Mönchen nach Osten mit-
genommen sein, wenn er auch jenen Weg gegangen ist. Denn mochten
auch die Zisterzienser sich zunächst jeder Oberherrlichkeit über
Lehens- oder Zinsmannen enthalten und ihre Arbeit auf eigene
Rechnung mit Laienbrüdern treiben müssen, so konnte ja schon unter
diesen Laienbrüdern der Träger der Oswaldüberlielerung sein. Aber
überdies ziehen die Mönche viele Landsleute wie von selber nach,
sie zeigen den Grundherren die Vorteile, die mit 'flämischen' ^
Bauern zu erzielen sind, sie üben da sogar eine Vermittlertätigkeit.
(So die Walkenrieder: Sebicht, Die Cistercienser und die niederlän-
dischen Kolonisten in der Goldenen Aue, Zs. des Harzvereins für Ge-
schichte und Altertumskunde "ii (18SS), 38 und .54. Vgl. R. Schröder,
Die niederländischen Kolonien in Norddeutschland zur Zeit des
Mittelalters, Berhn 1880, S. 17.) Daher in der Goldenen Aue (wahr-
scheinlich schon zwischen 1150 und 60: Sebicht S. 32) und um
Erfurt, im Osterlande und in der Lausitz neben den Besitzungen
von Walkenried, Schulpforta^, Dobrilugk u. a. zahlreiche nieder-
ländische Kolonien (Schröder S. 19, mit Literaturangaben). Und nach
Winter I, 119 sind es gerade Landleute aus der Gegend des Muttei'-
klosters Altencampen, die die Goldene Aue kolonisiert haben. Um
das Kloster Doberan sitzen desgleichen Kolonisten aus der Nähe von
Altencampen. Die Zisterzienser der polnischen Klöster Lond und
Wongrowitz, ebenso einige im Krakauer Sprengel waren von Alten-
berg bei Köln (1132 von Morimund gegründet) gekommen und
rekrutierten vielfach von dorther ihre Kolonisten. (Auch Blamschein,
Über die Germanisierung der Länder zwischen Eibe und Oder, Köln
1894, S. 15 hebt die Umgebung von Altencampen und Altenberg
als Quellgebiet der Kolonisierung hervor.) Chorin war das Mutter-
* 'Flämisch', 'niederländisch', 'holländisch' werden damals gleich-
gesetzt (vgl. Anm. 2). 'Niederländisch' hat selbstverständlich noch
seine natürliche Bedeutung.
^ Südlich von Pforta sind schon zwischen 1125 und 1140, vor
Gründung des Kloster^;, 'Hollandini' angesiedelt, qul et Flamingi
nuncupantur (Vogel, Ländliche Ansiedlungen der Niederländer,
Döbeln 1897, S. VIII, Böhme, Urkundenbuch des Klosters Florta I, S. 5).
CII Einleitung.
kloster von Paradies, Paradies stiftete Priment. die Arbeiter aber
schickte gewöhnlich das Mutterkloster. 'Ebenso haben die Mönche
in Schlesien gern heimatliche Genossen zur Ansiedlung ihrer
weiten Grundstücke herbeigeholt', meist Ackerleute und Handwerker,
doch auch Ritter (Beheim-Schwarzbach, Die Besiedelung von Ost-
deutschland durch die zweite germanische Völkerwanderung, Berlin
1882, S. 36. 38. 45. Weitere Zeugnisse bei Wendt, Die Germani-
sierung der Länder östlich der Elbe, IL, Liegnitz 1889, S. 67 ff.) Das
ist, was wir brauchen.
Aber auch die Politik des Klosters hielt die Kolonen auf dem
Wege seines eignen Vordringens: Kloster Pforta kaufte die in seiner
Nähe angesessenen niederländischen Bauern zur Abrundung seines
Besitzes aus, indem es ihnen vorteilhaft Ländereien bei seiner neuen
Gründung Leubus einräumte (Name Flämischdorf. Vgl. Schröder
S. 28). Damals also gab es auch bei Zisterziensern zinspflichtige
Bauern, und solche zinsptlichtige Bauern fanden wir auch in dem
Heinrichau gehörigen Schönwalde — hier zuerst und auf lange einzig
deutsche Besiedlung mit deutschem Sonderrechte (W. Schulte, Silesiaca
S. 62 und 73) ! — also in der Gegend, die uns der Dialekt als Heimat
unseres Dichters angewiesen hatte. Und wir werden an diese Kom-
bination um so lieber glauben, als das eigentliche Glatz größtenteils
aus wettinischen Landen, jedenfalls nicht aus Franken kolonisiert
ist (v. Zeschau, 'Die Germanisierung von Glatz', Glatzer Vierteljahrs-
schrilt 7. 1 ff.).
C. Einmal ist bei dieser Wanderung die schriftliche Überlieferung
abgerissen: **WOi ist nach dem Gedächtnis geschrieben.
Wann ist sie abgerissen? In der Geschichte von Heinrichau
wäre nur ein Zeitpunkt einigermaßen plausibel: der Mongoleneinfall,
der dem Kloster Brand und Verwüstung brachte. Aber es ist doch
mehr als zweifelhaft, ob die Mönche damals bereits eine deutsche
schriftliche Überlieferung besaßen. Noch 1199 ist den Zisterziensern
Versemachen bei Strafe der Versetzung verboten; bis 1240 haben
wir nur von asketischer Literatur innerhalb des Ordens Nachricht,
und gerade aus Altencampen (und dem Jahre 1210) hören wir, wie
sich an einem L aienbruder die Beschäftigung mit den Wissenschaften
und der Verkehr mit weltlichen Lehrern strafte (Winter II, 145ff.).
So werden wir doch bei der natürlichen Annahme bleiben, daß das
Abbrechen schriftlicher Überlieferung mit der Auswanderung des Ge-
dichts zusammenfällt.
Wann wanderte es aus? Wir werden zunächst sagen: vor 1188.
denn da ist nach unserm Ansatz (MO. S. 375) die Bearbeitung *Mz ent-
standen, die u. a. die Geschichte von den goldenen Kreuzen und von
dem Einsiedel hinzutat, die *W0 nicht hat. Das scheint freilich ein
Schluß ex silentio und um so mißlicher, als *W0 aus schwankendem
'Gedächtnis verfaßt ist. Aber wir haben doch auch gesehen, daß
Einlei[ung. CHI
unser *\V0 an Stelle dieser Einsiedelepisode nicht etwa einfach
niclits hat, sondern andres und rrsi)rünglicheres. Nun könnte es ja
natürlich neben der (in *M.S erhaltenen) interpolierten eine nicht
inter]iolierte Überlieferung von *MW gegeben haben. Al)er wir
können darum doch nicht mit der Auswanderung von *M\V be-
liebig weit im 13. Jahrhundert heruntergehen, denn erstens zeigt
unser Gedicht schon einen neuen Dialekt konstituiert, es muß also
doch wohl zwischen Auswanderung und Aufzeichnung schon
mindestens ein Generationswechsel stattgefunden haben und
zweitens: es ist noch Siiielmannsepos: es hat nicht nur keine
der späteren Interpolationen von *MS (wir Avürden *Mz oder eine
spätere Stufe als Archetypus vermuten), sondern auch keinen ritter-
lichen und modernen Zug, die Zeit der literarischen Blüte wäre
sjjurlos an ihm vorübergegangen : statt dessen vielmehr Kenntnis des
Morolf und, noch bei dem späteren Bearbeiter, des Orendel. Ich
glaube doch, daß solches fossile Weiterleben eher den Daseinsbe-
dingungen versprengter Ansiedler als der breiten geistigen Entwick-
lung der westlichen Kulturlande entspricht, wenn sich auch der Rhein
an der weiteren Entwicklung des Epos kaum noch beteiligt hat. Unser
Oswald ist, wie wir sahen, in einer Mischung von Kunstsprache und
Dialekt geschrieben. Er ist zwar nicht das älteste schlesische Literatur-
denkmal, das schon durch die Sprache als schlesisch kenntlich wäre
— das ist der Kreuziger — , aber das, in dem die Kunstsprache zeit-
lich am weitesten in die Dialekte hineinragt, und in jedem Falle
ein merkwürdiges Zeugnis der Übergangszeit, der in Schlesien so
bald der zweite Übergang zum Nhd. folgen sollte. Aber die Sprach-
kunst ist hier nicht die oberdeutsche, die über Böhmen gekommen
ist, die des Minnesingers Herzog Heinrich, Dietrichs v. Glatz, des
Kreuzzugdichters, der sich wolframisch gebärdet, sondern es ist,
wenn auch natürlich alteriert, die alte fränkische von archaischer
Verskunst getragene der Denkmäler vor Veldeke, des Spielmanns-
epos, die Vertreterin jener älteren Kolonisation und Kultur, die aus
dem Westen, nicht aus Böhmen herrührt und sich so, umgestaltet,
aber noch kenntlich in das neue Jahrhundert hinübergerettet hat.^
' Ich meine hiermit natürlich nicht Epochen der Besiedlung,
wie Weinhold. Foi-schungen zur deutschen Volkskunde II. '■lOitf. und
21of!'., eine niederdeutsche des 12. Jahrhunderts und eine spätere
md. ansetzt: für das zwölfte Jahrhundert läßt sich nach Entlarvung
des gefälschten Leubuser Stiflungsbriefes von llT-ö überhaupt keine
deutsche Besiedlung mit deutschem Recht in Schlesien nachweisen,
und die nd. Einwanderung braucht nicht vorauszuliegen (W. Schulte
in Silesiaca. Breslau ISiiS, S. hSi'.). Zwei andere Ejjocben der Be-
siedlung unterscheidet AV. Schulte, Zs. des Vereins f. Geschichte und
Alterthum Schlesiens 34, Breslau 1900, S. 289: 'Die ersten unter Her-
GIV Einleitung.
Jene Unterwerfung Bolkos II. aber ist symbolisch für das neue Über-
gewicht Böhmens: mit dem Namen dieses letzten selbständigen
Fürsten verknüpfte sich die letzte Aufzeichnung fränkischer Kunst in
der Form des fränkischen Brautfahrtepos, und insofern ist der Oswald
seiner Art nach doch älter als Ludwigs Kreuzzug, der horte, selbst
als Heinrichs Minnelieder: es ist die bekannte Erscheinung, daß sich
bei kolonialen Entwicklungen die heimische Stufenfolge chronologisch
verschiebt.
Die Überlieferung des Münchener Oswald ergibt, wenn wir jenes
Datum 1188 aufgeben, wohl weiter keinen brauchbaren Terminus
für die Auswanderung des Gedichtes: *MW ist nach unsern Ermitt-
lungen eben die Handschrift, die den Münchener Oswald mitsamt
den späteren Interpolationen nach Bayern trug und dort Archetypus
von *MS wurde; und das ist jetzt aufs neue dadurch bestätigt, dafs
Analyse und Vergleich von *W0 nicht eine Umstellung im Texte
des MO. ergeben haben: kam *MW nach Bayern, so ist es leicht
möglich, daß eben dadurch die schriftliche Überlieferung in den
Rheinlanden abgeschnitten wurde. Der letzte fränkische Interpolator
aber schrieb nach dem Wolfdietrich B (MO. S. 368), also wäre die
Handschrift wohl erst zwischen 1^.50 und 1300 aus Franken nach
Bayern gebracht, und diese Daten sind obendrein recht unsicher.
Nach allem möchte ich die Auswanderung des Gedichts *MW
in den Osten und den Beginn mündlicher Überlieferung nicht unter
die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts herabrücken.
D. Es könnte also von den ersten Mönchen im Jahre 1226,
aber auch von Kolonen ihrer Heimat mitgebracht sein, z. B. denen von
Schönwalde, 1244. Für das zweite spricht laut der nicht-heinrichauer
Dialekt; auch daß die Kolonen direkt aus Franken gekommen sein
können, während der erste Konvent aus Leubus verschrieben wurde
— die Namen der Mönche sind erhalten, sagen uns aber nichts^ — ;
ferner, daß das Gedicht nach Stoff und Aufliau nicht-geistlich wai-;
schließlich, daß auch sonst außerhalb Heinrichauer Gebiets, eben in
Ca'ummendorf oder bei dem Stifter der Kirche, eine Kenntnis Os-
walds anzunehmen ist.
Zwei bis drei Menschenalter mihidlicher Überlieferung blieben
aber doch bestehen, und wir hätten hier die meines Wissens einzige
zog Heinrich I. unternommenen Besiedlungs versuche berührten nur
einzelne Striche des Landes und blieben von den schon bebauten
und bevölkerten Gegenden fern. Sie wurden durch den Mongolen-
einfall jäh unterbrochen. Mit dem Frieden aber, der dem verheeren-
den Sturme folgte, begann die Periode der systematischen, in groß-
artigem Umfange betriebenen Ansiedlung in allen Teilen Schlesiens.'
^ Liber fund. S. 69 : Abt Henricus, Mönche Bodo, Petrus, Arnol-
dus, Burchardus, Adelmannus, Bertoldus, Judeus, Witigo, Henricus.
Einleitung. CV
Gelegenheit, das fixierte Schlufsiesultat solcher mündlichen Üi)er-
lieferung mit dem fixierten Ausgangspunkte zu vergleichen. Was
wir da finden, ermutigt nicht, ilir romantischen Gedenkens für jene
Zeit eine wesentlich andere Bedeutung als heute zuzuschreiben oder
sie als bestimmend auch nur innerhalb der uns erhaltenen spiel-
männischen Literatur anzusehen: sie bewahrt nur iMe Plauptzüge
der Handlung und wenige festgeprägte Verse und Wendungen. Auch
die Spielmannsepen hatten vielmehr schrifthclie Tradition. Das
mußten wir schon vermuten aus der Gegensätzlichkeit in der Über-
lieferung der beiden Elemente spielmännischer Dichtung, die ich
hervorgehoben habe und die nun erläutert und bestätigt wird: der
ernsthaften Fabel und der burlesken Intermezzi. Diese können wir
kaum einmal in den Archetypus zurückverfolgen — ohne daß sie
darum jünger sein müßten — , sie haben keinen festen Platz, sie sind
das variable Element mündlicher Überlieferung, deren schrifthcher
Niederschlag ein Zufallsbild gibt und zufällig bleibt, während die
Ü})erlieferung der eigentlichen Fabel längst schriftlich geworden ist
und die Spuren mnemotechnischen Weitergebens nur noch in der
ängstlich festgehaltenen Gleichheit des Auf haus zeigt (MO. S. 266 ff.).
Ich nehme also an, daß die Osvvalddichtung rMW) von 'fläniin-
gischen' Zisterzienser-Kolonen vor 12.^0 als mündliche Erzählung mit
nach Osten getragen wurde und daß nach Generationen einer ihrer
Nachkommen, Mönch zu Heinricliau geworden, das Erzählte nach
der Erinnerung in neuen Versen niederschrieb.
YII. 0, (las Ori^inalgedicht von König Oswald; Schluß.
Daß aber mit *MW noch nicht die Origiualdichtung erreicht ist,
habe ich MO. S. 308. 376 f. dargelegt : der Dichter, der die Hirschlist
anlegte, kann sie nicht auch selbst durch Schließen des Burgtores
zunichte gemacht haben; der Dichter, der den Kampf zwischen Os-
wald und Aron herbeiführte, hat ihn nicht zugleich durch ein Ge-
lübde hintertrieben. Das ergibt eine einfache Überlegung, und es
bestätigt sich durch den handschriftlichen Befund: noch jetzt zer-
bricht das Schließen des Tores den grammatischen Zusammenhang
in unseren Handschriften, d. h. auch die Originaldichtung 0 ist in
*MS überliefert, das Stemma ist jetzt:
0 (ca. 1170— 80)
*MW
*Mz (vor 1188)
*MS *zn *W0 (ca. 1310).
CVI Einleitung.
Wie ich mir dann wieder 0 aus spielmännischer Brautfahrtsage
und kirchlicher Legende erwachsen denke, darf ich nach den
ausführlichen Darlegungen des MO. hier nicht wiederholen. Nur
meine Zusammenfassung (S. 381) sei für die Leser dieses Buches
neu abgedruckt:
Beda erzählt, daß der northumbrische König Oswald die Heiden
bekämpfte und die Tochter eines heidnischen, später getauften
Königs heiratete; bei dem Legendenschreiber Reginald (1165) ein
wunderbarer Rabe; Karls spanische Kriege; dazu der sprechende
Vogel der Kreuzfahrt Karls und der berühmte Heideukönig Harun
in der vita Caroli Magni: das sind im gröbsten die Elemente, die,
ganz losgelöst von der Legende, im Gedanken an Karl und nach
dem Vorbilde der Ortnitdichtung spielmännisch zu einer Handlung
von typischem Inhalt und Aufbau vereinigt wurden, indem ein
sprechender Rabe, wie einer der heidnischen Vögel, die dämonische
Werber- und Helferrolle Alberichs übernahm. Zu der Kombination
dieser gegebenen Motive kommt dann die Erfindung oder doch An-
bringung von Spanges Listen.
Als Heimat und Abfassungszeit gab ich den Bannkreis von
Aachen und die siebziger Jahre des 12. Jahrhunderts an.
Dieses Gedicht 0 wurde bis 1188 in eben jener Gegend christ-
lich umgearbeitet zu *MW, in dem namentlich die alten Listen durch
Gebetswunder ersetzt sind ; was *MW sonst an Plus oder Minus gegen
O hat, ist aus der Überlieferung natürlich meist nicht zu erkennen.
Dies neue Gedicht wurde vor rund 1250, wahrscheinlich von
Heinrichauer Kolonen wiederum derselben Gegend, gedächtnismäßig
ins schlesische Gebirge (Glatz) getragen.
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts zeichnete es einer von ihren
Nachkommen als Heinrichauer Mönch aus der Erinnerung auf, in
archaischer Technik, wenn auch mit Aufgabe der alten Strophenform,
halb schon im neuen Dialekte, dabei spielmännische Reminiszenzen
einflechtend und mit Kenntnissen aus der Bibliothek des Klosters,
vielleicht bei Gelegenheit der Oswaldkirch-Weihe in Crummendorf
und vielleicht auf Anregung, direkte oder indirekte, Herzog Bolkos IL
von Münsterberg: **WOi.
**WOi wurde nach 1348 in eine Sammlung deutscher Gedichte,
*W0, aufgenommen; Dialekt des Schreibers S. LXlXf. begrenzt, zu
Heinrichau stimmend, nicht glätzisch.
Noch im selben Jahrhundert zog es ein anderer Mönch durch
beigeschriebene Zusätze (*W02) möglichst ins Christliche und Keusche,
brachte aber auch neues Spielmännische, besonders aus Orendel an;
auch hier die Technik noch altertümlich (echte Alliterationsverse!),
der schlesische Dialekt schon weiter durchgedrungen.
Aus der Sammlung *W0 wurde bis 1450 (?) eine Auswahl
geistlicher Stücke abgeschrieben, die auch unseren Oswald, allerdings
Einleitung. CVII
unvollsländijr, aber mit Einbeziehung von *W02, enthüll: 0, nach
dem Dialekte etwa in Iglau oder Ülmülz anzusetzen. Und dafi aus
Schlesien Wege ins Olmützer Metropolilaiikapitel führen, zeigt sein
Handschriflenkatalog, der unter Nr. 403 verzeichnet: Jus Ma(jde-
burgense f/ernian. fransniiititin per Henriciitn ducem Wratislariae
fol. pg. saec. 14.
Eine andere vollständigere Abschritt der Sammlung und unseres
Oswald nahm im Jahre 1472 ein Mann des *WO-Dialektes von Hein-
richau: W, Johannes — nescio quis.
-Ä--
CVIII
Torbemerkiuigen zum Texte.
Ich hoffe, das Vorausgehende wird meine TexthersleUung
einigermaßen rechtfertigen.
Eine Wiedergabe der Orthographie von W — denn 0 kommt bei
seiner Dialektmischung und seinem ganzen Charakter W gegenüber
nicht in Frage — eine solche Wiedergabe ist unnötig, weil der Alp-
druck der Handsclirift vorliegt; auch spricht das Fehlen ortho-
graphischer Differenzierung von *W^Oi und *W02 dafür, daß W
seine eigne Schreibung (von 1472!) durchsetzte. Die Herstellung
der Formen des Archetypus aus den Cbereinslimmungen von W
und 0 ist zwar mühsam, aber nur für ^WOj erstrebenswert, da
der Archetypus unsrer Handschriften zugleich das Original für *W02
ist (S. XVIII Anm.); in *W0, würde sie, nach den Reimen, viel-
fach das Original verfälschen (die Diphthongierung!) und seine
charakteristische sprachliche Zwischenstellung (s. S. XCIIf., CHI)
verwischen: denn der Archetypus gehört schon der Zeit des reinen
Dialektes an (s. S. LXX).
Es mußte also ein künstlicher Text gewagt werden, ein
Kompromiß zwischen Mhd. und Schlesisch, der überall willkürlich
ist, wo er sich nicht auf Reime stützt. Und selbst da ist der
Schluß auf das Versinnere ebenso mißlich, wie kaum umgänglich:
aus gän stän im Reime folgt nicht, daß das schlesische gen sten
im Innern ausgeschlossen v.'ar, aber eine Grenze ist da und in allen
gleichen Fällen nicht zu finden. Und dazu kommt, daß aus *MW
auch manche sprachliche R^eminiszenz mit entlehnten Versen und
Wendungen hereingeflossen sein mag.
Ich gehe bei diesem Kompromisse von W aus, behalte seine
unschlesischen und seine alten Formen (z. B. Deme 1) und
verallgemeinere sie, namentlich die von den Reimen gegebenen,
übernehme aber auch vieles Orthographische und anderes (sinem
und sinie, Dat. uch, die Kurzform des Pron. iz, heulen, wolde Ind.,
weide Konj., hate, hete etc.), das — nach unserm Geschmacke —
nun einmal geregelt sein soll oder muß.
Aber ein nicht-schematisches Textbild läßt sich ja über-
haupt nicht liefern: das natürliche Verschiedenschreiben eines und
desselben Wortes (off-iiff, Osicalt-Oswaklf). die Willkür im Wechsel
Vorbemerkungen zum Texte. CIX
von * und e der Nebensilben, von ei und e>/ und dgl. wäre nur
durch \Villkür nachabmbar. Wenn wir ferner c und k, f und v
(nach W, mit nur leiser Regelung), u und v scheiden, die Majuskeln
den Eigennamen vorbehalten, 1/ (trotzdem dt si i das an Hand-
schriften und Handschriftenabdrucke gewöhnte Auge zuerst be-
leidigen), auch cz, dt und dgl. beseitigen, die Auslautverhärtung
(außer in -ig) durchführen, die Komposita nach ihrer Art getrennt
oder nicht getrennt schreiben, so ist das nur graphisch. Aber auch
etymologische Schulmeisterung erlauben wir uns z. B. im Trennen
von s und z (das schlesischer Genitiv-Akkusativ, daz = mhd. daz),
ei <C egi, ai < agi, ft < tet und in einem geregelten Nebeneinander
von unde, alse und anderen Vollformen vor Vokalen, und, als etc.
vor Konsonanten («/so ist immer beibehalten, aber ev. zu elidieren);
apokopierte und Kurzformen sind aus dem Reim ins Innere über-
tragen nur, wo es viersilbige Takte zu vermeiden galt. Im Reime
bin ich von der Orthographie des Versinnern möglichst nicht ab-
gewichen: es hätte sich sonst eine sehr häßliche Zwiespilltigkeit er-
geben oder aber die Nötigung, auch das Versinnere phonetisch um-
zuschreiben, und das hätte gerade das eigentümlich Künstliche der
schlesischen Dichtung verwischt: noch Opitz braucht die alten
Zeichen mit der neuen mundartlichen Bedeutung, und wir sind ja
vom Enghschen und sonsther gewöhnt, aus der unmöglichsten
Orthographie den Gleicbklang der Reime herauszulesen. Und so
ist überall, stillschweigend, geregelt. Einzelnes, noch nicht Er-
wähntes in den Anmerkungen; Kontrolle ermöglicht überall Pfeiffers
Abdruck. Natürlich bleibt vieles unsicher: wir müssen W und 0
aus sich bewerten, keine dritte Handschrift bestimmt und rechtfertigt
unsere Wahl.
Als Interpunktion hätte ich am liebsten nur das alte Enjambe-
mentszeichen genommen: die nhd. zerstört in der mhd. Syntax gar
zu viele feine Zusammenhänge, die dann auch das AUerwelts-Kolon
nicht flicken kann, und die mhd. Interpunktionslosigkeit und Syntax
bricht in den vielen Apokoinu-Konstruklionen doch immer wieder
durch. Ich habe mich dann auf die gi'öbste Gliederung beschränkt.
Der Verlockung, *WOi und *W02 orthographisch tüchtig zu
unterscheiden, habe ich fleißig widerstanden, nur die sprachlichen
Ergebnisse aus den Reimen sind auf das Versinnere angewandt
(geren, gun usw. *W0,, gerne, gen usw. *W02). Der Text spiegelt
also eine Gleichheit zwischen Original und Interpolationen vor, die
sicherlich nicht vorhanden war.
Dagegen sind .sie durch die Mittel der Druckerkunst, durch
Klammem und Größe der Verszahlen geschieden, und so gebe ich
zwar eine (mangelhafte) sprachliche Rekonstruktion des Originals,
aber eine schematisch-bildliche des Archetypus der Handsclu'iften,
denn ich möchte dieses vernachlässigte und doch Text- und Über-
ex Vorbemerkungen zum Texte.
lieferungsverhältnisse oft so rasch erklärende Hilfsmittel nicht wieder
(wie beim Münchener Oswald) mir und andern vorenthalten. Zwar
stimmt nun die Reihenfolge der Verszahlen nicht immer — ich habe
zu anderweitiger Bequemlichkeit, zur Kontrolle und zur Kennzeich-
nung meiner Abweichungen von W die Pfeifferschen Zahlen bei-
behalten ^ — aber das Lesen von oben nach unten, von links nach
rechts gibt schon den richtigen Zusammenhang. Neben die echten
sind diejenigen unechten Verse gestellt, die sie sprachlich oder ge-
danklich aufnehmen, die parallel sind oder nach dem Handschriften-
befund solche Anordnung vermuten lassen. Die übrigen sind in
die Kolumnen der echten eingereiht. Ich brauchte also eigentlich
dreispaltigen Druck: Das Echte in der Mitte, die Zusätze rechts und
links, auch oben und unten. Die Technik fordert da einige Ein-
schränkungen und Inkonsequenzen, aber es handelt sich ja auch
nur um ein schematisches Bild, und die Einleitung gibt die nötigen
Erklärungen.
Der kritische Apparat läßt nur die rein orthographischen Les-
arten aus (vgl. die Anm.). Seine Zeichensprache ist wohl unzwei-
deutig. Majuskel (außer in Eigennamen) bezeichnet das Anfangs-,
nachgesetztes Kolon (wo es nötig oder deutlicher scheint) das Schluß-
wort eines Verses! Kursive Zahlen beziehen sich auf den Text.
Die Anmerkungen sollen Erklärungen, nicht Parallelen geben.
Keinesfalls wollte ich den spielmännischen Formelschatz nochmals
ausbreiten: man findet ihn, abgesehen von den Ausgaben des
Orendel und Morolf auch in meinem MO. und ebenda die Anklänge
an unser Gedicht. Hier versuche ich vielmehr die schlesische Seite
von *W0 durch die schlesischen Verwandten hie und da zu be-
leuchten, zu denen ich (wegen der Entlehnungen daraus) noch den
Brandan stelle. Dazu kommen Rechtfertigungen des Textes und
hauptsächlich die Hinweise auf die Einleitung, die zugleich als
Register dienen und das Verstreute erst zu einem Kommentar
erheben können.
^ Ich mußte im Apparat trotzdem die Umstellungen in W be-
zeichnen, um damit zugleich über 0 (und WO) Auskunft zu geben.
Text.
Bildnis des heiligen Oswald in der Kirche zu Crummendorl
Deme nach fremden meren
stat alle sin begere,
der höre zu gar eben
von sinte Oswalden leben,
5 daz alhi geschriben stat,
und waz her begangen hat.
dem kinde lobesam
der tot im bezite nam
beide vater unde rauter,
10 do begunde her vil guter
werc williglich began.
sin vater bäte im gelan
richtum und gutes ane maz,
sint daz her ein beide was,
15 her liz im bürge und lant zu eigen,
des musten im bezeigen
dinst und vil eren
alle di grozen herren,
di bi den selben jaren
20 under im gesezzen waren:
nun kunige riebe
dinten im alle geliche,
1. frewden mere W. 2. Sten O. alle fehlt O. begern O
{vgl. 8). 3] Der sal mercliken eben O, 5. alhi BaiiscJi] allw W an w
korrigiei-t, hy O. 6. petriben O. 7. kinde] bayden O. 8. yn O. bezite]
begeren O (vcß. 2). 9. beide fehlt O (rrjl. 7). 10. her] der WO. guter
V. Kraus] gute WO. 11 . w. w.] Werchk williklichn O Vil willich her W.
13. und g.] gutt O. 14. daz fehlt O. beide] kayser O. 15. burge-
zu] pleybn O. 16 fehlt O. des] Das W. musten] muste man W.
17. Cw dinsten vill vnd czw O. 19. selbigen O. 20. waren]
worden O. 22] Seyn ym willikleich O.
Baesecke, Wiener Oswald. 1
2 Oswald und Tragemund.
drizen bischofe
gehörten zu sinem hofe,
25 virzig graven binamen
alle zu sinem dinste quamen,
von den wart her gesundert
ritter sibenzen hundert
unde drizig tusent man,
30 di im zu geböte musten stan.
do der milde sinte Oswalt
gewuchs unde wart so alt,
daz im kunige gefuge
sin swert na trugew,
35 do riten im alle sine man,
her solde daz mit nichte lan,
her enneme endelich
eine frouwen lobelich,
di im wol gezeme
40 unde ir geburt im eben
queme. [40>des wolde unser herre nicht,
also Oswalt an di zinne ' zu dem her hate stete pflicht,
quam,
do sach her komen einen ' daz her quam darzu nicht.]
man:
zu sinem hofe her do ginc. [43» und zu sinen herren ginc
Oswalt in wirdiglich em- '' in alle dem gebere,
pfinc, ' ob her des kunigs bruder
were.
45 her sprach 'vil liber " sinte Oswalt an der zinne
bruder min ' wart des bruders inne.]
wi ist der name din?'
26.alle]YmO. s. d.] hoffe O. 27. dem was O. her fehlt O. 28. funffczen
O. 30. di fehlt O. musien fehlt O. 31.do]BysO. 32.GewuchTr. 34.
nochtrug TFnoch ym trug O. 36. daz] es O. 37. enneme] ym neme O
sulde nemen W. enleich O. 39. beqweme: W. 40. ir] yman O. czeme:
W. 40a-c fehlen W. 41/42 fehlen O. 43. sinem h.] ym O. her do]
palde O. 43a-e folgen in O auf 40 c, fehlen W. 43b. allem O. 43 de.
czynnen : ynnen O. 44] Mitt der hant her yn vmftng O. 45. vil fehlt W.
Oswald und Tragemund. 3
her sprach "^ich heize Tragemunt,
alle lant sint mir wol kunt,
zwu und sibenzig zungen.'
50 das wunderte den jungen
gar sere, daz her in fragete
und bat, daz her im sagete,
ob her irne hete irkorn
eine juncfromven so ho geborn,
55 di im zu nemen tochte,
da her mit bliben mochte
kusche biz an sin ende
ane alle missewende.
'nein' sprach der bruder, 'zwar
60 di werlet ist so wüste gar
60" und gar wanrZel&ere,
'^ daz man nicht gibt uf di ere.'
61 sinte Oswalt alzuhant
nam den bruder bi siner haut
und fürte in vil drate
in eine kemenate.
65 [uf sinen stul her in satzte,
uf di banc her selber platzte.
di herren wurden des gewar,
si sprachen alle offenbar
'herre ir tut nicht recht,
70 daz ir nider fallet also di knecht
uf di harten benke,
ir sult uch baz bedenken,
47. tragmit O. 48. wol fehlt O. 49. zwu] Dor czw O Czwe If.
sibenzig] czwanczig O. 50. vordres O. öl. sere, daz] fast O. yn
do O. 52. bat fMt O. ym do O. 53. ynder O. 54. wol geton W.
55. im] mir O. 56. da her] Vnd dy O. mit] mit ir W mit mir O.
57. kusche fehlt O. sin] yr O. 58. ane] Vnd W. 60. wüste] faste
O. 60ab fehlen W. wankel nere O. 61. al fehlt O. 62. der O.
64. seyn O. 66. her fehlt O. selber platzte] sich solbir satczte W.
67. worn ir. 70. als eyn O. 71. herle banchk O. 72. Ja ir O.
baz fehlt O.
4 Tragemunds Bat.
daz da sten zu uwer hant
stete, bürge unde eigen lant,
75 und tut uwerm libe nicht so we
und sitzt uf di benke nicht me.'
her sprach 'durch got habe ichz getan,
daz diser gar mnder man
geruhe darufe deste baz,
so wi wol gan ich im das!']
her sprach 'sage mir über bruder min,
also lip als got dir mac gesin,
kennst du in dinen sinnen
irne eine kuniginne,
85 di mir zum wibe tochte
und [kusche] mit mir leben mochte?'
do sprach der bruder here
88 '^ferre über daz wilde mere
91 da wont ein kunig freissam,
92 der hat eine tochter oo [mit der du kusche macht
lobesam, leben,]
93 di hat tugende und schone ane zil,
höre waz ich dir sagen wil:
95 juncfrou Sj^ange ist si genant,
ir vater ist ein beide wite bekant,
wer si friet, daz sage ich ane zorn,
sin leben hat her zuhant vorlorn,
si ist so gar behende,
100 si blibet kusche biz an ir ende'.
73. stet O. 74. eigen] dy O. 75. tut fehlt O. 76] Siezet nyder
uff dy panchk als ee O. 77. her sprach fehlt W. ichz] ich W. 78. daz-
muder] Des der fromde O. 79. Gerwte O. darufe felilt O. SO. wi]
Vil W. 81. sage mir fehlt Jt . 8^2. Sage W. also] So O. dir got W.
83] Mogistu yndert vorsynnen O. 84. irne fehlt O. 85. czw eyner
frawen O. 86. leben] bleibin W. 87. her] hyr W. 88. daz w.] dem O
90 folgt mit 108 als erstem Reimpaarverse auf 88; 90 fehlt O ganz,
108 fehlt O in dieser Verhindung. 91. da fehlt O. 93. Sy W.
schöner tugent vill O. 94] Vorwor ich das sprechin wil W. 95.
Vorbang O. 96. ist fehlt O. den beiden W. 97. sage ich] loss O.
98. Das haupp O. zuhant fehlt O. 99. so fehlt O. 100. biz fehlt O.
Trageuiuiuls Rat. 5
sinte Oswalt an diT stunt
sprach S'il liber Trageniunt
rat mir, wi ich si gewinne
di selbige [kusche] kuniginne.'
105 her sprach 'alse ich habe gesait,
wer si friet di schonen malt,
der hat vorlorn sin leben,
doch wil ich dir einen rat geben,
der noich dunket gewer:
110 du hast wol acht jar her
einen raben gezogen sunder wan,
daz her vil wol sprechen kan:
den laz balde bringen her
unde volge miner 1er:
115 vorgulde im sin gefidere,
iz bringet dir fromen widere,
vorsilbere im di clawen sin,
den snabel mache im guldin^
mache im uf daz houbet schone
120 eine guldine crone
und laz in in daz beiden lant
fligen, dar wirt im bekant . . ,
[der sei frien dir
di edelen mait, daz geloube mir'.]
125 her sprach 'vil liber bruder min
got lone dir des rates din.'
sinte Oswalt hiz hin springen,
101. stunden O. 102. tragunde O. 103. mir fehlt O. 104. kusche
fehlt O. 106. si] do O. edle O. 107. das 1. O. 108] WO, doch
in W hinter 88; hier hat W: Her mag nicht avoI do wedir strebin.
109. der] Doch W. dewehte W. gewer] gwar O ys notcze were
W. 110. her fehlt O. 111/12. sunder wan, daz her] ane wan
Das her ir swynd' man Sund' der O. gar woll vill reden O. 113.
laz] hayss dir O. ll.ö. im fehlt O. IIG. kompt dir nucze O. 118.
Vorguide ym seyn snabil feyn : ir. gülden O. 122. dar] das J^' do
O (vffl. 198). 123. dir] dir Jo, Jo anfjefiifjt, J mit Ansatz zu einer andern
Majuskel W. 124. mir czwor IV. 125. bruder fehlt O. min] deyn ff.
120. das rotin H. 127. sinte fehlt ft. ly.s O.
6 Aussendung des Raben.
her hiz den raben bringen,
her satzte in uf sine schoz,
loO (wi wenig in das vordroz!)
her strichte im sin gefidere
von dem houpte biz hernidere,
her begunde mit im kosen
(der rabe horte gar lose),
135 her sprach Vil liber rabe min
du must nu min böte sin
gar ferre in fremde lant. [147 sinte Oswalt mit lusten
mir ist worden bekant, i48do den raben kuste
daz ein kunig gar vor- 149 vorne an sinen spitzen munt
mezzen
140 über mere ist gesezzen, 150 und dructe in zu der selben
stunt
der ist ein beide freis-isian sin herze liplich,
sam
und hat eine tochter 152 her sprach '^got von hirael-
lobesam, rieh
di ist genant juncfrou lösder laze dich gesunt von
Spange, mir!'
du solt nicht beiten 154 her lachte in an gar wun-
lange, derschir,
145 vil liber rabe min 155 her sprach 'vil liber rabe min
146 frie mir daz megetin!' iseirwirp mir daz megetin!'
157 her sprach 'ich vorsage dirz nicht,
158 ich habe darzu gar gute
pflicht.']
128. li. h. fehlt O. v. vor sich O. 130. wi] Vill O. 131. straich O.
132. Vom n . 133. zu k. WO. 134. pegunde czw losen O. 135 fehlt O.
136. nu fehlt O. Auf 136 folgt in O: Sprach sand oswolt rayn. 137.
gar fehlt O. 139. k. reich v. O. 140. das mer ist h' W. 143. vor-
bange O. 144. harren O. 146] Ich will gern tun den willen deyn O.
149. s. sp.] den O. 150. selben fehlt O. 151. lobeleich O. 152.
her] Vnd O. got hy W. 153. mich gesunt vnd dich O. 154 fehlt O.
155. h. spr.] Dw O. 156. mir] nw W {vgl. 146). magtateyn O.
158. d. g. g.] czw diser O.
Aussendung des Raben. 7
159 daz wil ich gerea tun
160 daz du mir gebutest nu.
nu laz balde hin springen,
ein guldin vingerlin bringen,
daz ich muge unvorzait
geben der vil schonen mait,
165 obe ich si irwerben kan,
wenne edele juncfroun geren han
von libe lipliche gaben.'
her tete alse in hiz der rabe
und Hz ein achtbar vingerlin
170 bringen, daz was guldin. i7i [daz was gewest des
Vaters sin,
da stunden dri steine in,
di waren edel unde gut,
der eine was di demut,
175 der ander di gerechtikeit,
der dritte was di kuscheit,
di hate sinte Oswalt
alle dri mit gewalt.]
daz vingerlin im lip was,
180 so, daz her [der] ni vorgaz
sin zu keinen stunden.
dem raben do gebunden
wart iz under den flugel sin.
her sprach "vil liber rabe min
185 daz gip der edelen kunigin
186 juncfrou Spangen durch ist [wilt du ein froraer böte
den willen min! sin,
160] Mit trawen das dw pitest nw O. 161. Her lis yn O. hin
fehlt O. 162. Vnd e. O. 163. muge] dir m. W fehlt O. 164. geben
der vil] Begebe dy O. 166. edele j.] iunchfrawe O. geren fehlt If'
(vgl. 167). 167. von libe] Gerne W. gäbe O. 169. leynes O. 173.
waren] wordn O. 178. alle dri] Dy drey mit ym W. 181. sin] Hy
W. keinen] cleyne If. 182. rabe W. do] do und mit Vei-weisungs-
zeichen am Bande: wort an sp O wart ff. 183. wart iz] Das ff
[vyl. 182). 186. Vorbangen O.
8 Rabe und Heidenkönig.
SO bringe mir wider ein vingerlin,
daz ich muge di warheit
190 irkennen^, so werde ich gemeit'.]
der rabe zu dem herren sprach
'williglich geren' unde jach
*^obe got von himele wil,
ich kume hin in einem kurzen zil
195 unde frolich widere.'
her schütte sin gefidere
unde floug in daz lant,
dar im der beide wart bekant.
do her den herren angesach,
200 zuchtiglich her zu im sprach
'gegruzet sist du heidnischer man!'
der beide sach den raben an,
her gruzte in wider unde sprach
zu sinen herren unde jach
205 'wer hat i so suberlich r'*,
gesen einen raben wunderlich
mit Silber also geziret
und mit golde gevormiret?'
di herren alle sunder wan
210 den raben begunden gaffen an,
210*^ si begunden alle geliche jen,
211 si beten schoners raben ni gesen.
der beide in do fragete
und bat, daz her im sagete,
von wanne her komen were
188. wider] von ir W. ' 189. muge fehlt O. 190. Erkenne O. 191. czum
W. 192. williglich] Ffligen wiirich O. 194. hin fehlt O. 195] Werlich
her w. O. 196 fehlt O. 197. unde fl.] Do flog der rab O. 198. dar]
das W Do O (vgl. 122). 199. den h.] yn O. an saclj W. 200.
zuchtiglich] Doguttlich O. 205. Ad' wer O. i] hy W. 206. gesen]
Desen W. einen fehlt W. czyrleich O. 207. so O. 208. gev.] also
floriret W. 210. gaffen an fehlt W. 210^ si begunden fehlt W.
geliche] czu ym W. 211. si-ni] Das sy schönes ny betten O.
213. und bat fehlt O. ym doch O.
Rabe und Heidenkönig. 9
215 und durch welcherlei mere
her füre her durch di laut.
der rabe im do nicht bekant
torste sinen willen geben,
jo hete her vorlorn sin leben,
220 wer der beide worden inne,
daz her di kuniginne
sine tochter wolde frin,
her hete sich libe.s mocht vorzin.
do vorsweic her di warheit,
225 daz im icht wider/ure leit,
her sprach 'iz ist ein kunig riebe.
dem kan sich niman geliehen
und wont in dem dutschen lande
und hat ein laut wite und grande,
280 der hat uzgesant mich,
her hat bereit sicherlieh
virdehalp hundert guldine cleider,'
und sprach zu dem beiden
"weidest du dich toufen lan,
235 der cleider raust du ein par ban.'
her sprach "^libez rebelin
laz mich bliben, der ich ]:)in,
nicht mere sage mir
von der toufe, daz sage ich dir.
240 min brot und min win
sei williglichen din
215. durch fehlt O. mere] iier wer O. 216. her füre her] Her
fürte O Da.s vmme her W. 217. do] das ff fehlt O. 218. Her
t. O. willen nicht O. 219. jo] Zo W. hete her] her forcht her
O. V. s. lehen] vorlur sein lehn O das iebin verloren W. 222.
Seyner O. 223. hete] must O. libes v. Kraus] hber If fehlt O.
mocht fehlt O. 22t. do] Doch 1f Czw der stund O. her fehlt IVO.
225. wedir worde ir worde O (vgl. 687). 226 — 29] Her sprach ein
konigreich grande Want yn dem dewczeni lande O. 230. Her W.
231] Vnd der beniyl sich" O. 232. Mit v. O. guldine] ritter O.
233. iach O. 234. Wildw O. 236. her sprach] Do sp. der hayd
dw O. 237. der] als O. 2.38. mir auch O. 241. willig wesen O.
10
Schachspiel.
248
250
sin biz an din ende,
du bist also behende.'
her sprach Viltu wunder
245 so laz balde her gen
246 daz schachzagelspil
bringen dir, 247
246*^ durch kurzwile zuch
mit mir.' 247'
260 dem beiden di rede
wol gefil,
im was libe zu dem spiL
daz bret was groz unde
starc,
iz koste wol hundert
marc.
daz schachzagelspil mit
der fart
265 do vor in gebra cht wart,
do hiz der heidenische
man
den raben heben an.
der rabe alumbe sich
sach,
zu den herren her do
sprach,
sen.
[der beide sprach '^nu sage
mir:
wer hat gesaget dir,
uf di rechten truwe din,
von dem schachzagelspil
min?'
her sprach 'nu ich dirz
sagen sol,
du hast ein bret, daz ist wol
hundert lote marc wert.'
der beide mit der fart
hiz balde loufen hin
und bringen daz spil vor in.
daz bret was von helfen-
beinen,
Saphiren waren di steine,
mit gokle so durch slagen,
daz iz ir zwelfe musten
tragen.]
242. sin fehlt O (vgl. 241). 243. also] gar O. 244. wunder] von mir O.
245. her gen] speychen O. 246. daz] Den O. spil feMt O. bring
man O. 246 ^ fehlt W. ^AT. nu fehlt O. 247 "^ fehlt W. 248
fehlt O. 249. spil fehlt O. Es folgt nur in O: Do sprach das edle
rabelein. 250. her spr. fehlt O. dirz] es O. 251. bret-wol] brocht
O [vgl. 252). 252. Das ist woll h. O. 253. der fart] dem wart O.
254. Lys O. 255. spil fehlt O. vor in] vor en W varyn O. 257.
Von O. waren] worden O. 259. ir zwelfe] czwen O. 260. wol dy red O.
261. libe] wol O. 2G2] Das ist ein wunder starchk O. 263. wol fehlt
O. güldene m. O. 264. spil fehlt O. 265. do fehlt O. in] sich O.
wart] hot O. 268. sich vm O. 269. her do sp.] vnd iach O.
Schachspiel.
11
270
280
285
294 [her muz min
gefangen wesen,]
290
298
295
di dort waren in dem sal,
her griizte si uberal,
her bat si alle gemeine,
daz si im aleine
wünschten gewinnes heil,
her sprach 'ich wil uch gelten ein
ich e^ruche, wen is beruwe, [teil,
ich cleide uch alle nuwe.'
di herren mit grozem schalle
wünschten im heiles alle,
der rabe im di wile nam
unde zoch gar sorcsam,
daz her dem heidenischen man
daz spil allez angewan.
her gewan des soldes
dri hundert marc goldes
und darzu dannoch mere,
des zürnte der beide sere.
her sprach zu dem raben
'daz spil sol ein ende haben,'
'wol heran alle mine man,
di ich nu hi oben han!
der rabe muz sin houbet
hi lazen, daz geloubet,
vor mir raac her nicht wol
genesen,
270. dort waren] worden O. 272. her bat] Vnd O. 273. si fehlt
W. 274. Das sy ym w. hayl O. 27-5. ich geh euch tayl O. Es folgt
in O: Ich Sprech es uff mein trew. 276. ruch nicht O achte nicht
»F. gerew O. 277 fehlt O. 279] Ym w. alles haylles alle O. 280
im] do tr. 281. furchtsam oder furchtsam U . 282. den O. 283.
allez fehlt O. 284. froldes O. 285. Dreyssig hundert O. 286. und
darzu] Goldis vnd ff. darzu dannoch] ouch wol tV. 287. des] Do
O. irczornitte her den heiden H'. 288. Der heide ff. 280] Ich
uil dy weile mey eiiin hahin Jt\ 290. Her riff w. O. au fehlt O.
291. nu-oben] uff der burchk O. 294 fehlt O. werden : U. 29.j.
vor-her] Vnd h. mag O. wol fehlt O.
12 Kleiderspende.
295^ iz kan nicht anders gewesen,
^ her muz sin leben lan,
296 im helfe denne ein biderman.'
mit bescheiden werten der rabe
sprach dem beiden den zorn abe,
her sprach 'wurt ir i von truwen holt,
300 so nemet hin daz selbe golt
und koufet mir alzuhant
edel tuwer gut gewant,
purper unde scharlachen,
daz sei man disen herren machen.'
305 der beide des nicht e??liz,
daz gewant her koufen hiz,
daz di herren solden haben,
unde hiz daz vor den raben
uf eine tafel da vortragen.
310 do gap her den herzogen
und den andern grozen herren
eime itslichen na sinen eren,
314 her gap rittern unde knechten,
313 daz si sin wol gedechten,
315 kuchengesinde unde knaben
musten ouch sin gewant haben,
[daz tete her allez umbe daz,
daz her queme zu dem maz,
obe in der hunger twunge,
320 daz im wol gelunge,
295 ab fehlen W. 296. Es helf ym den O. 297. bescheiden]
hubischen O. 299. wurt-lruwen] pistu yndert frawen O. 300.
nym O. selbe fehlt O. .301. kauffe O. al fehlt O. .302. tuwer
fehlt O. 303. P. feilen ut Scharlach O. 30.5. dys W. en fehlt
WO {vgl. 963). 307. daz] Was O. wolden O. 308. daz vor d.] ys
von den O. 309. tafel da] kemenoten O. tragii O. 310. Das W
311. den-grozen] spulten andern O. 312. eime itslichen] Dem man O.
314 hinter 313 W. her gap] Bayden O. ritt' O. 315] Koche keiner
vnd kochenbufen O. 316. sin fehlt O. 318. Ab es cjueni vor bas O.
der mosz TV. 319. der h. t\v.] ayner lietwonge O.
Spange gewinnt den Ralien. 13
querne her in da/, kochhus,
daz in nicht herwider uz
triben di aschenbrodele
und singen in uf sin gefidere.]
325 do in daz gewant gecleidet wart
iderman nacli siner art,
her brachte daz mit hubischeit,
daz der knnig oiich sin cleit
begunde selber tragen.
330 junct'roii Spange horte sagen
uf der burc di mere,
wi da ein rabe were,
der künde wunders also vil,
und wol zin daz schachzagelspil.
335 das wundert di iuncfrouwen,
den raben wolde si schouwen.
si hiz bereiten ir gewant,
daz taten di meide alzuhant.
an iren lip wart geleit
340 ein snewiz sidin cleit,
da waren wazzerperlin uf getragen,
342 und mit golde wol durchslagen.
342 ' [daz was ir umbe daz,
" daz si lust bete deste baz.]
343 ir volcte na ein groze schar,
sechzig frouwen, di waren dar,
und hundert juncfrouwen,
321] Ap h. quem in d' knechte hauss O. 323. aschenploderer O.
324 fehlt O. seyne W. 325. do in fehlt O. gecleidet] gegeljü O.
327. mit] czw O. 328. kunig] hayd O. 329. zu tragen ff O. 330.
pange O. 331. dise O. S^'I. da' fehlt O. komen w. O. 333. also
fehlt O. 334. und fehlt ff. daz fehlt O. 33.5. w. sich W. 336
fehlt O. 337. liss ir bringen O. 338. tat man O. 339. wart gel.]
sy legte O. 340. sne weysz ff weyses (Kustos: weyss) O. sidin
fehlt ff. 341. waren] worden O. wazzer] fast O. 342. und fehlt
O. heschlagn O. 342 a^J fehlen ff. 344. di waren] schon vnd O.
345. j. vor war O.
14 Spange gewinnt den Raben.
346 di man vil geren mochte schouwen,
346'' ir guter si trugen,
^ ob der juncfrouwen fingen
^ zen gezamte adelare,
*^ di musten si bewaren
^ vor der sunnen, wo si ginc,
^ von den schate si empfinc,
347 di juncfrouwe ginc zuhant,
da si iren vater fant.
350 do si den an^fesach,
349 zuchtiglich si zu im sprach
351 'bi minem gote vil suze
liber vater ich dich gruze.'
her sprach "^edele tochter min
min got sol din Ion sin.'
355 her sprach 'waz schaffest du
vor mir edele tochter nu?'
si sprach 'ich habe vornomen,
■wi ein rabe her si komen
ferre uz dutschen landen,
360 na deme ist mir so bange,
si sprechen, her kunne wunders so vil
und wol zin daz schachzagelspil.'
her sprach 'jo tochter zwar
daz ist alzumale war.
365 gestern her gewan
dri hundert marc mir an,
346 fehlt O. 346 a-f fehlen W. 346«. gueten eyn krön O.
346 b. ob fehlt O. 346 f. dem O. 349 vor 350 W. 349] Togent-
lich sy do spr. O. 350. den] en IV. ansach WO. 3.51] Mein
gott vill süsser O. 352. liber] Edeler W. 353. edele-min] meyn
gott sol deyn Ion seyn O. 354] üw edle tochter meyn O
[vgl. 353). 355. her sprach] Her W Vnd lach O. 356. Hy vor
O. edele fehlt O. 358. her fehlt O. si] ist W. 359. dewczem
lande O. 361. sagen O. künde W. so fehlt O. 362. und
fehlt O. daz] den O. 363. jo fehlt O. 364. Es O. alzumale]
alles woll O. 365. gestern] Rechten O. gewan] mir an O. 366]
Dreyssighundert m. mir an gewan O.
Spange gewinnt den Raben. 15
sich alumbe disen sal,
wi her unser volk liberal
schone hat gecleit,
370 daz allez sin gewant treit/
diser wunderlichen Sachen
di juncfrou begunde lachen,
si sprach 'vil liber vater min
und raac der rabe min gesin?'
375 her sprach 'gestern in der nacht
hate ich dir in bedacht,
jo vil libe tochter min
her muz imer din eigen sin.'
di juncfrouwe alzuhant
380 des raben sich underwant,
her wolde nicht mere gan,
si muste in an irem arme trän.
si truc in vil drate
in eine kemenate,
385 so si niman mere wüste,
si redte mit im was si luste,
si dructe in liplich an sich,
si sprach 'min got behüte dich !'
[her sprach 'juncfrou daz ist nicht wolgetan,
300 daz ir di abgote betet an,
geloubet an den waren got,
der alle dinc geschaffen hat,
und lat uch toufen vil balde,
so werdet ir behalden
395 und werdet davon selig
307. al] an W. disen] eyn den O. 369. hat] bot her sy ir. 370.
allez sin] alle seyn W alles ein O. 372. zu lachen ftO. 373. si]
Vnd O. 374. und fehlt O. 375] Ja nechten czw nacht O. 376. ich deyn
Kedochl O. 377. jo fehlt O {vcjl. 375). 378. muss weseni deyn O.
379. al fehlt O. 382. an] czw O. arme W. trän] fahen O. 384. eine]
>T O. 385. so si] Do O. mere] do O. 380 fehlt O. 389. spr. yr
i. es nicht O. 390. di a.] aptgoter O. 391. an meynen g. O. 392.
beschaffen O. 393. vil fehlt O. 394. yr den O. 395. Vnd ir tV.
16 Werbung.'.
unde aller sunden ledig.'
do sprach daz edele raegetin
'ich tar nicht vor dem vater min,
der ist so gehaz den cristen
400 mit allen sinen listen,
wo her daz irfure,
daz leben ich vorlure.']
der rabe sprach 'juncfrou min
nim mich an di arme din
405 und merke ebene unde wol
waz ich dir sagen sei.'
di juncfrouwe lobesam
den raben an iren arm nam.
[zuhant der rabe unvorzait
410 frite di schonen mait,
her sprach 'got gruze dich juncfrou,
got gruze dich lilgen, ein rosentou,
got gruze dich lichter morgenstern,
mine ougen di sehen dich gern,
415 got gruze dich meienris,
got gruze dich bluendez pardis,
got gruze dich edele kunigin
vor Spange libe juncfrou min!'
si sprach ""got vorgelde dir!
■120 so waz kanst du mir
also schone spruche sagen!
jo torste iz ni kein kunig wagen,
424 daz her i gewurbe
423 umbe mich, her vorturbe,
396. ledig] aynig O. 397. edele] selbig O. magtelein O. 399. gram
O. 404. den arme O. 405. merchk rechte vill : O. 406. will: O.
408. den arme O. 409. zuhant fehlt O. rab alzo O. 410. Ffrewte
O. 412. 1. ein rosen] rosen kuler O. 413. dw I. O. 414. di fehlt
O. 415. meien] dw bluendes O. 416. dw hl. O. 418. Fang O.
419. vorgelde dir] sol dein lone seyn O. 421. So selczene O.
423 hinter 424 W. geworde : O {rgl. 424). 424. her worbe : O.
Werbung'. 17
425 iz ginge im an daz leben sin.'
her sprach 'vil libez juncfroulin
vorgiz diner tugent nicht,
daz du icht lezest toten mich.'
si sprach "^nein ich zware,
430 des bis ane alle vare,
gruze mich unde fri,
also daz dir lip si.']
her sprach 'so merke dise dinc:
mich hat ein edel jungelinc,
435 der über jenez mer wont,
her iuncfrouwe zu uch gesant,
der ist funfzen jar alt
unde ist geheizen Oswalt.
her ist ein kunig lobelich,
440 gar gewaldig unde rieh,
gar tugentsam unde gut,
zu gote stat im sin mut
mit vasten und mit beten
gote wil her nicht abetreten,
445 in der kirchen zu aller zit
her euch vil geren lit.
[daz tut her ouch durch got,
der alle dinc geschaffen hat.]
der entbut dir juncfroulin,
450 weidest du sin bule sin,
452 her weide dir sine truwe geben,
425] Ja an dem leben sein O. 426. vil libez] czartis Jf. 427] Sich
an deyner togent licht O. 428] Vnd sag es deynem vatter nicht O.
429. ich feJilt O. 430. alles O. 431. mich fehlt O. 432. also]
Vnd alles O. lip das dir W. 433 hinter 434 O. vm dyse O.
434. mich] Auch O. edel fehlt O. 435. ober mer ferre O. 436] Der
hoth mich czw dir gesant O. 430. lobesam O. 440. gar fehlt O.
442. im] alle O. 444] Her gott nicht will abtreten O. 445. alle czeyt O.
446. ouch] noch O. 447. ouch] alles O. durch] viüb IF. 449.
freweleyn O. 450. lib O. 452 vor 451 W. her] Vnd W. will O.
Baesecke, Wiener Oswald. 2
18 Werbung.
451 ber weide mit dir leben
453 [kuscbej biz an daz ende sin.'
'nein' spracb daz edele megetin,
455 'bore waz icb dir wil sagen
und vornim mir mine clage:
iz ist wol drizen jar,
458 do starp mir min muter dar,
458 • [do swur min vater einen eit
" — miner muter ist daz leit —
459 do bat mir min vater
' kunigen, fursten manigfalt,] vorzalt,
460 wenne icb wurde secbzen jar alt
unde iz darzu queme,
daz ber micb zu wibe neme
an miner muter stat.
bore waz ber getan bat:
465 durcb minen willen sint
wol virdebalp bundert kuniges kint
von im getötet alle,
warte, wi dir daz gevalle.'
[do spracb daz rebelin
470 zu dem megetin
"nu bore juncfrou wolgetan:
nim Oswalt zu einem man,
daz du mit im werlicb
474 körnest in daz bimelricb.'
474 ' si spracb 'von dem bimelricb
" ahnmale weiz icb:
451. her weide] Kewsche O. m. d. leben] mit dir czw lehn O.
453. kusche fehlt O (vgl. 451). sin] dein O. 454] Das tu ich nicht
spr. dy konygeyn O. 457. ist] seyn O. 458. mir fehlt O. 458 a— c
fehlen W. 458c. konygin O. 459 fehlt O. do] Ouch W [vgl.
4580). 460. dreycen O. 461. iz fehlt W. 462. zu wibe] czw
eynem weyb O dy weyle W. 466. wol fehlt O. Virhundert O.
467. von im] Worden O. 468. das dir W. 469/70 fehlen O. 471.
nu h.] Her sprach O. 473] So soltu werlich O. 474. Mit ym kome
in O. 474 ab fehlen W. al fehlt O.
Werbung. 19
•J75 wir ouch sunder wan
beten unsern got an,
si sagen uns ouch wol,
Avaz uns geschehen sol.'
'juncfrou Spange', sprach der rabe,
480 'tut uch der rede abe
unde geloubet an Jesum Crist,
der ein warer got ist,
und nemet an uch der toufe cleit,
so komet ir in di ewikeit
485 und werdet zu den stunden
von uwern sunden entbunden,
der werdet ir alle ledig
unde ewig unde imer selig.']
nu höre waz ich dir sagen wil:
490 du sprichest also rechte vil
von dem kunige hogemut,
492 und queme iz in minen mut,
492** daz iz zu muste gan,
493 mochte her denne widerstan
dem grimmigen vater min?'
495 her sprach 'jo edele kunigin,
frewe dich unde bis fro,
dime fridel muz also
dinen und wesen undertan
drizen bischofe lobesam,
500 virzig graven lobelich
unde nun kunige rieh,
475. wr] Wiltu W. 476. Bete W. 477. uns feJilt W. ouch] alle
O. 478. uns] do O. 47'.). Spange fthlt O. saget W. 480. rede]
goUer O. 481. an vnsern herrn ihm crist : O. 48^. ayner w. O.
483. und fehlt O. dy tawffe der zelikeit If. 484. czw der O.
486. s. gar O. 487. der] Vnd O. ir] der O. 488. unde-selig]
erledigit O. 490. sagest O. also] mir O. 491. wolgemutt O.
49i>. und fehlt O. mir es yn den O. 49:2'» fehlt W. 493.
denne fehlt O. 497] Deynen libhaber so O. 498. Müssen d. O
(rr/l. 497). 499. lobesam] schon O. 500. Vierczen W. 501. unde
fehlt O. konigreich ir konyg herleich : O.
20 Werbung.
funfzen hundert ritter gut
alle muzen tun sinen mut,
unde drizig tusent man
505 di sint im alle undertan.'
do juncfrou Spange dise wort
von dem raben hate gehört,
gar frolich si do wart,
si sprach do zu diser fart
510 'wol mir daz ich i gewan
daz leben, liber rabe nu sage an,
hat min fridel uzgesant
mir bi dir icht über lant?'
her sprach : '^ein guldin vingerlin,
515 daz nim under dem flugel min
nu zu disen stunden,
her hat mirz gebunden
darunder mit der haut sin,
daz sol juncfrou wesen din.
520 [wenne du libe juncfrou min
ansiehst daz vingerlin,
so geborest du imer werlich
zu dem schonen himelrich.'J
do daz di edele mait
525 angesach unvorzait,
si wart also wolgemut
von dem vingerline gut,
52S [beide kusche und rechten gelouben si an sich nam.]
tugentsam,
502. vnd gut : IV. 503. Dy a. tvn O. noch s. O. 505. di fehlt
O. alle] auch O. 506. vorpange O. 508. gar] So W. 509. si] Vnd O.
do fehlt O. 510. mich O. 511. daz leben fehlt O. nu s.] sag mir
O. 512] Hot was mir mey fridil ausz gesät W Was hatte meyn herr
vb' lant O. 513] Mir mit dir gesant O. 514. lach O. 515. nam
ich O. dem mit nachgetragenem m W den O. 516. nu feJdt O.
517. her hat] Her hatte O Hy bot her W. 519. juncfrou fehlt O.
520. libe j. m.] frewelen : O. 521. An sehest O. 522. imer w.] frolich O.
525. An sach W. 526. also] frolich vnd' O. 528 hinter 529 O.
kewscher W. 529. si fehlt O.
Annahme der Werbunjj. 21
530 [her sprach 'juncfrou sit ir
rainem herren holt, so sendet bi mir
531« wider uwerm libelin
-.32 ouch ein gülden 533 si sprach 'vil libez rebelin
vingerlin.] 533'^^ din frien muze selig sin'.'
534 balde si hin loufen hiz,
535 eine lade si ir bringen Hz,
538 darnz nam si ein vingerlin,
539 'daz bringe dem liben herren
min
540 [unde sage im schire aber
waz daz vingerlin tugent habe:
wer daz vingerlin gemeit
an siner hant iz treit,
der wirt nicht irslagen
545 uf wazzer noch uf wegen,
her mac nicht irtrinken
noch keinerlei wis vorsinken,
unrechtes todes rieht
mac her gesterben nicht,
550 daz kumt von siner tugent dar,
iz hat achtzehen fursten craft gar,
daz solt du libez rebelin
553 bringen dem liben 554 her sprach 'vil libe junc-
herren min.'] fron m.in
555 an bint mir daz vingerlin
.531] Darum sendet pey mir O. .531" fehlt W. 533. vil] gern O.
533" fehlt W. frewen O. 534. hin fehlt O. lis O. 535. eine lade
fehlt W. ir] czu ir W fehlt O. hyss O. Es folgt nur in W: Eyne
stolcze lade Das tat wol dem raben. 539. liben fehlt O. 540. schire]
auch O. aber] dar abe O. 541. daz v.] es O. 543. iz fehlt O. 545.
wagen: O. 547. yn kayner O. 548. Vnd vnr. O. rieht] vicht O
gerecht W. .549. ersterben O. 550. dar] vor O. 551 fehlt O.
553] Bring dem czarlen fninden dein O. Es folgt nur in O: Sag
ym auch mein macht Vnd auch cyn gutte nacht. 554. vil I.] gern
O. 555. Nw vindet her das O.
22 Spanges Rat.
mit grüner side alzuhant
mit uwer snewizen hant,
bint mir daz vaste unde wol,
sint ich ferre fligen sol
560 über des wildes meres ho,
daz mirz icht entfalle jo.'
di juncfrouwen her ouch bat,
daz si gebe iren rat,
561 . . „ . , , f [mit siner scbarl
►.£.-„ wi ir tridel \
ob 4'^ ( ane rar
565 zu ir komen mochte dar.
si sprach '^ist her also creftig,
also du sprachest und so mechtig,
so sage im, daz her buwe
zwe und sibenzig kile nuwe
570 und schicke darin alleine
sinte Oswalt der reine . . . [und darzu alle sine dinstman,
di im alle sint undertan,]
und kum selber mit im her
575 in alle deme geber,
ob her were ein koufman,
das mac her grozen fromen han:
gan is mir denne got,
so fare ich ane allen spot
580 mit im heim zu lande
frolich ane alle schände.'
der rabe do wec wolde,
do nam in di juncfrou holde,
556. brawner O. 557] Vnder mein flogel mit evvr hant O. 558.
mirs O. unde fehlt O. 559. ferre fehlt O {vgl. 560). 560. uber-
meres] Verr wol vber den wildn O. ho] hol W hak O. 561] Das
es mir nicht entphalln mag O. 564/564-''. fridel] herr O. mit sinei
schar] W fehlt O. ane var] ane war O fehlt W. 567 fehlt O. 569.
schiffe W. 570/71 fehlen O. 572. darzu fehlt W. dinst fehlt O.
573. alle sint] wesen O. 574. Kom mit ym wider her : O. yn W.
575. aller der O. Es folgt nur in O: Gleich alzo geton. 577 fehlt O.
578. mir] ym O. 579. ich mit ym W [vgl. 580). 580. mit im fehlt
W. 583. nam in] nw O. juncfrou fehlt O.
Schmückung des Raben. 23
liplich an ir ermelin,
585 si sprach "^libez 'rebelin
iz stunde mir nicht wol an,
solde ich dich von hinne lan
fligen von mir unbegabet:
wi wurde ich denne gelobet,
590 wo man das wurde gewar,
iz stunde mir zu vordenken gar:
du mochtest nicht sagen von mir,
daz man geloubete dir,
di fursten unde ouch di herren,
595 nein zware ich wil dich eren
mit etlichen dingen/
si hiz baldc her bringen
599 purper unde side,
598 perlin und gesmide
600 von Silber und von golde.
man brachte waz si wolde.
das liz si vormiren
den raben unde ziren
ir juncfroun alle gemeine
605 mit golde und mit gesteine.
der juncfrouwen eine
zirte im sine gebeine
mit finen wazzerperlin,
di ander di kni sin
610 mit deinen margaritenstein
und mit edelem gesmide rein,
di dritte im zu den clawen ruct,
di virde im den snabel smuct.
587. Sol O. 588. Zfflyen »'. von mir fehlt O. 591. denken gar fehlt
O. 592. mocht U magst O. 594. Den f. O. ouch fehlt O.
di fehlt O. 597] Mir mag noch wol gehngen W. 598/99 um-
gestellt W. Ffeyne p. v. seyde Manicher hande gesmeyde O.
G02. vormiren] vor en Icgin W. 00.3. und vor den O. 604. alle gem.]
eyne »' {vgl. 000). G05. auch mit O. 607. Dem raben czirte s. O.
6Ö8. w. feyn O. 610. margarilelein O. 612. buchkt O.
24 Abschied des Raben.
di fünfte machte im schone
615 uf sin houbet eine crone^
di sechste sin gefidere
strichte von oben hernidere,
rechte also juncfrou Spange wolde
wart her geziret mit gokle.
620 do her also geziret wart,
do stunt her in alle der fart,
ob her ein engel wer
unde uz dem pardis füre her.
juncfrou Spange alzuhant
625 strichte in mit ir snewizen hant,
do schütte her sin gefidere lanc,
daz is uberal irclanc
sin guldin gut gesmide
bewunden wol mit side.
630 'edele juncfrou' sprach der rabe,
'got lone uch uwer stolzen gaben,
urloup wil ich haben nu,
ich muz von hinne ßigen jo.'
si sprach zu dem raben
635 ^irloup solt du von mir haben.'
si truc in selber an di zinne
und hiz in fligen von hinne.
si sprach 'flug hin libez rebelin,
got din beschirmer muze sin,
614. yn O. 615. An seynem O. 616. di sechste] Sy straich ym O.
617] Payde oben vnd nyder O. 618. sam vorpange O. 619/20
fehlen O. 621. alle der] aller O. art W. 622/23] Also ein engel
here Aus dem paradise were O. 624. pange sanchk: O. 625. Sy
slraych O. ir snewizen] seyn' we'sin W der O. 626. schütte] slug
W. 627. uberal] yn der burchk O. clang W. 628. gut fehlt O.
junchfraw einrjefügt O. 631. stolzen fehlt O. gobe O. 632. haben]
geben O. 633. fligen jo] nw W. 634/35 fehlen O (vgl 632). 636.
selber fehlt O. czynnen O. 637. lis O. 638. dw 1. O. 639. hutter O.
Der Ring: verloren. 25
640 und gedenke an mich vil arme mait
und waz ich dir habe gesait.'
hin Houg her mit sorgen
biz an den eilften morgen,
do quam her unvorzogen
645 uf daz wilde mer geflogen,
her ■warte, wo iz im tochte,
daz her geruen mochte.
da was ein koufman irtrunken,
mit sime schiffe was her versunken,
650 des mastboumes wart her gewar,
der rabe floug uf in aldar,
darufe her gerate sider,
und her irschutte sin gefider,
so daz von dem geschutte sin
655 entfil im daz vingerlin
zuhant in der selbigen stunt
in des wildes meres grünt.
658 der rabe do gar cranc Gr.-j ['darumbe solde ich irtrinken
wart
658 " von grozem leide zu 66o und in daz w^ilde mer vor-
diser fart: sinken,
und besorcte ich min nicht
an unserm herren Jesu Crist.
wol zen stimt sechzen tusent jar
habe ich vorsumet, daz ist war,
G40. und fehlt O. mich mitt j,'utn mutt : O. 641. und fehlt O.
g. das nym vor gult : O. ü42. her] der rabe O. 644. vnfro gcczogen W.
646. iz fehlt O. 647. gerasten O. 648. kauffam O. 649. was her fehlt
O. vndergesunchken O. 650 fehlt O. 6.51. uf in fehlt O. Auf 651
fohjt in O: Czvv den fogeln eyn grosse schar. 6-52. nichkt her O.
653. her ir- fehlt O. 6-54. schoten O. 6.55. gülden v. O. 656. Czw
der O. 657. wildes] tyffes O. 658. gar fehlt W. betrübet O.
658» fehlt W. 659] Wenne es ist mir ertrunchken O. 660. dem
m. Torsunchken O. 661 fehlt O. 662] Ich hab xpiöi iliiii her O.
663. wol zen stunt s.] Wol x sechczentawsin W Sybczen tausent O.
664. habe ich] Seiden O.
26 Der Rabe und Fischer Ise.
665 sinte Oswalt dem herren min
juncfrou Spangen di edelen kunigin.'
im was leide und bange,
sin clage werte wnlange:
669 ein fischer quam geswummen uf des meres unden
671 in eime schiffe balde, daz was des raben salde,
674 der hiz meister Ise, 673 ein fischer gut und wise,
675 der den gra^ren roc bevant, damit her den kunig
OrenclQl bewant,
678 daz her daz heilige grap gewan. 677 do her den raben
blicte an,
679 her vil uf sine bare kni nider in sine gali,
6S1 her sprach 'bist du iz Raphael oder der engel Gabriel,
683 oder hat got von himelrich hernider zu mir gesant
dich?'
685 her sprach "^ewruche, wer ich bin, und wirf in daz
netze din,
687 dir widerfert gut heil, du fehest fische ein michel teil,
689 fische alhi an diser stete' ! der fischer daz zuhant tete,
691 daz in der rabe hiz. der gute got das nicht ewliz,
693 her finge vil schire wol sin schif guter fische vol.
665. sinte] Vnd O. den O. 666. j. Sp.] Vnd iucfraw S. W. Fang O.
667. ant: O. 668. Seyn clagen O. un v. Kraus] en IV gar O.
Danach nur in O: Czw den selbigen stunden. 669. Quam e. v. O. 670
fehlt O. 671. Ym eyn O. 672. rabes schuld O. 673 vor 674 If .
gut] klug O. 674. Ise Bartsch] reys W eya O. 675 hinter 676 O.
giawen roc Berger] grossen roth O seibin rot W. vant O. 676.
damite] Der fürt O. her fehlt WO. Orendel Berger] der engil
vor den k.] W aus engel O. bewant] lanth O. 677. blicte] bette O.
678] Heilige globin her gewan hinter 677 W. 679. nyder uff O
[vgl. 680). bare fehlt O. 680. seyn W seyner O. keneleyn W.
681. b. d. iz] dw pist O. michael O. 682. der e.] sand O. Es
folgt in O: Ad' bistu raphael Ader eyn ander engel. 683. hot
dich W. 684. her n. fehlt O. gesant czu in. W\ 685. geruche
dich W ich ruch O. 686. und fehlt O. 687. wirf aber h. O.
688. Der vischer vischt eyn O. 689 fehlt O. 690. daz z.] do
das O. 691. daz] Do O. 692. der g. fehlt O. 693. vil fehlt O-
694. schif g. f.] necze gar O.
Der Ralie und Fischer Ise. 27
700 her irwuschte
' den fisch mit dem
snabel [sin]
6i«5 der fischer sprach 'nu iiim du rabe
696 also vil fische also du wilt haben.'
697 'gip mir einen' sprach der rabe,
69S 'damite ich mich mochte gelaben,
69i» daz arme cranke herze min.']
701 der do hate daz vingerlin
702 geslungen in den magen sin.
703 [in sich her daz geslungen
hat.
den fischer her gar sere bat,
705 daz her im in ufsluge
und gebe im gefuge
wider daz gülden vingerlin.
her sprach 'ist iz gewest
din,
so solt du iz wider haben. ^
710 des irf reute sich der rabe,
her sprach 'bint mirz under
den flugel min
und fische biz an daz ende
din,
darumbe wil ich so schone
biten got, daz her dir lone
715 und dir sinen engel sende
an dime letzten ende.']
695. Her spr. wol mich dw O. 696] Visch als vill als ich habe O.
Es folgt in O: Wiltu aynen habn dir Gern ich dir gebn will.
697. gip] Czw O. 698] Das ich mich gelalje O. 699. arme er.] swach
O. 700. irmischte fehlt O. den fisch] eynen W (vgl. 701). 701] Ayn'
der das v. O. 702 fehlt O. 70.3. her das geslungen] vorslundn
O. 704. Der rabe den If. her fehlt ff. gar sere] auch O. 706.
ym seyn W. 707. gülden fehlt O. 708. ys ist W das ist O.
gewest mey deyn W gewesn dein O. 710. Do frewet O. 711.
mirz] es O. seyn meyn O. 712. biz fehlt O. 713. ich golt
schonen O. 714. got fehlt O (vgl. 713). 715. Vnd her dir W
fehlt O. werdn e. O.
28 Speisung aus dem Paradiese.
also wart dem rebelin
wider sin guldin vingerlin,
davon her freude vil gewan,
720 und her floug vurbaz von dan
über eilf tage fart,
daz her gar müde wart,
di wile her euch ni embeiz
guter spis weder kalt noch heiz.
725 uf einen stein her do gesaz,
der uz dem mere gewachsen was,
daruf was her na gestorben
und vor hunger vil na vordorben,
bete in got von himelrich
730 nicht irneret genediglieh,
der im sine spise
sande uz dem pardise,
di her also lange nam,
biz her wider zu creften quam.
735 do swanc her sin gefidere
und floug aber widere,
biz her in sines herren lant
quam, der Oswalt ist genant.
sinte Oswalt an der zinne
740 wart des raben inne,
her sprach: '^frewet uch ir herzogen
und ir graven unbetrogen,
ich see minen raben zart
wider komen uf der fart.'
717. raben O. 719. h. gebon grosse fr. gewon O. 7^20. her fehlt O.
von] hyn O. 7L>1. über] Aber O. czwelff O. fart] was O. 723.
ouch fehlt O. em- fehlt O. 724. weder fehlt O. 725. eyme steyne W.
do fehlt O. sas W. 72G. gewaschn O. 727] D. her nohende ver-
torben was O. 728] Vnd hungers gestorben was O. 729. in fehlt
W. 730. genediglieh] seyne leip W. 731. der] Dem W. 733. so O.
734. mder fehlt O. czw den cristen O. 736 fehlt O. 737. Bys
das XF. 738. der] do O. 739/40. cynnen : ynnen O. 741. herzogen]
herren O. 742 fehlt O. 743. sach O. 744. kernen fehlt O. diser O.
Heimkunft uiiJ Bericht des Raben. 29
7-15 der rabe quam geflogen,
her achte nicht uf der herzogen
noch der graven keine,
748 [inweredazlip 748 " n-an sines herren eine,
oder leide] her floiig im uf di achsel sin,
750 her sprach 'bis wilkom über rabe
min,
wo bist du gewest also lange,
waz entbut mir juncfrou Spange
di edele kuniginne?'
her sprach : 'das solt du werden inne,
755 si hat dir entboten daz
mit ganzen truwen ane haz:
dir wil si sich irgeben
unde [kusche] mit dir leben
an ires libes ende
760 ane alle missewende.'
"^ich begere ouch nicht mere'
sprach sinte Oswalt der Jibe herre,
'so waz hat si mir gesant?
daz solt du mir tun bekant,'
765 'dir hat gesant di edele kunigin
ein schon guldin vingerlin.
daz was entfallen mir
in daz mere, daz sage ich dir,
daz hat dir got gegeben wider,
770 das laz in genizen sider:
dar sint arme lute,
746. uf fehlt O. 748 fehlt O. 748»] Seyner herren ayne O fehlt
W. 749. Ffloch her O. 750. bis] das soltu O. wilkomen W. 751.
Wy O. zo O. 752. vorpange O. 753. edele czarte W. 754. Her
sprach fehlt W. 755] Sy entpewt euch das O. 756. allen h. O.
Ibl. Euch O. 758 fehlt O. 759. an] Mitt O. 761 Ich nicht
merbegerO. 762. Spach O. sinte /"t'/ift ir. edele jr. im. so fehlt O.
764. Das tu mir O. 765. Das hoth dy O. 766. schon fehlt O. 770.
in fehlt O. sider] sey geUder O. 771. dar sint] Das seyn O Das dy
W. armen JF.
30 Bericht des Raben.
also ich dich kan beduten,
über di irbarme dich
durch den got von himelrich,
775 so wirst du komen schone
zu dem ewigen trone.'
her sprach 'geren libez rebelin,
selig si di lere din!'
[her sagete im des vingerlins craft
780 und di macht, di daran lag.]
782 'nu sage mir liber rabe min,
781 also lip alse ich dir bin,
783 hast du icht vornomen,
wi ich zu ir mochte komen?'
785 her sprach 'gehabe dich wol,
ich dirz allez sagen sol,
ich habe iz irfaren gar,
wi du zu ir körnest dar:
mit wunderlichen sachen
790 solt du dir lazen machen
zwe und sibenzig kile,
beite nicht unde ile
und laz si gar schire blicken,
darin so solt du schicken
795 hantwerc aller hande,
di man in dem lande ... [di man irne vinden kan,
darzu nim alle dine man,]
799 so sol ich mit dir aldar
772] Als ich euch bedewte O. 774. den fehlt O. 776] Czw der
frewden crone O. 777. liber rabe meyn O. 778. dir die rede O.
780. an ym O. 781 vor 782 W. Zo O. bin dir W. 78± nu]
Zo W. inir-min] über rabe meyn O liber rabe mir W. 784. mag
O. 786. dir sagen O. 787. wol gar O. 788. wi-komest] Czw
ir komestu O. 789. sunderlichn Ö. 790] Lasse balde m. O. 791.
sibenzig] sibenczen O. 792. Seyme O. 793] Das sy schir geluken O.
794] Das soltu schyr sichken O. 795. allerlay hant O. 797. di
man fehlt O. Yndert O. 798. nim fehlt O. 799. al] komen al
W fehlt O.
Ausfahrt ohne den Raben. 31
800 komen in alle der far,
ob du sist ein koufraan.
ob dirs denne got gan,
so fert si mit dir zu lande
di juncfrouwe ane alle schände.'
805 Oswalt nicht lange beitte,
di kile gar schire bereitte,
darin unvorzogen
hiz allez daz gut tragen,
daz man darzu solde han.
810 in saz her und [alle] sine man,
hin für her mit sinen herreu,
biz uf daz wilde mere.
do vorgaz her des raben,
den her mite solde haben.
815 her rif 4r herren alle gemein
hat den raben uwer kein?'
si sprachen alle nein,
in hete denne ir nekein.
her sprach 'woluf endelich,
820 sumet nicht, daz wil ich,
uwer achte oder vir
bringet mir in vil schir!'
zuhant do bereit wart,
si musten do wider an di fart.
825 do funden si den raben gan
also einen armen man
800. alle dem dir W aller der O. far] geper O. 802. es dir O. 803.
fert] Wirt O. 804. di j.] Werlich O. 806. schiffe W. gar schire] her
O. 807. Do her eyn O. 808 fehlt O. tragen] dor eyn legin IV.
809. daz] Sichk was O. darzu fehlt O. 810. Darynne O. alle
fehlt O. Danach nur in O: Das wir es habn vorslann. 813. Vnd
vorgas d. O. 814. sulde mite O. 816. r. yndert ayner O. 817.
nein] gemayne O. 818] Das jti h. kayner O. 821. Euch Ewr O.
822. vil fehlt O. 823. do b. w.] dy beraji wordn' Ö.' 824. do
fehlt O. an d. f.] haym foren O. 825] Vnd f. den r. vm gan O.
32 Der Rabe nachgeholt.
in einer snoclen art,
wenig gutes im getan wart.
si spraciien zu dem raben
830 'du must mit uns draben
von hinne alzubant
832 ferre in fremde laut, 832=' [din herre hat nach dir
gesant.']
her sprach '^ich wil iz wol bewarn,
ich wil nicht von hinne farn,
835 min herre hat min vorgezzen,
unde ich must mit den smven ezzen,
des waren si vordrozzen,
si haben mir zustozen
min schonez gefidere,
840 wi solde ich denne widere
komen na gegangen
bloz vor juncfrou Spangen?
daz stunde mir nicht wol an:
wil mich min herre han
845 mit im zu sinem fromen,
her muz selber na mir komen
mit allen sinen herren
und mit sinen dineren.'
dise wort di boten
850 Oswalden wider kunt taten.
Oswalt zuhant uf der fart
mit den sinen umbekart.
do her den raben angesach,
827. watt: O. 828] W. man ym guttes tat O. 830. Wol auffdw
O. 832 fehlt O. 832 a fehlt W. 833. iz wol] do heyme W.
834. ich] Vnd W. nicht von h.] nyndert hyn O. 836 fehlt O. 837. Das
worden O. si] sy gar zere W. 8.38. haben] hab O. mir] mir mey
gefedir W mich O [vrß. 839). 839. Vnd m. W. 840. hyn w. O.
841. na] nagkt W. 842. pange O. 845. sinem fr.] seyner iucfrawen
W. 846. noch m. s. O. 848. allen s. O. 849. wort] ding O. 850.
wider kunt] czw wissii O. 851. zuhant fehlt O. mit O. 852. den-
«mbe] seyne volk wid' O. 853. an saeh W.
Der Rabe nachgeholt. 33
her knite nider imde sprach
855 eia vil liber rabe min
laz wenden den zorn din,
far mit mir von hinne,
das bite ich dich mit sinnen :
wo du blibest hinder mir,
§60 juncfrou Spangen ich entbir.'
her siprach 'ir habet min vorgezzen,
mit den suwen muste ich ezzen,
di haben mir di federe min
uzgestozen, daz ich bloz bin,
■865 so han dine kuchenknechte
mir getan gar unrechte,
si haben mir zuslagen
min houbet, daz muz ich clagen.
Oswalt rif mit schalle
SlO 'si muzen hangen alle!'
her sprach 'das ensol nicht sin,
daz iman durch den willen min
wurde benomen sin leben,
daz im got hat gegeben.
S75 nu setze mir di crone recht,
min gefidere mache siecht,
so fare ich mit dir unvorzait
und schicke dir di schonen mait.'
Oswalt nicht langer beitte,
S80 den raben her bereitte
unde ilte ane maze
uf des wildes meres straze.
im zu faren wart bescheiden [sss do muste her wol acht jar
sibenzen tageifeide, umbefaren, daz ist war.
856] Las n\v deynen cz. sein O. 858. mit ynne fV. 860] Voqmng:
ich ewig entpur O. 862. sweyn O. 868. ich musz If. 870. raustii
hengn O. 871. en fehlt HO. 873] Genomen borde das lehn seyn O.
875. nu] So O. 876. mach nir (!) O. 878. schonen fehlt O. ' 881.
Vnde her If. 882. wildes fehlt JF. 883. was O. 884. weide]
reise WO. 885. Sy musten W.
Baesecke, Wiener Oswald. 8
34 Oswalds Überfahrt.
im was uzermazen bände,
her künde nicht zu lande
komen in den jaren
890 von des wilde.s meres varen
zu der juncfrouwen sin
vor Spangen der edelen kunigin,
daz machten böse winde.
di in umbetriben swinde.
895 in dem ersten jare
liz im got zeware
alzumale irtrinken
ein und sibenzig schiffe vorsinken.]
im wäderfur groz ungemach,
900 leides im ouch vil geschach
uf des wildes meres stram,
doch in got in sine hüte nam
und di libe muter sin
Maria di himelkunigin.
905 [do vor Spange daz vornam,
daz ir fridel nicht e^quam,
si gedachte ir vil leide
und ginc zu dem beiden,
908* der ir vater was:
909 daz tete si allez umbe daz,
910 daz si im daz vingerlin
wiste, daz her muste sin
kusche, wen her daz angesach,
887. aus der mosen W gar O. bände : 7f ' andte : O. 888. mocht O.
komen czu W (vgl. 889). 889. In vil manchin W. 890. von-
meres] Von d. wildin m. W Her mocht auch nicht O. gefarii O
strömen W. 892. v. Sp.] Fange czw O. 895. den ersten ioren O.
896. yn O. vor wäre O. 897. vorsinchken : O. 898. man yrtrinch-
ken : O. 900. im o. v.] vill ym O. 901. wilden JVO. 903. edle
O. 904. hymelische O. 905. vorpang O. 906. fridel] her O.
en fehlt WO. 908^ fehlt W. 911. mochte O. 912. Wolgemut
an allen has : O. an sach W.
Oswalds Cberf'ahrt. 35
unkuscheit an im gebrach,
di selben tugent hate iz ouch,
915 aller zorn von im floiig,
915" wer iz imer anr/csach,
916 von sinen lügenden daz geschach.
der beide begunde fragen,
daz si im solde sagen,
wer ir daz gegeben bete.
9-'o vil ungerne si daz tete.
juncfrou Spange wart gewar
wol in dem nunden jar,
daz ir lip an nnderlaz
in vil grozen noten was.
925 noch mochte her nicht irtrinken,
noch in dem mere vorsinken.]
im was gegangen abe
trinken, ezzen unde ir habe,
930 daz her nicht mer gehaben mochte,
929 waz im zu spise tochte.
931 Oswalt want sine hende,
dem kile ginc her zu ende,
da stunt ein alter,
darufe gotes marter.
935 her sprach '^got von himelrich
irbarme dich hüte über mich,
mir dine hülfe sende,
ich furchte, min lip habe ehi ende,
o du rosenvarwez blut.
913] Dor mite her des corns vorgass O. 914. selbe feJilt O. 91.5"
fehlt W, foUjt auf 916 O. an sach O. 910. seyner tugent O.
917. czu fr. tVO. 9i20. vil fehlt O. 9^21. Vorpang O. 92^. w. i.]
Czw O. 923. daz] Do O. 924. vil fehlt O. 92-5. Doch O. 928
fehlt O. Brot tr. W. 929. vor SSO ff O. im fehlt IV. 930. daz
fehlt O. 932. Dem .«chiffe fV Den kyl O. ^inc her] her aus
ging O. 9.36. hüte fehlt O. 93S. lehnO.
36 Oswalds Überfahrt.
940 unser herre nim mich in dine hut!'
di clage horte der rabe ouch,
dem herren lier uf den arm floug,
her sprach Svaz gewirret dir
über herre daz sage mir!'
945 do sprach hinwider sinte Oswalt
'mine clage ist so manigfalt,
daz clage ich niman mere,
wan gote unserem herren,
ich weiz, waz ich dir sagen sei,
950 du weist iz selber wol.'
'daz nu dirz jemerlichen gat,
is sol werden gut rat:
gelobe herre an diser frist
an unsern herren Jesum Crist
955 dri tage in der wochen
vasten ungebrochen,
so daz du keiner hande wis
guter spise nicht embizt,
so wirt dir Marien kint
960 senden einen guten wint,
daz du komest zu lande
[zu vor Spangen], dar dir ist so bange.'
Oswalt des nicht enliz,
her tete, waz in der rabe hiz.
965 do quam ein vil guter wint,
der in zu lande brachte sint.
do her zu lande komen was,
940. unser] 0 O. czw deyn' O. 9452. Den O. uf] ouch uf W an
O. den arme slug O. 944. h. meyn O. 946 fehlt O. 948] Denn
got vnd seyner mutt' here O. 951] N\v ist es dir komerlichn
not O. 952. is] So O. wesin W dir werdn O. gutter O. 953. herre]
got W. der O. 955. in der] vnd derey O. 957] Das yn kayner
\v. O (vgl. 958). 95S] Gutter hande speysse O. 959. so] Do O.
mariam O. 962. v. Sp.] pang O. dar] do O noch der W. ist dir
ir. ande : O. 963. das W. 965. vil fehlt O. 966. swint : O.
967. dem 1. O.
Der Rabe meldet Oswalds Ankunft. 37
der rabe wart iii so laz,
zu der burc her hin floug
970 und darunder swebete ouch.
daz treip her also lange
biz di kuniginne vor Spange
sin da gewar wart.
der rabe so zart
975 floug durch ein fensterlin,
darunder saz ein kunigin
do einmuterleine,
bi ir was der meide keine.
do si den raben angesach,
980 si emptinc in unde sprach
'bis wilkora libez rebelin,
wo ist Oswalt der libe herre min?'
her sagete ir di mere,
wi her mit grozer swere,
985 mit not und mit sorgen grande
komen wer nu zu lande,
und daz groze ungemach,
daz im uf dem mere geschach.
['über rabe nu sage an,
S90 wo hat her di kile gelan?'
her sprach 'si sint irtrunken
unde in dem wilden mere vorsunken.'
si sprach 'so muz ich bliben hir,
vurwar daz geloube mir.'
995 her sprach 'edele juncfrou gut
968. was O. 969. hin] do O. 970. und fehlt O. Dar vmb O.
her auch O. 972. biz] Das W. di-Spange] iunchfraw pange O.
97.3. da fehlt O. 974 fehlt O. Des rabin W. 975. Her fl. W. 976.
dy W. 977. do] Nwr O. 979. an sach W. 981. bis fehlt O.
vil 1. W. 982. libe fehlt W. 9S.ö. noten O. 986. nu fehlt O.
987. daz groze] alles das O. 989] Sage über an O. 990. habt ir
O. schifle W. Ion O. 991. seyn IF. 992. unde fehlt O. der-
sunchken : O. 99.3. si spr. fehlt O. 99i. daz g. m.] sag ich dir O.
99.5. edele fehlt O.
3(S Der silberne Hirsch.
zware also ir is nicht entut!
und wo daz wurde vorgen
ich queuQG nimer dahin,
da man uch nimer nente
1000 oder uwern namen irkente,
ich queme ouch mit nichte dar,
wo ich uwer wurde gewar.'
si sprach 'liber rabe blip hi bi mir,
ich tu allez, daz Yip si dir.'
1005 her sprach: 'juncfrouwe min
ir sprecht alse ein zarte kunigin.
lat uch teufen balde,
daz wirt uwer salde,
davon uch werden eben
1010 alle uwere sunden vorgeben.]
si sprach 'ist her ein heilig man,
[min fridel] daz ich nicht gewizzen kan,
so heiz in biten sinen got
(daz her im helfe, das ist not)
1015 umbe ein hirz, daz sol sin,
1015^ daz sage ich dir, silberin,
1016 und fuwerrot guldin
1016''^ sol sin gehurn sin,
1017 der sol louien alzuhant
durch mines vater lant.
kan her den gehaben nicht
996. zware fehlt O. alz JV. is] ym O. 997. w. vorgan O vorginge If.
998] Ich quem nymer dann O Vnd do hen nymer qweme W. 999. ucli
nimmer] dich O. 1000. deynen O. 1001. kora O fehlt W. nichten If .
1003. lip liber W. hy] auch O. 1004. tu was behaget dir O. 1006. redt
O. zarte feJilt O. 1008. sulde : W schold : O. 1009] Do wirt von
euchgetrebin ff. 1010. Vnd a. ir. sunde W. 1011. heihger ni., nacJi-
träglich durch Strich verhunden Triieüig O. 1012. fr.] herr O. 1013.
haysl O. anbeten O. 1014. das ist] aus diser O. 1015. Und pitt
vm O. 1015^ daz-dir fehlt W. silberin zu 1015 W. 1016. tuwerrot]
darczu O. 1016^ fehlt W. Sol auch O. 1017. Das O. al fehlt
O. 1018. vatern iV vatters O. 1019. Mag O.
Der silberne Hirsch. 39
1020 von sines waren gotes pflicht,
so muz her gar sorclich
von hinne faren ane mich.'
der rabe saite im di mere
unde jo niman «-ere
1025 bezzer in alle der not
wan unser liber herre got
und di libe rauter sin,
aller sunder ein trosterin:
'ich rate uch allez sunder wan,
1030 ruft si mit ganzen truwen an.'
und her sagete ouch dabi
von dem hirzgewi,
wi daz solde getan sin
und wi der hirze loufen hin
1035 solde da alzuhant
durch ires vater laut:
'wo daz nicht geschieht,
so macht du ir gehaben nicht
und must in sorgen banden
1040 hinheim faren zu lande.'
Oswalt fil nider uf di kni,
her sprach 'got ich bin alhi
komen in sorgen unde in pin
herre durch den willen din:
1020. seyne (!) W. waren fehlt O. 1021. h' von hynne W [vgl. 1022).
gar fehlt O. vn sewb'lich : W. 1024. ja] ouch W. niman were
Zwierzina] nimande mere WO. 102.5. Bessz W. aller O. 1026.
vnsers fr. liber] libin »'/•('/;/< O. h'ren 7r. \{)'21.ö.\ fehlt W. 1028.
Allis W. 102'J. ich-allez] Ich rote euch allir W Vnd red mit ym O.
1030] Das her sy ryffe mit andacht an O. 1031. und fehlt O. ouch]
euch W. 1032] Wy der hyrse sey O. 1033] Der geton sulde seyn
O. 1034. w. d. hirze] wider O. liffe tF. 1035. da fehlt O. al
fehlt W. 1036. Loflen d. TV. vatters O. 103S. habin W. 1039.
an W. 1040] Varin heym wedir czu 1. W. 1041. nider fehlt O.
seyne O. 1042. got fehlt W. nw alhy W hy O [i-fß. 1105).
1043. yn grossen sorgen peyn O. 1044. herre] Nur O.
40 Der silberne Hirsch.
1045 hilf mir genediger got io46= [diner helfe ich begere,
1046 daz ich kome uz diser not loie^ das ich bitte, daz solt
1047 und gip mir zu diser fart du geweren.]
den hirz, also her mir befolhen wart,
laz mich nicht vorderben,
1050 darumbe Avil ich werben
zu einer kirchen dir,
1051^di dorfer helfen mir,
1052 also ich si allerbeste habe,
daz ich muge darabe
einen prister deste baz gehan
1055 unde in dime dinste bestan
williglichen zu aller zit:
an dir alle min trost lit.'
do her dise wort gesprach,
einen hirz her do vor im sach
1060 uz dem pardise
in alle der wise
unde in alle dem gebere,
übe iz ein engel were,
von silber und von golde,
1065 also got von himel wolde.
der hirz wunniglich
zu der burc machte sich
über berc unde über tal
lif der hirz uberal,
1070 her lif vil man ige fart.
1045. genediger] durch den werden W. J046. von O. diser fehlt
W. 1046 ab hinter 1046 O fehlen W. 1047. zu] icht O. fart]
frist W. 1048. als mir entpoten O. wart] ist W. lOöO. erben : O.
1051" fehlt W. 1052. beste ich sy O. 1053. muge ft-M O. 1054.
begee : O. 1055. dem O. ste : O. 1056. Willig O. 1059. hirz] engel
O. vor im fehlt O. 1060. Ap her aws W. 1061. Vnd yn W.
aller der O. 1062. alle fehlt O. 1063. ein heiliger e. W der
hirss O. 1066. Das der W. wunessleich O. 1069 vor 1068 O.
lif-hirz] Do vor liff her O. 1070. vil-fart] dar czw manigfalt O.
Die Burg doch verschlossen. 41
biz der beide ?in gewnr wart.
lier rif 'woluf alle luine dinstman,
ich se einen stolzen hirz stan,
den schönsten, so ich in i gesach!'
1075 ziihant daz volle ufbrach,
dem hirze volgeten do
wol drizig tusent man na.
zuhant uf der selbigen fart
di burc vaste geslozzen wart
lOSO gar wol unvordrozzen
mit zwe und sibenzig slozzen.
[in der selbigen stunde
der rabe aber begunde
sprechen mit der edelen mait,
10S5 her hup uf unde sait
ir di sweren mere,
wi di burc geslozzen Avere.
gar sere her si bat,
daz si selber gebe rat,
lotto wi .si ir fridel geneme,
daz si von der burc querae.
si sprach 'ist her ein heilig man,
also ich an dem hirze gesehen han
unde ein teil irkant wol,
1072. her rif fehlt O. mine d.J gemayne man O. 1073. dort
eyn hiresche O. 1074. den ich ye O. 1075. Das volk czvv
hant O. 1076. do] sy noch W. 1077. wol drizig] Drey O.
man] hayden O. vilnoch W. 1078] Noch der abefart O. 1079.
vaste] wider O [vgl. lOSO). 1080. gar] Vast O. 1083. aber
fehlt O. 1084. Czu spr. W Reden O. 1085. an O. 1086.
solche m. O. 1087. wi fehlt O. 1088. Vill stetiküch O. 1089.
geb selber O. 1090. ir fridel] czw yerem herren O. geneme]
were IT. 1091. Vnd IF. daz si von] Auss O. 1092. selig O. 1093.
Azo O) O Alz ir. gesehn, 'las h ou.'< n-Ansotz? W fehlt O. 1094.
unde fehlt O. t. hab ich O. Es fohjt in O (vor 109 r>): Eyn ding
her tuen sol.
42 Oswald betet um Öffnung der Burgschlösser.
1095 sinen got her biten sol,
claz sich di sloz ufslizen
[uf der burc], das mac her wol genizen,
geschieht daz von siner hande,
so fare ich mit im zu lande. ]
1100 do her di boteschaft vornam,
der rabe zu Oswalden quam,
her sagete im di mere,
daz di burc geslozzen were.
Oswalt uf di kni fil,
1105 her sprach 'got ich dich manen wil
1107 durch alle dine gute
1106 irfrewe min gemute,
gedenke liber herre min,
daz ich durch den willen din
1110 und durch rechte kuscheit,
geliten habe dise leit!
ich wil dir leisten di gäbe,
di ich dir gelobet habe
mit willen liber herre min
1115 din diner wil ich imer sin,
des laz mich herre genizen,
daz sich di sloz ufslizen
diser burc alle gemeine,
und daz ich kusche und reine
1120 mit der edelen kuniginne
1096. ufslizen] oberall O. 1097. An O. das-genizen] uff schlissen
Das mag her wol genyssen O. 1098. seynen handn O. 1099. Ich
vor mit O. 1100—1103 fehlen O. 1104 vil] vil nedir vor uf
W. 1105. her sprach fehlt O. dich manen wil] bin alhy ff.
1106 vor 1107 W. 1108. Bedenchk O. 1110. recht' W die r.
O. 1111] Dy du an mey hercze host geleth W. 1112. layste dir
O. 1115. wil vor sin W. 1116. Das O. herre fehlt O. 1117.
daz-sloz] Vnd los sich O. 1118. Dese Jf Dy O. borge schlos ge-
mayne O. 1119. und fehlt O.
Flucht.
balde muge komen von hinnc'
er her di wort uzgesprnch,
di sloz man alle offen sach.
alzuhant der rabe
1125 di juncfrouwen herabe
fürte bi der wizen hant,
da her sinen herren fant.
her antwurte sinem herren
di juncfroun mit grozen eren.
1130 sinte Oswalt alzuhant
sich juncfrou Spangen underwant,
her empfinc si frolich
unde umbegreif si liplich
mit den beiden armen sin,
1135 her kuste si an beide wengelin
[ane allen argen wan,
(vurbaz her si nimer an
gerurte zu keiner stunt)
her druct si an sin es herzen grünt,]
1140 her sprach 'der alle dinc hat
geschaffen mit siner majestat
1142 1 1 I [alle beiden!
...^„ der laze uns \... . ^
1142** I bliben wol gesunt
1143 [in rechter kuscheit vorscheiden]
1143 '^ nu und zu aller stunt!'
1144 ab stiz her den kil sin,
1145 hin fürte her di kunigin.
1121. mag O. 1122. er] Do O. das O. uz-] fehlt O 1123. alle
fehlt O. 1125. nam her abe : W. 112Ü. Do fürte h' sy W. 1127. s.
herren] oswalten O. 1 130. sinte /"p/?/^ O. 1131. sich /'«'äV)' TF. Jucfraw
Spange W vorprangen 0) O. 1133. vmfing sy frolich liplich : O.
1134. den fehlt O. 1135. 1). w.] yr nniiideleyn O. 1136. allen a.
w.] argen won allayn O. 1137 fehlt O. 11 38. Geruren O. 1139.
yeres O. grünt] muntli O. 1142. uns] vnd Jf. allen W fehlt O.
lU-I" fehlt fV hinter 114:i O. der-uns fehlt WO. 1143. rechter
fehlt O. 1143" fehlt W hinter 1142'' O. UU. den k.] das schiff
ir dy kvle O. 1145. k. feyn ff .
44 Zorn des Heiden.
sinte Oswalt der milde
uf des meres wilde
zuhant vol komen was,
do quam der beide unde drast
1150 mit dem hirzen guldin
und wolde den der tochter sin
vor übe baben gegeben:
si was im lip als sin leben.
do ber der tocbter nicbt e»fant,
1155 ein born nam her in di bant,
daz satzte ber an den munt
und blis, daz zu der selbigen stunt
daz born lutte, und bedutte daz
sinen zorn und sinen baz
1160 und sine groze grimmikeit,
di ber an di tocbter leit.
darna im binamen
drizig tusent beiden quaraen,
di da alle bi dem born
1165 wol irkanten sinen zorn.
di irbuten alle sieb
zu sinem dinste williglicb.
ber spracb 'ir berren gebet rat,
sint mir ein koufman bat
1170 wecgefurt di tocbter min,
daz muz mir imer leit sin
di wile icb lebe einen tac,
biz icb micb gereeben mac'
1146. sinle fehlt O. 1148. zuhant] Yczunde O. vol] woll O.
1149. do quam fehlt O. drast RoedUjer] dast W hrochte das O. 1150.
Des hyrsen gehyrne g. O. 11.51. es O. libin t. W {vgl. 1152). 1154.
dy TV. en fehlt WO. 11-55. dij seyn O. 1156. seynen O. 1157.
saXhv^en fehlt O. 1158. lutte und fehlt O. 1159. sinen] grymige W
(vgl.nioO). 1162. im bin.] alle samen TF. 1163. tusent ffM O. 1164.
da fehlt O. 1166. sich] gleich O. 1167. w.] sich O. 1169. kawffin
oder kawffm W kauffam O. 1170. hot dy O. 1171. imer fehlt
W. 1173. biz] Das O.
Verfolgung. 45
uz der samelunge her dn kos
1175 drizig tusent beiden groz,
di bi den selbigen jaren
under im di be.^ten waren,
dem beiden was vil ga 1179 '■ [mit alle dem gesinde
1179 her machte sich snelle »her volcte na gar ge-
hinna. swinde.]
1180 do juncfrou Spange gewar wart
ires vater nafart,
si ginc alzubant
da si Oswalden fant
zu des kiles ende,
1185 si kuste im sine bende,
1187 'jo', sprach si, 'über berre min
1186 groze übe muz gescheiden sin:
min vater hat irscbellet ein born,
daz bedutet sinen zorn,
1190 her ist ein f reissam man,
unde kumet her uns an,
her bringet uns in groze not,
nu bitte balde dinen got,
an den ich geren gelouben wil,
1195 daz her kume also vil
in drien tagen gefaren kan,
also wir bute haben getan.'
sinte Oswalt knite nider,
mit innikeit bette sider,
1200 her sprach 'bimelischer got
sich an mine groze not
1174. gern ayn O. kos] los O. 1175. Dreycen t. O. 1177] Dy beste
alle woren W. 1178. vil] so O. 1179] Das her sich machte noch O.
1179ab fehlen W. allem O. 1180] Vorpange wart gewar O. 1181.
Vaters WO. 1184. zu] An O. Schiffes W. 1185. kuste] post O.
1186] vor 1187 W Vnser lehn muss do hyn O. 1187. Eya über O
[vgl. 1188). 1188] Ja bore ich meynes vaters hörn O. 1189. bedewte
O. s. grossen O. 1193] An bete wir b. vnsern got W. 1195. komme
so O. 1197. Als O. 1199. h' sedir W. 1^00. ach h. O.
46 Entkommen durch Gebetwunder.
und gedenke ouch daran,
waz ich dir habe getan
williglich durch rechte reinikeit
1205 und umbe luter kuscheit.
ich wil dir leisten i di gäbe,
di ich dir gelobet habe,
unde ich 7vil ouch darzu
über vir wochen jo
1210 machen eine spende
mit mines selbes hende:
so wil ich alle di gewern,
di an mir icht begern
durch den willen din
1215 hilf uns herre uz diser pin
unde mache, daz min swer
bi drien tagen nimer her
an dise stat gefaren kan,
also wir hüte han getan.'
1220 do machte daz himelische kint,
daz do quam ein gut wint,
der hinderte den beiden,
daz her sich vaste leide
bedenken begunde darumbe,
1225 her für vil manige krumbe
unde manigen irren ganc,
daz machte im di wile lanc.
also quam sinte Oswalt
1203. Das O. 1204. wiU.] Noch O. 1205. luter] yr O. 1206. dir
leistin y W laysten dir O. 1208. ich wil ouch] ich ouch W auch
ich O. 1211. meynen seihest hende O. 1212. so fehlt O. be waren : O.
1215. herre fehlt O. von O. 1216. mache fehlt O. 1217. t. möge
W. 1218. dy W. 1219. Als O. 1221. ein g.j storm O. 1222.
Her W. 1223. sich fehlt O. 1224 Begunde her sich dar vm:
O. Czu b. W. dorynne: W. 1225. Hin her JV. für vil] sucht
O. 1228. sinte fehlt O.
Siej,' über die Heiden. 47
hinvur di straze mit gewalt
1220' [an einem suntage
° quam her von der habe]
1230 gefaren in sin eigen lant
und samelte sich alzuhant.
her brachte zusamene alsam
wol drizig tusent man.
an dem dritten tage do
1235 quam gefaren hinna
sin sweer der heide,
umb sine tochter was im leide,
mit drizig tusent recken
begunde her in schrecken.
1240 Oswalt hat drizig tusent man,
her begunde wider in stan.
stritUch si zusamene quamen,
di beiden grozen schaden namen,
ein teil wart irslagen,
1245 alse ich horte sagen,
daz ander teil irtranc,
in dem mere iz vorsanc,
gar ubele iz in irginc,
den beiden man selber vinc,
1250 sin lip und ouch sin leben
sinte Oswalt wart gegeben.
do liz her sinen swer
1229. Heym vor W Hyn wechk O. di sir. fehlt O. WI^b-^ fehlen
W. hage O. 1230. gefaren fehlt W. eigen] engel O. 1231.
al fehlt O. 1232. zus.] czu hoffe vor brachte W. sam
O. 1234. dreiczende W. do] doch O och W {vgl. 123.5). 123.5.
Do q. W Im q. O. gefaren hin] geuolget O. 1238. dreycen
O. 1239. her fehlt W. in sehr.] sich eyn srechken O sich wedir
sy czu streckin IV. 1240. hat drizig] vnd dreyczen O. 1241. her]
Ym O. in fehlt O. zu st. 1VO. 1242. Slreytikhchn O. si fehlt
WO. 1243. grozen fehlt O. 1244. wart yr O. 1247. Vnd O.
iz fehlt O. 1248. gar fehlt O. dem heidin ging W [i-gl. 1249).
1249. man s.] auch ym man O. 12.50] Her vnd seyne leiten O.
1251. sinte fehlt O.
48 Vision des gefangenen Heiden.
legen in einen kerker,
der da was gelegen
1255 gar nane bi dem wege,
da man hinvur muste gan,
gut was daz dem gefangen man.
eines nachtes daz geschach,
der engel zu im quam und sprach
1260 'lebest du noch du heidnischer man?
wi lange wilt du im unglouben stau?
du solt nu alhi sen,
waz gegeben wirt den,
di hi gote gedinet han
1265 und gute werc han getan,
ouch solt du gewar werden,
waz vordint han di uf erden,
di do lebeten wider got
und ni getaten sin gebot.'
1270 her begunde selber jen,
her weide iz geren sen.
do sach der geselle
nider in di helle.
da sach her ligen inne
1275 eine groze wolfinne,
di tufel stunden umbe di,
swefel und pech guzzen si
in den hals ane underlaz,
ir pin gar groz was
1280 von hitze, stänke unde rouch.
dabi stunt ein stul ouch.
1253. den O. 1255. gar n.] Nohen O. 1256. Dar vor man m. O.
1257] Is was gut das man fing den ma W. 1258. tages JF. 125'J.
heylige e. O. quam und fehlt O. 1260. noch fehlt O. 1262. nu
fehlt O. schawen : O. 1263. den frawen : O. 1264. hi fehlt O.
1266. gewiss O. 1267. dy auch Yordynen off O. 1268. lehn O.
1269. nicht tuen O. 1270. selber] s. czu W fehlt O. 1275. w.]
scher hayden O. 1276. sy : W. 1277. und fehlt O. sy yn sy : W.
1278. In czw dem h. eyn O. 1280] Vor h. vor gestanchk v. vor r. O.
Vision des gefangenen Heiden. 49
der lu'ide zuhaut fragete
und bat, daz her im .sagete
unde im tete offenbar,
1285 wes der stul were aldar
und waz daz mochte gesin
1287 di wolfinne in der hellen pin.
1287 " der engel im zuhaut
^ daz allez tete bekant,
1288 her sprach 'di wolfinne in der pin
1288'^ ist di husfrouwe din,
1289 so ist dt-r stul, geloube mir,
1290 her ist alda gesatzt dir.'
do her sach über sich
in daz hoe himelrich,
do wart her ge^var
dri stule offenbar
1295 stan bi Marien schone
an des hoen himels trone.
der beide in aber fragete
1298 und bat, daz her im sagete
1298'^ mule im tete offenbar,
1299 wes di dri stule weren aldar.
loOO her sprach 'der eine sol Oswalden sin,
der ander der tochter din,
der dritte mac wol werden dir,
wilt du anders volgen mir
unde wilt dich toufen lan
1305 unde got beten an.'
1285. aldar feJilf O. 1287. w.j teyfel O. hellen fehlt O. 1287 ab
fehlen W. 1288. di-pin fehlt W. 1288" 0U 128S W. ys ist W. frawe
O. 1280. and ir st. ir. gel. mir] gegebin dir »'. 1290. Der O. alda
fehlt O. 1291. Vnd sacli aber vber O. 1292. Aufit O. hoe fehlt O.
1294 zu 1293 n . Dreyer O. 1295. Stunden O. mariam O. 1296.
In O. hoen fehlt O. 1297. in fehlt O. 1298. und bat fehlt O.
i-2'.ib'' fehlt WO (igl. l-2>ii). 1299. Was IV. dri st.] auch O. aldar
fehlt HO (vfjl. 128Ö). Es folgt in O: Drey stul an alles gelere.
1.300. oswaldin sal W sol oswalles O. 1302. wol fehlt O.
Baesecke, Wiener Oswald. 4
50 Der Heide will sich taufen lassen.
der beide alzuhant do
sprach 'jo herre jo,
alle diner lere
wil ich williglich volgen geren.'
1310 des morgens, do iz tac wart,
juncfrou Spange mit der fart
begunde zu der kirchen gan,
do sach si ir vater und rif si an:
'tochter ga her und bore mich,
1315 mit truwen des bite ich dich:
mir ist hint vorkomen
wi ich habe vornomen
daz wunderliche mere,
wi ein guter got were,
1320 der wonet in dem himelrich.
wir haben geloubet torlich,
daz wir alle sunder wan
den tufel gebetet haben an:
ich habe irkant an diser frist,
1325 daz ein warer got ist.
nu vil libe tochter min
bite Oswalden den herren din,
daz her bite sinen got
umbe mine lute, di her hat
1330 irslagen unde irtrenket
unde in dem mere vorsenket,
daz her mir zu diser stunt
di mache lebendig und gesunt,
1306. al fehlt W. do] so O. 1307. sprach fehlt O. herre] gern O.
1308. Aller O. 1309] Volge ich dir herre gerne O. 1310. iz tac] das
W. 1311. Dy i. pange O. an W. 1313. Do sach ir vater O Ir vatir
sach sy W. 1314. höre m.] sich O. 1315. truwen] willen O. das W.
1316. hewte IV. 1317. wi ich] Vnd wy ich das W Vorwar ich O.
1318. daz fe/^Z^O. 1319. guter] aynig O. 13-21. ge glewbit W. 1323. Dy
O. habn yn g. O. 1324. in TF. der O. 1325. bite] betit W bete
den O. 1330. Dy her bot O [vgl. 1329). ertronchke : O. 1331. vor-
sonchkn : O. 1332. mir fehlt O. der O. 1333. Si O. mache fehlt 11\
Spange verhandelt für iliren Vater.
SO wil ieli mich toufen lan
1335 mit in und got beton an/
di iuncfrouwe vil fro wart,
hin lif si mit der fart,
si fant Oswalden an sirae gebete
(inniglichen her daz tete)
1340 vor dem cruze ;^i in ligen fant,
sin andacht was gote bekant,
den her stetigliche
bat umbe daz himelriche.
do her di juncfroun anr/^sach,
1345 zuchtigliche her zu ir sprach
'juncfrouwe w-az machet ir
vor mir, daz berichtet mir!
ir wizzet wol, was ich uch gebeten han.
daz ir state suUet ifstan
1350 in der kirchen und beten vil.'
1351 do sprach di edele kunigin
'herre mich hat der vater min
her zu dir gesant
und hat vaich so ho gemant:
1355 über herre ich bite dich,
daz du got von himelrich,
unsern herren Jesum Crist
umb sin volk bliest, daz tot ist,
bite, daz in daz leben
1360 Avider wirt gegeben,
so wil her lazen toufen sich
und wil an got gelouben von himelrich.'
[juncfrou daz vormac ich nicht,
ir tut denne gote rieht
1365 ein dinc, daz ist: uwer kuschelt
unde uwer luter reinikeit
1336—1465 fehlen O. 1344. an sach. 1347. vor mir zu 1346.
mir:] mich. 1348. stan. ISöl. edele fehlt, k. Bartsch] koni^ynne fej
(vgl. 118 «. 608). 13.54. Vnd her hot mir. genant. 13-08. do tot.
4*
52 Spanges Gelöbnis.
gelobet zu halden gote
ganz fru unde spate,
daz ir zu allen stunden
1370 kusche und rein wert funden,
so wil euch got von himelrich
diser bete geweren mich
an disen grozen sachen
sin Volk lebendig machen.'
1375 di juncfrouwe das fro was,
si sprach 'gote ich gelobe daz
und Marien der liben muter sin,
daz ich di kuscheit min
und mine reinikeit luterlich
1380 wil imer behalden ewiglich
State ane alles; gewanken
mit Worten und mit werken,
wo ich daz imer breche,
got daz an mir reche.'
1385 si sprach Über herre min
bite ouch vur di sele min
und di dinen den guten got,
vil gerne wil ich tun sin gebot
wo ich bin in weiden
1390 mit den wölken oder mit den winden,
mit den zu keiner stunt,
siner libe vorgizzet nimer der munt,
ich trinke oder ezze,
sin ich nimer vorgezze
1395 und der bitterw martir sin
und der jemerlichen pin,
di her an dem cruze leit,
und der grozen jamerkeit,
di sin libe muter leit,
1372. Dese. 1378. daz ich Bartsch] Dy ist W. 1381. allen. 1382.
werbin : mit Korrehtur b > k .^ 1388. tun v. Kraus] an W. 1390. den
wölken] dem volke. 1391. den hyden aus den hüden. 1395. dy bitter.
Erweckun^' der Heiden. 53
1400 unde ir groz ungemach,
do si ir kint hangen sacli
an dem cruze vil ho
geliche eime dibe also.']
'o vater himelischer got
1405 gedenke an den bittern tot,
den du lidest geduldiglich :
an disera gebete irhore mich:
ich dich bite hüte,
mache, daz dise lute
1410 wider muzen leben,
di hi dem tode sint gegeben.'
do her dise wort gesprach,
di lute man alle sach
lebendig bi dem uver stan,
1415 und begunden zu der burc gan:
zu der selbigen stunt
wurden si alle gesunt.
uf di burc quamen mere,
wi si alle lebendig weren.
1420 do si alle binamen
vor sinte Oswalt quamen,
her sande in sin lant
nach bischofeu alzuhant.
dl quamen her gefaren,
1425 drizen tusent ir waren
under im gesezzen.
her hate sich vormezzen,
si musten darzu tichten,
wi si di beiden machten cristen.
1430 di bischofe Oswaldus nam
unde ouch ire cappellan
touften zu dem selbigen mal
di beiden allcz uberal.
1400. irl seyn. 1424. di] Do.
54 Taufe, Heimfahrt der Heiden, Schluß.
darna nicht lange
1435 wart getoufet juncfrou Spange
unde ir vater, mit der fart
Johannes her geheizen wart.
di getonften alle
rifen uf mit schalle
1440 '^sinte Oswalt ist ein heilig man,
der diz wunder hat getan!'
Johannes do alzuhant
heim für in sin lant.
her Hz alunbescAeiden
1445 toufen drizig tusent heiden,
di sich nicht weiden toufen lan
und na rechtem gelouben stan,
di Hz her alle toten
in so jemerlichen noten,
1450 her Hz in gar wnsuzQ
binden hende und fuze
zusamene unde irtrenken
unde in daz mer vorsenken.
alhi hat daz buch ein ende.
1455 got uns sine hülfe sende!
ruft an sinte Oswalden,
1457 daz her uns in siner [i4ö8und zu dem kunige gut,
hüte behalde daz lier uns neme in sine hut]
1460 und bezzere unser leben,
so daz wir komen eben
zu im alle geliche
in gotes himelriche :
daz uns daz allez wei'de war,
1465 so sprechet alle amen offenbar!
1440. heilig' {vgl. 1011 d- 1092). 1442. DOhänes. 1444. alle vmb
steydin. 1446. toufen fehlt. 1450. unsuze Bartsch] uffte. Auf 1465
folgt: Et sie est finis, sp: mentitus es nimis. Danach zwei un-
leserliche Kritzelzeilen.
55
Anmerkungen und Nachweis
der besprochenen Stellen.
B. = Borte Dietrichs von Glatz ed. v. d. Hagen, Gesaml-
abenteuer IV, Nr. 20; Br. = Brandan ed. C. Schröder; J. v. Fr. =
Kruziger des Johannes von Frankenstein ed. Khull; L. Kr. :=
Ludwigs Kreuzzug ed. Rückert; Osp. = Osterspiel ed. Hoffmann
von Fallersleben, Fundgruben H.
1—6. S. LXXVHI.
ü. ber/eren 0 findet sicli ver-
sprengt und sinnlos in V. 8
■wieder: das Wort wird als Reim-
besserungsvorschlag in *W0 am
Rande ^'estanden haben. Die
gleiche Anderuns, claqe^ clageti,
Ö 608. Vgl. S. LXIV.
?,. S. LXXXVII. 5. S. LXXXVII.
8. im Vgl. .543, auch 1:>90.
11. W verstand also hegan als
Präteritum. Vgl.
Dirre selige Wentzezlahe,
vil ich doch rede von im habe
Von moniger icerche, tilgende tat,
4He er vf von Icinde gewercket hat,
Die iril ich hie lazen nv L. Kr.
55 16.
12—20. S. LXXVnif.
20. icorden 0 hat nur gra-
phische Bedeutung (vgl. 173. 257.
270. 341. 837 und namentlich
<3en Reim irordFi : foren 823),
denn dafi 0 nicht werdeti für
Wesen einzuführen beabsichtigt,
scheint aus 27. 883. '.)68 zu
folgen. Auch worn = inirden
W 67 halte ich für graphisch;
vgl. 294 und dagegen 952.
27. Waz so ringe geriten was
mit bogen sneJ, vz er die las,
Gesvndert von der fursten her,
tvsent die waren vh noch mer
L. Kr. 1.544, vgl. 112.
28. S. LXIX. 31 ff. S. LXXIX.
34. tmg WO erklärt sich wohl
aus falscher Auflösung von trüge
*W0, das, nach Apokopierung
in hotiig WO 23, als Singular
aufgefaßt wurde: über solches
epithetische e im Präteritum s.
Rückert S. 218 f. und 2.56 f.
Vgl. S. LXX.
37. S. XXVI. 39. S. XLIV.
40 «-C. S. XXVII f. und LXII f.
41 ff. S. LXXXV. 43a-e. S.
XXVHf. und LXII f.
43 b. alle nach W 575. 621.
800. 1025. 1308.
43 c. S. LXVin.
43 d. Die sw. Form von zinne
wird erst von 0 eingeführt sein :
vgl. 636, auch 739.
43 c. inne WO 740. 220. 754.
1274.
45 ff. S. LXXXV. 45. S. XXV.
48. S. XXXVII.
49. zicti] Rückert S. 44, zu :
56 Anmerkungen und Nachweis der besprochenen Stellen.
zwu Osp. 319. 27; Verdrängung
durch zwe Rückert S. 249.
50. das (und was) schreibe ich,
dem schlesischen Dialekte ent-
sprechend, für mhd. des, wenn
auch die nichtschlesiscbe Hand-
schrift O das a hat. Die Form
zeigt dann besonders deutlich,
wie die alten genitivischen Kon-
struktionen in akkusativische über-
gehen. Für mhd. daz schreibe
ich daz. Vgl. 305 A.
55/56. S. XXXIII f. 65—80. S.
XXXII und LXIIf.
67. worn] 20 A. Vgl. S. LXI.
69. S. XLVII.
70. ein O beweist, daß knechte
schon in *W0 apokopiert war.
77. S. XXV. 81. S. LXI. 8.5/86.
S. XXXIII f. 90—92. S. XXVIII
und XXXIII f. 90. S. LXIIf.
94. S. XXIV. 97/98. S. LXXIX.
105-7. S. LXXIX.
106. si—di] Vgl. 594 und Waz
ir ffenas, der Sarracin, die fluhen
L. Kr. 6970.
108. S. XXVIII.
109. Daß W 108 noch vor-
fand, folgt etwa aus iz dunket
wol nvtze ivesen wich L. Kr. 2437,
■ivaz ob ich nv vch nvtzes rates
hin da tzv L. Kr. 5818.
111. S. XX VL
118. Die Lesart von 0 ist
wegen 608 und 1 1 45 übernommen.
Überdies zeigt das Aufgeben des
Reims, daß sie nicht erst von
0 herrührt.
119f. S. XLIV. 123/24. S. XXX
und LXin. 123. S. XLVIII. 127.
S. XXV. 1.35—46. S. LXXIX.
135— 36 a. s. XXL
140. Vgl. 8 A; ich habe das
lier W im Nebensatze niclit nach
Analogie der Hauptsätze auf-
zunehmen gewagt: VV wird den
Vers zuerst als Parenthese auf-
gefaßt haben.
145/46. S. XLVIII. 147— .58.
S. XXVni und LXIIL 151 ff. S.
XXI. 1.55/56. S. XLVm. 157.
S. LXni. 1.59. S. XXVm. 166f.
S. LXXL 167. S. XXV. 171—81.
S. XXX. 171—78. S. XLVni und
LXII f.
187 ff., Zusatz: vgl.
Da namen die Sarracin
von im henden izwei ringerlin,
Dem boten gaben sie die
vf ein ivaiizeichen L. Kr. 5286.
Vgl. S. XXVIII und LXIIf.
191 -95. S. LXXIX f. 196—98.
S. LXXX.
197. Ich schreibe floug. indem
ich g als Spirans verstehe, und
bezeichne damit die Vermischung
von mhd. -ßouc und flöch, die
die Reime 914. 941. 969 (: ouch)
und der Wandel fligen > fiien
(= flien <i flihen) verraten;
Muta des Inlauts pflegt im
Schlesischen nicht auslautend zu
Spirans zu werden. W sehreibt
gewöhnlich flien flog, daneben
fligen, floch; 638 flewch.
205. Ad" ^= oder 0 könnte
den Beginn eines Glossierungs-
versuches bezeichnen. \s\. S.
LXIV.
206. S. LXIX.
lO^.gevormiret] Vgl. 602 u. 610.
Die Mißanwendung des Fremd-
wortes scheint mir charakteri-
stisch, schon aus dem Originale,
nicht erst aus "^WO herzuleiten.
(Das naheliegende vorwiret würde
den Sinn auch nicht treffen.)
W weicht hier aus zu floriref
(vgl. Borte 654, L. Kr. 1835),
V. 602 zu ror en legin, womit
zugleicii verraten wird, daß *W0
r, nicht f im Anlaut schrieb und
die Pronominalform in ge-
brauchte: in der Handschrift
glich i>i und wurde danach in
en umgesetzt.
216. laut] Die alte Pluralbil-
dung des Neutrums ist erhalten,
vgl. 433. 457. 506 etc., und es
ist kein Grund sie als unschlesisch
Anmerkungen uiul Nachweis der besprochenen Stellen. 57
anzusehen, wenn das alte schle-
sische Fsalterium sie anwendet:
Rückert S. 'J3i>.
-2:22. S. XLIII. 221. S. XIX.
22.-1. S. LXX. 22() ir. y. LXXX
und LXXXV.
229. 'J8Ö. grande] Zu den
wenigen Belegen der Wörter-
bücher (j. Tit., ßeheim, Jerosch.)
tritt noch J. v. Fr. 80.58: daz
st den gahjen (Hs: des galges)
granden im iif den nicke hnnden.
Da haben wir dieselbe Reim-
stellung des Adjektivs nach dem
Substantiv wie hier.
240. S. XLI. 241. .S. XL.
244 ff. S. LXXXV. 247—59. S.
XXXI und LXII f. 248 f. S. XXL
249. S. XXXYL 256—62. S.
LXVIIL
258. mit golde durchslac/en ist
zwar I (342) und II gemeinsam,
kommt aber auch sonst in schlesi-
schen Gedichten vor: B. 657,
520 fif.
264. S. XXXVI.
281. sorcsam > sordirh WJ
Vgl. Haupt zu Engelhard 1185
und oben S. XLIX.
286. Vgl. 27 A.
289. Zwierzina bevorzugt die
Lesart von W, indem er min
eben D. Wb. III. 8 {eben = quitt)
als 'Revanche' versteht. Ich
habe sie nur deshalb nicht ein-
gesetzt, weil ich diese Bedeutung
sonst nirgends bezeugt finde.
291—96. XLVIL
294. Vgl. 20 A., S. XXVIII und
.><. LXIIf. 295ah S. XXVIII.
o05. dgs W zeigt, daß *W0
hier noch des hatte, nicht mit
der schlesischen Lautwandlung,
die zugleich den Genitiv zum
Akkusativ macht, das; vgl. 963.
Kür II 691 folgt daraus nichts.
Vgl. die Anm. zu .50.
.317-24. S. XXXI, XLVIII und
LXIIf.
317. daz tet got allez um daz,
daz erz gelonbete deste baz Br. 209,
ditz geschach nmme daz J. v.
Fr. 4371. Vgl. S. LXL
318. maz, Speise, ist zum
Femininum geworden durch An-
lehnung an mäze; daher auch
die Schreibung mit o in W. Vgl.
Si" foiden bireit cleinez maz,
shire was v'tzeret daz L. Kr. 2378.
323. aschenbrodele = Küchen-
junge: DWb. L 581.
327. brachte] die frowcen
habent ez also hrdht
daz ir von rehte wirt geddht
in der vordersten zal
siru gnoter icibe m'rdet tval Erec
7778, vgl. Iwein 2652 und Anm.
dazu: DWb. II. 3S6. 7.
332. mere, ui-irere ist auch
die gewöhnliche Wendung in
L. Kr. 4SI. 620 u. ö.. vgl. 7184.
3.34. S. XXXVI. 342 ab. s. XXXI.
342a. Vgl. 317 A. und S. XLVIII
und LXIII. 343 ff. S. LXXX.
346 a—f rühren nicht erst von
Ober: wiegen der Verstümmlung
des Reimes 346 c, wegen trugen :
fingen, wegen czen.
346 a. guter ^= franz. coiiltre,
dieselbe Form Boner 48. 27. ein
Jcroi) ist Glosse. Daß man die
kulter so trägt, siehe aus Parz.
549. 28, 627. .30, Willeh. 244. 10.
Vgl. S. LXIV.
346 <?. her furit von gulde eijn
[adelor
von Jconiglichem stamme vor u:ar
Schles. Gedicht von 144(5, ZfdA.
.50. 203 Str. 2. Ich habe danach
die starke Form adelare und
also unreinen Reim angesetzt :
0 kann insofern nicht Zeuge
sein, als da der Reim ganz auf-
gegeben ist Cadler).
351 ff. S. LXXXV. .3.52. S. XXV.
362. S. XXXVI.
371. des kam der vinsfer aar
geschieht von wunderlichen sachen
(hl der natüren machen .1. v. Fr.
9860, vgl.
58 Anmerkungen und Nachweis der besprochenen Stellen.
die voglin von den saclien
begnnden doene machen B. 347.
374. und zur Einleitung der
Frage, 661 zur Einleitung des
Nebensatzes, 653 und 72ü ab-
schliefaend: vgl. v. Kraus ZfdA.
44. 149 ff.
375/76. S. LXXII. 381 ff. S.
LXXXV.
385. so si = quam, 1052. also si
= quos, 1074. so in = quem:
vgl. DWb. X. 1. 380 ff. unter so
D2) und die Anm. zu V. 420.
389—402. S. XXXII und LXII.
395 und 487. Der Reim ist
zu verstehen als sält'g : lädig.
Vgl. Rückert S. 23 ff., v. Un-
werth §§ 8. 24 f., salinen L. Kr.
7169, salicheit 7457, salichlich
7.500.
396. Daß nicht mit Bartsch
aynig 0 = mhd. aenic aufzu-
nehmen ist, zeigt 488: da ist
es noch erkennbar, daß dem
Änderungsversuch von 0 ein
ledig zugrunde liest. Vgl. ledic
L. Kr. 2727. 5276^ 7045 und
daz er im wurde genedic
und dar nach in Uze ledic J. v.
Fr. 6565.
409—32. S. XXXII, LXII f. und
LXVIf. 411 ff. S. XLVlIIf.
412. tilgen AVJ Wenn hier II
das n der Endung noch bewahrt,
wird man es überall ansetzen
dürfen: vgl. 38. 54. 562 etc.
(Rückert S. 237), der Reim iunc-
frouwen : schouiven 335 würde zum
Beweise nicht ausi-eichen: s. S.
LVII und die Anm. zu 1387.
413 f. S. XLVII.
420. 763. so = se? Oder ge-
hört das .so (wie beim Indefinitum)
zum Pronomen? Vgl. das aus
so + Personalpronomen zu-
sammengesetzte Relativum : Anm.
zu 385.
423. vorturhe W ist die schle-
sische Form, die wir *W02 wohl
schon zutrauen dürfen.
428. nicht Pfeiffer icht W.
431. Derselbe Reim L. Kr. 8076.
441 ff. S. LXXXV. 447/48. S.
XXXII. 450 ff'. S. XXXIII t.
454—63. S. LXXIX.
458. min\ Ich habe, zweifelnd,
die mhd. Flexion des Pronomens
durchgeführt. W bietet hier
meyne, 668. 1341. 1399 seine.
Vielleicht ist Seyti clagen 0 668
aus sin clage hervorgegangen.
458 a-c. s. XXVIII und LXII f.
461. iz] Vgl. 492 a und 997.
469-88. S. XXXI, XLVIII und
LXII f. 474b. S. XXIV. 479.
S. XXV.
484. emgheit W] Ich schreibe
immer -ikeit nach dem Befunde
von V. 175. 484. 1199. 1204.
1366.
487/88. Vgl. 395 und 396 A.
512. waz wird übergeschriebene
Glosse zu icht 513 (s.S. XXIVj ge-
wesen sein. Daher geriet es nach
V. 512, in W sinnlos, in 0 als
Vorschlag, die Frage Spanges
anders zu wenden. Vsrl. S. LXIV.
520-23. S. XXXII f. 520. S.
LXm. 522f. S. XLVIL 524. S.
LXI. 528/29. S. XXVIII und
LXII f. 530—33.1. s. XXYIII und
LXIII.
531 a. wider sehört zu sendet.
536/37. S. XIX. 540—53. S.
XXXIII und LXII f. 541-51.8.
XLVI f.
543. iz] Vgl. 8. 103. 177.
544. Er wirt nimmer erslagen
er mak nimmer verzagen,
Er gesiget ze aller ztt,
swen er rttet an den strit,
Vor riuwer, wazzer ist er guof
B. 311.
545. Beide üf loazzer und uf
wegen Mai 203. 2.
548. 1364. rieht] Die mhd.
Wörterbücher belegen in modaler
Bedeutung nur ein gerihte
(gerihte : trüste Oreudel 1813):
'geradezu', 'in Wahrheit'. In
Aiimerkuiv-^cn und Nachweis der besprochenen Stellen.
59
A'. lot)4 nähert sich rieht der
Bedeutunj;:, die das DWb. unter
rieht aus dem deutschen Ariost
Dietrichs vom Werder ver-
zeichnet: = ital. immantinente.
Ein modales rieht hat auch das
DWb. nicht.
Ö50. Vo)i er^t als er was
kioJten dar. der eheyser horte
in gerne gar L. Kr. 3(J6i2.
554—50. S. LXXIII.
56U. 657. SS!2. 901. des tvildes
meres] Nur in dieser Verbindung
findet sich (abgesehen vom Akk.
Sing, des Fem., darüber die Anm.zu
Y. 1387) das starke Adjektiv nach
bestimmtem Artikel (dagegen J.
V. Fr. ed. Khull S. 348, Rückert
S. 244). Sie scheint mir bei
dieser Art der Vereinzelung durch
WO 657, W 5G0, 0 882 für
*^V0, gesichert und in 901 gegen
WO herzustellen: es ist eine
kunstniäßig feste und fremde
Forsiel, die noch aus *MW
stammt und im Münchener Os-
wald noch von M (576 und 1206)
bewahrt ist, während JSsß wilden
schreiben (576. 3223. 3291. 3495).
Für *W02 t'ilt natürlich der
Schlufj aus 460 und 882 nicht,
ich scbreibe aber wildes 890
wegen diser gar ninder 78.
561. 6.33. i209. Diese jo des
Reimes, von beiden Schreibern
angefochten, sind, wie ein Ver-
gleich der drei Stellen ergibt,
gleichwohl echt. (Ähnlich Br. 40:
darnach vant er, wie Judas
genuzze gotes gute so,
daz er genäde hette iö
des samentages nahtes.) Dali ins-
besondre W nicht die Wort-
fügung, nur den Reim auf n
meidet, zeigt 123.
.564 f. .S. XX VIII f. und LXII f.
564«. swaz er strichet daz
ist wiir daz ir geloubet äne vär
J. V. Fr. 10945.
570-73. S. XXVlIIf.
•570. schieken ^= 'einordnen"'
in absolutem Gebrauch (hier:
ohne sich) kann ich sonst nicht
belegen; vgl. V. 794. Vielleicht
hat die Liicke die Konstruktion
zerstört. sich schicken L. Kr.
4088. 5627. 7187.
571. S. LXXIV. 572/73. S.
LXII f. 576f. S. XXI. 585-619.
S. LXXIX.
,594. Vgl. 106 A. .598/99. S.LXX.
602. Vgl. 208 A und S. LXIX.
610 f. S. XLIV.
610. (Vgl. 208 A.) margariten-
stein ist zwar in den Wörter-
büchern nicht belegt, und ein
Terlenstein' scheint ein Unding.
Ich bessere nicht (margartten :
gesmide Bartsch und v. Kraus
mit t : d), weil solciie Fremdwort-
klänge mit verschwommener Be-
deutung charakteristisch für
Bildung und Geschmack sind
(vgl. vormiret 208 A., pur per 303)
und der Dichter hier wohl Edel-
steine, nicht Perlen meint: dafür
hat er den Ausdruck uxizzcrperlin
608. Was die Reimfügung be-
trifft, vgl. L. Kr. 1472:
Sin heim getzieret reine
mit manigem Hechten steine.
612 f. S. XLIV. 622. S. LXIX.
625. ir entnehme ich aus
seyn'' W.
629. Gewunden Pfeiffer, Be-
wunden W.
635 ff. S. LXXXV. 639. S.
XXVII.
643. Der MO. berichtet vom
zehnten Tage (619. 1194, S.
249), den elften hat WO mit Bi .
1419 gemein:
Der kiel mäste vor sich gän
biz an den eilften morgen.
648. Die Lesart kauffam 0 ist
wohl nicht zufällig: vgl. kauffin
W kauffam O 1169 (konfman
801). Ist es eine Analogiebildung
zu dem Paare kretscham kretsch-
man, bei dem auch die Bedeu-
60
Anmerkungen und Nachweis der besprochenen Stellen.
tungen in einander übergehnV
Vgl. DWb. V unter Kretschmann
2) und Kretschmar 2).
650 ff. S. XXI und LXXXV.
653. und] Vgl. 374 A.
657. Vgl. .560 A. 659—701. S.
XXIX f. 659—99. S. LXII f.
661—64. S. XXI.
661. lind] Vgl. 374 A.
669 ff. S. XXI.
671. 1007. Der Reim ist im
Schlesischen rein : v. Unwerth
§ 24f., § 1. 3, Rückert S. 24.
L. Kr. schreibt (im Versinnern)
Salden V. 462. 2529. 7752; desgl.
das thüringische Leben des Hl.
Ludwig (ed. Rückert S. 158),
Herbort v. Fritzlar reimt V. 6771
Salden : nalden {^= Nadel). Vgl.
die Aum. zu .395.
680. S. LXVII. 685. S. XXVI
und LXV. 691. Vgl 305 A.
692—94. s. LXVII. 700. S. LXXX.
703—16. S. XXXI und LXII f.
708. geicest nach 171. 751;
vgl. Rückert S. 264. Vgl. S. LXV.
717.S.LXL 720— 34. S. LXXX.
720. und] Vgl. 374 A.
729. S. XX. 731 tL S. LXXXVI.
7.34. S. LXIX.
737. das W mußte fallen wegen
hiz AVO 734. 1071, vgh 453 und
sint daz 14.
748. S. XXX und LXE.
750. wilkom] Die Kurzform
ist (zur Erleid iterung des
Verses) eingesetzt nach icükom
W willekom 0 981.
751 . Wo bistu gewest so lange ?
Xach dir was uns gar hange
Osp. 305. 15. Vd. 962 A.
762. S. XXV.
763. Vgl. 420 A. 776. S. XXVII.
779/80. S. XXXHI und LXH f.
779. S. XXX.
780. lag] g zur Bezeichnung
des spirantisclien Lautes. Es ist
einer der nichtschlesischen Reime.
Vgl. 197 A.
781. nv rit, vu la dir ivesn
qacJi, Als ich icese liep dir L. Kr.
7783.
782. S. LXI.
793. blicken lazen in nhd.
Sinne kann ich mhd. nicht be-
legen, hicken v. Kraus; inclien
im Mhd. (böhmisch-mährischen)
Wörterbuch von Jehnek S. 1022.
794. Vgl. 570 A.
796. Zur Ergänzung etwa:
nv waren des lanfgraven scJiif
Vf dem mer, als er die vher bracht
liet rn richlich bidacJit
Mit kost in tves man dürfte dar
tzv L. Kr. 873.
797/98. S. XXVni f. und LXII.
803. S. LXIX. 806. \s\. 1199 A.
807 ff. S. XXL
808. Das Reimwort war schon
in *W0 verdorben, wohl durch
Korrekturen (o : a!) entstellt.
Ein Rest davon ist Sichk 0 809
(<C schicken, das 0 sichken
schreibt). W deutete (es ist
nicht Reimverbesserung!) dor
eijn legin , O ließ lieber
gleich den Vers aus. Dafs W
nicht das Ursprüngliche, nur eine
Erklärung liefert, folgt aus dor
eijn 809 (nach Dor eijn 808) und
übrigens ist unvorzogen, darauf
weder legeyi noch schicken reimt,
durch WO für 808 gesichert;
auch unvorzigen (Bartsch) gäbe
keinen möglichen Reim. Vgl.
1199 A.
818. S. XXVI.
823. bereit ist Partizip: 'be-
redet' oder 'bereitet'.
832 a. s. XXX, XLVm und
LXin. 835 f. S. LXXV. 837.
S. LXIX.
847. mere : scheiifaere Osp. 331.
13 (Herren : e?'en 331. 27), sere :
dienaere: Assenheimaere Schles.
Gedicht von 1446 ZfdA. 50. 203
Str. 4. Vgl. J. V. Fr. S. 350. Ein
papierner Reim.
849. S. XXVII.
877. fare Pfeiffer, vare W.
Aiimerkuii|j:cn und Nachweis der besprochenen Stellen. tU
881. V^l. 11'.»'.) A.
88:2. wilt war nach 5G0. <i."i7.
901 (660. 890) aufzunehmen.
Vgl. 560 A.
884. S. LXX. 885-98. S.
XXXIII und LXII. 885—89.
S. XVII.
885 f. Vgl. Berger zu Orendel 98.
887. Hier mußte die mundart-
liche Form hinide auch im Schritt-
bilde festgehalten werden, weil
in II die Übereinstimmung des
dialektfremden 0 mit W unmittel-
bar für die Schrei])ung des Ver-
fassers *W02 beweist. Daß er
daneben die gemeine Form hange
hatte, zeigt 667. In I haben wir
bange WO 360, bange W ande
O 'J62, also keinen Nachweis
eines bände des Archetypus,
noch weniger des Originals:
bange : lande wird (wie jo : nu
u. a.) trotz dialektisclier Reinheit
für den Dichter ein kunstmälsig
unreiner Reim gewesen sein.
Vgl. S. LXV.
890. Vgl. 560 A. 895—98.
S. LXMIf. 898. S. XXIV. 901.
Vgl. 560 A. 905—26. S. XXXIII
und LXIIf.
907. Vgl 122.3 und
ir banyre vil von speJiem snite,
Als si in der heften irdacht L.
Kr. 1361.
911—16. S. XLVIII. 914—16.
S. LXVIII.
923. lij) = mhd. liep.
929/30 habe ich gegen WO
umgestellt, weil im 929 nicht auf
ir 928 folgen kann, so aber in
her 930 eine Beziehung erhält.
V. 929 Cs2)ise) ist nach 928
(trinken, ezzen) sinnlos, mit V.
930 gibt er eine Erklärung von
928 (habe-gehaben); vgl. L. Kr.
2686: zwei Sarjande reiten in
die Nähe des Feindes: die suchen
habe ob sie iht gebrechen abe
Mohten den vienden. Vgl. S. LXX.
933. S. LXXXV.
939. i'iz dineni herzen giizz dii
daz rosemarbe bUit J. v. Fr. 10704.
947. niiniandeW] Ich setze nach
V. 872 die flexionslose Form des
Dativs. Wenn in V. 1024 riciitig
were für mere konjiziert ist, so
hat auch dort W eine flektierte
Form [njimaiide Dativ) aus der
unflektierten {niman Nominativ)
gemacht.
949. weiz = enweiz; vgl. Gr.
Gr. III. 40. 725. 744 und V. 423.
952. Das unflektierte gut (O :
gutter) auch Br. 866 : so mac din
jverden gut rat. Vgl. 20 A.
957—66. S. LXXXV.
958. Zu embizt Rückert S. 251 f.
962. zjt vor Spangen: dar ist un-
verständlich geworden: vgl. 651;
Osp. 305. 15 f. ist der Vers ohne
die Glosse erhalten: vgl. 751 A.
970. Vgl. 1199 A.
972. Das W < Bas = biz, so
734. 1071, vgl. 1173 A. Vgl.
S. LXIX.
973—75. S. LXXV.
977. einmuterleine, unbelegt,
= eine -\- nmter -\- aleine, das
doppelte eine noch durch muter
und al verstärkt.
982. S. XXV. 989—1012. S.
XXX f. 989-1010. S. LXIIf.
991/92. S. LXVIII.
996. is] Der Genitiv ist noch
j--efühlt: vgl. 1038. 1154.
997—1002. S. XLVII.
997/98. In V. 998 sind WO ge-
meinsam die Worte nimer queme ;
0 hat die erforderliche Nachsatz-
stellung erhalten, während W,
wie V. 219, das Reimwort um-
ordnet; Vnd W stammt also
aus 997 und dann O, das nicht
aus der Vorlage herrührt — deim
*W0.2 würde dannen (: gen!)
schreiben — entspricht dem do
hen W, das der Sinn verlangt.
In 997 ist, abgesehen von den
drei ersten Worten das Konjunk-
tivische des Verbums durch WO.
62 Anmerkungen und Nachweis der besprochenen Stellen.
die von 0 dargebotene Um-
schreibung mit Hilfsverb durch
492» gesichert. Demnach ist, da
*W0.2 gän nicht kennt, gen durch
den schlesischen Reim auf 7i/n ge-
geben, gesprochen gin (.-/n/i: da-
her die Änderung vorgin-ge :
liin-ne naheliegend). W ändert
weil ihm der Reim unrein
(gm : hen) oder die Wendung
vorgen ungeläufig war: vgl. die
Auslassung von 492 a. Auch
Osp. 3ü8. 13 reimt dahin :
sten. Der Sinn der Stelle
ist: 'Wenn das geschähe, so
käme ich nimmer dahin, wo man
Euch jemals nennte oder Euren
Namen kennte, ich käme auch
durchaus nicht dahin, wo ich
Euer gewahr würde', bündiger:
'Oder Ihr seht mich niemals
Avieder !' Vgl. Kudr. 399 ! V. 1001
ist also 998 parallel und die
beste Stütze unsrer Lesuna:.
1007. Vgl. 671 A und S.^LXI.
1009. getrebin W ist durch
schtdde 1008 veranlaßt. Vgl. S.
XIX f.
lOllff.S.LXlII. 1013.S.LXIX.
1015. Hirsch ist stark flektiert
V. 1048. 10.59. 1073. 1093; dazu
die Nominativform ohne e 1066
und die Komposition hirzgewi
1032. Schwache Flexion V. 1150,
dazu der Nominativ mit e V. 1034
(der hijrse 0 1032 beweist nicht
wegen des Akk. hiresche O 1073).
Ich habe also beide Deklinationen
bestehen lassen. Hier wird man
eine merkwürdige dritte an-
nehmen müssen : hirz st. N. Denn
daz sol sin 0 ist, wie das
parallele sol sin WO 1016 a zeigt,
kaum als Füllsel und Parenthese
aufzufassen, und beide Hand-
schriften bieten ein, nicht einen
wie 1059. 1073. Immerhin bleibt
bei meinem Texte auch diese
Auffassung offen (einen, Klammer
vor rfa^l015undhinterc?«- 1015 a).
1018. 1181. vcder schreibe ich
nach 1036. vaters *\N0^ 171.
1024. Die Konjektur von Zmer-
zina ist mir nicht sehr wahr-
scheinlich, aber besser, als was
ich vorschlagen könnte. Zu er-
gänzen wäre saite aus 1023; V.
1025 — 28 wären indirekte Rede,
und die hätte, samt ihrem plötz-
lichen Übergang zu direkter, an
V. 1033 — 36 eine deutliche und
stützende Parallele. Die An-
führungshäkchen zerstören eigent-
lich das Schweben zwischen
beiden Redeformen, der drei-
fache Wechsel ist unmerklicher,
als es so aussieht.
1035. S. XXIV. 1042 ff". S.
LXXXV. 1046 ab. s. XXXI und
XLVH. 1052. Vd. 385 A. und
S. XCVIII. 1055. S. LXIX.
1066—71. S. XLVII.
1071. das Pfeiff"er, Bas W.
Vgl. 737 und 972 A.
1074. VgL 385 A. 1076 f. S.
LXXXV.
1076. do : 110 0 wird gestützt
durch da : na L. Kr. 259. 8142.
1078f. S. LXXVf. 1082—1103.
S. XXXI f. 1082—99. S. LXHf.
1 090. geneme ist weder von W
noch von 0 richtig als Verbal-
form (genaeme) erkannt. Vgl. ge-
neme (Adj.!): queme L. Kr. 4980.
1092/93 *W02 mit Beziehung
auf 1011/12 *W0i.
1093. S. XXIV. 1094 ff. S. XXI.
1097. S. LXIV. 1104 ff'. S. LXXVl.
1 1 1 2 f. S. LXXXV. 1 1 1 6. S. LXIX.
1136—39. S. XXXIII und LXH.
1141. geschephet und volbrächt
von diner höen maiestät J. v.
Fr. 48.
1 142-43 a, S. XXX und LXIIf.
1142. S. XLVIII. 1144. S. LXI.
1 155 ff. 1 186/88. Daf3 das heid-
nische Hörn und seine Wunder-
barkeit feste Vorstellungen sind
(S. LXXVI) zeigt auch die formel-
hafte Verbindung in L. Kr. 1383:
Anmerkungen und Nachweis der besprochenen Stellen.
63
ir ilones hei Irshalten da nianic
heidenish hörn.
11 58. S. XXXVII.
1173. Das 0 zeigt, daß schon
*W0 die dialektische Form bas
für biz schrieb; vgl. die Anm.
zu 737 und 97:2. V. 117:2 ist Aus-
führung des imer von 1171, ist
nicht mit 0 auf 1 173 zu beziehen.
Vgl. S. LXIX.
1179. hernach Pfeiffer, he-
noch W.
11791b s. XXXII, XLVII und
LXII f.
1179a alle] Vgl. 43 b A.
1181. rater] Vgl. 1018 A.
118.5. S. LXIX.
118f). 0 verstand lieji als lip
und änderte darum (vgl. S. XXV) r
*W0 schrieb also Mono-
phthongen.
grözer Übe schint hi schöne
swan sich einer gibt zu löne
mir ein andern J. v. Fr. 2003.
Vgl. S. LXIX.
1193. S. LXIX.
1199. Auch 970 fehlt das
Subjektpronomen im zweiten
Teile eines zweiteiligen Haupt-
satzes, V. 881 in einem dritten
Teile, V. 806. 808 im zweiten und
dritten. Es war hier also O zu
folgen. Ähnliche Sparsamkeiten
V. 1415 und 1452. Vgl. MüUen-
hoS-Scherer, Denkm. II. 171 und
!217, ferner:
Der scn dem rater sagete,
in der rede im clagete
Grozen shaden vh smacheit, —
Wie mit geicalt sie die stat
heten belegen, den vater bat
Vmme rat . . . L. Kr. 6532.
Anders beurteile ich 1239: da
ist die Parenthese 1237 zwischen
die beiden parallelen Satzglieder
geschoben.
1208. S. XIX. 1224. Vgl.902A.
1229/30. S. XXX. 1229'>b. S.
XLVIII und LXII f.
1229 b. habe = Meer, (nicht =
Hafen) vgl. do er nu stiez abe
und hin nior üf der wilden habe
Heinrich v. Freiberg, Tristan 1563.
von dannen si kaenien üf der
habe und ivolden wider ze lande
Ulrich V. Eschenbach. Wilh. v.
Wenden, V. 4468. Vgl. DWb.
unter Haff.
12.34. S. LXX.
1239. Vgl. 1199 A. wedirsyW
stammt aus V. 1241. sich *W0
kann ich nicht erklären.
1242'43. S. XLIII. 1242. S. XIX.
1269. nw Pfeiffer, ng W.
1276 ff. S. XCVII.
1276. Für den Reim von 0
spricht auch Ludw. Kr. 1640:
Lüfe, die anevechten die
vhtagelichen mrten sie, vgl. 2468.
1280 ff. S. LXXXVI.
1284. offenbar] Das Adjektiv
ist im Schlesischen ohne Umlaut,
vgl. offenbar : schar L. Kr. 4272,
Rückert S. 24, auch die Anm. zu
395 und 671. 0 stellt den Reim
her durch Auslassung des aldar.
Dagegen fehlten 1298a und aldar
1299 schon in *W0, und 0
schafft einen neuen Reimvers.
1291. S. LXIX und XCVII.
1298a. Vgl. 1284 A. und S. LXX.
1308. Nach diesem Reime
schreibe ich geren in I (vgl.
geren : enpe^-en, geschrieben gerne :
enperne, L. Kr. 658), nach ste?-n :
gern 413 dagegen in II gerne.
1314 ff. S. LXXVIL
1319. wi] Vd. 332 A.
1320 f. S. XLIV.
1321. gelaubet 0 neben gc-
glewbit W zeigt, daß das Präfix
noch in Kraft ist. Ich habe also
überall seine volle Form gesetzt,
trotzdem WO (293. 481. 1261.
1289. 1362) synkopieren; außer,
wegen des Metrums, in V. 1261
(vgl. die Vorbemerkungen zum
Texte). Über die starke Fest-
haltung des e besonders Rückert
S. 198.
64 Anmerkungen und Nachweis der besprochenen Stellen.
1338 ff. L. daz mer teil der naht
tzu gote in voller and acht
Vor daz volc sin gebet
mitsvzem hertzen er tet L. Kr. 4968,
vil innedlchen er daz hat Br. 1843.
Vgl. S. LXXXV.
1346/47. Die Herstellung nach
355. mich W ist bezeichnend da-
für, dafä der Schreiber das auch
als Genitiv empfindet : vgl. 50 A.
1351 . Icunigin hat das Epitheton
edele V. 185. 495. 765, ist ohne
Epitheton 1145; kuniginne mit
edele 753. 1120, ohne Epitheton
84. 2-21 ([kusche] kunigin 104).
kunigin > kunigin fin im Reime
V. 1145, perlin > ^J. fin 608,
Tffl. 118.
1363—1403. S. XXXlVf. und
LXIIf. 1364. Vgl. 548 A. 1379 f.
S. XL VII.
1382. iz were werc oder ivort
Joh. V. Fr. 6152.
1387. Nach degne W habe ich
die Flexion des sw. Akk. Sing.
Fem. beim Adjektiv überall her-
gestellt: s. 124. 248 u. ö. Vgl.
412 A und Rückert S. 245.
1388-95. S. XLVIf.
1391 wüßte ich nicht zu er-
gänzen, hunden W scheint mir
Glosse zu winden, das als Wind-
hunden verstanden war: es ist
derselbe Irrtum, der aus wölken
1390 Volke gemacht hat und durch
weiden 1389 verursacht ist: der
Schreiher dachte an eine Jagd.
Vgl. S. LXIV.
1402. Vgl. also : ünvrö B. 229;
es ist demnach ein doppeltoniges
also neben also diso alse als an-
zusetzen : vgl. 207. 497. 618. 1048.
1406. ledist W = Itdest: über
diese Bildung der 2. Sing. Praet.
mit Pluralvokal und neuer En-
dung s. Rückert S. 257 f. Das d,
den Konsonanten der ersten Ab-
lautstufe, übernehme ich aus W,
weil da sonst d und t i. a. nicht
vermischt sind.
1418 ff. S. LXXXV. 1425f. S.
LXXXV.
1430,31. bischofe und capellan
stehen äirö koivoü, sind zugleich
Aküusative und Nominative.
1437. S. LXXVII. 1440 f. S.
LXXVII und LXXXV.
1450. (Vgl. 351) sueze (Adj):
imeze B. 73, svze (Adj. oder Adv.):
fiize L. Kr. 4556. Sg ^ju«ife?t do
die süessen An henden vnd an
f Hessen Marg. 579 (ZfdA. I. 152).
1454. L. Kr. schheßt V. 8182:
Hie hat diz buch ein ende,
got V/IS in daz hymelriche sende.'
1456/57. S. XLIII.
1456. Nur hier haben wir eine
oblique Foi'm von Oswalt im
Reime. Im Versinnern wechselt
W, z. B.: Oswalden Gen. 1300,
Dat. 1101, Akk. 1183. Ostvalt
Dat. 1251, Akk. 1421, in II nur
Osivalt: Dat. 665, Akk. 472.
1458/59. S. XXXV und LXIIf.
S. XXVIII am Rande: lies
528/29 statt 528/29 de.
S. XXXI am Rande: lies
703—16 statt 703—15.
S. XXXII Zeile 8 und am Rande :
lies 1179ab statt 1178ab.
S. LXVII. Noch näher steht
B. 249 ff.:
Der ritter sprach: 'vroiuve min,
herze hrehen, sunne scMn,
Von reinen siten edeliu rruht . .
271 ff. Do sprach aber der ritter
[guot :
vronwe min, des meijen hlnot,
Ganzer vröuden eine blik
du bist der suezen minne strik,
DCt bist ein sumer tokke.
S. LXXXVIII. Diese Kombi-
nationen erhalten die erfreulichste
Gewähr durch die Mitteilungen
des Herrn Regierungsbaumeisters
Grütter, der in den Jahren 1908/9
jene Renovierung geleitet hat.
Danach ergibt der bauliche Be-
fund, daß die Kirche (der Turm
wird wohl aus dem 16. Jahrhundert
Aiiineikunt'eii und Niuhweis der besprochenen Stellen. ii')
>tammen, und 178S ist sie ver-
län^'ort) 'höchstwahrscheinlich um
das Jahr ]:>U0 erbaut isf.
S. Xr.UI.i Eine gute Bestäti-
i-'ung dieser Ansichten gibt mir
jetzt (oder jrab mir schon auf der
Posener FhiloloLrenversammlunj;)
V. Unwerth, 'Das Entwicklungs-
gebiel der schlesischen Muntiarf
in der Testschritt zurJahrhundorl-
leier der Kgl. Universität zu Bres-
lau', hrsg. von Th. Siebs, Breslau
1011. Dort heilit es S. 158: 'Die an-
geführten gemeinschlesisclien Er-
scheinungen lassen sich nicht so
erklären, dafs alle Besiedler des
weit ausgedehnten Gebietes zu-
fiillig in allen diesen Punkten
sprachlich übereingestimmt hät-
ten. Es muß vielmehr ange-
nommen werden, daß hier ein-
mal ein Ausgleichungsprozeß vor
sich gegangen ist, bei dem ge-
wisse grammatische Grundzüge
einer — sei es von außen mit-
gebrachten, sei es in einem Teil-
gebiet bereits durch Ausgleich
entstandenen — Mundart sich
allgemein durchgesetzt haben.
Damit gestaltet sich aber die
Frage nach dem Zusammenhang
von Dialekt und Besiedelungs-
geschichte ganz neu. Sie lautet
nicht mehr : aus welchen Gegenden
und zu welcher Zeit sind die Be-
siedler der verschiedenen schle-
sischen Dialektgebiete einge-
wandert? sondern: auf welchem
Gebiet und wann hat sich die
durchgängige Annahme der-
jenigen Dialekteigentüinlichkeiten
vollzogen, die als gemeiiiscblesisch
bezeichnet werden können?' Ob
ich sie richtig beantwortet habe,
muß erst die oben angeregte
Prüfung ergeben. Die Aufgabe,
die voraushegende Verschieden-
heit zu registrieren und nach
der Besiedlungsgeschichte zu be-
fragen, bleibt natürlich bestehen,
ist nur zeitlich zurückgeschoben.
Daß die Gemeuisamkeit um 1250
noch nicht durchgegriffen hatte,
macht V. Unwerth S. 175 f. an
der Sprache der 1250 branden-
burgisch gewordenen lebusischen
Grenzgebiete schon jetzt wahr-
scheinlich und nimmt (wie ich)
das 14. Jahrhundert für die Neu-
gestaltung in Anspruch. So
kommt er auf dem meinen ent-
gegengesetzten Wege dazu, eine
eingehende Untersuchung der
älteren schlesischen Schriftdenk-
mäler zu fordern.
S. XCVI. Vgl. jetzt: Gusinde,
Konrad von Heinrichau und die
Bedeutung der altschlesischen
Vokabulare für die Mundarten-
forschung und Volkskunde, in
der eben genannten Festschrift
S. 374 ff.
--Ä--
Bacseckc, Wiener Oswald.
66
Sachregister.
Adverbia, emphatische und ihre
Betonung XL.
Alexius Xl'il. XVI.
AUiteration XLVI f.
Altencampen IG. Gl.
Altvätersprüche XGVII.
Apokoinu-Stü XLVIIf.
Arnestus v. Prag XGIV.
Augustiner XGIV.
Barlaam und Josaphat XGIV.
Benediktiner XGV.
Berg in Zütphen, Grafen von Gf.
Bilwissenrezept XV f.
Bolko I V. Münsterberg LXXXIX.
XGV.
Bolko II V. Münsterberg LXXXIX ff.
XGVIII. GIV. GVL .
'Borte' XG ff. GIV.
Brandan LXXXVf.
Chorin Gl.
'Ghronica Polonorum' XCYl.
Conrad v. Canth XGIV.
Conrad v. Heinrichau XCVI.
Crummendorf LXXXVIII und
Anm. XGV. GVL
Dialekt: böhm. -mährisch XIV f.,
glätzisch LXXXVII f., ripuarisch
LXXXVII. XGIX, v!?l. Schlesien.
Dietrich v. Glatz XCf. GIII.
Diphthongierung, nhd. LXV.
Doberan GL
Dobrilugk GL
Düren G.
Engelbert v. Leubus XGIV.
Frankenstein XGf. XGV.
(xlatz: Besiedlung GII, Dialekt
LXXXVII f., Dietrich v. XGf.
CII, Schulen XCIV.
Glossierungen LXIV.
Grüssau XCY.
Hedwig, Legende der hl. XGIV.
Heinrich I. von Breslau XGIV.
Heinrich v. Breslau, der Minne-
sänger LXXXIX. GIII f.
Heinrichau LXXXIX. XGV ff..
XGVII ff. GVI ; Liber fundationis
XGV f., GIV.
Henricus de Keppe XlII.
Hulden XGVII.
Isidorus, Explanatio in vetus et
novum testamentum XGIV.
Johannes, König LXXXVf.
Johannes v. Frankenstein XGI.
Johannes IL von Heinrichau XGV.
Johannes nescio quis XIV. GVII.
Johannes v. Predmost XGIV.
Kamenz XGIV f.
Keuschheit XXXIII f.
Kreuziger XGI ff.
Leubus XGIV f. XGIX. GII.
Literatur: s. Schlesien und Zister-
zienser.
Lond GL
'Ludwigs Kreuzzug' LXXXIX.
XGI ff. GIV.
Ludwig V. Medliz XGI.
Sachregister.
67
Margarethe, Passion XIII. XVI.
Mariendiflituni^en LXVI f.
iMedizinische Schrilten XIII. XVI f.
Morolf LXVIl f. LXXXV. CHI.
'Offenbarung von dem irdischen
Paradiese' XCVI, s. auchPusch-
mann.
Orendel LXVII f. CHI.
Orthotiraphie, schles.- böhmische
XIV f. XVI II.
Oswald. Münchener LXVIII f.
LXXVlIIff., Pr.*znLXXVIIIff.;
Oswaldmüiizen C f.
Osterspiel LXIX f. (Heimat), XCII.
Paradies, Kloster CIL
Passion, deutsch XCVI.
Patricii, 'Von dem Fegefeuer'
XCVI.
Peter v. Patschkau XCI.
Pforta XCIX. Clf.
Priment CIL
Psalmen des Petrus v. Patschkau
XCI f., Trebnitzer XCI. XCIII.
Puschmann, Arnold und Henrich
XCVII.
Rhythmuswechsel XLVIII.
Ringeigenschaften, wunderbare
XXXIIL LXVIII.
Satzbetonung, altd. XXXVIII ff.
Schlesien: Besiedlung XCIII. CHI,
Dialekt (und ürthograi)hie)
XIV f. XX. LXlVf. LXIX.
LXXXVII f. XCIII. XCVII,
Heimat der Besiedler nach der
Sprache XCIII und Anm., Lite-
ratur LXXXIX— XCIV. XCVI f.
CHI, Wissenschaft XCIV und
Anm.
Sibyllen-Weissagung LXIV f.
Spielmannsepos, Art der Über-
lieferung CV.
Tundalus LXXXVI. XCVI f.
Tzioner v. Romsberge LXXXVIII.
Variationssysteme XLVI ff.
Veronica XHI. XVI.
Vögel, schattende LXXXVI f.
Walkenried XCIX. CL
Wilhelm v. AVeidenau XCI.
AVongrowitz CL
Zisterzienser und ihre Kolonen
XCIV ff-. XCIX ff'., ihre Literatur
XCVI ff. CIL
Zug, Oswaldüberlieferung in C.
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